Licht und Dunkel

von Robidu
GeschichteAbenteuer / P12
OC (Own Character)
28.10.2008
24.07.2018
12
45.262
 
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28.10.2008 1.019
 
Geschrieben in Zusammenarbeit mit Andauril mit alternierender Kapitelfolge.
Die ungeradzahligen Kapitel (nach systemseitiger Durchnumerierung) schreibe ich, und die geradzahligen Kapitel werden von Andauril verfaßt.


Prolog

Unruhig ging Ra'thir Schattenlied im Altarraum auf und ab und rief sich die letzten Berichte sowohl aus Ched Nasad als auch aus Menzoberranzan in Erinnerung.
Die Lage in beiden Städten erwies sich als vergleichsweise ruhig, wenn man von Überfällen, Mißhandlungen und sogar dem einen oder anderen Mord, die dort auf der Tagesordnung standen, einmal absah. In Ched Nasad ging alles seinen gewohnten Gang, und vor wenigen Zyklen hatte es mal wieder einen Hauskrieg gegeben – bei dem bloßen Gedanken daran schüttelte Ra'thir den Kopf, denn dieser Schwachsinn wollte ihm partout nicht in selbigen gehen – der jedoch vergleichsweise glimpflich abgelaufen war, nur in Menzoberranzan war alles ruhig.
Mißmutig brummte der Tiefling sich etwas in den Bart, wobei sein Schwanz nervös hin- und herpeitschte. Die momentane Situation in der anderen Stadt erschien ihm eindeutig zu ruhig zu sein, und er wurde das Gefühl nicht los, daß sich da irgendetwas zusammenbraute – irgendetwas, das seine Späher bisher übersehen hatten.
Irgendwie mußte er herausfinden, was da vor sich ging. Ra'thir haßte böse Überraschungen!
Schließlich hielt er es nicht länger aus. Schnurstracks verließ er den Tempel und lenkte seine Schritte auf direktem Wege zur Akademie Hirathars, die sich in einer der Nebenhöhlen befand, und dort in den Turm von Sorcere. Er mußte unbedingt mit Elkantar Gha'neth, seines Zeichens Erzmagier der Erkenntnis, sprechen. Er mußte herausfinden, was genau in Menzoberranzan faul war!

