Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

ALONE IN THE NIGHT

KurzgeschichteRomance / P12 / Het
Ben Evans Meg Cummings
03.11.2008
23.03.2014
3
6.104
4
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
03.11.2008 1.989
 
SUNSET BEACH (1997-99)
ist eine amerikanische Serie, die mit 755 Episoden insgesamt drei Jahre in den USA ausgestrahlt wurde und in sich abgeschlossen ist.
Hier ein paar kurze Worte zum besseren Verständnis:

Ort des Geschehens ist die südlich von Los Angeles an der kalifornischen Pazifikküste gelegene verträumte Kleinstadt Sunset Beach. Die einzigartige Magie einer bezaubernden alten Legende verbindet die Menschen, die hier leben, miteinander. Hoffnungen, Träume, Sorgen und Enttäuschungen werden miteinander geteilt und kein noch so sorgsam behütetes Geheimnis bleibt ewig unentdeckt.
Mitten in diese Kleinstadt platzt Meg Cummings, die junge Frau aus Kansas, die an ihrem Hochzeitstag erfahren muss, dass ihr Verlobter Tim sie betrügt.
Kurz entschlossen lässt sie die Hochzeit platzen, steigt ins nächste Flugzeug und macht sich auf die Suche nach ihrem Internetfreund „SB“, dem sie sich durch seine Mails seit langem verbunden fühlt und von dem sie nur weiß, dass er hier in Sunset Beach lebt.
Das „SB“ aus irgendwelchen Gründen an einer persönlichen Bekanntschaft mit ihr überhaupt nicht interessiert ist, erfährt sie erst später, als sie sich schon mitten im Strudel des Geschehens befindet...
Und da wäre noch Ben Evans, jener gutaussehende junge Mann, der vor einigen Jahren nach Sunset Beach kam und sich hier eine beachtliche Existenz aufgebaut hat. Er lebt allein in seinem Strandhaus und hütet ein dunkles Geheimnis, das ihn belastet und es ihm unmöglich macht, eine neue Liebesbeziehung einzugehen.
Nur Bens Internetfreundschaft zu einer bislang unbekannten jungen Frau namens „Dorothy“ scheint ihm viel zu bedeuten...

*****
***
*

Was wäre aus SUNSET BEACH und aus der Internetromanze zwischen Ben und Meg geworden, wenn Aaron Spelling damals zwar die Idee, aber nicht die Zeit gehabt hätte, eine so lange Serie zu präsentieren? Vielleicht "nur" ein Spielfilm?

Hier ist eine Story, die beschreibt, wie es vielleicht hätte sein können, wenn S.B. und Dorothy einander eher gefunden hätten.

*****
***
*

ALONE IN THE NIGHT beginnt dort, wo Meg in ihrer ersten Nacht in Sunset Beach allein auf dem Pier steht und nicht weiß, wie es weitergehen soll. (Sunset Beach, Episode 2)







MEG

Es war Vollmond.
Ein leichter Wind wehte von Anaheim kommend über die Bucht von Sunset Beach bis hinüber zum Pier und säuselte leicht vor sich hin, als würde er Zwiesprache mit den Wellen halten, die sich unaufhörlich aus der Endlosigkeit des Ozeans schälten und mit einem leisen Rauschen dem nahen Strand entgegenrollten.
Das fahle Mondlicht spiegelte sich im Wasser, und seine matten Lichtstrahlen zerbarsten in Millionen leuchtende Diamantensplitter, die mit den nimmermüden Wellen um die Wette zu tanzen schienen.
Die Touristen behaupteten zuweilen, der Mond sei hier doppelt so groß wie anderswo. Wie ein riesiger fremder Planet zog er langsam seine gewohnte Bahn über dem Meer und tauchte alles ringsum in einen geheimnisvollen matten Schein.

Meg nahm von alldem nichts wahr.
Um sie herum schien es nichts anderes zu geben als Wind, Wellen, dunkle Nacht und - schmerzende Einsamkeit.
Sie stand auf dem Pier und ihre Hände umklammerten das hölzerne Geländer, als wäre es momentan der einzige Halt in ihrem binnen eines einzigen Tages völlig durcheinandergeratenen Lebens. Gedankenverloren starrte sie hinunter in die Schwärze des Ozeans, in dem die Mondlichtfünkchen unermüdlich aufblitzten und wie namenlose Kometen im Wasser verglühten.
Was hatte sie nur getan!
Heute Morgen war ihre kleine, wohlgeordnete Welt noch in Ordnung gewesen, und das wäre sicherlich auch so geblieben, wenn Tim, dieser Schuft, sie nicht so schamlos betrogen hätte.
Noch dazu mit ihrer besten Freundin!
Beinahe hätte sie diesem Mistkerl das Ja-Wort gegeben, und sie beide wären jetzt bereits auf ihrer Hochzeitsreise nach Miami.
Stattdessen war sie nun hier – in Sunset Beach, der Heimatstadt von S.B., ihrer heimlichen Internetromanze.
Tolle Romanze!
Nachdem sie vorhin im Internet-Café seine letzte Mail gelesen hatte, war ihr nun schmerzlich bewusst, dass S.B. anscheinend keinen Cent besser war als Tim!
Dabei hatte sie doch immer das sichere Gefühl gehabt, dass dieser Mann, von dem sie nichts weiter kannte als seine Initialen im Internet, sie besser zu verstehen schien als alle anderen, die sie bisher kennengelernt hatte. Kurz bevor sie sich am Morgen auf den Weg zur Kirche gemacht hatte, waren es seine Zeilen gewesen, die ihr Zuversicht gegeben und ihre letzten Zweifel zerstreut hatten:

