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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
27.10.2008 1.502
 
Und es geht mit einem neuen Kapitel weiter. Es gibt einen kleinen Rückblick in Valentinos Vergangenheit.
Also viel Spaß beim Weiterlesen.


Traurige Erinnerungen



Valentino lehnte sich auf seinem Bett zurück und schloss die Augen, während er nach dem Schlüssel in seiner Hosentasche tastete.

An diesen würde niemand so leicht heran kommen. Er würde es zu verhindern wissen, dass Ramon weiterhin die Aufmerksamkeit auf sie lenkte und sie alle in Gefahr brachte, indem er sein Leidenschaft, weiterhin den Rächer der Armen und Schwachen zu spielen.

Im Grunde fühlte er sich nicht wohl dabei, dass er Ramon nun schon so lange in seinem Zimmer gefangen hielt, aber wirklich schlecht ging es diesem dort nicht. Er bekam seine Nahrung, hatte ein bequemes Bett und der Raum glich nicht unbedingt einer Kerkerzelle.

„Er sollte froh sein, dass er nicht vor zweihundert Jahren in Venedig in einem Gefängnis war. Ist mir mal passiert, als ich noch ein Mensch war. Also dagegen hat er hier den reinsten Luxus!“, dachte der Vampir und verscheuchte die Erinnerungen an seine Zeit als Mensch.

Das lag alles schon so lange zurück und außer ihm hatte keiner der Menschen, die er damals gekannt und auch gemocht hatte, die Zeiten überdauert.

Leider würde Ramon ihm wohl noch für längere Zeit Schwierigkeiten machen. „Er begreift es einfach nicht oder will es nicht begreifen. Es ist ihm gleichgültig, ob er uns in Schwierigkeiten bringt! Es macht ihm nichts aus, dass....“

Er schloss erneut die Augen und erinnerte sich an eine junge Frau, die er einst, vor langer Zeit, gekannt hatte.



Norditalien, 1810

Maria drückte das Kind, das sie aus dem brennenden Haus heraus geholt hatte, fest an sich, während Valentino sie fragend ansah.
Du hast es aus dem dritten Stock geholt, in dem du mit dem Kleinen aus dem Fenster gesprungen bist? Bist du wahnsinnig geworden? Wenn das nun jemand gesehen hat....“

Das Kind wimmerte leise und Maria strich dem Jungen beruhigend über den Kopf. „Es ist alles gut. Du wirst deine Mama bald wiedersehen.....“

Valentino seufzte, es war nicht das erstemal, dass Maria ihre vampirischen Fähigkeiten nutzte, um jemandem zu helfen. Im Grunde verstand er ihre Beweggründe nur zu gut und hatte ihr sogar einmal dabei geholfen, eine Räuberbande zu verscheuchen, die drei junge Frauen überfielen, als diese sich bei Nacht in eine dunkle Gasse wagten, aber dies hatte er schon recht bald bitter bereut.

Die drei Frauen waren geflohen, während er und Maria sich um die Räuberbande gekümmert hatten.
Wir haben sie getötet! So etwas hätte ich mir früher, als ich ein Mensch war, auch nicht träumen lassen. Wir haben ihr Blut getrunken und Maria hatte hinterher ein sehr schlechtes Gewissen!“, dachte Valentino und versuchte dieses Bild der Vampirin, die einen der Räuber, der eine der Frauen bereits zu Boden gedrückt hatte, das Blut aussaugte mit der Maria in Einklang zu bringen, die dem Kind beruhigend übers Haar strich.

Er wusste, dass Maria drei eigene Kinder zurück gelassen hatte, als sie zu einem Vampir wurde, auch wenn es nicht Valentino gewesen war, der sie verwandelt hatte.
Auch Maria konnte sich nicht mehr an den Mann erinnern, dem sie ihre Veränderungen zu „verdanken“ und der ihre Familie dazu gebracht hatte, schreiend vor ihr davon zu laufen, als sie sich aus ihrem Grab heraus wühlte und nach Hause zurück kehrte....

Man wird es uns nicht danken! Denk an die drei Frauen. Die sind zur Stadtwache gerannt und haben etwas von blutsaugenden Ungeheuern gefaselt! Dann hat man die toten Räuber gefunden und ihre Leichen sicherheitshalber verbrannt....,“ sagte Valentino, während der Blick, den er der Vampirin zuwarf, Bände sprach.
Setz das Kind da drüben ab! Ich bin mir sicher, dass man es bald finden wird!“, forderte er sie auf.

Zögernd befolgte Maria seine Anweisung, aber es war bereits zu spät. Sie hörten Schritte auf sich zukommen.
Da sind die Blutsauger! Wahrscheinlich haben sie das Feuer gelegt!“, schrie eine schrille Frauenstimme. „Und sie haben das Kind besudelt! Bestimmt haben sie sein Blut getrunken und es wird sich verwandeln!“

Maria hob den kleinen Jungen wieder hoch und die beiden Vampire eilten davon, so schnell sie konnten.

Sie könnten doch nicht wirklich ernsthaft daran denken, dem Kind etwas anzutun!“, flüsterte Maria, als sie in eine Seitengasse einbogen. Bald würden sie das Haus, in dem sie seit einigen Wochen lebten, erreichen und hoffentlich in Sicherheit sein, auch wenn sie besser daran taten, sobald wie möglich die Stadt zu verlassen.
Doch, können sie!“, antwortete Valentino knapp. „Das wäre nicht das erste Mal. Vor ein paar Jahren haben ein paar unserer Artgenossen eine ganze Familie ausgelöscht. Nur die Kinder haben sie, vielleicht in einem merkwürdigen Anflug von Mitgefühl, am Leben gelassen. Aber die Dorfbewohner....“

Hör auf, so was mag ich mir nicht anhören. Und du machst dem Kleinen Angst!“, sagte Maria, während das Kind leise zu weinen begann.
Mama?“
Nein, ich bin nicht deine Mama! Aber wir finden sie bestimmt bald!“, versuchte Maria den Jungen zu trösten, obwohl Valentino sich da nicht so sicher war. Möglicherweise war die Frau bei dem Brand ums Leben gekommen.....


Valentino öffnete die Augen und versuchte, die alten Erinnerungen abzuschütteln. Er hatte Maria gemocht, von allen Vampiren, mit denen er es zu tun bekommen hatte, war sie ihm die Liebste gewesen und möglicherweise wären eines Tages mehr aus ihnen geworden, aber es sollte anders kommen.....



Valentino kehrte die Asche zusammen. Sie war alles, was von Maria übrig geblieben war, nachdem die Vampirjäger, die die verängstigten Stadtbewohner zur Hilfe gerufen hatten, sie zur Strecke gebracht hatten.
Zur Strecke gebracht, als ob sie ein lästiges, bösartiges Vieh gewesen wäre!“, sagte er sich wieder und wieder, während er die Asche in einen Tonkrug füllte. Diesen würde er am nahen Fluss ausleeren, zumindest würde es Maria somit erspart bleiben, dass Reisende über sie hinweg trampelten.

Leider hatte Maria sich auch in der neuen Stadt, in der sie sich niederließen, nicht zurück halten können, wenn es darum ging, anderen zur Hilfe zu kommen. Sie hatte zwei Straßenräuber bei der Stadtwache abgeliefert. Leider hatten die Soldaten der Stadtwache wesentlich mehr Interesse an dem Gefasel der Männer, in dem es um ein blutsaugendes Monster ging, gehabt als daran, sie hinter Schloss und Riegel zu bringen.

Sie haben ihr eine Falle gestellt. Sie haben getan, als würden sie ein junges Mädchen überfallen....und als Maria helfen wollte, wurde sie...getötet....“, dachte der Vampir und wischte sich ein paar Tränen fort. Sie würde ihm so sehr fehlen und er wünschte sich, dass er sie davon abgehalten hätte, sich ständig in fremde Angelegenheiten einzumischen. Was hatte es ihr gebracht?

Wo ist Maria-Mama?“, fragte eine Kinderstimme und er drehte sich um. Fabio, den Maria vor einem halben Jahr aus diesem brennenden Haus gerettet hatte, näherte sich ihm und deutete auf den Krug. „Was ist das?“

Nichts...“, antwortete Valention und nahm das Kind bei der Hand.

Er fragte sich nach wie vor, wie Maria es geschafft hatte ihn zu überreden, den Kleinen bei sich zu behalten, obwohl er ihn mittlerweile ebenfalls ins Herz geschlossen hatte. Sie waren fast so etwas wie eine kleine Familie geworden....

Schnell hatte Fabio den Rhythmus seiner vampirischen Ersatzeltern angenommen und verschlief nun die Tage, während er bei Nacht recht munter war.

Aber dies würde sich jetzt ändern. „Ich werde ihn in ein Waisenhaus bringen....ich kann mich nicht um ihn kümmern!“, dachte der Vampir. „Zum einen nimmt es mit ihm sonst auch ein böses Ende. Was bleibt denn? Dann wird er über kurz oder lang in Streitigkeiten zwischen mir und anderen Vampiren oder Vampirjägern geraten. Oder aber er wird selber irgendwann zu einem Vampir werden.....“

Letzte Möglichkeit schien nicht die schlechteste zu sein und wäre der Junge zehn Jare älter gewesen, dann hätte Valentino es durchaus in Erwägung gezogen, ihn in einigen Monaten oder in ein oder zwei Jahren zu verwandeln. Aber der Kleine war erst fünf Jahre alt und die Zeit, die es zu überbrücken galt, war entschieden zu lang....

Kindervampire werde ich ganz sicher nicht schaffen!“, sagte er sich, während der Kleine an seiner Hand den Weg entlang hopste und erneut nach seiner Ersatzmutter fragte.



„Ich hab ihre Asche in den Fluss geschüttet und den Kleinen ins Waisenhaus gebracht. Drei Jahre später hab ich nach ihm gefragt und erfahren, dass er an den Pocken gestorben ist. Das halbe Waisenhaus ist damals daran gestorben....so gesehen hab ich ihm wohl doch keinen Gefallen getan...,“ dachte der Vampir.

Nein, es war nicht gut, sich mit den Menschen einzulassen, wenn er sie nicht genauestens kannte. Er hatte bereits Freundschaften mit Menschen geschlossen, aber dies war stets nach genauer Abwägung geschehen und er würde es wohl nicht mehr riskieren.

Entweder fielen sie ihm in den Rücken und machten Jagd auf ihn, selbst wenn sie eigentlich Grund gehabt hätten, ihm dankbar zu sein, oder aber sie starben an irgend einer Krankheit. Wieder andere gerieten durch das, was er war, in Gefahr, wenn er sich mit anderen Vampiren anlegte.

„Ramon könnte fast schon ein Nachfahre von Maria sein!“, dachte Valentino mit einem traurigen Lächeln. „Er ist dabei, ihre Fehler zu wiederholen, wenn ich ihn nicht daran hindere!“
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