Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
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27.07.2020 1.090
 
Ein neues Kapitel. Einer der Vampire gerät in große Schwierigkeiten und dies ausgerechnet im schönen Cala Millor auf Mallorca…


Verheerende Begegnung, Teil I (Mallorca, Mai 1981)


Jaime saß auf einer Bank an der Strandpromenade von Cala Millor und die junge Frau hatte ihren Kopf an seine Schulter gelehnt. Er hatte sie in der Disco kennen gelernt, nachdem er sich den Wagen geliehen hatte und nach Cala Millor gefahren war.

Er hatte die anderen gefragt, ob sie ihn begleiten wollten, aber sie hatten an diesem Wochentag keine sonderliche Lust darauf gehabt. Zu allem übel hatte Ramon ihn auch noch gebeten, nicht über die Stränge zu schlagen und niemanden zu beißen.

Hielt Ramon ihn für ein dummes Kleinkind? Er war ein Vampir verflucht noch mal. Und auch wenn er sich an gewisse Regeln hielt, hieß dies nicht, dass er nicht auch einmal ein klein wenig Spaß haben durfte. Er würde der jungen Frau ja nichts tun, auch wenn sie gut roch und eine kleine Wunde an ihrer Hand verströmte einen köstlichen Blutduft. Sie hatte sich dort am Vortag die Hand aufgeschürft, als sie mit dem Fahrrad gestürzt war. Dies hatte sie ihm vor jedenfalls erzählt.

Nun legte sie diese Hand auf seine Wange und der Blutduft zog genau in seine Nase. Um dem zu widerstehen hätte er sie wegstoßen müssen und dies war das letzte, was er im Augenblick wollte.

„Du bist wirklich süß, Jaime“, sagte sie kichernd.

Sie war nicht vollständig nüchtern und anscheinend froh, dass sie einen scheinbar netten jungen Mann für die Nacht gefunden hatte. Es war offensichtlich, dass sie auf mehr hoffte als ein paar Küsse auf der Bank der Strandpromenade. Sie war eine Touristin vom Festland und er nahm nun ihre Hand und konnte nicht mehr widerstehen. Er würde sie nicht in den Hals beißen und seine Zähne überhaupt nicht benutzen. Aber er leckte kurz über ihre Wunde und sie sah ihn aus großen Augen an und kicherte dann erneut. „Du bist ja merkwürdig! Leckst eine Wunde ab...ist irgendwie pervers...“

„Nicht pervers, sondern lebensgefährlich“, sagte eine Männerstimme und das Mädchen wurde zur Seite gestoßen.

Sie fiel von der Bank auf den Bürgersteig und schlug sich ihr Knie auf.

„Was soll das denn?“, kreischte sie, während Jaime aufsprang und sich drei dunkel gekleideten Männer gegenüber sah. Einer von ihnen hielt einen Holzpflock in der Hand, während die beiden anderen Pistolen auf ihn richteten.
„Holzgeschosse!“, sagte einer von ihnen mit einem Grinsen. „Damit erledigen wir dich, du verdammter Blutsauger. Du wirst keine armen Mädchen mehr aussaugen.“

Jaime fragte sich, ob es solche Waffen mit Holzgeschossen tatsächlich gab. Er hatte noch nie etwas davon gehört, wollte es aber auch nicht ausschließen. Vor allem aber wussten die drei Männer, was er war oder vermuteten es zumindest.
„Deine Zähne wurden spitz, als du das Blut geleckt hast. Sie sind jetzt noch spitz“, stellte einer der Vampirjäger mit einem verächtlichen Blick fest und Jaime wich einen Schritt zurück. Warum war er so dumm gewesen und hatte sich nicht umgesehen, ob jemand in der Nähe war, als er mit dem Mädchen auf der Bank saß?

Warum hatte er sich überhaupt dazu verleiten lassen, über ihre Wunde an der Hand zu lecken? Er hatte sich wie ein Vollidiot verhalten!

