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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
19.08.2020 1.083
 
Und auch hier gibt es jetzt nach einer Hitze- und Sommerpause ein neues Kapitel. Also wünsche ich allen viel Spaß beim Weiterlesen.


Vom Entfernen von Holzkugeln


Jaime hatte sich auf dem Sofa im Wohnzimmer ausgestreckt während Ramon ihm dabei half, die Hose auszuziehen. Diese war blutverschmiert und der Vampir schleuderte sie auf den Boden wo Christian sie packte und in die Waschmaschine im Badezimmer steckte. „Ich hatte sie in meinem Versteck schon ein Stück runter gezogen um die Kugel zu entfernen. Ich habe dafür ein Messer aus einem Werkzeugkasten benutzt aber ich bekomme das Ding einfach nicht gepackt. Ich bräuchte eine Pinzette.“

„Klingt nicht besonders angenehm“, murmelte Florian während Christian ins Badezimmer eilte um nach einer Pinzette zu suchen.
„Irgendwie müssen wir die Kugel jetzt rausbekommen, aber ich glaube, mit dem Ding wird es nicht funktionieren“, stellte Ramon fest, als Christian mit der Pinzette zurück kehrte. Aber Jaime nahm dem anderen Vampir das einfache Werkzeug aus der Hand während er Florian bat, ihm ein Messer aus der Küche zu holen.

Florian erfüllte die Bitte des verletzten Vampirs, wollte aber eigentlich nicht unbedingt bei dem zuschauen, was der andere nun tat. Dennoch ergriff ihn gleichzeitig auch eine morbide Neugierde, als Jaime sich nach einem kurzen Moment des Zögerns einen Schnitt an seinem Oberschenkel zufügte und dann mit der Pinzette in der Wunde herumstocherte. Dabei verzog er schmerzverzerrt das Gesicht, lehnte es aber ab, als Ramon ihm schließlich anbot, ihm diese Aufgabe abzunehmen.

„Nein, ich glaube ich hab die Kugel gefunden. Und wenn du es machst tut es genauso weh“, antwortete Jaime leise, während er weiterhin in der Wunde herumstocherte und Blut hervorquoll.

Florian war sich sicher, dass ein solcher Anblick bei ihm einst, als Mensch, Würgreiz ausgelöst hätte. Dies war einer der Augenblicke, in denen er wirklich froh war, kein Mensch mehr zu sein.

Schließlich hielt Jaime die Luft an und er wurde blass, zog dann aber die Pinzette aus der Wunde und tatsächlich hatte er einen blutigen Gegenstand mit dem Werkzeug gegriffen. Christian griff nach einem Aschenbecher, in den Jaime den Gegenstand fallen ließ, ehe er sich erleichtert zurück lehnte während Ramon ihm ein Handtuch reichte, dass er auf die Wunde presste.

„Es müsste bald aufhören zu bluten“, murmelte Jaime. „Aber ich bin müde. Und die Sonne geht bald auf.“

„Dann leg dich auf deine Matratze,“ sagte Ramon während er und Christian Jaime beim Aufstehen halfen.
„Ich leg ein Handtuch auf die Matratze, da kann er sein Bein drauflegen und blutete nicht alles voll. So eine Sauerein kriegt man schwer raus“, bot Florian an und Christian warf ihm einen missbilligenden Blick, der „sei nicht so herzlos“ zu sagen schien.
„Ich habe damals diesen Gehilfen von diesem Klaus getötet“, erinnerte er Florian leise, ehe er ins Bett ging. „Auf mich warst du damals auch nicht böse. Diese Vampirjäger hätten ihn wahrscheinlich getötet. Es ist schlimm, was passiert ist. Aber ich würde es schlimmer finden, wenn Jaime statt dessen tot wäre.“

Während er unter seine dünne Bettdecke kroch um seinen täglichen Schlaf zu bekommen dachte Florian daran, dass Christian mit seiner Bemerkung recht hatte. Jaimes Tod wäre ihm weitaus näher gegangen als der dieser Vampirjäger, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatten, ihm und seinesgleichen das Leben schwer zu machen.

