ALONE IN THE NIGHT

KurzgeschichteRomanze / P12
Ben Evans Meg Cummings
03.11.2008
23.03.2014
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Was wäre aus SUNSET BEACH und vor allem aus Ben und Meg und ihrer Internetromanze geworden, wenn Aaron Spelling damals zwar die Idee, aber nicht die Zeit gehabt hätte, eine Serie zu präsentieren, die drei Jahre lang läuft?
Vielleicht "nur" ein Spielfilm?
Hier ist eine Story, die beschreibt, wie es vielleicht hätte sein können, wenn S.B. und Dorothy einander eher gefunden hätten.


ALONE IN THE NIGHT beginnt dort, wo Meg in ihrer ersten Nacht in Sunset Beach allein auf dem Pier steht und nicht weiß, wie es weitergehen soll.
(Sunset Beach, Episode 2)
Kleiner Hinweis:
Wer die Originalfolgen nicht kennt, sollte vielleicht MAGIC MOMENTS zum besseren Verständnis vorher lesen.



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MEG

Es war Vollmond.
Ein leichter Wind wehte von Anaheim kommend über die Bucht von Sunset Beach bis hinüber zum Pier und säuselte leicht vor sich hin, als würde er Zwiesprache mit den Wellen halten, die sich unaufhörlich aus der Endlosigkeit des Ozeans schälten und mit einem leisen Rauschen dem nahen Strand entgegenrollten.
Das fahle Mondlicht spiegelte sich im Wasser, und seine matten Lichtstrahlen zerbarsten in Millionen leuchtende Diamantensplitter, die mit den nimmermüden Wellen um die Wette zu tanzen schienen.
Die Touristen behaupteten zuweilen, der Mond wirke hier doppelt so groß wie anderswo. Wie ein riesiger fremder Planet zog er langsam seine gewohnte Bahn über dem Meer und tauchte alles ringsum in einen geheimnisvollen, mystischen Schein.

Sie nahm von alldem nichts wahr.
Um sie herum schien es nichts anderes zu geben als Wind, Wellen, dunkle Nacht und - schmerzende Einsamkeit.
Sie stand auf dem Pier, und ihre Hände umklammerten das hölzerne Geländer, als wäre es momentan der einzige Halt in ihrem völlig durcheinandergeratenen Lebens, während sie gedankenverloren hinunterstarrte in die Schwärze des Ozeans, in dem die Mondlichtfünkchen unermüdlich aufblitzten und wie namenlose Kometen im Wasser verglühten.
Was hatte sie nur getan!
Heute Morgen war ihre kleine, wohlgeordnete Welt noch in Ordnung gewesen, und das wäre wohl auch so geblieben, wenn Tim, dieser Schuft, sie nicht so schamlos betrogen hätte.
Noch dazu mit ihrer besten Freundin…
Beinahe hätte sie diesen Bastard geheiratet und sie wären jetzt bereits auf ihrer Hochzeitsreise nach Miami.
Stattdessen war sie nun hier – in Sunset Beach, der Heimatstadt von S.B., ihrer heimlichen Internetromanze. Ein verächtliches Seufzen löste sich von ihren fein geschwungenen Lippen.
Tolle Romanze!
Nachdem sie vorhin im Internet-Café seine letzte Mail gelesen hatte, war ihr eines schmerzlich bewusst geworden: S.B. war keinen Cent besser als Tim!
Dabei hatte sie doch immer das sichere Gefühl gehabt, dass dieser Mann, von dem sie nichts weiter kannte, als seine Initialen im Internet, sie besser zu verstehen schien als alle anderen, die sie kannte. Kurz bevor sie sich am Morgen auf den Weg zur Kirche gemacht hatte, waren es seine Zeilen gewesen, die ihr Zuversicht gegeben und ihre letzten Zweifel zerstreut hatten:
„Wenn du mal total fertig bist, oder durchgedreht, oder einfach nur reden willst, weißt du ja, wo du mich findest…“
Und nun hatte sie erfahren müssen, dass kein Wort davon ernst gemeint war.
S.B. wollte sie hier nicht haben.
Was er ihr geantwortet hatte, als sie ihm mailte, dass sie bereits auf dem Weg hierher sei, das war eine deutliche Abfuhr gewesen:
„Bleib in Kansas, Dorothy! Ich wollte nie, dass du nach Sunset Beach kommst. Versuche nicht, mit mir persönlich oder übers Netz Kontakt aufzunehmen. S.B.“
Leider hatte seine Nachricht sie vor einer Stunde erst erreicht.
Vorhin, als sie am Strand gestanden und diesen fantastischen Sonnenuntergang beobachtet hatte, war sie trotz allem, was heute geschehen war, noch voller Illusionen gewesen. Inzwischen schienen diese Träume mitsamt der untergehenden Sonne im Meer versunken zu sein…
Sie war allein.
Alles, was ihr bisher vertraut gewesen war, ihr Heimatort, ihre Familie und ihre Freunde, all das war tausende Meilen von hier entfernt.
Diese Erkenntnis traf sie plötzlich mit einer Härte, die ihr die Tränen in die Augen trieb und sie schaudern ließ. Allein in einer völlig fremden Welt, von der sie so gut wie gar nichts wusste, und die zur Hälfte nur eine Wunschvorstellung von ihr gewesen war, entstanden aus Sehnsucht und Träumen, niedergeschrieben in unzähligen Mails mit S.B. im Internet…
Aber es war zu spät dafür, jetzt noch umzukehren, und das wollte sie auch gar nicht.
Diese Blöße würde sie sich nicht geben, nicht vor sich selbst, und auch vor keinem anderen, auf gar keinen Fall. Sie war hier in Sunset Beach, und sie würde erst einmal bleiben, ob nun mit oder ohne Hilfe von S.B. …



