Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
03.07.2020 1.080
 
Hier haben wir noch ein weiteres Kapitel dieser Geschichte. Ich wünsche wieder viel Spaß beim Lesen.

Fortsetzung einer Ehekrise


Rita musste an diesem Abend tatsächlich lange auf ihren Mann warten. Erst kurz vor Mitternacht kehrte Tobias nach Hause zurück und er schaffte es gerade noch sich die Schuhe auszuziehen ehe er sich im Wohnzimmer auf das Sofa fallen ließ.
Offenbar beabsichtigte er die Nacht dort zu verbringen und sie roch, dass er anscheinend eine Menge getrunken hatte.
Zumindest gehörte er nicht zu den Menschen, die in betrunkenem Zustand aggressiv wurden. Statt dessen brauchte er vor allem Schlaf. Rita wusste, dass sie es nicht mehr schaffen würde, ihren Mann dazu zu bewegen, sich diesen Schlaf neben ihr in seinem Bett zu holen.

Daher ließ sie ihn dort liegen wohin er sich hatte fallen lassen und ging alleine ins Schlafzimmer. Sie schloss die Tür hinter sich um das Schnarchen aus dem Wohnzimmer nicht hören zu müssen. Sollte er doch zusehen, wie er zurecht kam.
„Das war es dann wohl mit dem Versuch, unsere Ehe doch noch zu retten“, dachte sie, aber eine kleine Hoffnung blieb ja noch.

„Es sei denn…“, dachte sie und fasste an ihren Bauch.



Mallorca

Während Rita in ihr Schlafzimmer ging und Tobias seinen Rausch auf dem Sofa ausschlief saßen zwei Vampire auf der Dachterrasse des kleinen Hauses auf Mallorca zusammen.

Ramon hatte sich dazu durchgerungen ein längst überfälliges Gespräch mit Valentino zu führen und er war dem anderen Vampir insoweit dankbar, dass er ihm bislang keine Gespräche aufgezwungen hatte.
Mittlerweile hatte sich Valentino weitgehend erholt und sogar seine zertrümmerte Hand war wieder verheilt. Alles in allem befand sich der Vampir wieder in einem guten gesundheitlichen Zustand und er schien zu wissen, wem er dies zu verdanken hatte.

„Du gehst mir aus dem Weg“, begann Valentino das Gespräch als er neben Ramon auf einem der Liegestühle Platz nahm.
Dieser sah den anderen Vampir mit einer Mischung aus Spott und Resignation an. „Warum sollte ich Zeit mit dir verbringen? Das letzte Mal als wir es intensiver miteinander zu tun hatten hast du mich wochenlang in ein Zimmer gesperrt und wolltest mich dazu bringen, gegen meine eigenen Überzeugungen zu handeln.“
„Das war ein Fehler und es tut mir leid!“, antwortete Valentino. „Ich meine es ehrlich. Ich hatte einige Zeit zum Nachdenken. Im Keller des Hauses auf Ibiza als ich fast gestorben bin und auch in der letzten Zeit, als ich mich hier wieder erholt habe.“
„Und zu welchem Schluss bist du gekommen?“, fragte Ramon und er schien den Worten des anderen nicht vollkommen zu trauen.

Dies verstand Valentino mittlerweile. Schließlich hatte er Ramon einiges zugemutet.
„Ich möchte, dass wir zumindest so etwas wie einen Waffenstillstand schließen. Ich werde mich künftig aus deinen Leben heraushalten. Wenn du Robin Hood oder Supervampir spielen willst, dann mach das meinetwegen. Aber lass dich nicht erwischen“, sagte Valentino schließlich und er hielt Ramon die Hand hin.

