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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
27.06.2020 1.026
 
Auch hier gibt es ein neues Kapitel. Ich wünsche viel Spaß beim Weiterlesen.


Vorsichtiges Herantasten (Mallorca, Februar 1981)




Zu Florians Erleichterung ließ sich Adrian in der nächsten Zeit nicht blicken. Valentino hatte ihnen berichtet, dass der mächtige Vampir offenbar vorhatte, mit jemandem in den USA abzurechnen. Florian hatte Mitleid mit demjenigen, der bald eine unangenehme Begegnung mit Adrian haben würde oder bereits gehabt hatte. Dabei spielte es auch keine Rolle, ob es sich bei dem Ärmsten um einen Menschen oder einen Vampir handelte.
Aber zumindest bedeutete dies, dass Adrian wohl nicht wusste, wo sich Valentino befand oder dass er nicht langsam und qualvoll in seinem Gefängnis verhungerte oder bereits verhungert war.

Außerdem bedeutete dies, dass Adrian seine Aufmerksamkeit vorerst nicht auf ihn und seine Mitbewohner richten würde, zumal er offenbar nicht wusste, dass sie auf Mallorca lebten.

Dennoch wusste er, dass sie wachsam bleiben mussten. Aber es war wohl nicht nötig, das Haus aufzugeben und sich einen anderen Zufluchtsort zu suchen. Sie waren hier so sicher wie anderswo auch.
Anscheinend war Elena nicht mehr dazu gekommen, Adrian etwas von ihnen zu berichten. Zumindest hatte er Valentino gegenüber nichts dergleichen erwähnt.

Er würde die Verbindung zwischen seinem ehemaligen Gefangenen und Florian und den anderen Vampiren nicht herstellen.

Florian selber war Valentino weitgehend aus dem Weg gegangen und hatte es den anderen überlassen, Nahrung für ihn zu beschaffen. Im Grunde wusste er, dass er sich dem anderen Vampir gegenüber ungerecht verhielt.
Valentino hatte ihm niemals etwas getan und er war, genauso wie er, ein Opfer von Adrian geworden. Das einzige, was er gegen ihn vorbringen konnte war, dass er Ramon, mit dem er sich mittlerweile angefreundet hatte, eingesperrt hatte.

Darüber ärgerte er sich tatsächlich. Ramon war für einen Vampir ziemlich umgänglich und wäre unter anderem Umständen, wenn nicht so vieles ungünstig gelaufen wäre, ein anständiger Mensch gewesen, der seine Arbeit als Polizist mit einem gewissen Idealismus verfolgte und den Menschen tatsächlich helfen und sie vor Verbrechen schützen wollte.

Jaime machte sich über Ramons Idealismus manchmal lustig, aber es war nicht böse gemeint, sondern es geschah vor allem, um den ehemaligen Polizisten ein wenig zu ärgern.

Aber was zwischen Ramon und Valentino vorgefallen war war etwas, das die beiden unter sich regeln mussten und das ihn nichts anging. So lange Valentino sich nichts zuschulden kommen ließ und Ramon nicht angriff würde er sich nicht einmischen, zumal er Ramon so einschätzte, dass er die Angelegenheit selber regeln wollte.
„Sollte er keinen von uns angreifen, werde ich nichts machen“, dachte Florian und beschloss, zumindest einmal mit dem anderen Vampir zu sprechen, denn mittlerweile hatte Valentino sich soweit erholt, dass dies möglich war.

Also betrat Florian kurz darauf das Schlafzimmer, in dem Valentino, auf die Seite gerollt, auf seiner Matratze lag. Neben ihm stand ein leeres Glas, in dem sich bis vor kurzem Blut befunden hatte. Florians Blick fiel auf die noch immer verletzte und verbundene Hand des Vampirs. Die Knochen waren regelrecht zertrümmert gewesen und er hatte Zweifel gehabt, ob dies wieder verheilen würde.

„Was macht deine Hand?“, begann Florian daher das Gespräch mit dem anderen Vampir und dieser setzte sich auf.

„Es ist besser, danke, antwortete er in gebrochenem Deutsch. Es war lange her, seitdem er diese Sprache das letzte Mal gesprochen hatte. Damals hatte ein Mann namens Schiller ein Stück mit dem Namen „Die Räuber“ aufgeführt und Valentino hatte, mit einer hübschen Vampirin an seiner Seite, im Publikum gesessen.

In der Tat verheilte Valentinos verletzte Hand langsam aber sicher, auch wenn es noch ein wenig dauern würde, bis er sie wieder vollständig benutzen konnte. Aber die Verletzung würde, wie alle anderen, verheilen.

„Ich wollte mich noch einmal für die Hilfe bedanken“, sagte Valentino und er meinte es ehrlich. „Ihr habt einiges riskiert...“

Florian unterbrach ihn„Ja, das haben wir. Ramon und Christian noch mehr als ich oder Jaime. Wir hätten uns zumindest ein wenig zur Wehr setzen können. Aber die beiden hätten so gut wie keine Chance gehabt. Sie sind mutig und wahrscheinlich sehr gute Menschen oder eben Vampire, im Gegensatz zu den meisten von uns. Aber sie sind nicht stark, zumindest nicht nach Vampirmaßstäben, die bei Adrian angesetzt werden müssen. Dennoch waren es die beiden, die sich am meisten für dich eingesetzt haben, vor allem Ramon. Und das nach allem, was du ihm angetan hast. Hast du ihn nicht eingesperrt, weil er das aus seiner Sicht richtige tun wollte?“

„Hättest du Christian denn gewähren lassen, wenn er sich entschlossen hätte, in Supervampir-Manier loszuziehen, um Verbrecher zu fangen?“, erkundigte sich Valentino, der das Gefühl hatte, sich verteidigen zu müssen.

„Ich hätte es nicht gut gefunden, eben weil es riskant ist. Aber ich hätte ihn nicht gewaltsam daran gehindert. Er hätte selber wissen müssen, was er tut und ich hätte ihn vor allem gebeten, sehr vorsichtig zu sein. Aber ich bin nicht sein Herr und Meister und ich hätte gar nicht das Recht gehabt, ihn irgendwo einzusperren. Außerdem ist Christian mein bester Freund und ich hätte ihm so etwas niemals angetan! Ich will meine Freunde nicht verletzten und wenn es passiert dann tut es mir leid und ich mache es nicht mit Absicht!“, antwortete Florian und wunderte sich, dass Valentino ihm tatsächlich zuzuhören schien.

„Ich weiß, dass ich zu weit gegangen bin“, antwortete Valentino. „Aber auch ich war der Ansicht, das richtige zu tun. Dennoch war es ein Fehler.“

„Dann sag das Ramon und nicht mir. Entschuldige dich bei ihm. Das wäre ein guter Anfang!“, sagte Florian, aber genau da schien das Problem zu liegen.
„Er spricht nicht mit mir. Es mag seine Idee gewesen sein, mich zu retten. Aber jetzt will er nichts mehr mit mir zu tun haben“, antwortete Valentino und Florian konnte nicht abschätzen ob dies dem anderen Vampir etwas ausmachte oder nicht.

„Das wird schon wieder. Irgendwann wird er es tun. Und vielleicht solltest du ihn einfach einmal ansprechen, wenn du ihn zu Gesicht bekommst“, riet Florian seinem Artgenossen das Naheliegendeste.

Er erhob sich, aber es gab noch etwas anderes, was er klären wollte.

„Versuch nicht, dich hier zum Anführer zu machen“, sagte Florian, ehe er den Raum wieder verließ. „Wenn du dich daran hältst, dann können wir vielleicht alle irgendwie miteinander auskommen.“
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