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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
27.10.2008 1.501
 

Auch hier geht es mit einem neuen Kapitel weiter, nachdem ich eine kurze Urlaubspause hinter mich gebracht habe.
Viel Spaß beim Weiterlesen.


Zeit zum Nachdenken



Der Ärger folgte auf dem Fuße, und noch am selben Tag hielt Florian seine erste Abmahnung in den Händen.
„Das war Arbeitsverweigerung! Du musstest nicht wirklich auf die Toilette!“, sagte Herr Blatt ungehalten. „Du hast das nur vorgetäuscht!“

„Doch, musste ich!“, gab Florian zur Antwort, kam sich gleichzeitig aber wie ein trotziges Kind vor und als ein solches schien sein Chef ihn auch anzusehen. Nie im Leben würde Herr Blatt ihn ernst nehmen! Außerdem kam ihm das Gespräch so lächerlich vor. Musste er sich tatsächlich rechtfertigen, weil er auf die Toilette gemusst hatte oder als Mensch eventuell gemusst hätte?

„Und ich hab gestern Überstunden gemacht!“, fügte er noch hinzu. Sollte der Bäckermeister halt noch „freches Verhalten“ in die Abmahnung mit einbauen.

„Geh nach Hause, genauso wie Peter! Und du wirst die fehlende Zeit auch nacharbeiten!“, blaffte Herr Blatt seinen Auszubildenden, der seine Arbeitszeit für diesen Tag bereits überschritten hatte, unfreundlich an. „Und denk über dein Verhalten nach!“

Seine Wut herunterschluckend verließ Florian kurz darauf die Bäckerei und machte sich auf den Heimweg. Dabei kam er an einem Spielplatz vorbei und er hörte bereits aus einiger Entfernung lautes Kindergeschrei.

„Das klingt so wie dieser Bengel von Doris. Der mit den Zähnen!“, dachte Florian mit einem bösen Lächeln. „Also ich muss sagen, das Balg gönne ich ihr von Herzen. Ein richtig nervtötendes Schreikind und die anderen beiden scheinen auch nicht so viel besser zu sein!“

Er dachte daran, wie sehr sie Tobias gegen Ende der Beziehung auf die Nerven gegangen war und konnte den Entschluss des Bruders sich von ihr zu trennen nun viel besser nachvollziehen als noch vor Jahren.
Flüchtig fragte er sich, ob Tobias nun eine neue Freundin oder vielleicht sogar schon eine Frau und Kinder hatte.

Florian beeilte sich, als ihn sein Weg an dem Spielplatz vorbei führte.

Tatsächlich entdeckte er Doris, die neben der Rutsche stand und alles andere als zufrieden wirkte. „Jens, jetzt komm da runter! Du sollst nicht rutschen! Das letzte Mal hast du dir die Hose versaut. Ich will nicht schon wieder waschen müssen!“

Offenbar sprach sie mit ihrem ältesten Sohn, der oben auf der Rutsche saß und Anstalten machte, herunter zu rutschen.
„Mama, ich rutsch nur einmal!“, antwortete der Sohn mit einem weinerlichen Unterton und Florian beeilte sich noch mehr, schnell an dem Spielplatz vorbei zu gehen.

Schließlich wollte er es nicht riskieren, dass Doris ihn, nach all dem Ärger, den er ihretwegen im Augenblick hatte, doch noch erkannte.

„Vielleicht würde es ihr nicht einmal auffallen, dass ich noch genauso aussehe wie vor fünf Jahren,“ dachte er, während das freistehende Haus, das er mit Fritz und Christian zur Zeit besuchte, in Sicht kam.

Er hoffte, dass Doris nicht in der Nachbarschaft lebte, hatte sie zuvor auch noch nie getroffen.
Vielleicht war sie nur auf Besuch in der Gegend? Oder war es nur Zufall, dass sie sich bisher nicht begegnet waren?

Er schloss kurz darauf die Haustür auf und schüttelte unwillkürlich den Kopf aufgrund der Tatsache, dass Fritz die Fensterläden in Wohnzimmer und Küche nicht herunter gelassen hatte. Auch in seinem, Florians Zimmer, waren sie hochgezogen und blieben es den gesamten Tag über.

„Alles, nur kein Aufsehen erregen,“ dachte er und erinnerte sich daran, als Fritz Christian nahe gelegt hatte, sein Zimmer doch in den Keller, in dem es schon seit dem Einzug Feuchtigkeitsprobleme gab, zu verlegen.

„Armer Christian, aber da hat er nicht mitgespielt, Tarnung hin oder her. Da riskiert er es lieber, dass die lieben Nachbarn tratschen, dass die Rolläden bei ihm immer herunter gelassen sind!“, dachte Florian, während er sich ins Wohnzimmer setzte.

Eigentlich sollte er nun über sein schlechtes und ungebührliches Verhalten am Arbeitsplatz nachdenken, aber er dachte gar nicht daran, sich den unerwarteten freien Tag damit um die Ohren zu schlagen.
„Ich werde jetzt das machen, was ein anständiger Vampir am Tage machen sollte!“, sagte er sich und grinste in sich hinein.
„Ich leg mich jetzt schlafen. Sollen sich die Nachbarn auch ruhig das Mal über meine Rolläden zerreißen, wenn sie nichts anderes zu tun haben!“

Kurz darauf streckte Florian sich in seinem nun abgedunkeltem Zimmer auf seinem Bett aus und schloss die Augen, aber die Ereignisse des Tages ließen ihn nicht los und verhinderten, dass er in einen erholsamen tiefen vampirischen Schlaf sank.

Wieder einmal stellte er sich vor, wie er seinen Chef und die beiden Bäckergesellen durch die Backstube jagte und die Vorstellung hatte etwas durchaus Erheiterndes für ihn. Er wusste, dass er diese Dinge nicht in die Tat umsetzen würde, aber es half ihm, es in Gedanken durchzuspielen.

Aber noch viel mehr beschäftigte ihn die Begegnung mit der Ex-Freundin seines Bruders. Die Zeit war nicht allzu freundlich mit Doris umgegangen und er war sich sicher, dass sie mindestens zehn, wenn nicht sogar zwanzig Kilo seit ihrer letzten Begegnung zugenommen hatte, außerdem hatte sie überhaupt nicht glücklich, sondern einfach nur entnervt auf ihn gewirkt.

„Bei drei kleinen Bälgern kein Wunder,“ dachte Florian und wurde mit einem Mal stutzig, als hätten seine Gedanken an etwas gerührt, was nicht wirklich greifbar war, nun aber deutlicher wurde.
„Also sie war wirklich sehr schnell dabei, drei Kinder in die Welt zu setzen, nachdem sie auch noch einen neuen Mann kennen lernen musste....die beiden jüngeren passen das wohl rein, aber der älteste....bei dem muss sie sich sehr beeilt haben.....“, dachte der Vampir und drehte sich zur Seite.

„Vielleicht hat sie ein Andenken an Tobias mitgenommen....zumindest die Haarfarbe würde passen....die anderen beiden waren blond....oder ist das zu weit hergeholt?“, dachte Florian, schob die Gedanken dann aber beiseite.

Selbst wenn seine Vermutungen stimmten hatte er nichts damit zu tun. Er würde weder zu seinem Bruder noch zu einem von Doris Kindern jemals oder jemals wieder Kontakt haben.

Gegen Abend klopfte es an Florians Zimmertür und er setzte sich unwillig in seinem Bett auf. Fritz streckte den Kopf zur Tür herein und er warf dem jüngeren Vampir einen boshaften Blick zu. „Ich soll dich nett von deinem Chef grüßen. Er hat sich über dich beschwert und würde dir wahrscheinlich am liebsten den Hals umdrehen. Du hast dich unmöglich benommen und deinen Arbeitsplatz nicht vernünftig aufgeräumt, bevor du gegangen bist. Ach ja, und du bekommst  noch eine Abmahnung, wenn du dir noch mal so was leistest.....“

Fritz betrat das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. „Musste das sein? Ich wusste doch, dass das nur Ärger einbringt, wenn du versuchst, einen Beruf zu erlernen, und dann bist du auch noch an einen Chef geraten, der mich an einen ehemaligen Ausbilder bei der preußischen Armee erinnert! Das war ein Sklaventreiber, sag ich dir....der hatte es vor allem auf meine Söhne abgesehen...diese elende Ratte.....“

Zu seiner Erleichterung hörte Florian so etwas wie Verständnis aus Fritz Worten hervor und er hoffte, dass Fritz weiter auf seine Vergangenheit eingehen würde. Noch immer wusste er erschreckend wenig darüber, wie die Zeit als Mensch für den älteren Vampir gewesen war.
„Er war so schlimm wie mein Chef?“

Fritz zuckte die Achseln und sein Lächeln verschwand vollends. „Schlimmer. Viel schlimmer. Er hat einen meiner Söhne auf dem Gewissen.....aber ich bin ihm noch mal begegnet, nachdem ich zum Vampir wurde, und da hab ich ihm einiges heimgezahlt. Er ist schreiend durchs Moor gerannt und hat bis zum Schluss gehofft, dass er mir entkommt....aber jetzt geht es um dich. Was gedenkst du zu tun? Wirst du morgen wieder zur Bäckerei gehen?“

Florian nickte, und Fritz schlug ihm leicht auf die Schulter. „Das musst du selber wissen.....“

„Ich will jetzt nicht einfach alles hinwerfen,“ versuchte Florian Fritz seine Beweggründe zu erklären.
„Ich weiß nicht, vielleicht will ich mir beweisen, dass ich mit solchen Sachen zurecht komme und in der Lage bin, eine Ausbildung zu machen. Als Mensch müsste ich das auch können und da wäre manches vielleicht schwerer....ich wäre viel angewiesener auf das alles. Und da lasse ich mich nicht von ein paar dummen Gesellen, die ich im Grunde jederzeit, bevor sie wissen, wie ihnen geschieht, bis auf den letzten Blutstropfen aussaugen könnte, fertig machen.“

Er zuckte die Achseln. „Wenn ich nicht mal mit den beiden Dummbeuteln und Sklaventreiber-Blatt fertig werde, wie soll ich es dann mit Adrian aufnehmen, falls der irgendwann mal vor mir auftaucht. Er könnte ja mal auf die Idee kommen, ausgerechnet mich zu seinem Zielobjekt zu erklären!“
Fritz schüttelte den Kopf und schien anderer Ansicht zu sein. „Ich glaube eher, dass er dich in Ruhe lassen wird. Er vermutet oder ist sich sicher, dass du mittlerweile kein schwächlicher, verwirrter Vampir, mit dem er seine Spielchen treiben kann, mehr bist. Er wagt sich eigentlich nur an die heran, bei denen er sicher ist, dass er mit ihnen fertig wird!“

Fritz lachte. „Außerdem bist du gemein. Einfach deinen armen Chef mit Adrian zu vergleichen....wenn er das wüsste. Erst muss er damit fertig werden, dass du einfach aufs Klo gehst und dann vergleichst du ihn mit Adrian!“
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