Schließlich gab der jüngere Vampir nach und er ergriff die angebotene Hand.
„Also Waffenstillstand. Leben und Leben lassen?“
„Ja, Leben und Leben lassen. Und so lange ich hier bei euch bin halte ich mich an eure Regeln. Sie stimmen ja im Wesentlichen mit meinen eigenen überein, auch wenn ihr meiner Ansicht nach das süße Leben ein bisschen zu sehr genießt.“

Ramon zuckte die Achsen. „Florian, Christian und Jaime waren noch so jung, als sie zu Vampiren wurden und sie haben auch einiges mitgemacht. Florian hatte beinahe genauso sehr unter Adrian zu leiden wie du und Christian wäre beinahe an Leukämie gestorben, wenn er nicht zum Vampir geworden wäre. Jaime wurde von einem betrunkenen Bargast niedergestochen und er vermisst seine damalige Freundin, auch wenn er glaubt, dass er das verheimlichen kann. Wir lassen ihn in dem Glauben….sie brauchen ein wenig Spaß und ich brauche das ehrlich gesagt manchmal auch. Ich vermisse es, als Polizist zu arbeiten. Ich mochte meinen Beruf. Ich wollte wirklich etwas bewegen. Ein paar Illusionen habe ich mit der Zeit verloren. Trotzdem….“

„Das meiste davon wusste ich nicht“, murmelte Valentino, der sah, dass nicht nur sein eigenes Leben hart gewesen war. Der Unterschied war lediglich,dass er manche Dinge bereits wesentlich länger erlebte.

Er sah Ramon nachdenklich an. „Ich wollte mich auch noch dafür bedanken, dass ihr mich aus diesem Keller heraus geholt habt. Ohne euch wäre ich jetzt tot und würde wahrscheinlich von den wenigen Ratten, die es dort manchmal gab, gefressen.“

Ramon lächelte schwach. „Ich hätte niemanden in einem Keller verhungern lassen. Ich sagte ja bereits, dass ich etwas bewegen wollte und daher auch Polizist geworden bin. Ich wollte etwas gegen Ungerechtigkeiten unternehmen und jemanden sterben zu lassen wäre ungerecht gewesen, egal ob es sich dabei um einen Menschen oder um einen Vampir handelt.“



Eine Woche später saß Rita bei ihrem Arzt und hatte Tränen in den Augen. Tobias wusste nichts von diesem Arztbesuch, es hätte sowieso keinen Zweck gehabt, mit ihm darüber zu sprechen. Zumindest hatte er sich für seinen langen Kneipenabend entschuldigt und versprochen, so etwas künftig zu unterlassen.

Sie wusste nicht, wie lange er dieses Versprechen halten würde und dies war nun auch unwichtig. Wichtig war das, was der Arzt ihr mitgeteilt hatte.
„Frau Seller, Ihre Mensturation hatte ich nur ein klein wenig verzögert. Um genau zwei Tage. Das ist nicht viel und nicht ungewöhnlich. Aber schwanger sind Sie definitiv nicht. Das kann ich ausschließen. Da ist kein Kind und da war auch nie eins. Sie können keine Kinder bekommen, damit müssen sie sich endlich einmal abfinden.“

Musste der Arzt so unfreundlich zu ihr sein? Sie fand ihn in diesem Augenblick unmöglich.

„Aber…,“stammelte sie, jedoch der Arzt erhob sich. „Frau Seller, Sie können keine Kinder bekommen. Und mit dem Ultraschall habe ich auch nichts gesehen. Sie haben ja darauf bestanden, obwohl es dafür noch viel zu früh wäre, selbst wenn Sie schwanger wären. So deutlich zeigen die Geräte so was so früh nicht an. Aber auch Ihre Blutwerte deuten nicht darauf hin, außerdem haben Sie inzwischen ihre Periode bekommen. Also belästigen Sie mich hier nicht mit Ihrem Kinderwunsch.“

Rita stand auf und verließ beinahe fluchtartig das Sprechzimmer des Arztes und dann die Praxis. Sie wusste, dass der Arzt recht hatte. Aber musste er so unfreundlich sein?

Nun war sie froh, dass sie mit niemandem über neue Hoffnung auf eine Schwangerschaft gesprochen hatte. Niemand wusste von ihrer erneuten Niederlage, denn nichts anders war es für sie. Aber zumindest wusste sie nun, dass sie sich einen anderen Arzt suchen würde und nicht mehr länger bei diesem Scheusal in Behandlung bleiben würde.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast