Die vergessenen Gefährten

GeschichteRomanze / P16 Slash
Da´an Liam Kincaid Ronald Sandoval Zo´or
02.11.2008
04.04.2009
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Über 2100 Jahren vor dem ersten Besuch des Mutterschiffes in der Umlaufbahn der Erde:

Da'an seufzte schwer und lenkte so die Aufmerksamkeit seines Elters Ma'el auf sich, der ihn prüfend musterte.
"Was ist Da'an? Du wirkst heute so trübsinnig..."
Der junge Tealon warf dem Forscher einen abschätzenden Blick aus großen blauen Augen zu und schien zu überlegen.
Da'ans Schönheit war vor kurzem zu einem Fluch geworden, dass wusste Ma'el.
Es waren erst ein paar Tage vergangen, seit sich dieser im Katam befand, doch es hatte gereicht, um einen riesen Aufruhr im Gemeinwesen zu verursachen.
Jeder wollte der Partner des Tealons werden, doch der hatte sich bis zu letzt geweigert einen der zahlreichen Werber zu erwählen und so hatte die Synode entschieden.
"Ich verstehe nicht, warum mich die Synode dazu zwingt ein Kind mit jemandem zu zeugen, der nicht mein Gefährte ist..."
Der Forscher seufzte leise.
"Warum sagst du nicht einfach, wer dein Gefährte ist? Wovor hast du Angst? Kein Tealon würde dich abweisen!"
Sein Kind wirkte mit einem Mal verunsichert.
Niemand kannte den Grund für Da'ans Geheimniskrämerei und Ma'el hätte den Grund zu gerne gewusst.
"Versprichst du mir es niemanden zu verraten?"
Der ältere Tealon nickte langsam.
"Es ist kein Tealon..."
Ma'els Kopf schoss in seine Richtung.
"Wie bitte?"
Da'an senkte beschämt sein hübsches Gesicht.
"Als ich in der Nacht, bevor ich ins Katam kam, meditierte, sah ich sein Gesicht und es war nicht das Gesicht eines Tealon. Bitte Ma'el, verachte mich nicht deswegen! Ich wollte das alles nicht!"
Sein Elter hob beschwichtigen seine Hand und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.
"Man sucht sich seinen Gefährten nicht aus. Ist es ein Jaradian, mein Kind?"
Die Augen des jungen Tealon weiteten sich geschockt und mit einem Hauch von Ekel schüttelte er angewidert den hübschen Kopf.
"NEIN!"
Jetzt hatte vollends Ma'els Neugierde geweckt.
"Was ist er dann?"
Da'an erhob sich und holte einen Zeichenblock aus der Umhängetasche, die er immer bei sich trug.
Vorsichtig schlug er ihn auf und reichte ihn zögerlich an den Forscher weiter.
Überrascht warf der einen neugierigen Blick auf die fein ausgearbeitete Zeichnung.
Es kam selten vor, dass ein Tealon genug mentale Stärke besaß und einen dermaßen klaren Blick auf den eigenen Gefährten erhaschen konnte, die Meisten von ihnen sahen nur Umrisse und Konturen des Gefährten.
Ehrfürchtig fuhren seine Blicke über das Portrait, das sein Kind gezeichnet hatte, er hatte schon immer bewundert, was Da'an für beeindruckende Werke zu Papier bringen konnte, wenn man ihm einen Block und ein paar Stifte gab.
Blaue, eisige Augen starrten dem Betrachter abwägend entgegen und ein überhebliches Grinsen zierte das ausdrucksstarke Gesicht.
Ma'el konnte sich einem Schmunzeln nicht erwehren.
Das genaue Gegenteil zu der Gesichtssymetrie des jungen Tealon.
Da'ans Gesicht war weich und zart, das seines Gefährten war hart und kantig.
Wenn er ehrlich war hatte er sich den Partner seines Kindes immer in etwa so vorgestellt, nur die Rasse überraschte ihn.
"Ein Mensch also?", fragte er behutsam.
Der junge Tealon zuckte unschlüssig mit den Schultern.
"Ja und Nein... Ich habe das Gefühl, als wenn da noch mehr wäre!"
Die Unsicherheit und leichte Verzweiflung war wieder da.
Ma'el seufzte leise.
In solchen Momenten wünschte er sich seinen eigenen Gefährten zurück an seine Seite.
Re'gol hätte in solch einer Situation immer die richtigen Antworten und Ratschläge zur Hand gehabt.
Wie sehr er ihn doch vermisste.
Angestrengt versuchte er die aufkommende Wut gegen die Synode zu unterdrücken.
Das machte den Kimera auch nicht mehr lebendig.
Es war Vergangenheit und immerhin hatte er ihr Kind retten können.
Er warf einen zärtlichen Blick zu Da'an.
Das Kind war Re'gol so ähnlich.
Vielleicht sollte er nicht so voreingenommen den Menschen gegenüber sein, wenn Da'an einen der ihren als seinen Gefährten bezeichnete.
Es schien mehr Potential in ihnen zu stecken, als er angenommen hatte.
Nun ja, die Forschungsexpedition, die er zu Erde starten würde, würde es zeigen.


2117 Jahre später:

Da'an seufzte schwer und ließ das Buch, in dem er grade las, endgültig sinken.
Es hatte heute einfach keinen Sinn sich großartig konzentrieren zu wollen, nicht in seinem momentanen Zustand.
Im Katam war es mit seiner Konzentration noch nie besonders weit her gewesen und es würde sich in seinem jetzigen bestimmt nicht ändern.
Erschöpft ließ er seinen Kopf in den Nacken sinken und schloss für einige Augenblicke erschöpft die Augen.
Er war es ja auch selber Schuld...
Er müsste einfach nur ein Kind zeugen und diese lästige Schattenseite seiner Existenz wäre beendet, bis der nächste Zyklus anbrechen würde.
Und so weiter und so weiter.
Aber er konnte es nicht.
Seit er seinen Gefährten hier auf der Erde gefunden hatte, auch wenn der nichts von seinem 'Glück' wusste, fühlte es sich noch schlimmer an als die Male davor.
Die Vermischung der Rassen Mensch und Tealon war keine Theorie mehr und die spielenden und lachenden Kinder, die durch die Botschaften und das Mutterschiff wuselten waren der beste Beweis dafür.
Ein Lächeln huschte über seine Lippen, als seine Gedanken zu den Zwillingen seines Kindes huschten.
Die beiden kleinen Asiaten waren aber auch zu putzig.
Fast ein Jahr alt waren sie jetzt und er konnte sich noch genau an den Tag erinnern, als sein Kind kleinlaut vor ihm stand und ihn um Hilfe bat.
Die Situation war schnell erklärt:
Zo'or hatte Sandoval verführt, als er sich im Katam befand und diesen auch gleich geschwängert.
Wie das passieren konnte, war bis heute unklar.
Niemand wusste, warum sich die Hybriden in Sandovals Körper festsetzten und man hatte dieses Fenomen auch bei keinem anderen Menschen beobachten können.
Keinem Mann zumindest.
Nun ja, er schweifte ab...
Die Synode und das Gemeinwesen hatten es entgegen ihrer Befürchtung gut aufgenommen und seit gut zwei Monaten verging kein Tag, an dem nicht ein Hybrid geboren wurde.
So weit, so gut, dennoch waren die Menschen immer noch misstrauisch, auch wenn sie dem Charme der Zwillinge vom ersten Tage an verfallen waren.
Mit jedem Kind nahm das Mistrauen ab, aber grade in Nordamerika war die Wut auf die Synode nach wie vor zu spüren, auch wenn Da'an merkwürdigerweise Immunität genoss.
Aus allen Anfeindungskampagnen wurde sein Name heraus gehalten, er wurde gelobt und geliebt, auch vom Widerstand und er fragte sich, ob er das Liam zu verdanken hatte.
Ein wehmütiger Schmerz zog sich durch seine Seele.
Seit sein ehemaliger Leibwächter vor 2 Jahren gekündigt hatte, hatte er ihn nicht mehr gesehen, er war wie vom Erdboden verschwunden und Da'an hatte die Synode von jeder Nachforschung abgehalten.
Wenigstens das war er Liam schuldig.
Eine Träne huschte über seine Wange und genervt von sich selbst strich er sie mit seinen Fingerspitzen fort.
Das war das einzige Manko ihrer Verschmelzung mit den Menschen...
Da'an war einfach nicht für Emotionen gemacht!
Aber das war eigentlich nicht der Grund, warum er hier saß, vollkommen allein und verstört.
Alles begann vor genau 3 Tagen, als er, pflichtbewusst wie er war und wie immer wenn es so weit war, der Synode berichtete, dass er im Katam war.
Das Theater, das daraufhin folgte, war ungefähr mit dem seines 1. Katam zu vergleichen...
Es brach eine regelrechte Euphorie aus, denn er, Da'an, sollte als das, wenn es nach den Menschen ging, beliebteste Synodenmitglied einen Hybriden zur Welt bringen, um das angeschlagene Image der Tealons in Nordamerika wieder auf zu polieren.
Nur dass sich diesmal der amtierende Synodenführer, sein Kind, schützend vor ihn stellte und die Wahl Da'an überließ. Er glaubte immer noch, dass er das Sandoval zu verdanken hatte, denn seit der Synodenführer eine kleine Familie hatte, war er wesentlich umgänglicher und rücksichtsvoller geworden.
Dennoch war die Information in die Öffentlichkeit gesickert, weil Mi'ga, die alte Klatschbase, die sich südamerikanischer Companian schimpfte, es in einem Interview ausgeplaudert und durchblicken lassen hatte, dass Da'an möglicherweise an einem Hybridenkind interessiert war.
Seitdem hatten vier Übergriffe auf ihn stattgefunden, zahllose Menschen campierten vor der Botschaft und versuchten seine Gunst zu erlangen und sein gesamtes männliches Personal musste gegen Frauen getauscht werden.
Er saß in der Botschaft fest, weil diese Maßnahmen auf dem Mutterschiff nicht möglich waren und seinen neuen Leibwächter hatte er gestern entlassen müssen, nachdem dieser Übergriff Nummer fünf geplant hatte.
Ein weiters leidendes Seufzen fleuchte über seine Lippen.
Mit Liam wäre ihm DAS nie passiert!
Er vermisste den Kimermischling so sehr...
Zum sicher tausendsten Mal in den vergangenen drei Tagen fragte er sich, ob das Universum verrückt geworden war.
Es war ja nicht so, dass er es ablehnen würde einen Hybriden zur Welt zubringen, im Gegenteil, aber er hatte vor sechs Jahren, als er endlich seinen Gefährten gefunden hatte, beschlossen nur noch dessen Kinder aus zu tragen.
Keine Kompromisse mehr!
Rufe wurden mit einem Mal laut und wieder wünschte sich Da'an nichts mehr, als Liam wieder an seiner Seite zu haben.
Der würde sich etwas einfallen lassen, um ihn hier rauszuholen.
Grade als er beschloss sich ruhig noch etwas mehr in seinem Selbstmitleid suhlen zu können und er zum mentalen Hechtsprung ansetzen wollte, riss ihn die schüchterne Stimme einer jungen Freiwillige aus seinen Gedanken.
Seit den jüngsten Ereignissen durfte nur der die Botschaft betreten, wer von Da'an die Erlaubnis hatte und wie vermutet handelte es sich genau um ein solches Anliegen.
"Ein Mann möchte Sie sehen!"
Ihr war die Situation sichtlich peinlich und Da'an fand das mehr als gerecht, warum sollte er der Einzige sein, der leidete.
"Schicken Sie ihn weg, er soll nicht wieder kommen! Ich will keinen männlichen Menschen mehr sehen in den nächsten hundert Jahren!"
Sie schluckte leicht und man sah ihr an, dass es ihr schwer fiel zu widersprechen.
