Unterwegs

von Pandora02
GeschichteDrama / P16 Slash
Clark Kent Lex Luthor
05.11.2008
08.04.2011
12
27282
1
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Titel: Unterwegs
Pairing: Clark / Lex
Warning: Spoiler für große Teile von Staffel 3. Insbesondere für 4-Slumber, 8-Shattered, 9-Asylum und 19-Memoria
Summary: Lex wollte nur die Wahrheit - doch die schlägt härter zu als erwartet

A/N: Aaaah! Bevor meine Technik noch völlig den Geist aufgibt, fange ich mal schnell mit dem Posten des Prologs an. Begonnen habe ich dies schon vor Jahren, enden will ich es bald ;-)
Es wird dramatisch und eher länger, soviel kann ich versprechen. Der Krempel beruht wieder mal auf ganz konkreten Canon-Ereignissen, siehe Warnings. Ausführlicheres weiter unten.  Sagen wir mal, es schadet nicht, den entsprechenden Storybogen zu kennen, ist aber nicht absolut vonnöten.

Liebste Grüße an alle Clex-Fans! *wink*
Pandora

~ ~ o ~ ~

Canon-Vorgeschichte: Staffel 3: Lex hat durch die unfreiwillige Elektroschocktherapie in der Anstalt Belle Reve Teile seines Gedächtnisses verloren. Er weiß nicht mehr, dass Lionel vor langer Zeit seine Eltern ermorden ließ, dass er, Lex, Clarks Kräfte gesehen hat, dass Clark mehrere Versuche unternommen hat, ihn aus Belle Reve zu retten. Der Versuch, die Erinnerungen durch Dr. Garners riskante Kryptonittherapie wieder zu bekommen, schlug fehl. Was er jedoch wiedererlangt hat, sind alte Erinnerungen aus seiner Kindheit. Bisher hatte er in dem Glauben gelebt, den Tod seines jüngeren Bruders Julian verschuldet zu haben...

Den Dialog des Prologs habe ich schamlos aus "Memoria" geklaut (kursiv = Originaltext) und ausgebaut. Meine Version der Hintergründe und Effekte findet direkt im Anschluss an diese Szene zwischen Lex und Lionel statt.

Der Titel wiederum ist geklaut von Jack Kerouacs Meisterwerk „Unterwegs“,  einem Klassiker der amerikanischen Beat Generation.


~ ~ o ~ ~


Unterwegs


„ ... hatte ich ein Vergnügen daran, mir die seltsamen Qualen eines Menschen vorzustellen, der gern gestorben wäre, jedoch vom Tode verschmäht wurde.“


aus: Yukio Mishima - Geständnis einer Maske (1949)

~ ~ o ~ ~



Prolog


„Ich war’s nicht.“

Trotzig hingerotzt wie eine Anschuldigung hing der Satz im Raum, ausgesprochen mit der Arroganz der Gewissheit. Eine Gewissheit, die Lionel nicht teilte, wie sein mattes Seufzen deutlich machte. So oft schon hatten sie diese Diskussion geführt. Dass Lex jetzt schon wieder das leidige Thema auf den Tisch brachte, verdarb Lionel sogar den Triumph über Doktor Garners ‚bedauerliche Indisposition’. Womit hatte er nur diesen Schwächling von Sohn verdient, der auch nach über zehn Jahren nicht in der Lage war, der Realität ins Auge zu sehen?

"Lex, ich verstehe, dass du für deine Tat Entschuldigungen finden musst, aber...“ Lionel machte eine Pause, runzelte die Stirn, als er sich die Szene von damals ins Gedächtnis zurückrief. Sie war dort tiefer eingebrannt als er zugeben würde. „Aber ich hab’ dich gesehen. Ich habe gesehen, wie du dich über Julians Bettchen gebeugt hast, aber... das gehört der Vergangenheit an.“


Lionel war müde und deshalb in der Stimmung, über diesen neuerlichen Fauxpas gnädig hinwegzusehen. Die kleinen Metallkugeln auf dem Schreibtisch klickten leise aneinander. Tick... tick... tick... Hörbar gemachte Sekunden.

„Mom hat’s getan.“

Ganz offensichtlich hatte Lex nicht die Absicht, das Thema ruhen zu lassen. Lionel hörte das unterdrückte Zittern in der Stimme seines Sohnes. Was redete der Junge jetzt nur wieder für einen Schwachsinn?

„Er war schon tot, als ich dazu kam. Das hab’ ich verdrängt.“

„Was erlaubst du dir?“, entrüstete sich Lionel, so überrascht von der Impertinenz seines Sohnes, dass er vergaß, darüber erleichtert zu sein, dass es nicht Belle Reve war, woran Lex sich wieder erinnerte. „Du wirst das Andenken an deine Mutter nicht in den Schmutz ziehen!"