Etwa eine halbe Stunde später stand Ra'thir Schattenlied in Elkantar Gha'neths Arbeitsraum.
An den Wänden standen zahlreiche Regale voller Bücher, Schriftrollen und allerhand Gerätschaften, die der Hohepriester teilweise sehr wohl zuordnen konnte, aber die eine oder andere Gerätschaft war ihm dann doch unbekannt.
Der Erzmagier saß zunächst an seinem Arbeitstisch, auf dem zahlreiche Pergamente und Schriftrollen ausgebreitet lagen, erhob sich dann aber, als sein Gast den Raum betrat.
Wie der Hohepriester Tyrs auch trug er ein Hüfttuch aus einem kostbaren, komplett weißen Stoff, das von einem Gürtel gehalten wurde, an dem zahlreiche Taschen zu sehen waren, sowie ein menat, das aus schmalen, miteinander verknüpften Kupfersegmenten bestand, und ein Paar einfacher Sandalen zierte seine Füße.
„Was kann ich für Euch tun, Hohepriester,“ wollte dieser wissen. „Und ist das Paket an seinem Bestimmungsort angekommen?“
„Die Schriftrolle hat ihren Empfänger erreicht,“ erwiderte Ra'thir, „doch das ist nicht der Grund für meinen Besuch.“
Elkantar neigte seinen Kopf zur Seite und hob eine Augenbraue an. „Worum geht es denn dann?“
„Menzoberranzan,“ sagte der Tiefling trocken. „Ich habe das unbestimmte Gefühl, daß dort irgendetwas vor sich geht, ich weiß aber nicht, was es ist.“
„Was bringt Euch darauf,“ wollte der Erzmagier wissen.
„Normalerweise sollte man erwarten können, daß in einer Stadt der Lolth, die Menzoberranzan nun mal ist, allenthalben Intrigen gesponnen werden und der Eine oder Andere auch schon mal das Zeitliche segnet,“ erläuterte der Priester. „Doch im Moment hört und sieht man absolut nichts davon – und das kommt mir dann doch reichlich seltsam vor.“
Der Magier strich sich bedächtig durch seinen Vollbart und murmelte einige Dinge vor sich hin, die Ra'thir nicht verstand. Der Tiefling sagte jedoch nichts, da er den Erzmagier nicht bei seinen Überlegungen stören wollte.
„Das ist in der Tat eigenartig,“ bestätigte Elkantar schließlich. „Ihr habt Glück, daß ich die richtigen Zauber für einen solchen Zweck vorbereitet habe, insofern kann ich gleich mit der Sondierung der Stadt anfangen.“
Dann wurde die Miene des Erzmagiers schlagartig ernst. „Allerdings werde ich nicht in der Lage sein, das volle Potential meiner Zauber einzusetzen, wenn wir unerwünschte Aufmerksamkeit vermeiden wollen.“
„Inwiefern,“ wollte Ra'thir wissen, wobei sich das Ende seines Schwanzes unwillkürlich nach oben bog, nur um sich dann in die entgegengesetzte Richtung zu winden.
„Solche Zauber sind immer entweder Ausspähungen, oder aber sie haben sehr viel damit gemeinsam,“ erklärte der Magier das Problem, „und daher sind andere Magier in der Lage, diese anzupeilen. Je genauer ich hinschauen muß, umso deutlicher kann ein anderer Magier oder Priester den Brennpunkt der Ausspähung erkennen, wenn er gerade ein Magie entdecken oder ähnliche Zauber aktiv hat, und dann wäre mit Sicherheit jemand vorgewarnt.“
Der Hohepriester verzog sein Gesicht aufgrund dieser Auskunft, bedeutete sie, daß sie hier höchstwahrscheinlich keinen Blumentopf gewännen – aber versuchen mußte er es dennoch, auch auf die Gefahr hin, daß es scheiterte.
„Bitte versucht es dennoch,“ sagte Ra'thir schließlich. „Wenn Ihr etwas in Erfahrung bringen könnt, dann wäre mir umso wohler dabei. Ansonsten bleiben mir nur noch die Leute vor Ort, und da kann einiges an Zeit vergehen, bevor ich Informationen bekomme.“
Elkantar nickte und konzentrierte sich. Schließlich begann er mit seinem Zauber.
Ra'thir verhielt sich währenddessen mucksmäuschenstill, damit er den Magier nicht bei seiner Konzentration störte.
Der andere Dunkelelf entspannte sich schließlich, und nur seine Augen bewegten sich hinter geschlossenen Lidern.
Schließlich öffnete Elkantar seine Augen wieder, wobei dessen Mundwinkel nach unten gingen und er den Kopf schüttelte. „Es tut mir leid.“
„Verdammt,“ knurrte der Hohepriester leise.
„Irgendetwas schirmt die Stadt gegen Ausspähung ab,“ erklärte der Magier, „und ich vermag diese Barriere nicht zu durchdringen, ohne daß höchstwahrscheinlich irgendwer aufmerksam wird.“
Heute muß mein Glückstag sein, dachte Ra'thir mißmutig. Scheint so, als hätte ich dann doch keine andere Wahl.
„Auch wenn es nicht geklappt hat,“ sagte er, „gebührt Euch dennoch mein Dank. Immerhin haben wir heute dennoch eine sehr hilfreiche Information erhalten.“
„Welche denn,“ fragte Elkantar Gha'neth verwundert.
„Ganz einfach: Wer sich abschirmt, heckt mit Sicherheit irgendetwas aus, und gerade bei Drow kann man davon ausgehen, daß da noch irgendetwas passieren wird,“ erklärte der Priester. „Insofern waren Eure Bemühungen nicht ganz vergebens.“ Dabei klopfte er aufmunternd auf die Schulter des Magiers und verabschiedete sich.

Mißmutig verließ Ra'thir Sorcere. Daß ihm der Erzmagier nicht hatte weiterhelfen können, paßte ihm so gar nicht ins strategische Konzept, und jetzt blieb ihm doch nur noch der lange Weg über die Kontakte vor Ort – und sollten alle Stricke reißen, dann eben auch über den Anführer dieser Söldnertruppe, die sich in Menzoberranzan aufhielt.