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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
06.07.2020 1.294
 
Es geht weiter mit dem nächsten Kapitel. Auch Vampire plagen sich mit einigen Fragen, die sie noch nicht genau beantworten können und alltäglichen lästigen Dingen herum. Dazu gibt es einen Abschied. Es geht dieses Mal eher ruhig zu.


Abschied und Alltagsdinge


Mallorca, Ende März 1981


Valentino hatte sich weitgehend von seinen Verletzungen erholt und nur noch die Erinnerungen an seine Gefangenschaft bereiteten ihm Probleme. Aber damit würde er mit der Zeit fertig werden. Es war nicht das erste Mal in seinem langen Leben, dass er schlechte Erfahrungen gemacht hatte und er war sich sicher, dass es auch nicht das letzte Mal sein würde.

Aber er wusste, dass er nicht bei den vier jüngeren Vampiren bleiben konnte. Sie hatten ihm sehr geholfen obwohl vor allem Ramon keinen Grund dazu gehabt hatte. Oder vielmehr hätte er nach Valentinos Ansicht keinerlei Grund gehabt.

Aber Ramon lebte nach seinen eigenen Regeln was solche Dinge anging und er vertraute seinem eigenen Gefühl für Recht und Unrecht. Valentino war sich sicher, dass Ramon einmal ein sehr guter Polizist und auch ein guter Mensch gewesen war.

Dennoch lag auch genau dort das Problem. Die vier Vampire hatten sich, was ihre doch in einigen Teilen verschiedene Einstellungen zu einigen Dingen anging arrangiert. Aber er passte dort nicht herein. Dazu hatte er in den vergangenen Jahrhunderten zu viel erlebt und manches konnte er nicht mehr mit den Augen der weitaus Jüngeren sehen.

Sie hatten, was einige Dinge anging, noch Illusionen. Die hatte er mittlerweile verloren, außerdem gab es noch einen weiteren Grund, warum er nicht bei den anderen bleiben konnte.

Er wollte mit Adrian abrechnen. Dies stand ihm zu. Er würde den anderen Vampir für das, was er ihm in den letzten Wochen angetan hatte, bluten lassen und er würde es genießen. Aber es war ihm bewusst, dass ihm die anderen vier Vampire auf diesem Weg sicherlich nicht folgen würden, auch wenn Florian Adrian beinahe ebenso zu hassen schien wie er. Aber er hatte es bislang nur einmal mit ihm zu tun gehabt, der Streit mit Valentino dauerte hingegen bereits Jahrhunderte an. Dies machte seiner Ansicht nach einen großen Unterschied.

So kam es, dass Valentino sich am nächsten Abend von den vier anderen Vampiren verabschiedete. Es fiel ihm nicht wirklich leicht, denn auch wenn keine wirkliche Vertrautheit unter ihnen herrschte schuldete er ihnen eigentlich.

„Bist du dir wirklich sicher?“, fragte Ramon sichtlich beunruhigt. „Du willst dich auf die Suche nach Adrian machen?“
„Vielleicht. Ich bin mir noch nicht sicher“, antwortete Valentino nicht vollkommen wahrheitsgemäß. „Ich wüsste ja auch gar nicht so genau, wo ich ihn suchen soll. Amerika ist groß und er hat mir weder eine Stadt noch einen Bundesstaat genannt. Er kann genauso gut in Texas wie in Minnesota oder in Kalifornien sein. Vielleicht treibt er sich auch in New York herum und sucht sich seine Opfer im World Trade Center oder im Central Park. Da ist er recht flexibel.“

„Ja, das ist er“, stellte Florian mit einer gewissen Verbitterung fest und Valentino dachte bei sich dass der jüngere Vampir trotz allem was er mit Adrian erlebt hatte noch längst nicht wusste, wie verdorben und bösartig dieser tatsächlich war.

Wenn Florian und die anderen drei Vampire Glück hatten konnten sie viele Jahre oder vielleicht sogar für immer weiterleben, ohne dass ihnen Adrian noch einmal über den Weg lief. Aber dies war keine Möglichkeit für ihn, auch wenn sich der Gedanke einschlich dass der andere Vampir ihn nun höchstwahrscheinlich für tot hielt.

Er könnte versuchen, ihm aus dem Weg zu gehen. Aber dies wollte er nicht. Er wollte sich nicht für den Rest seines Daseins vor Adrian in Acht nehmen und wie ein Kaninchen in einem Bau verstecken oder darauf hoffen, Vampire zu schaffen, die ihm seinen Feind vom Hals halten würden.

So war er viel zu lange vorgegangen und letztlich hatte er keinen Erfolg gehabt.