BEN

Obwohl er nach einem langen Arbeitstag eben erst nach Hause gekommen war, und es bereits auf Mitternacht zuging, fand Ben keine Ruhe. Rastlos wanderte er in der modern eingerichteten, hellen Wohnstube seines großen Strandhauses hin und her, ohne sich die Mühe zu machen, erst einmal seine Jacke auszuziehen.
Es war diese fremde junge Frau, die ihm einfach nicht aus dem Kopf ging.
Es musste schon mehr als nur ein Zufall sein, dass er ihr gleich dreimal an einem Abend begegnet war, und jedes Mal in Situationen, die man nicht alle Tage erlebte.

Zuerst dieser legendäre Sonnenuntergang am Pier…
Sie hatte einfach da am Strand gestanden und zu ihm herübergeschaut, und er vermeinte noch immer jenen besonderen Augenblick zu spüren, als sein Blut urplötzlich wie flüssige Lava durch seine Adern schoss, nachdem sich ihre Blicke für Sekunden trafen.
Diese unerwartete Reaktion verunsicherte ihn, er hatte sich umgedreht und war einfach weggegangen, einmal mehr auf der Flucht vor sich selbst und seinen  zwiespältigen Gefühlen.
Später sah er aus der Ferne, wie jemand vom Pier ins Wasser stürzte und rannte los, um zu helfen. Er hörte die Sirenen des Lifeguard-Turmes, sah, wie sich Rettungsschwimmer Casey in die Fluten stürzte, um kurz darauf mit Hilfe seines Kollegen Michael den Verunglückten zu bergen.
Daraufhin hatte er sich einen Weg durch die neugierige Menge gebahnt und musste erschrocken erkennen, dass es die unbekannte, junge Frau von vorhin war, die dort lag, bewusstlos, triefend nass, das schmale ebenmäßig schöne Gesicht eingerahmt von ihrem schulterlangen, dunklen Haar, leichenblass, wie tot…
Mit angehaltenem Atem kniete er neben Casey und beobachtete, wie der erfahrene Rettungsschwimmer versuchte, die Verunglückte wiederzubeleben.
Ein eisernes Band aus Angstgefühlen schien sich zentnerschwer um seinen Brustkorb zu legen, während endlose Sekunden voller lähmender Ungewissheit viel zu langsam verrannen.
Zutiefst erleichtert atmete er auf, als die junge Frau endlich zu sich kam, hustete und versuchte, sich aufzurichten.
Danach hatte man sie sofort ins Medical Center gebracht, und er selbst war nach Hause gegangen, um sich umzuziehen und noch einmal im JAVA WEB nach dem Rechten zu sehen.
Er führte das kleine Internetcafé seit nunmehr über fünf Jahren, genauso wie seine angesehene Nachtbar, das DEEP. Zwei Immobilien, die er sich als erfolgreicher Geschäftsmann neben seiner aktiven Teilhaberschaft in Gregory Richards Immobilienkonzern LIBERTY COOPERATION leistete. Gregory selbst war nicht nur der mächtigste Mann in Sunset Beach, er war auch Bens langjähriger Mentor und Freund, auch wenn die beiden Männer längst nicht in allen Dingen des Lebens einer Meinung waren.
Aber das war eine andere Sache...
Bens Gedanken wanderten wieder zurück zu der unbekannten jungen Frau.
Im JAVA WEB war er ihr vorhin überraschend zum dritten Mal begegnet. Sie hatte ihr leichtes Sommerkleid nach dem Sturz vom Pier gegen einen dicken Strickpullover und eine Jeans getauscht und sah trotz allem, was an diesem Abend geschehen war, immer noch faszinierend aus. Süß und verletzlich waren die Worte, die ihm bei ihrem Anblick sofort in den Sinn kamen. Sie saß an einem der Computer und war in ein Gespräch mit seinem Barkeeper Mark vertieft.
Sie wirkte sehr jung, Ben schätzte sie auf höchstens Anfang Zwanzig.
Als er sie da vor dem PC sitzen sah, musste er plötzlich an Dorothy denken.
Dorothy aus Kansas…
Sofort regte sich sein schlechtes Gewissen.
Es war gedankenlos und gemein von ihm gewesen, ihr diese letzte Mail zu senden.
„Bleib in Kansas, Dorothy! Ich wollte nie, dass du nach Sunset Beach kommst. Versuche nicht, mit mir persönlich oder übers Netz Kontakt aufzunehmen. S.B.“
Solch eine Abfuhr hatte sie nicht verdient, nicht, nachdem sie beide sich über das Internet so nahe gekommen waren, wie das virtuell überhaupt möglich war.
Aber es war zu spät, nun konnte er seine Zeilen nicht mehr rückgängig machen.
Vielleicht sollte er ihr noch einmal schreiben, wenn er nachher nach Hause kam und sich erkundigen, wie es ihr inzwischen ergangen war.
Bestimmt hatte sie sich wieder mit ihrem Verlobten versöhnt, und seine Mail bereits vergessen...

Die junge Frau drüben am Computer schien schlechte Nachrichten erhalten zu haben, denn sie wirkte mit einem Mal niedergeschlagen, und Mark versuchte ihr daraufhin gut zuzureden.
„Ich bring` dir etwas zu trinken…“ sagte er schließlich und verschwand in der Küche.
In diesem Augenblick näherte sich ein Mann ihrem Tisch. Er trug schmutzige Jeans und ein eng anliegendes, ärmelloses Shirt, das seine muskulösen Oberarme deutlich zeigte. Sein schwarzes Haar war zu lang und wirkte ungepflegt. Er blieb dicht neben ihrem Tisch stehen und fixierte sein Gegenüber wie ein Raubtier seine Beute.
Sie starrte auf den Monitor und schien ihn gar nicht zu bemerken. Nach ein paar Sekunden beugte er sich vertraulich zu ihr herüber und sprach sie mit anzüglichem Grinsen an.
Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete Ben, wie sie ihn abblitzen ließ. Das schien dem Unbekannten gar nicht zu gefallen, denn er streckte plötzlich die Hand nach ihr aus.
Sie sprang erschrocken auf und wich zurück.
Eine Sekunde später war Ben zur Stelle.
„Verschwinden Sie!“ forderte er den Unbekannten auf, was diesen nicht sonderlich zu interessieren schien.
„Misch dich nicht ein, wenn ich mich mit meinem Mädchen unterhalte!“
Ben nahm sich vor, ruhig zu bleiben.
„Sie ist nicht Ihr Mädchen!“
Der Mann funkelte ihn böse grinsend an.
„Wollen wir wetten?“
Ben sah sie fragend an und bemerkte die Angst in ihren Augen, während sie kaum merklich den Kopf schüttelte.
„Na also.“ nickte er wie zur Bestätigung und wandte sich erneut an den Fremden. „Zum letzten Mal: Raus hier!“
Danach ging alles furchtbar schnell.
Der Unbekannte ballte die Faust und holte aus, als Ben, der den Angriff erwartet hatte, ihn bereits packte. Mit der Schnelligkeit eines erfahrenen Kämpfers nahm er den ungebetenen Gast in den Schwitzkasten und beförderte ihn ohne Umschweife ziemlich unsanft vor die Tür.
Als er sich wieder umdrehte, stand die junge Frau noch immer wie erstarrt.
Ben hob den Stuhl auf, den der Mann umgerissen hatte.
„Alles in Ordnung?“ fragte er besorgt, und nach kurzem Zögern nickte sie benommen.
Zum zweiten Mal an diesem Abend begegneten sich ihre Blicke, und Ben fiel auf, dass ihre Augen von einem einzigartig dunklen Blau waren, wie tiefe, unergründliche Seen…
Doch auch dieses Mal wandte er sich schnell wieder ab und verschwand nach hinten ins Büro, bevor sie Gelegenheit gehabt hätte, irgendetwas zu sagen.

Und nun stand er hier in seinem Wohnzimmer und musste ständig an sie denken.
An sie… und an Dorothy…
Sein Blick wanderte zu seinem Laptop, der auf dem Schreibtisch stand. Er streckte die Hand danach aus und klappte ihn auf, um ihn gleich darauf wieder zu schließen.
Nein… nicht jetzt… noch nicht...
Aber zur Ruhe würde er dennoch nicht kommen, das wusste er ganz genau.
Es gab nur einen Ort, der ihm seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren in solchen rastlosen Nächten half, sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden: der Pier unten am Strand.
Das geheimnisvolle Mondlicht, die rauschenden Wellen, der sanfte Nachtwind und die Einsamkeit um ihn herum, das würde ihm gut tun und ihm helfen, innerlich zur Ruhe zu kommen.
Entschlossen öffnete er die Tür und verschwand erneut hinaus in die Nacht.
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