Thoughts left unsaid

von M0lly
GeschichteDrama / P6
Capa Mace
29.10.2008
29.10.2008
1
1.575
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
29.10.2008 1.575
 
Nun gut, dies kann als Fortsetzung zu meiner ersten Sunshine-Oneshot "Sunlight never burnt as bright" (zu finden hier: http://fanfiktion.de/s/4820c2ba00007c7d0680bb80 ) verstanden werden, kann aber auch ganz allein für sich stehen.
Immerhin hab ich wirklich versucht, Capas Gedanken so realistisch wie möglich zu schreiben. Im Grunde dürfte er in dieser Szene wirklich genau das gedacht haben, was ich hier geschrieben hab, und "Sunlight never burnt as bright" war ya mehr so ne Shonen-Ai-FF XD

Wie dem auch sei, bevor mein Beschreibungstext noch länger wird als die FF selbst, hör ich yez hier lieber ersma auf zu labern XD

Disclaimer: Nix mir.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
"Mace! Mace!!"
Er konnte kaum durch das winzige Fenster sehen. Pinbacker hatte die Tür von außen verschlossen. Warum hatte er das nicht bedacht?
Es führte kein Weg hinaus. Und niemand antwortete auf seine Hilferufe. Sein Kommunikations-Device hatte ihm Pinbacker heruntergerissen. Die Tür war dreißig Zentimeter dick. Niemand würde ihn jemals hören können. Er schlug mit den Fäusten gegen die Tür.
Er drückte die Stirn gegen das kaum noch kühlende Metall und versuchte, sich zu konzentrieren, doch es klappte nicht. Er bekam keinen klaren Gedanken zu Stande. Der Sauerstoffmangel machte ihm langsam zu schaffen. Und die offene Wunde, die sich quer über seine Brust zog, raubte ihm vor Schmerz fast das letzte Bisschen Verstand.
Indem er seine wenige verbliebene Kraft zusammen nahm legte er beide Hände an den Griff der fest verriegelten Schleusentür und zog. Nichts. Keine Regung, wie zu erwarten war. Er sah durch das Fenster. Niemand dort, der ihm helfen konnte.
Auf einmal stellte er mit Grauen fest, dass draußen die Lichter erloschen. Nach einem Bruchteil einer Sekunde begann auch in der Schleuse die Beleuchtung auszufallen. Das Atmen fiel Capa plötzlich ungleich schwerer. Verzweifelt rang er nach Luft.
"Mace...", flüsterte er atemlos.
Ihm fiel die kleine Überwachungskamera auf, die sich über ihm befand. Er sah in die Linse. Es bestand wohl keine große Chance, dass jetzt noch jemand auf dem Flightdeck nach dem Rechten sah. Wahrscheinlich waren sie sowieso schon alle tot.
Capa fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar und versuchte, sich zusammenzureißen.
Sollte das das Ende ihrer Mission sein? Es hatten einige Menschen ihr Leben gegeben, um sie bis hierher zu bringen. Sollten nun die letzten Überlebenden ein solches Ende nehmen, ohne die Mission je beendet zu haben? Corazon... Cassie... und Mace...
Er sah in die Kamera, als könne er durch sie hindurch die anderen beobachten. Als könne ihm die Kamera zeigen, ob die anderen noch lebten.
Und tatsächlich, es schien ihm, als würde er leise eine Stimme hören... Maces Stimme... Oder spielte er jetzt endgültig verrückt?
"Capa! Capa!"
Nein, da war eindeutig Mace... und er rief seinen Namen...
"Im Anzug!"
Capa wandte sich um und sah in der Nische den eingepackten Anzug stehen.
"Nimm das Headset! Im Helm!"
Schwach stolperte Capa in die Richtung, aus der die Stimme kam.
"Mace!", rief er. Erleichterung durchströmte ihn. Erleichterung darüber, dass jemand ihn gefunden hatte. Dass eine Chance bestand, Pinbacker aufzuhalten und die Mission zu retten. Dass Mace nicht tot war.
Er öffnete die weiße Schutzplane und zog das Headset heraus.
"Verdammt, was läuft hier?", echauffierte es sich.
"Mace!", rief Capa noch einmal, doch er wurde von von ihm unterbrochen.
"Warum sind wir im Orbit? Ich krieg keinen Kontakt zu Ikarus!"
"Pinbacker ist an Bord!", antwortete Capa ohne Umschweife. "Er versucht, die Mission zu stoppen! Er hat versucht, die Mission zu sabotieren!" Das Atmen fiel ihm immer schwerer. "...Er ist wahnsinnig!"
Das Einzige, das er am anderen Ende hören konnte, war ein leises "Shit!", dann hastige Schritte.
Capa atmete einen Moment tief durch. Es gab einen Fortschritt das Niveau seiner Situation betreffend. Doch er musste Mace erklären, wo er war, sodass er ihn befreien konnte. "Hör zu Mace!", sprach er ins Headset. "Ich bin in der Luftschleuse eingesperrt!"
Doch Mace hörte nicht zu, anscheinend verlangten gerade wichtigere Dinge nach seiner Aufmerksamkeit. "Ach du Scheiße, die Hauptplatinen sind nicht in der Kühlung!", stellte er entsetzt fest. Capa hörte undefinierbare Geräusche, Maces Stimme wurde immer leiser und unverständlicher. "Der Mechanismus ist deaktiviert!", war alles, was Capa noch verstehen konnte.
"Bitte kommen! Kommen, Mace!" Verdammt, was tat er da? Was hatte er vor? Er hörte lautes Klirren "Mace!" Dann Wasser spritzen. Ein unterdrückter Schmerzenslaut. "Mace, bitte kommen!"
Doch Mace antwortete nicht. Stille. Die unnatürliche völlige Stille eines fünf Kilometer großen Raumschiffes, welches mit 29 000 Stundenkilometern auf die Sonne zuraste und das, würden sie nicht bald etwas unternehmen, in ein paar Minuten von ihrer erbarmungslosen, brennenden Hitze verschluckt würde.
Doch Capa war nicht warm. Ihm stand der kalte Schweiß auf der Stirn.
Angstschweiß.
Was geschah mit Mace? Was tat dieser selbstmörderische Bastard? Setzte er wieder unnötig sein Leben aufs Spiel?
Oder hatte Pinbacker ihn gefunden?
Er hörte wieder einen Schrei, gefolgt von schweren Atemzügen.
Dann abermals Stille.
Krampfhaft drückte Capa das Headset ans Ohr. Da war er eben noch erleichtert gewesen, dass Mace lebte, und nun bestand die Möglichkeit, dass Pinbacker ihm aufgelauert hatte. Das hätte Capa sonst wohl weniger hart getroffen. Doch in seinem Inneren schnürte sich mit einem Mal alles zusammen bei dem Gedanken, Mace könnte sterben. Und er wusste noch nicht einmal, weshalb sein Herz sich plötzlich so schmerzhaft fest zusammenkrampfte.
In eben dieser Sekunde wurde er von gleißend hellem Licht geblendet. Die Beleuchtung war wieder angesprungen.
Capa begann es, während er den kaum hörbaren Geräuschen lauschte, zu dämmern, was Mace tat. Er war dabei, die Platinen manuell wieder in die Kühlung zurückzufahren.
Doch weiterhin war nichts zu hören.
Er ließ das Headset los, sodass es am Kabel eine handbreit über dem Boden hing, setzte sich und vergrub das Gesicht in den Händen.