"Er ist hier, um sich als neuer Leibwächter zur Verfügung zu stellen, das Empfehlungsschreiben ist von Special Agent Ronald Sandoval persönlich..."
Da'an seufzte schwer.
"Also gut, schicken Sie ihn rein, aber bitte begleiten Sie ihn mit ihrer netten Kollegin von heute morgen..."
Sie nickte leicht und verschwand.
Müde richtete Da'an sich in seinem 'Thron' auf, umarmte das Buch leicht mit seinen Armen und erhob sich langsam.
Behutsam trottete er auf das Fenster der Botschaft zu und warf einen prüfenden Blick nach draußen.
Sein Blick huschte über Zelte, Schilder und Plakate.
Himmel, würde dieser Wahnsinn denn niemals enden?
"Hallo Da'an..."
Das Buch, das er eben noch schützend vor seinen Bauch gedrückt hatte, fiel scheppernd zu Boden.
Er hörte Schritte hinter sich und traute sich doch nicht, sich um zudrehen.
Er kannte diese Stimme, er hätte sie unter tausenden wieder erkannt.
Das Buch wurde hoch gehoben und behutsam in seine Hand gedrückt.
"Wie geht es Ihnen, Da'an?"
Ganz langsam wanderten seine Augen über die Landschaft, oder besser gesagt das, was man noch erkennen konnte hin zu dem jungen Mann, der ihm ein aufmunterndes Lächeln schenkte.
"Major Liam Kincait..."
Eine Feststellung, ohne jegliche Emotion hervor gebracht und Da'an war Stolz auf sich und seine Selbstbeherrschung, seine unangemessene Freude verbergen zu können.
"Immer noch. Ich habe von Ihrem Wunsch nach einem neuen Leibwächter durch Zufall erfahren. Agent Sandoval war so freundlich mir eine Empfehlung auszuschreiben, nach dem ich gestern Nachmittag auf Grund meines Geschlechtes abgelehnt  und verhaftet wurde."
Eine leise Entschuldigung hallte durch den Raum und der Tealon wusste, dass es die beiden Freiwilligen waren, die Liam hatten festnehmen lassen.
"Kein Problem, ich hätte an ihrer Stelle das selbe getan."
Liam war reifer geworden.
Seine Stimme und seine Art zeigten dies deutlich.
"Ich danke Ihnen für Ihr Interesse, Major."
Da'an brauchte einen Moment, um sich zu sammeln, er konnte sein Glück noch gar nicht fassen, dementsprechend geschockt war er, als Liams Stimme mit einem verletzten Unterton zu ihm durchdrang.
"Ich kann verstehen, wenn Sie nach den jüngsten Ereignissen einen weiblichen Leibwächter bevorzugen, aber falls Sie irgendwann einmal Hilfe brauchen, können Sie mich jeder Zeit erreichen."
Leichte Panik machte sich in dem Tealon breit.
Das lief hier grade irgendwie falsch und seine Stimme überschlug sich fast, als er Liam zu sich zurück rief.
"Warten Sie, Major! Wann können Sie anfangen?"
Ein Lächeln schlich sich auf das Gesicht des Kimera.
"Sofort!"
Da'an ignorierte das gerührte Seufzen der Freiwilligen, genauso, wie das geflüsterte "Wie niedlich!" und konzentrierte sich auf Liam.
"Helfen Sie mir, Liam! Lassen Sie sich irgendetwas einfallen!"
Der Kimera lachte leise.
"Am Besten wäre es, wenn wir Sie zum Mutterschiff bringen, dann kann sich die Situation hier unten beruhigen..."
Da'an schüttelte schon fast panisch den Kopf.
"Das ist nicht möglich... Dieser Wahnsinn hat auch vor dem Mutterschiff keinen Halt gemacht!"
Sein Leibwächter runzelte die Stirn und schien angestrengt nach zudenken.
Sein Gesicht nahm einen zweifelnden Ausdruck an, schnell scheuchte er die Freiwilligen aus dem Büro des Tealon.
"Es gäbe da noch eine Möglichkeit..."
Der Tealon nickte und gab Liam so die Aufforderung weiter zu sprechen.
"Ich habe bei mir zu Hause eine Energiedusche und dort würde Sie niemand vermuten. Sie könnten, bis das Katam vorbei ist, bei mir untertauchen..."
Da'an überlegte kurz.
Er mit Liam alleine, während seines Katam = >   dumme Idee
Er machte sich nicht um sich selbst Sorgen, der Kimera würde ihn niemals anfassen, es war eher umgekehrt.
Andererseits...
Er alleine in der Botschaft oder auf dem Mutterschiff, in mitten dieser Irren = >   noch viel dümmere Idee!
"Sie wissen worauf Sie sich bei einem Tealon in meinem Zustand einlassen?", flüsterte Da'an fragend.
Liam nickte leicht und der Tealon atmete erleichtert aus.
"Und wie kommen wir zu ihrer Wohnung, ohne einen Massenauflauf zu provozieren?"
Der Kimera lächelte leicht und verabschiedete sich mit der Bemerkung, er habe schon eine Idee und bräuchte für die Vorbereitung lediglich eine Stunde.
Während Liam fort war erledigte der Tealon die Planung der nächsten Wochen, kurzerhand warf er alles Mi'ga in den Terminkalender, denn der hatte ihn ja schließlich auch in diese Situation gebracht.
Schnell sandte er eine kurze Mitteilung an Zo'or, dass er bis zum Ende seines Katam nicht mehr zur Verfügung stünde.
Liam war früher zurück, als geplant, was Da'an schmunzeln ließ.
Es war erstaunlich, aber er fühlte sich in der Gegenwart seines Leibwächters absolut sicher, obwohl dieser sich vor zwei Jahren nicht mal richtig verabschiedet hatte.
Der Kimera hielt eine Tüte von irgendeinem Modegeschäft in den Händen und reichte sie nach kurzem Zögern Da'an.
"Tauschen Sie ihren Anzug gegen diese Kleidung, dann kriege ich Sie hier problemlos raus!"
Der Tealon wurde samt Tüte in seine Privaträume geschoben und allein gelassen.
Neugierig warf er einen Blick auf die Kleidung und zog die Stirn kraus.
Als er Liams Aufforderung nachgekommen war und sich umgezogen hatte, warf er einen prüfenden Blick in den großen Spiegel seines Quartiers.
Eine schwarze, enge Jeans schmiegte sich an seine Beine, ein roter, weiter Pulli mit riesiger Kapuze ließen seinen Körper kaum noch erkennen und ein warmer Kurzmantel, der dem ganzen doch noch ein kleines bisschen Stil einhauchen konnte.
Da'an seufzte leise, dieses Oberteil war schrecklich.
Na ja, der Zweck heiligte die Mittel und die Aussicht aus der Botschaft raus zu kommen war so verlockend, dass er bereit war die nötigen Opfer zu erbringen.
Zögernd trat er wieder in seinen Empfangsraum und lächelte den Kimera schüchtern zu.
"Entspricht das Ihren Erwartungen, Major?"
Liam nickte lächelnd.
"Bis auf eins..."
Da'an legte seinen Kopf leicht schief und warf dem Kimera einen fragenden Blick zu.
"Und was stört Sie an meiner Aufmachung?"
Liam kam langsam auf ihn zu, kurz vor ihm blieb er stehen und zog dem Tealon die riesige Kapuze über den Kopf.
"Jetzt wird Sie so schnell keiner mehr erkennen..."
Vorsichtig griff er nach Da'ans Hand und zog ihn Richtung Ausgang.
"Bitte keine Auffallenden Gesten oder Bewegungen!", bläute ihm der Kimera ein, ehe sie die Botschaft wirklich verließen.
Der Tealon konnte sein Glück kaum fassen.
Frische Luft, reale Welt und die warme Hand seines Leibwächters, die sich um die seine geschlungen hatte.
Liam sollte Recht behalten, kein Mensch erkannte ihn und so kamen sie nach kurzer Zeit bei der Wohnung des Kimeras an.
