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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
15.05.2020 1.154
 
Ein neues Kapitel. Nach seinem Kampf gegen den Vampir sehnt sich Tobias nach Ruhe und Entspannung. Und er wird sie finden, wenn auch nicht da, wo er sie eigentlich finden wollte.


Neue Freunde? (Januar 1981)



Rita saß im Wohnzimmer, als Tobias an diesem Abend zurück kehrte. Vor ihr stand ein Glas mit Wein und sie hatte den Fernseher eingeschaltet. Es lief ein Spielfilm, aber sie achtete nicht auf die Handlung.
„Wo warst du?“, fragte sie ihren Mann mit hochgezogenen Augenbrauen, als er sich neben sie setzte und ihm fiel auf, dass er diese Geste mit den Augenbrauen an ihr hasste.
„Du hast noch deine Schuhe an,“ fuhr sie unterdessen fort. „Zieh die doch aus, wenn du durch den Schnee gegangen bist. Ich habe keine Lust, heute Abend noch den Boden zu putzen.“

„Das kann ich auch machen, wenn es wirklich nötig sein sollte,“ antwortete Tobias und schlecht gelaunt kehrte er in den Flur zurück und zog seine Schuhe aus.
Im Grunde hatte sie ja recht mit ihrem Vorhalt, aber früher war sie bei weitem nicht so kleinlich gewesen. Zumal sie wusste, dass er entstandene Flecken selber entfernen würde.

Gerade hatte sie wie eine nörglerische alte Frau geklungen und dies gefiel ihm ganz und gar nicht.

„Besser so?“, fragte er, als er auf Socken ins Wohnzimmer zurück kehrte, aber Rita antwortete nicht. Statt dessen starrte sie nun doch in den Fernseher und schien den dort laufenden Film, es handelte sich um einen Heimatfilm aus den 50er Jahren, mittlerweile recht spannend zu finden.

„Seit wann interessierst du dich für so was? Bei meiner Mutter machst du dich immer darüber lustig, wenn sie sich so was ansieht,“ stellte er fest, aber Rita sah ihn unfreundlich an.
„Na und? Man kann seine Meinung ja ändern. Und dieser mutige Förster dort zieht bestimmt von sich aus seine schmutzigen Schuhe aus, wenn er zu seiner Freundin geht.“

Tobias seufzte innerlich, verkniff sich aber jeglichen Kommentar. Wenn Rita plötzlich Gefallen an Romanzen in schöner Kulisse fand, dann sollte sie sich diese Sendungen halt ansehen.

Er sah, dass sich ihre Hand auf der Sofalehne verkrampfte und dass sie mit den Tränen kämpfte, aber anstelle von Mitgefühl, fühlte er sich einfach nur noch genervt. Dafür schämte er sich. Schließlich war Rita seine Frau.

Sollte er jetzt nicht eigentlich aufstehen und sie in den Arm nehmen und fragen, was sie bedrückte? Aber er wusste schließlich, was der Grund für ihre Tränen war und es war nun einmal ein Umstand, den er nicht ändern konnte. Also tat er so, als bemerkte er ihr Verhalten nicht, ahnte aber, dass sie ihm dies ebenfalls negativ auslegen würde.

Eigentlich konnte er im Augenblick so gut wie überhaupt nichts richtig machen.

„Rita, ich hole mir ein Glas Apfelsaft. Möchtest du auch eins?“, fragte er, aber sie schüttelte den Kopf.
„Nein danke, das verträgt sich nicht mit dem Rotwein. Ich trinke lieber davon noch ein Glas.“

„Das wievielte ist es denn?“, fragte Tobias, der sich diese Frage nicht verkneifen konnte.

In der letzten Zeit hatte Rita häufig mit Rotwein vor dem Fernseher gesessen und bisher hatte er nichts dazu gesagt.
Sie sah ihn verwundert an. „Willst du mir jetzt darum einen Vorwurf machen? Was soll diese Frage? Du klingst so vorwurfsvoll. Was ist denn so schlimm daran, wenn ich mir hin und wieder ein Glas gönne? Ich habe schließlich sonst keine Freude im Leben!“

„Dann gieß dir noch ein Glas ein,“ antwortete Tobias schlecht gelaunt und er ging nun in die Küche, um sich ebenfalls ein Weinglas zu holen.
„Ich will dir bei den Freuden des Lebens gerne Gesellschaft leisten,“ sagte er und füllte sein Weinglas. „Wir können ja anstoßen…darauf, dass wir uns haben und auf unsere wunderschöne Wohnung.“

„Du bist einfach nur widerlich,“ schrie Rita ihn an und warf mit dem Glas nach ihm.

Sie traf ihn an der Wange, aber zu seinem Glück zerbrach das Glas nicht.So blieben ihm Verletzungen durch Splitter erspart. Statt dessen lief ihm der Rotwein zuerst übers Gesicht und dann über die Kleidung.

Beide starrten sich an und konnten nicht so recht glauben, was gerade geschehen war. Tobias nahm das Glas, das, nachdem es seine Wange traf, auf seinen Schoß gefallen war, und stellte es auf den Wohnzimmertisch.
„Ich gehe noch eine Runde um den Block. Bis später.“

„Ja, dann geht doch, wenn du es mit mir nicht aushältst“ ,schrie sie ihm hinterher, als die Haustür ins Schloss fiel.




Tobias tat das, was er Rita gegenüber angekündigt hatte. Er ging eine Runde um den Block. Auf dem Weg gab es eine Kneipe, „Zum kleinen Bierkrug“, und nach einigem Zögern betrat der Vampirjäger die Gaststätte.

Eine Viertelstunde später stand Tobias mit vier anderen Männern am Tresen.

„Also Toby, du warst bisher noch nicht so häufig hier, sagte Peter, der Gastwirt, der gerade ein Glas mit einem Handtuch abtrocknete und ihm anschließend ein Bier hinschob.
Tobias nickte und ein Mann zu seiner Rechten schlug ihm auf die Schulter. „Ich bin der Hotte. Aber meine Schwiegermutter sagt immer Horst zu mir. Der alte Drachen!“

Vier weitere Männer gesellten sich zu ihnen und stellten sich als Wolle, Manni, Jupp und Dieter vor. Offenbar trafen sie sich beinahe jeden Abend in der Kneipe und hießen den neuen Besucher herzlich in ihrer Mitte willkommen.

Sie waren alle älter als Tobias, das reichte von wenigen Jahren bei Wolle bis zu einem Altersunterschied von fast zwanzig Jahren bei Manni.
Anscheinend befanden sie sich alle auf der Flucht vor ihren Ehefrauen. „Meine quatscht nur über Schuhe,“ klagte Hotte schlecht gelaunt. „Ich kann das Geld doch nicht kacken.“

„Meine Frau hat einen Putzfimmel und schreit mich dauernd an,“ berichtete Manni und grinste. „Aber ich stopfe mir Oropax in die Ohren. Dann höre ich auch nicht, wenn meine Tochter mir wegen ihrem Liebeskummer die Ohren vollheult. Ist doch selber schuld, wenn sie sich einen Kerl sucht, der fremdgeht. Sie soll ihn in den Hintern treten. Und wenn ich ihn in die Finger kriege, werde ich das auch gerne für sie erledigen. Aber ihre Heulerei kann ich nicht ausstehen.“

Auch Wolle und Dieter waren offenbar nicht wirklich glücklich in ihren Ehen. Tobias hörte nur mit halben Ohr zu, als sie über die misslichen Eigenschaften ihrer Frauen sprachen, die von Bier zu Bier immer schlimmer zu werden schienen.

Nach den Erzählungen seiner neuen Bekannten hatte er bereits harmonischere Beziehungen mit Vampiren, die er gerade pfählte, erlebt.

Er fragte sich, warum die vier Männer überhaupt noch verheiratet waren. Oder war diese Kneipe ihr Kompromiss? Man blieb auch in schlechten Zeiten zusammen und verbrachte die guten Zeiten mit den Freunden in der Kneipe. Nun, er war schließlich auch hier und schließlich stellte der Wirt einen Würfelbecher auf den Tresen.
„Spielen wir ein bisschen,“ schlug Hotte vor und seine Laune hob sich und Tobias bestellte sich noch ein Bier.

Er war sich sicher, dass er diese Kneipe in Zukunft häufiger aufsuchen würde. War doch ganz lustig hier und die neuen Kumpels waren zumindest unterhaltsamer als Rita.
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