Er würde nun zum Angriff übergehen auch wenn er noch nicht genau wusste, wie er vorgehen sollte. Auf jeden Fall würde der Überraschungsmoment auf seiner Seite sein, da Adrian nichts davon wusste, dass der von ihm totgeglaubte Valentino ihn suchte.

Mit einer Mischung aus Erleichterung, Verwunderung und sogar ein wenig Bedauern saßen die vier übrig gebliebenen Vampire ein paar Stunden später auf ihrer Dachterrasse zusammen nachdem Ramon Valentino zum Hafen von Palma gefahren hatte. Er würde von dort aus irgendwie weiterreisen und hatte sich nicht zu seinen weiteren Plänen geäußert.

„Ich habe ihm gesagt, dass ihm keiner von uns helfen kann, wenn er Adrian erneut in die Hände fällt“, sagte Ramon und fügte hinzu: „Ich verstehe ihn einfach nicht. Warum macht er das? Ich bin mir sicher, dass er sich an ihm rächen will.“
„Ich verstehe ihn sehr gut. Du hast doch auch gesehen wie er ausgesehen hat, als wir ihn aus dem Keller geholt haben. Als Mensch wäre er wahrscheinlich gestorben bevor wir ihn gefunden haben. Kein Wunder, dass er Rache will“, äußerte Jaime ein gewisses Verständnis für Valentino.

„Ich verstehe ihn auch irgendwie“, antwortete Florian und er stellte fest dass es mit der Verständigung immer besser funktionierte. Dies wunderte ihn ein wenig. Er war niemals sonderlich begabt für Fremdsprachen gewesen. In der Schulzeit hatte er einigermaßen gut Englisch gelernt, später war Französisch dazu gekommen. Aber in dieser Sprache war er nie über eine Vier hinaus gekommen, die Tendenz war stets Richtung fünf gegangen. Er wunderte sich ein wenig, dass es mit dem Spanischen nun doch recht schnell funktionierte und dass dies auch bei Christian der Fall war während sich bei den beiden anderen Vampiren die Deutschkenntnisse verbessert hatte. Und Valentino hatte neben seiner italienischen Muttersprache ebenfalls ein gutes Spanisch und sogar einigermaßen Deutsch gesprochen.

Lag dies daran, dass sie häufiger mit der Sprache konfrontiert waren? Oder lernten alle Vampire schneller Fremdsprachen?

Valentino schien sich keinerlei Sorgen um mögliche Verständigungsprobleme gemacht zu haben als er beschloss nach Amerika zu gehen. Ging er davon aus, dass er auch dort recht gut mit der englischen Sprache zurecht kommen würde? Oder beherrschte er sie am Ende bereits seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten?

Florian wandte sich an die anderen. „Ist euch eigentlich schon aufgefallen, dass wir uns mittlerweile viel besser verständigen können? Wisst ihr, ob das bei unsereins normal ist?“

Ramon zuckte die Achseln. „Ja, das ist mir aufgefallen. Irgendwie sprechen wir noch einen Mischmasch aus Deutsch und Spanisch. Aber ich konnte bereits als Mensch ein wenig Deutsch, ich hatte es als Polizist manchmal mit deutschen Touristen zu tun die bestohlen wurden oder auch einfach nach dem Weg fragten, wenn sie mich in meiner Uniform sahen.“

Er schien mit Wehmut an diese Zeit zurück zu denken, in der er noch ein Mensch gewesen war und den Beruf ausgeübt hatte, für den er sich aus Überzeugung entschieden hatte, aber dann kam er wieder auf Florians Frage zurück.
„Ich könnte mir vorstellen dass Vampire Sprachen recht schnell lernen, dass es aber dennoch Unterschiede gibt und es auch eine Frage des Bemühens und des Willens ist. Aber sogar so ein Faulpelz wie Jaime hat es ja mittlerweile einigermaßen geschafft.“

Jaime, der neben Ramon saß, gab diesem einen Klaps auf den Hinterkopf. „Was heißt hier Faulpelz? Ich habe vorhin die Gläser mit dem Blut gespült. Aber das Trinken aus den Dingern hat ja jetzt ein Ende...Valentino braucht sie schon länger nicht mehr. Aber ich habe sie gespült.“
„Das war ja auch deine Aufgabe“, mischte sich Christian in das Gespräch ein. „Du solltest es bereits seit zwei Wochen machen und hast die ganze Zeit über darauf gewartet, dass es einer von uns tut. Aber das haben wir nicht gemacht.“

Florian konnte ein Lachen nicht unterdrücken, jedoch Christian warf ihm einen mahnenden Blick zu. „Und du sollst seit mindestens einer Woche das Bad putzen und im Gegensatz zu uns anderen hättest du sogar am Tage Zeit dazu.“

Florians Grinsen verschwand. „Äh ja...das Bad….“

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