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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 1.557
 
Es folgt, nach einer etwas längeren Pause, das neue Kapitel. Also viel Spaß beim Weiterlesen.


Ausreden



Tobias schaute aus Elkes Küchenfenster auf das Nachbarhaus und runzelte die Stirn. „Also das klingt wirklich beunruhigend. Du sagst, dass du diesen Vampir noch einmal gesehen hast?“

Sie nickte und deutete auf einige Mülltonnen. „Dort drüben, neben dem Haus der Mellers, hat er vorgestern gehockt, ist aber weg gelaufen, als Herr Meller mit seinem Schäferhund raus ging. Im ersten Moment hatte ich wirklich Angst, dass er den Mann anfallen würde, aber mit Beißer legt sich wirklich niemand freiwillig an. Der hat schon zwei Postboten in die Flucht geschlagen und alle Kinder, meine eingeschlossen, habe hier Angst vor ihm!“

„Und was ist mit den Beckers? Hast du die schon mal angesprochen?“, erkundigte sich Tobias. „Immerhin vermutest du ja, dass der Vampir in ihrem Haus hinter diesem zugemauerten Fenster haust.“
Elke schüttelte den Kopf. „Nein, das ging bislang noch nicht. Ich wollte die Frau schon einmal fragen, ob sie einen Vampir in ihrem Haus beherbergt, aber irgendwie hab ich das dann doch nicht über mich gebracht. Ich habe sowieso den Eindruck, als ob sie bei ihrem Mann nicht allzu viel zu melden hätte und sie würde es wahrscheinlich nicht zugeben.“

Tobias konnte ein Grinsen nicht unterlassen. „Oder sie würde es erst recht zugeben. Wie oft wird sie schon auf ihr Geheimnis, wenn sie denn eins hat, angesprochen worden sein? Die meisten Menschen glauben ja nicht mal an Vampire!“

Fragend blickte Tobias Elke an und wechselte das Thema. „Wie geht es eigentlich deiner Mutter? Hat sie sich wieder ein bisschen erholt?“

Dieses Thema war Elke sichtlich unangenehm. Es ging ihrer Mutter nach eigenen Angaben wesentlich besser und sie hatte ihre Schwächeanfälle, die sich seit ihrem Krankenhausaufenthalt gehäuft hatten, angeblich überwunden.
Ihr Vater bestätigte diese Aussage und war der Ansicht, dass ihre Mutter ihre gesundheitlichen Probleme ohne hin nur vorgetäuscht habe, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Dass sie nach wie vor zu viel trank, auch wenn sie nun heimlicher und nicht mehr in Elkes und seiner Gegenwart tat, sah er nicht oder es interessierte ihn nicht. Elke wusste nicht, was von beidem zutreffend war.

„Es geht ihr ein bisschen besser, oder sie redet sich das auf jeden Fall ein!“, antwortete Elke ausweichend und Tobias ging nicht näher auf das Thema ein. Statt dessen blickte er wieder zu dem Haus, in dem er und Elke einen Vampir vermuteten hinüber.

„Wie geht es Rita?“, fragte sie mit einem Mal unvermittelt. „Hat sie sich mittlerweile erholt und kommt besser damit zurecht, dass sie....keine Kinder haben wird?“

Tobias zuckte die Achseln. „Sie spricht nicht mehr darüber, statt dessen will sie wieder mehr Zeit mit mir verbringen. Sie holt mich fast jeden Tag von der Werkstatt aus ab und ich muss Ausreden finden, wenn ich irgendwo nach Vampiren suchen will. Zum Glück kam das ja kaum noch vor, einmal hatte ich einen Verdacht. Es gab doch diese Vorfälle im Tierpark, ein paar tote Rehe, aber das muss wohl ein Wilderer gewesen sein. Den haben sie letzte Woche gefasst.“
Elke nickte, von diesem Vorfall war sogar in den Fernsehnachrichten berichtet worden.

Tobias grinste nun und erinnerte sich an die Vampirjagd im Tierpark. „Fast hätte man mich für den Wilderer gehalten, denn ich bin Nachts über den Zaun geklettert und hab den Park abgesucht. Ich konnte mich gerade noch hinter ein paar Büschen verstecken, als die Polizei vorbei ging. Ein paar Beamte hatten sich nämlich dieselbe Nacht ausgesucht, um Streife zu gehen. Zwei Tage später hatten sie dann ja auch Erfolg. Aber ich hab mich in einen Haufen Wildschweinkacke gesetzt und musste Rita den Gestank erklären.“

Elke musste lachen und sie wurde von den trüben Gedanken und Sorgen um ihre Mutter abgelenkt. „Wie hast du ihr das denn erklärt?“

Grinsend antwortete Tobias: „Ich habe ihr gesagt, dass ein Förster mitsamt einem Wagen, in dem sich ein Wildschweinkadaver befand, in die Werkstatt kam. Alles hätte hinterher nach Schwein gestunken und wir würden wahrscheinlich noch Tage brauchen, um den Geruch aus den Räumen zu bekommen. Dann hab ich noch ein bisschen über diesen erfundenen Förster geschimpft und behauptet, dass mein Chef deswegen ebenfalls sehr wütend sei und dass er hoffe, dass das Ganze nicht geschäftsschädigend sei.

Elke lachte, auch wenn es ihr ein wenig leid tat, dass Rita dermaßen belogen würde. Aber eine andere Wahl hatte Tobias wohl nicht.
„Naja, so lange sie das glaubt....“

Tobias stimmte in Elkes Lachen mit ein, während er weiterhin aus dem Fenster sah. „Sie hat es sogar sehr schnell geglaubt. Sie hat meine Sachen gewaschen und gemeint, dass dies wohl eine gewaltige Sauerei gewesen sein muss. Dann hat sie mir einen starken Kaffee gekocht und hat nicht mehr weiter nachgefragt!“

Elke fand dies eher beunruhigend. Gab Rita sich nicht zu leicht mit Tobias Ausrede zufrieden? Sie wusste, dass sie genauer und intensiver nachgeforscht hätte, wenn Gerd riechend wie ein Wildschwein und mit verdreckter Kleidung nach Hause gekommen wäre.
„Macht dich das nicht misstrauisch? Dass sie gar nicht weiter bohrt?“, erkundigte sie sich daher. „Also ich würde....“

Tobias zuckte die Achseln und seine gute Laune verschwand fast vollständig. „Ich bin froh, dass die ganze Geschichte ohne weitere Probleme vorüber gegangen ist. Das ist nicht immer....selbstverständlich, auch wenn wir uns wieder besser verstehen!“

Gerne hätte Elke etwas aufmunterndes zu gesagt und Tobias ein wenig getröstet. Aber was sollte sie sagen? Dass irgendwann alles wieder gut werden und er und Rita sich wie zwei Frischverliebte fühlen würden?
Dies würde wahrscheinlich niemals mehr der Fall sein und in ihren Augen betrieb Tobias, was seine Ehe anging, nur noch so etwas wie Schadensbegrenzung.

Aber stand es ihr zu, über die Ehe ihres besten Freundes zu urteilen? Er war schließlich alt genug und musste selber wissen, ob und wie lange er an dieser Beziehung noch festhielt. Wenn es sein Wunsch war, mit Rita trotz aller Zweifel irgendwann Goldhochzeit zu feiern, dann stand es ihr nicht zu, etwas dagegen zu sagen.

Sie fragte sich, ob Tobias noch so etwas wie Liebe für Rita empfand, oder ob er es einfach nicht über sich brachte, sich von ihr zu trennen und das, was sie sich aufgebaut hatten, einfach wegzuwerfen.
„Da ist immerhin noch die Wohnung. Die ist noch nicht abbezahlt, das Auto glaube ich ist auch auf Pump gekauft. Die würden mit Schulden aus der Ehe raus gehen und stünden schlechter da als jetzt. Außerdem hat Rita keine Arbeit und Tobias müsste ihr einiges an Unterhalt zahlen, und wie ich sie einschätze wird sie sich auch so schnell keine neue Stelle suchen. Die würde ihn ganz schön bluten lassen....“

Sie wunderte sich ein wenig darüber, dass sie so wenig weibliche Solidarität gegenüber Rita aufbringen konnte, aber sie gestand sich ein, dass sie Tobias Frau nicht sonderlich mochte


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Klaus schaltete verärgert den Fernseher aus. Das Programm gefiel ihm ganz und gar nicht. Er beschloss, ins Bett zu gehen, auch wenn er sich sicher war, dass er in dieser Nacht wahrscheinlich keinen Schlaf finden würde.

Über einen längeren Zeitraum war es ihm, gemeinsam mit seinen verbliebenen Gehilfen Arndt und Herbert, noch gelungen, zwei Vampire, die sie durch halb Deutschland verfolgt hatten, zur Strecke zu bringen.
Leider waren Herbert und Arndt dann zu dem Schluss gekommen, dass die Vampirjagd wenig ertragreich war.

Hatten die beiden Männer denn keinen Funken Ehre im Leib? Hatten sie keinen Sinn für das höhere Ziel und für den notwendigen Kampf gegen diese bösartigen Kreaturen?

„Eine Bank! Sie mussten tatsächlich eine Bank überfallen! Diese....Schwachköpfe! Zum Glück ist das passiert, nachdem ich sie seit drei Monaten nicht mehr gesehen habe und ich bin nicht damit in Verbindung gebracht worden, hatte aber trotzdem noch Ärger durch sie!“, dachte Klaus, da diese beiden Trottel leider auch seinen Namen genannt hatten, als sie, nach dem natürlich missglückten Überfallversuch, verhaftet wurden.

Er war von der Polizei befragt worden, hatte aber glücklicherweise ein astreines Alibi für die fragliche Zeit gehabt, was er den Polizisten auch eifrig mitteilte, obwohl diese ihn gar nicht als weiteren Tatbeteiligten vernamen.

„Sie wollten, dass ich ihnen ein Alibi gebe! Sie sagten, sie wären in der Zeit mit mir zusammen gewesen und hätten bei mir gewohnt!“, fluchte Klaus leise vor sich hin, da es ihn nach wie vor unsagbar ärgerte, dass diese Dummköpfe ihn in die Sache mit hinein ziehen wollten.

Aber er hatte zur fraglichen Zeit, in der Arndt und Herbert versuchten die Bank zu überfallen, im Krankenhaus gelegen, nachdem er beim Einkaufen im Supermarkt zusammen gebrochen war.

Die übereifrigen Angestellten des Marktes hatten geglaubt ihm etwas Gutes zu tun und einen Krankenwagen gerufen, der ihn direkt in dieses grässliche Krankenhaus brachte, wo die Ärzte schmerzhafte Untersuchungen an ihm durchführen wollten.

„Mit ihrer Herzerkrankung ist nicht zu spaßen! Die Untersuchungen sind überfällig!“, hatte eine Krankenschwester geschimpft als er diese Folterkammer auf eigene Verantwortung wieder verließ.

Klaus lachte verächtlich auf. Solche Untersuchungen würde er ganz sicher nicht über sich ergehen lassen. Er war nicht bereit, irgendwelche Quälereien in Kauf zu nehmen.
„Ich nehme meine Tabletten! Das muss reichen! Die....wollen doch nur Geld verdienen!“, sagte er sich.

Am Ende kamen die Ärzte noch auf die Idee, dass er eine Operation benötigte oder er kam kränker als zuvor aus dem Krankenhaus heraus.
„Ich habe noch so viel zu erledigen! Da kann ich mich nicht operieren lassen. Ich muss mich um die Vampire kümmern, vor allem jetzt, wo ich wieder auf mich allein gestellt bin!“
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