Er konnte nicht helfen. Er konnte nichts tun. Er war eingesperrt. Niemand außer Mace konnte ihn hören. Er konnte nichts tun. Und Pinbacker lief durch das Schiff und brachte die letzten Überlebenden um. Bald würde über kurz oder lang auch Mace dran sein, sobald der Captain der Icarus I ihn fand, soviel war sicher.
Er hörte, wie Mace nach ihm rief. Sofort griff er nach dem Headset.
"Capa... Capa...", keuchte Mace.
"Mace?"
"Wir sind im Orbit...", ächzte er. Es schien ihn unheimliche Anstrengung zu kosten, zu sprechen.  "Der Computer ist tot." Seine Stimme zitterte.
Capas Herz tat weh.
"Ich weiß nicht... ob ich ihn wieder zum Laufen krieg. Du musst uns von Hand aus dem Orbit holen." Die Luftfeuchtigkeit in Maces Lunge war dabei, zu gefrieren. "Das geht nur... wenn du die Sprengladung abtrennst. Hast du verstanden, Capa? Schieß die Bombe... in die Sonne!"
"Die Sprengladung abtrennen...", wiederholte Capa ohne nachzudenken.
"Du musst zu der Bombe und sie manuell von der Konsole aus zünden."
"Ich bin in der Schleuse... ich bin in der Schleuse eingeschlossen!!", schrie Capa verzweifelt.
"Ich weiß nicht, wie, aber du... du schaffst das!" Mace zitterte am ganzen Körper. "...Ok. Ich... mach... hier weiter", sagte er.
Capa begriff, dass Mace nicht Pinbacker zum Opfer fallen würde.
"Hab verstanden, Mace", sagte er.
Er hörte, wie Mace ein "Verstanden..." hervorpresste. Stoßweise, schmerzvolle Atemzüge. Dann wieder Stille.
Capa konnte nichts tun.
Er konnte nur hier sitzen und Mace dabei zuhören, wie er starb.
Und ihm wurde klar, wie sehr er etwas tun wollte. Irgendetwas, um Mace zu helfen. Mehr als bei Harvey. Mehr als bei Kaneda. Sogar mehr als bei Searl. Er wollte, dass dieser Mann heute nicht sterben musste, und in diesem Moment hätte er alles darum gegeben, ihn davor zu bewahren.
Er hätte alles darum gegeben, ihn noch einmal wiederzusehen. Ihn noch einmal zu sehen, noch einmal mit ihm zu sprechen. All die Zeit, die sie zusammen auf diesem gottverdammten Schiff verbracht hatten, und kein einziges Mal hatten sie die Zeit gefunden, sich näher zu kommen. Dabei hätte es nicht viel gekostet.
War es nun zu spät? Zu spät um Mace zu sagen, dass er ihn respektierte? Zu spät, um ihm zu sagen, dass es ihm Leid tat? Zu spät, um ihm zu sagen, dass...
Er sah wieder in die Kamera.
Er hätte alles gegeben.
Und das wollte bei Capa einiges heißen. War es nicht sein einziger Wunsch gewesen, die Bombe, seine Bombe, beim Detonieren zu beobachten? Hatte er nicht Searl gesagt, er käme damit klar, nicht nach Hause zu kommen?
Und dort war nun Mace, der alles dafür gab, damit diese Bombe ihr Ziel erreichte. Nicht weil sie, wie für Capa, sein Leben war. Nicht, weil er danach nach Hause fliegen konnte. Sondern nur, damit sie ihr Ziel erreichte. Damit Capa das tun konnte, wozu er da war.
Und alles, was er, Capa, tun konnte, war zuhören.
Wieder ein lautes Klirren. Ein Schrei. Ein Schrei nach Capa.
"Mein Bein!", hörte Capa Mace stöhnen. "Oh Gott..."
Capa starrte in die Kamera, als könne er ihn dadurch sehen.
"Mach schon, Capa...“
Die Hilflosigkeit überkam ihn wie eine dunkle Woge, die ihn zu ertränken drohte.
„Schnell...", flüsterte Mace.
Capa atmete nicht. Er wartete. Doch in seinem Kopf begann langsam die Erkenntnis einzurasten.
Er hätte alles getan.
Er atmete aus und ein.
"...Mace..."

Ende.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~