Ganz Gentelman-like ließ ihm seine Leibwächter den Vortritt und bat ihn auf einem Sessel platz zu nehmen.
Er war weich, warm und schmiegte sich perfekt an seinen Körper...
Vielleicht sollte er sich auch so eine Ruhezone einrichten.
Jetzt saß er gegenüber der Caouch, auf der Liam mehr lag als saß, in dem oben erwähnten Sessel und langweilte sich, Da'an versuchte sich mit einem Buch Abhilfe zu schaffen, Liam mit Fernsehen.
Der Tealon schloss genervt die Augen.
Seit einer halben Stunde versuchte er sich auf eine Seite zu konzentrieren, doch es gelang ihm nicht.
Die Nähe des Kimera und die Stimmen des Gemeinwesen, die wissen wollten wo er war, raubten ihm fast den letzten Nerv und so legte er abermals das Buch bei Seite.
"Können Sie sich nicht konzentrieren?"
Liam sah ihm forschend in die Augen und der Tealon senkte peinlich berührt den Kopf, ehe er still nickte.
"Kommen Sie herüber zu mir und gucken Sie mit mir einen Film...", schlug Liam vor, während er einen Arm nach dem Tealon ausstreckte.
"Ich glaube nicht, dass diese Medien für uns geeignet sind..."
"Ach kommen Sie schon, Da'an, Sie haben es bestimmt nie ausprobiert oder nicht so einen Fachmann, wie mich an Ihrer Seite gehabt."
Zögernd nickte er und erhob sich von seinem weichen Sessel, um dem Wunsch Liams nachzukommen.
Zu seiner Überrasch zog ihn der Kimera direkt in seine Arme und erleichtert seufzte Da'an auf.
Er war im Katam schon immer sehr kuschelbedürftig gewesen.



Liam drückte ihn noch etwas näher an seine Brust und angelte anschließend nach einer Decke, die er nach einigen Verrenkungen auch erwischt.
Vorsichtig schlang er sie um sich und den Tealon
"Gut so?", erkundigte er sich leise, während er durch das Programm zappte.
Ein Lächeln huschte über seine Lippen, als er Da'ans Nicken mehr an seiner Schulter fühlte als sah.
Es fühlte sich gut an dem Tealon so nah zu sein.
Vor zwei Jahren hatte es ihm fast das Herz gebrochen, als er das zierliche Energiewesen auf der Erde zurück lassen musste, aber er hatte genauso gut gewusst, dass Da'an ihn niemals begleitet hätte.
So hatte er sich alleine auf die Suche nach den übrigen Kimera gemacht, so wie sein Vater Ha'gel es gefordert hatte und er hatte sie gefunden.
Es waren mehr als er dachte, doch hatte es lange gedauert sie zu überreden, mit ihm zur Erde zu kommen, wo sie alle wenigstens den Hauch einer Chance hatten.
Nur ein Hybrid fehlte noch, dann hätte er seine Mission abgeschlossen und könnte sein Leben endlich leben.
Natürlich würde er seine Rasse weiter führen, aber er würde sich auch ein Zuhause aufbauen und hoffentlich nie mehr so einsam, wie in den letzten knapp zwei Jahren.
Er war vor einer Woche mit den Anderen wieder zur Erde zurückgekehrt und war seit dem immer auf Achse gewesen, als ihn
gestern René anrief und ihm von Da'ans Katam erzählte, in einem Nebensatz ala "Hast du schon gehört, dass Da'an schon wieder fast vergewaltigt worden ist? Aber egal. Was machen unsere neuen Freunde eigentlich?"
Nach einigem hin und her hatte ihm die Blondine alles erzählt und er war sofort zu Botschaft geeilt und was ihn dort erwartete war der glatte Wahnsinn.
Wie Groupies, campierten die Menschen vor der tealon Botschaft, hatten Plakate gemalt und Liam spürte instinktiv, dass die Stimmung jederzeit in Aggression verwandeln konnte.
Sorge machte sich in seiner Seele breit und so war er, wie früher, ohne Nachzudenken einfach in die Botschaft rein marschiert.
Innerhalb weniger Sekunden wurde er zu Boden geworfen und festgenommen, niemand erkannte ihn, sie waren alle nach seiner Kündigung eingestellt worden und er konnte sein Chakarava nicht einsetzen, weil er sonst die Anderen seiner Art in Gefahr brachte.
Nach zwei Stunden in einer stickigen, kalten Zelle auf dem Mutterschiff, hatten zwei Kinder diese betreten und ihn neugierig gemustert.
"Bist du Liam?", man sah den Zwillingen an, dass sie sich kaum trauten ihn anzusprechen.
"Ja. Woher kennst ihr mich? Ich kenne euch nämlich nicht!"
Mit der Bestätigung Mr. Right vor sich zu haben, liefen sie unbekümmert auf ihn zu.
"Unser Großvater hat uns von dir erzählt!"
Beide griffen sich je eine Hand des Kimeras und begutachteten sie.
"Du bist nicht Liam!", entsetzt machten die beiden Mädchen einen Schritt zurück und Liam runzelte nun völlig verwirrt die Stirn.
"Warum nicht?"
"Liam hat ein Chakarava!", riefen beide im Chor.
Mit wenigen Schritten war er bei den Beiden und drückte je einer eine Hand auf den Mund.
"Pssssst!"
Große mandelförmige Augen blickten neugierig in die seinen, er hatte also wieder ihr Interesse geweckt.
"Wenn ich es euch zeige, glaubt ihr mir dann?"
Langsam ließ er seine Hände sinken und drehten die Handflächen so, dass die Mädchen sie sehen konnten.
"Cool", war der erste Kommentar, den er dazu erhielt.
"Warum ist deins weiß-goldig?"
Überrascht blickte er auf.
"Habt ihr schon andere Chakarava gesehen?"
Synchrones Nicken.
"Unsere!", jetzt hielten sie Liam ihre Hände hin.
Sie waren wunderschön.
Das eine Kind besaß ein Azurblaus, das andere ein violettes Chakarava.
"Toll!", lächelte Liam und wuschelte beiden einmal durch die langen schwarzen Haare.
"Seid ihr Kimera?"
Sie kicherten und schüttelten den Kopf.
Der Kimera runzelte die Stirn, doch er kam nicht mehr dazu, weiter Fragen zu stellen.
Es wurden Stimmen laut und Liam brauchte nicht lange, um zu wissen, er da in seine Richtung lief.
Zo'or und Sandoval.
Na, das war doch mal ein Glückstag.
"Ich kann es nicht fassen, dass sie dich schon wieder mit ihrer Wir-holen-chrisp-Nummer drankriegen konnten! Verdammt, Zo'or, es ist immer das Selbe! Wir haben das Alles schon so oft besprochen! Du musst lernen dich nicht immer wieder von unseren kleinen Teufel einwickeln zu lassen."
Die Mädchen kicherte zufrieden und grinsten Liam verschmitzt zu, während sie ihm mit einem an die Lippen gelegten Finger signalisierten, leise zu sein
"Es tut mir Leid... Aber sie waren wirklich etwas blass um die Nase!", verteidigte sich der Synodenführer.
Der Asiate schnaubte.
"Sie sind deine Kinder! Da ist es doch kein Wunder, dass sie so blass sind! Mia! Pia! Jetzt kommt aber raus, sonst gibt es heute Abend keinen Nachtisch!"
Die Zwillinge vollführten einen Hechtsprung hinter Liams Rücken und versteckten sich so.
"Ich wüsste nicht, dass Tealonkinder so etwas tun würden. Das können nur die menschlichen Gene schuld sein.", maulte Zo'or, was ihm sofort eine Spitze seitens Sandovals einbrachte.
"Tja, dann hättest du sie selber austragen sollen!"
Liam verstand gar nichts mehr und so wartete er ab, bis Zo'or und Sandoval alle Zellen abgesucht hatten.
War ja klar, dass seine die Letzte war.
"Major? Was tun Sie hier?"


tbc
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