Die junge Frau hatte sich inzwischen aufgerappelt und einer der drei Vampirjäger nickte ihr zu. „Hau ab und vergiss, was du gesehen hast. Von dir wollen wir nichts!“

Dies ließ sich die junge Frau nicht zweimal sagen. So schnell sie es mit ihrem verletzten Knie konnte eilte sie davon, während einer der drei Jäger einen Schuss abgab. Reflexartig sprang Jaime zur Seite und wurde zu seinem Glück nicht getroffen. Aber als der zweite Jäger auf ihn schoss verschwand sein Glück.

Das Geschoss bohrte sich in seinen Oberschenkel und er stellte fest, dass dies mehr als nur ein bisschen schmerzhaft war. Jaimes verletzte Bein drohte nachzugeben während nun auch die Vampirjäger einen Fehler begingen.
Einer der mit einer Pistole bewaffneten Männer kam ihm zu nahe und Jaime griff nach einem Arm. Er zog den Mann zu sich heran und hielt ihn, einem Schutzschild gleich, vor sich, während sich seine Zähne in den Hals des Jägers bohrten. Die Pistole nahm er an sich und zielte damit auf einen der anderen Jäger.
Er schoss und traf den Mann in den Bauch. Er sagte zusammen während der letzte Vampirjäger sich nun anscheinend mit dem Mut der Verzweiflung und einem Holzpflock in der Hand auf ihn stürzte.

Die Schmerzen in Jaimes Bein waren mittlerweile beinahe unerträglich und dann bohrte sich der Pflock des Jägers zu allem Übel auch noch in seinen Arm. Holz war niemals gut für Vampire….

Aber es war auch nicht gut für mordlustige Vampirjäger, zu nahe an einen verletzten Vampir heran zu kommen und so geriet auch der dritte Jäger in Jaimes Reichweite. Eigentlich wollte er den Mann nicht töten, aber blieb ihm denn eine andere Wahl? Denn er stieß noch einmal mit seinem Pflock zu, verfehlte den Vampir aber dieses Mal.

Jaime saugte auch diesen Mann aus und ließ den Körper dann zu Boden fallen, ehe er sich an sein verletztes Bein fasste. Er befürchtete, keinen Schritt gehen zu können. Er dachte an das in der Nähe geparkte Auto. Aber er entschied sich dagegen, dorthin zu gehen. Zum einen war er sich nicht sicher, ob er mit seinem verletzten Bein, in dem immer noch diese Holzkugel steckte, er nahm an, dass es eine Holzkugel war, überhaupt fahren konnte.

Außerdem bestand die Gefahr, dass ihn jemand gesehen hatte, als er die drei Jäger tötet. Er wollte nicht riskieren, dass jemand das Kennzeichen notierte, denn dies hätte dann nicht nur ihn, sondern auch seine drei Mitbewohner in Gefahr gebracht.

Er konnte in dieser Nacht nicht nach Hause zurück kehren, aber er wusste auch nicht, wohin er sonst gehen sollte. Vor allem wusste er, dass das, was an diesem Abend an der Strandpromenande von Ramon und den anderen nicht gut aufgenommen werden würde. Ramon hatte so hohe moralische Ansprüche, die für einen Vampir beinahe nicht zu erfüllen waren.

Dabei hatte Ramon die Männer nicht töten wollen, als er ihr Blut trank. Aber er war verletzt und hatte das Blut benötigt, um die Wunde an seinem Arm und an seinem Bein zu heilen. Seinem Arm ging es wieder besser. Die Wunde würde ihm keine Schwierigkeiten mehr bereiten. Bei seinem Bein sah dies anders aus.

Zwar hatte sich die blutende Verletzung geschlossen, aber die Kugel steckte noch immer in seinem Oberschenkel. Er musste das verfluchte Ding irgendwie entfernen und er musste einen Unterschlupf finden, wo er dies tun konnte.
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