„Ihr werfe ich nichts vor, sondern dir.“


Wie konnte Lex nur so verdammt arrogant sein, während er sich benahm wie ein Kind? Wut stieg in Lionel auf.

„Was ist das für ein Blödsinn? Deine Mutter hat Julian geliebt. Sie hätte ihrem eigenen Sohn niemals etwas antun können. Sie hat ihn geliebt!“

Lex’ Blick war kalt, als er entgegnete: „So sehr, dass sie nicht wollte, dass er zum Opfer deiner speziellen Erziehungsmethoden würde.“

So wie ich.


Unausgesprochen hing dieser Zusatz in der Luft. Lex musste ihn nicht laut artikulieren. Seine Worte waren auch ohne ihn wie eine Ohrfeige, und Lionel brauchte einen Moment, um sich davon zu erholen. Die Wut blieb. Schon hatte er seinen Mantel gegriffen, um erbost aus dem Büro zu stürmen - er würde sich nicht länger diesen Unsinn anhören! - da meldete sich eine leise Stimme in seinem Kopf zu Wort. Warum? Sicher, Lex war emotional, in der Hinsicht war er viel zu sehr nach seiner Mutter geraten, aber man konnte ihm nicht vorwerfen, unlogisch zu sein. Warum das Ganze? Hatten die Experimente doch Schäden hinterlassen? Der Mantel landete wieder auf dem makellosen schwarzen Ledersessel. Er würde seinem Sohn eine letzte Chance geben. Da er Lionel Luthor war, klang sie wie eine Drohung:

„Also schön, Lex, wieso hättest du mir weismachen sollen, dass du der Mörder warst?"


Lex' Antwort kam prompt: „Weil ich dein letzter Stammhalter war, Dad. Ich wusste, dass du mir nichts antun würdest. Aber Mom. Du hättest sie grausam abgeschlachtet.“

Was?

Nein! Nein, das konnte nicht wahr sein! Es konnte einfach nicht wahr sein, was Lex sagte.

Und doch...

Lex’ Augen blickten ihn anklagend an. Warum sollte ich lügen?, sagten sie. Und tatsächlich, warum sollte er? Seine Worte waren hart und kalt, aber es waren nicht die verblendeten Worte eines Kindes. Sie ergaben einen Sinn. Auf eine schreckliche Art und Weise.
Lillian war schwach gewesen in ihrer sentimentalen Liebe für Lex. Lionel hatte immer vermutet, dass ihre offen zur Schau getragene Gleichgültigkeit gegenüber dem Baby Julian nur einer postnatalen Depression entsprungen war, die vorübergegangen wäre, hätte nur die Zeit dazu gereicht.

Zeit.

Mit dem Ticken der Sekunden bröckelte Lionel Luthor seine Vergangenheit unter den Händen weg. Er hatte Lex jahrelang für etwas bestraft, das er nicht getan hatte.

Tick... tick.. tick...

„Ich... wenn ich gewusst hätte, dass... wenn ich begriffen hätte...“

„Was dann?“
, fragte Lex unerbittlich.

Lionel war klar, dass sein Sohn die Antwort kannte, dass sein harter Tonfall Teil eines Schutzwalles war, der seit Jahren Lex’ Herz umgab. Etwas, das er von seinem Vater gelernt hatte. Guter Junge... Mit seinem Schweigen zwang Lex ihn, es auszusprechen:

„Dann wäre unser... Verhältnis... ganz anders gewesen.“

Es war ganz einfach. Nur ein paar lose aneinandergereihte Worte, ein simpler Satz, der an seinen Sprecher keine außergewöhnlichen grammatikalischen oder phonetischen Anforderungen stellte. Doch die Worte kosteten Lionel Luthor unendlich viel Kraft, denn sie waren das Eingeständnis eines Fehlers. Luthors machen keine Fehler. Ebensowenig entschuldigten sie sich.

„Ja, Dad. Du hättest mich vielleicht sogar geliebt.“

Die Bitterkeit blieb Lionel nicht verborgen. Einen Moment lang hielt Lex die Schilde gesenkt, gewährte seinem Vater einen Blick auf sein Inneres, so nackt und verletzlich und roh, dass die leiseste Erschütterung ausreichen mochte, um aus ihm entweder ein Wrack oder einen Wahnsinnigen zu machen. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, dachte Lionel, ich kann ihm immer noch zeigen, dass ich ihn liebe. Er sah, wie sein Sohn schluckte, und er legte seine Hände auf dessen Schultern, in dem Versuch, ihn zu besänftigen, obwohl er selbst zitterte.

„Ich... ich...“

„Nein.“
Lex schüttelte seinen Griff ab. „Nein!“

Und Lex verschwand. Einfach so. Ohne ein weiteres Wort. Offensichtlich war er stärker, als Lionel es ihm zugetraut hatte.


tbc.
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