Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
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1 Review
 
24.07.2020 1.042
 
Auch hier geht es jetzt weiter mit dem nächsten Kapitel. Ich wünsche euch viel Spaß beim Weiterlesen. Die Geschichte geht jetzt, wie andere auch, in die Sommerpause. Und danke an Trauemer, für die regelmäßigen Reviews. Schön, dass du dranbleibst.


Pläne und Gedanken einer Psychologin


Frau Dr. Degener war froh, als sie an diesem Abend ihre Praxis hinter sich abschloss und Feierabend machen konnte. Sie dachte noch einmal über ihre Patienten nach. Vor allem Rita Seller war ihr natürlich im Gedächtnis geblieben.
War es möglich, dass ihr Ehemann, Tobias, tatsächlich Kontakt zu Vampiren gehabt hatte? Es war schließlich nichts unmöglich.

Das bewies ihr der Vollmond einmal im Monat, auch wenn Frau Seller natürlich genauso wenig an Werwölfe wie an Vampire glaubte. Sie konnte es ihr nicht einmal verübeln. Schließlich hatte sie dies vor ihrer unerfreulichen Begegnung mit einem Werwolf auch nicht getan und solche Geschichten weit ins Reich der Fantasie verwiesen.

Aber dann war sie auf bittere Weise eines Besseren belehrt worden. Sie war froh, dass der letzte Vollmond noch nicht lange zurück lag. Da hatte sie noch ein wenig Zeit bis zu ihrer nächsten Verwandlung. Aber die würde natürlich wieder unweigerlich stattfinden. Es gab nichts, was sie dagegen tun konnte. Sie konnte sich lediglich in den entsprechenden Nächten im eigens dafür vorbereiteten Raum in den Keller sperren und hoffen, dass nicht ausgerechnet dann ein Einbrecher versuchte, in ihr Haus und in eben jenen Kellerraum einzudringen.

Dies hätte unweigerlich den Tod des Eindringlings zur Folge gehabt und sie selber hätte wahrscheinlich am nächsten Tag große Probleme, der Polizei und dem Staatsanwalt den zerfetzten Toten in ihrem Keller zu erklären. Die Verwandlung in einen Werwölfin würde man wahrscheinlich nicht gelten lassen.

Aber nun hatte sie vielleicht eine Spur von jemanden gefunden, der selber tatsächlich Erfahrungen mit übernatürlichen Dingen besaß. Bislang hatte sie nicht allzu viele Menschen getroffen, die tatsächlich Kontakt zu Vampiren oder gar Werwölfen hatten. An ihren vergangenen Arbeitsplätzen war sie stets ein wenig angeeckt, weil sie diese Themen so intensiv mit ihren Patienten besprach und einige Kollegen in der psychiaterischen Klinik, in der sie eine Weile gearbeitet hatte, hatten sich schon über sie lustig gemacht.
„Die glaubt den Blödsinn, den die ihr erzählen. Hast du gehört, wie ausführlich sie mit der alten Frau Schlömer über ihren angeblichen Hausgeist gesprochen hat?“, hatte einer ihrer Kollegen einmal zu einer Krankenschwester gesagt und die dumme Kuh hatte dämlich gekichert.

Nun hatte sie ihre eigene Praxis eröffnet und Patienten, die mit ihr über merkwürdige Erlebnisse, die in den Bereich des übernatürlichen gehörten, sprechen wollten, wurden von ihr bevorzugt. Ihre beiden Sprechstundenhilfen kicherten auch manchmal über den Spleen der Chefin, aber da sie ansonsten bei ihr recht angenehme Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung vorfanden hielt sich das Kichern in Grenzen und sie erledigten ihre Arbeit anständig.

„Tobias Seller, Ehemann von Rita Seller. Möglicherweise Vampirjäger“, las sie die Notiz, die niemals Eingang in die offizielle Patientenakte finden würde. Schließlich wollte sie nicht, dass ihre Mitarbeiterinnen zu dem Schluss kamen, dass ihre Chefin nicht nur an einem kleinen Spleen litt, sondern statt dessen verrückt war.

Jedoch wurde eine Schublade ihres Wohnzimmerschranks für die Unterbringung von Notizen dieser Art genutzt. Darin befanden sich bereits Informationen über Geister, Vampire, Werwölfe und andere übernatürliche Wesen. Es gab auch ein paar Berichte über Patienten, die Aliens gesehen hatten oder zumeist gesehen haben wollten.

Sie hielt nur einige dieser Geschichten für wirklich glaubhaft. In vielen anderen Fällen gab es ihrer Ansicht nach andere, rationalere Erklärungen. So hatte einer ihrer Patienten ein riesiges Ufo über sich gesehen, zuvor aber gekifft und eine große Flasche Schnaps geleert. Anschließend war er ins Krankenhaus gekommen und man hatte ihm den Magen auspumpen müssen. Ein paar Tage hatten die Angehörigen um sein Leben gebangt und dann hatte er zu allem Übel auch noch damit begonnen, über Ufos zu sprechen.

Auch durch die Erklärung, dass man ihn in der Nähe des Flughafens gefunden hatte und dass es sich bei den angeblichen Ufos durchaus um startende oder landende Maschinen handeln konnte, hatte er sich nicht von seiner Geschichte abbringen lassen.

In diesem Fall ging Marita davon aus, dass der arme Mann an jenem Abend zu viele Substanzen, die nicht gut für ihn waren, konsumiert hatte. Sie hatte den Bericht über ihn mit einem roten Haken versehen. Dies bedeutete, dass sie ihn, nachdem sie ihn näher betrachtet hatte, für nicht weiter beachtenswert hielt.

Dies traf auf viele ihrer Fälle zu, nur wenige waren mit einem grünen Haken, der für „nachdenkenswert“ stand, versehen worden. An einigen Berichten befand sich ein Fragezeichen. Und dies traf auch auf die Informationen, die sie über Tobias Seller hatte, zu.

„Ich würde ihn gerne einmal kennen lernen und mir selber ein Bild von ihm machen. Aber nachdem, was seine Frau von ihm erzählte, hätte es wohl nicht viel Sinn, wenn ich ihn in meine Praxis bitte, um an seiner Ehe zu arbeiten. Das würde ich sowieso an einen Paartherapeuten weitergeben müssen….“, dachte sie und überlege, wie sie mit Tobias Seller ins Gespräch kommen sollte.

Vielleicht sollte sie ihn einfach direkt ansprechen? Aber dies war immer ein Risiko und sie hatte sich auf diese Weise bereits einmal in einem anderen Fall, wo es um einen vermeintlichen anderen Werwolf ging, lächerlich gemacht. Das Risiko wollte sich nicht noch einmal eingehen. Zum einen konnte sie auf diese Weise Rita Seller als Patientin verlieren, oder aber ihr Mann rief direkt die Polizei, da er sich belästigt fühlte. Auch so etwas war ihr schon einmal beinahe passiert und sie hatte den anderen nur mit Mühe überreden können, es nicht zu tun und alles als Scherz hingestellt.

„Vielleicht sollte ich ihn in meine Praxis bitten, da ich ein paar Informationen über seine Frau brauche, um ihr helfen zu können. Natürlich ohne sie. Wenn sie ihm noch nicht vollkommen gleichgültig ist, wird er vielleicht kommen“, dachte sie, obwohl auch dies eine unkonventionelle Methode war.

Aber einen Versuch war es durchaus wert. Zur Not konnte sie das Gespräch jederzeit auf seine Frau lenken, der sie, neben ihrem Interesse an der Vampirgeschichte ihres Mannes, tatsächlich gerne helfen wollte, um mit der Trennung fertig zu werden.

Sie griff nach dem Telefonhörer und wählte die Nummer von Tobias´ Mutter, bei der er lebte. Aber niemand meldete sich. Sie würde es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.
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