„Wenn du mal total fertig bist, oder durchgedreht, oder einfach nur quatschen willst, weißt du ja, wo du mich findest.“

Und nun hatte sie erfahren müssen, dass kein Wort davon ernst gemeint war.
S.B. wollte sie hier nicht haben.
Was er ihr geantwortet hatte, als sie ihm mailte, dass sie bereits auf dem Weg hierher sei, das war eine deutliche Abfuhr gewesen:

„Bleib in Kansas, Dorothy! Ich wollte nie, dass du nach Sunset Beach kommst. Versuche nicht, mit mir persönlich oder übers Netz Kontakt aufzunehmen. S.B.“

Leider hatte seine Nachricht sie vor einer Stunde erst erreicht.
Vorhin, als sie am Strand gestanden und diesen fantastischen Sonnenuntergang beobachtet hatte, war sie trotz allem, was heute geschehen war, noch voller Illusionen gewesen. Inzwischen schienen diese Träume mitsamt der untergehenden Sonne tief im Meer versunken zu sein.
Sie war allein.

Alles, was ihr bisher vertraut gewesen war, ihr Heimatort, ihre Familie und ihre Freunde, all das war tausende Meilen von hier entfernt.
Diese Erkenntnis traf sie plötzlich mit einer Härte, die ihr die Tränen in die Augen trieb und sie schaudern ließ. Allein in einer völlig fremden Welt, von der sie so gut wie gar nichts wusste und die zur Hälfte nur eine Wunschvorstellung von ihr gewesen war, entstanden aus Sehnsucht und Träumen, niedergeschrieben in unzähligen Mails mit S.B. im Internet.
Aber es war zu spät dafür, jetzt noch umzukehren, und das wollte sie auch gar nicht.
Diese Blöße würde sie sich nicht geben, nicht vor sich selbst, und auch vor keinem anderen, auf gar keinen Fall. Sie war hier in Sunset Beach, und sie würde erst einmal bleiben, ob nun mit oder ohne Hilfe von S.B.


BEN


Obwohl er nach einem langen Tag in der Firma eben erst nach Hause gekommen war und es bereits auf Mitternacht zuging, fand Ben keine Ruhe. Rastlos wanderte er in der großen geschmackvoll eingerichteten Wohnstube seines modernen Strandhauses hin und her, ohne sich die Mühe zu machen, erst einmal seine Jacke auszuziehen.
Es war diese fremde junge Frau, die ihm einfach nicht aus dem Kopf ging.
Es musste schon mehr als nur ein Zufall sein, dass er ihr gleich dreimal an einem Abend begegnet war, und jedes Mal in Situationen, die man nicht alle Tage erlebte.

Zuerst dieser legendäre Sonnenuntergang am Pier…
Sie hatte einfach am Strand unter dieser Palme gesessen und zu ihm herübergeschaut, und er vermeinte noch immer jenen besonderen Augenblick zu spüren, als sein Blut urplötzlich wie flüssige Lava durch seine Adern schoss, nachdem sich ihre Blicke für Sekunden trafen.
Diese unerwartete Reaktion verunsicherte ihn, er hatte sich umgedreht und war einfach weggegangen, einmal mehr auf der Flucht vor sich selbst und seinen Gefühlen.

Später sah er aus der Ferne, wie jemand vom Pier ins Wasser stürzte und rannte los, um zu helfen. Er hörte die Sirenen des Lifeguard-Turmes, sah, wie sich Rettungsschwimmer Casey in die Fluten stürzte, um kurz darauf mit Hilfe seines Kollegen Michael den Verunglückten zu bergen.
Daraufhin hatte er sich einen Weg durch die neugierige Menge gebahnt und musste erschrocken erkennen, dass es die unbekannte junge Frau von vorhin war, die dort lag, bewusstlos, das zarte, ebenmäßig schöne Gesicht eingerahmt von ihrem nassen dunklen Haar.
Mit angehaltenem Atem kniete er neben Casey und beobachtete, wie der erfahrene Lifeguard versuchte, die Verunglückte wieder zu beleben.
Ein eisernes Band aus Angstgefühlen schien sich zentnerschwer um seinen Brustkorb zu legen, während endlose Sekunden voller lähmender Ungewissheit viel zu langsam verrannen.

Zutiefst erleichtert atmete er auf, als die junge Frau endlich zu sich kam, hustete und versuchte, sich aufzurichten.
Danach hatte man sie sofort ins Medical Center gebracht, und er selbst war nach Hause gegangen, um sich umzuziehen und noch einmal im JAVA WEB nach dem Rechten zu sehen.