Solchen Fanatikern ging man als Vampir am besten auf den Weg, denn die Begegnungen mit ihnen endeten selten gut. Entweder gingen Vampire oder Jäger dabei drauf.

Dennoch schwankte er beim Gedanken an Jaime noch immer zwischen dem Wunsch, ihn zu schlagen oder sich zu freuen, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ging, hin und her. Florian schlief an diesem Tag sehr unruhig, obwohl ihn diese Müdigkeit überkam, mit der alle Vampire es zu tun hatten, wenn sie sich bei Tage, was bei ihresgleichen immerhin der Normalzustand war, zur Ruhe legten.

Er befürchtete und rechnete beinahe damit, dass weitere Vampirjäger oder Polizisten das Haus stürmen würden, um die vermeintlichen Aussteiger zu verhaften. Wobei die Vampirjäger es wohl nicht bei einer Verhaftung belassen würden.
Nein, die würden sich alle Mühe geben, die schlafenden Vampire zu überwältigen und ihnen Pflöcke ins Herz zu stoßen. Vielleicht würden sie auch auf sie schießen, so wie sie es bei Jaime getan hatten.

Genau genommen wusste Florian nach wie vor nicht, ob er auf die Vampirjäger, für die Jaime niemals eine Gefahr gewesen wäre, hätten sie ihn in Ruhe gelassen, oder auf Jaime wütender sein sollte.

Mit diesen Gedanken schlief er schließlich trotz allem ein.

Wider Erwarten schlief Florian recht gut. Zum Teil lag dies an der Tatsache, dass Vampire tagsüber meist recht tief schliefen und selten von Träumen geplagt wurden. Dennoch kam es, zumindest bei ihm, mitunter vor, dass er leichter aus dem Schlaf aufschreckte als seine Artgenossen. Wahrscheinlich lag dies daran, dass er, seitdem Fritz im vor einigen Jahren das Zeichen eingeritzt hatte, auch in der Sonne überleben konnte. Seither war sein Schlaf ein wenig leichter geworden. Manchmal erwies sich dies als unliebsame Nebenwirkung, wenn er sich nach mehr Ruhe sehnte, aber in Gefahrensituationen war dies durchaus von Vorteil.

Möglicherweise wäre es ihre einzige Chance im Falle eines Angriffs durch Vampirjäger, dass einer von ihnen schneller als erwachte aus seinem Schlaf erwachte und sich ihnen entgegenstellte. Aber glücklicherweise war es an diesem Tag nicht dazu gekommen.

Auch die anderen Vampire begannen sich nun zu regen und Christian setzte sich auf. Schlaftrunken rieb er sich ein Auge und Florian konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Das Aufwachen fiel dem anderen Vampir eben in jeder Nacht sehr schwer.
Aber auch Jaime fand an diesem Abend nur sehr schwer seinen Weg in die Welt der erwachten Vampire. Mit Mühe und Ramons Hilfe setzte er sich schließlich auf und betrachtete sein Bein. Die Wunde war nahezu verheilt und Jaime atmete erleichtert auf.

„Noch Schmerzen?“, fragte Ramon aber Jaime schüttelte den Kopf.

„Nein. Aber ich bin sehr müde. Müder als sonst. Hängt das damit zusammen?“, fragte er aber keiner der anderen Vampire konnte ihm auf diese Frage eine Antwort geben. Keiner von ihnen besaß Erfahrung mit dieser Art von Holzgeschossen, von denen sich eines längere Zeit in Jaimes Körper befunden hatte.

Vielleicht brauchte er einfach ein wenig länger, um sich zu erholen, als dies bei anderen Verletzungen der Fall gewesen wäre. Hatte es nicht auch eine Weile gedauert, bis Valentinos zahlreiche Verletzungen, die ihm Adrian zugefügt hatte, geheilt waren?

Aber die Vorstellung, dass Vampirjäger nun noch effektivere Waffen gegen Vampire besaßen war etwas, das Florian durchaus zu denken gab. Anscheinend rüsteten manche sehr entschlossene Jäger auf.

Diese Vorstellung war alles andere als angenehm.
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