Er führte das kleine Internet-Café seit nunmehr über fünf Jahren, genauso wie seine angesehene Nachtbar, das DEEP. Zwei Immobilien, die er sich als erfolgreicher Geschäftsmann neben seiner aktiven Teilhaberschaft in Gregory Richards Immobilienkonzern LIBERTY COOPERATION leistete. Gregory selbst war nicht nur der mächtigste Mann in Sunset Beach, er war auch Bens langjähriger Mentor und Freund, auch wenn die beiden Männer längst nicht in allen Dingen des Lebens einer Meinung waren.
Aber das war eine andere Sache...

Bens Gedanken wanderten wieder zurück zu der unbekannten jungen Frau.

Im JAVA WEB war er ihr vorhin zum dritten Mal begegnet. Sie hatte ihr leichtes Sommerkleid nach dem Sturz vom Pier gegen einen dicken Strickpullover und eine Jeans getauscht und sah trotz allem, was an diesem Abend geschehen war, einfach hinreißend aus. Sie saß an einem der Computer und war in ein Gespräch mit seinem Barkeeper Mark vertieft.
Sie wirkte so jung und verletzlich. Ben schätzte sie auf höchstens Anfang Zwanzig.
Als er sie da vor dem PC sitzen sah, musste er plötzlich an Dorothy denken.

Dorothy aus Kansas…

Sofort regte sich sein schlechtes Gewissen.
Es war gemein von ihm gewesen, ihr diese letzte Mail zu senden.

Bleib in Kansas, Dorothy! Ich wollte nie, dass du nach Sunset Beach kommst. Versuche nicht, mit mir persönlich oder übers Netz Kontakt aufzunehmen. S.B.

Solch eine Abfuhr hatte sie nicht verdient.
Aber es war zu spät, nun konnte er seine Zeilen nicht mehr rückgängig machen.
Vielleicht sollte er ihr noch einmal schreiben, wenn er nachher nach Hause kam. Einfach um sich zu erkundigen, wie es ihr inzwischen ergangen war.
Vermutlich hatte sie sich wieder mit ihrem Verlobten versöhnt und seine Mail bereits vergessen.

Die junge Frau drüben am Computer schien schlechte Nachrichten erhalten zu haben, denn sie wirkte niedergeschlagen und Mark versuchte ihr daraufhin gut zuzureden.
„Ich bring` dir was zu trinken“, hörte er seinen Angestellter schließlich sagen, bevor dieser eilig in der Küche verschwand.
In diesem Augenblick näherte sich ein Mann dem Tisch der jungen Frau. Er trug schmutzige Jeans und ein eng anliegendes ärmelloses Shirt, das seine muskulösen Oberarme deutlich zeigte. Sein schwarzes Haar wirkte ungepflegt. Er stützte sich mit den Händen auf den Tisch und fixierte sein Gegenüber wie ein Raubtier seine Beute. Vertraulich beugte er sich vor und sprach sie mit anzüglichem Grinsen an.
Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete Ben, wie sie ihn abblitzen ließ. Das schien dem Unbekannten gar nicht zu gefallen, denn er streckte die Hand nach ihr aus.
Sie sprang erschrocken auf und wich zurück.

Eine Sekunde später war Ben zur Stelle. Danach ging alles ziemlich schnell.
Der Unbekannte ballte die Faust und ging zum Angriff über, als Ben ihn bereits packte. Mit der Schnelligkeit eines erfahrenen Kämpfers drehte er dem ungebetenen Gast den Arm auf den Rücken und beförderte ihn ziemlich unsanft vor die Tür.
Die junge Frau stand noch immer bewegungslos da.
Ben ging wieder zu ihr hinüber und hob den Stuhl auf, den der Mann umgerissen hatte.
„Alles in Ordnung?“, fragte er besorgt und sie nickte benommen.
Zum zweiten Mal an diesem Abend begegneten sich ihre Blicke, und Ben bemerkte, dass ihre Augen von einem tiefen dunklen Blau waren. Augen wie Samt…
Doch auch diesmal wandte Ben sich schnell ab und verschwand eilig nach hinten ins Büro, bevor die Unbekannte Gelegenheit gehabt hätte, noch irgend etwas zu sagen.

Und nun stand er hier in seinem Wohnzimmer und musste ständig an sie denken.
An sie - und an Dorothy.

Sein Blick wanderte zu seinem Laptop, der auf dem Schreibtisch stand. Er streckte die Hand danach aus und klappte ihn auf, um ihn gleich darauf wieder zu schließen.
Nein, nicht jetzt. Noch nicht.

Aber zur Ruhe würde er dennoch nicht kommen, das wusste er ganz genau.
Es gab nur einen Ort, der ihm seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren in solchen rastlosen Nächten half, sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden:
Der Pier unten am Strand.
Das fahle Mondlicht, Wellen, Wind und Einsamkeit um ihn herum, das würde ihm gut tun.

Entschlossen öffnete er die Tür und verschwand erneut hinaus in die Nacht.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast