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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
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451 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 1.224
 
Es geht mit dem nächsten Kapitel weiter. Tobias und Rita stecken momentan in einer Krise....
Ehekrise (Anfang Oktober 1979)



Tobias hatte sich an diesem Abend verspätet. Im letzten Augenblick, er und sein Kollege Dietmar waren bereits dabei gewesen, ihr Werkzeug wegzuräumen und Feierabend zu machen, war ein älterer Herr mit seinem Mercedes erschienen und hatte um eine gründliche Inspektion gebeten.

„Wenigstens hat er mir und Dietmar jeweils fünf Mark Trinkgeld in die Hand gegeben,“ dachte Tobias, als er, eine Dreiviertelstunde später als gewöhnlich, seine Wohnungstür aufschloss.
„Rita? Ich bin es. Ist ein bisschen später geworden...“

Rita lief ihm entgegen und sie sah ihn so vorwurfsvoll an, dass er innerlich aufstöhnte. „Was gibt es denn wieder?“
„Das „wieder“ kannst du dir sparen,“ fuhr sie ihn unfreundlich an. „Du tust so, als würde ich dir nur noch auf die Nerven gehen.“

„Rita...,“ begann Tobias, aber sie unterbrach ihn und sah ihn nun fast schon zerknirscht an. „Tut mir leid, dass ich so unfreundlich war. Ich...hatte einen sehr schlechten Tag. Ich hab mir mit deiner Mutter gestritten, wobei gestritten das falsche Wort dafür ist. Trotzdem solltest du mal mit ihr reden, damit sie mich in Ruhe lässt!“

Tobias begriff nicht so recht, worauf Rita hinaus wollte. Es war eher ungewöhnlich, dass sie mit Marianne aneinander geriet.
„Was ist denn vorgefallen?“, erkundigte er sich daher vorsichtig, aber er konnte eine leichte Gereiztheit in seiner Stimme nicht überdecken.

Dies entging auch Rita nicht. „Du stehst also auf ihrer Seite! Das hätte ich mir ja denken können! Aber so ist es bei euch Männern ja immer! Ihr stellt euch gegen eure Frauen und steht zu eurer Mutter, du....du  Muttersöhnchen!“

Tobias wurde ärgerlich, auch wenn er sich noch um Ruhe bemühte. „Rita, um auf der Seite meiner Mutter oder auf deiner Seite zu stehen muss ich ja erst einmal wissen, um was es überhaupt geht!“

„Es geht ums Prinzip!“, rief Rita aufgebracht. „Hast du vielleicht schon mal daran gedacht, dass du allein aus Prinzip zu mir stehen müsstest?“

Nun hatte Tobias genug. „Es reicht, Rita. Ich bin müde, ich hatte einen anstrengenden Tag! Ich hab die ganze Zeit über gearbeitet....“

„Ach, nun fängst du genauso an wie deine verfluchte Mutter!“, schrie Rita aufgebracht und Tobias war froh, dass sie keinen Teller zur Hand hatte. Wahrscheinlich hätte sie ihm den an den Kopf geworfen und er wäre sich endgültig wie in einem schlechten Film vorgekommen.

Rita hingegen fuhr fort. „Du arbeitest den ganzen Tag und hältst mir das vor, weil du jetzt müde bist? Im Gegensatz zu mir, was? Ich bin ja so nutzlos! Ich kann keine Kinder bekommen und ich gehe nicht arbeiten! Das meinte deine Mutter auch! Sie sagte doch tatsächlich, dass es vielleicht gut wäre, wenn ich mir einen neuen Job suche und mich ablenke!“

„Das hab ich dir doch auch schon gesagt,“ erwiderte Tobias ebenfalls lauter als notwendig. „Aber du scheinst ja jetzt beschlossen zu haben, für den Rest deines Lebens hier drin zu sitzen und darauf zu lauern, wann ich nach Hause komme! Es wundert mich ja schon, dass du mir bislang noch keine Affäre und ein uneheliches Kind unterstellt hast!“

„Das fehlt noch,“ sagte Rita wütend. Sie holte aus und versetze Tobias eine Ohrfeige.

Er hielt ihre Hand fest und dachte einen Augenblick ernsthaft darüber nach, sie von sich zu stoßen, gab sich dann aber damit zufrieden, ihren Arm los zu lassen und an ihr vorbei ins Wohnzimmer zu gehen.

„Mit dir ist ja nicht zu reden!“, rief sie ihm hinterher und Tobias fragte sich mit einem Mal, wie es mit seiner Ehe weiter gehen sollte.

Sie steckten in einer tiefen Krise, aber er war noch nicht bereit, so einfach aufzugeben. Schließlich war Rita doch einmal die Frau gewesen, mit der er den Rest seines Lebens hatte verbringen wollen. Er versuchte nicht an die leisen Zweifel, die ihn bereits damals geplagt hatten, zu denken.

„Sie braucht Zeit, um mit allem fertig zu werden. Dann wird es ihr besser gehen! Dann verstehen wir uns auch wieder besser!“, sagte er sich wieder und wieder.

Außerdem hatten sie sich doch erst vor kurzem die Wohnung gekauft und waren dabei, sie abzubezahlen. Sollten sie das alles wegschmeißen, nur weil sie im Augenblick in einer Krise steckten?

Tobias wartete einige Minuten ab, ehe er zu Rita ins Schlafzimmer ging. Sie hatte sich auf das Bett gelegt und die Augen geschlossen.
Tobias setzte sich neben sie und nahm ihre Hand. „Es tut mir leid!“, sagte er, obwohl er nicht wirklich wusste, warum er sich entschuldigte. Aber um des lieben Friedens willen war er dazu bereit.
„Ich rufe dich das nächste Mal an, wenn es ein bisschen später wird, versprochen!“

Zumindest dies wollte er in Zukunft wirklich auf diese Weise so handhaben.....

„Mach das!“, bat Rita leise. „Ich will wissen, wo du steckst....und ich glaube nicht, dass du mich betrügst!“

Sie lächelte ihn an, aber er sah, dass sie sich dazu zwingen musste. Sein Lächeln fiel genauso zwanghaft aus...

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Elke genoss es, dass beide Kinder ruhig in ihren Betten lagen und schliefen. Sie legte ihre Füße in Gerds Schoß und er begann, sie zu massieren.
„Ich hätte mir nicht diese hochhackigen Schuhe kaufen sollen! Die sind einfach ungeeignet, wenn man einen Kinderwagen über einen Waldweg schiebt!“, seufzte sie. „Warum tun wir Frauen uns das überhaupt an?“

Gerd zuckte die Achseln. „Um uns Männer zu beeindrucken? Oder um besser als andere Frauen auszusehen?“

Sie gab versetzte ihm mit einem Fuß einen leichten Stoß gegen den Bauch. „Gerd, du bist wirklich gemein! Aber du hast recht, ich mache das, um dich zu beeindrucken! Hat es wenigstens funktioniert?“
Er nickte brav und kniff sie in den großen Zeh. „Ja! Ich bin sehr beeindruckt!“

Sie kicherte, als sie ein lautes Gepolter hörten. Sie seufzte. „Die Nachbarn könnten aber so langsam mal mit dem Renovieren fertig werden! Das dauert jetzt schon fast einen Monat und man könnte meinen, dass ihre Vorgänger eine Baustelle hinterlassen haben! Aber das Haus ist doch ein Neubau und die haben da nur so kurz gewohnt.....“

Gerd zuckte die Achseln, während er im Stillen dem Himmel dankte, dass seine Kinder nicht von dem Gepolter geweckt worden waren.
„Nun ja, irgendwann sind die bestimmt fertig! Aber ich wundere mich schon ein wenig und finde etwas sehr, sehr komisch! Die mauern doch tatsächlich ein Kinderzimmerfenster zu! Angeblich wollen sie die Wand zwischen diesem und dem anderen Zimmer einreißen, damit sie mehr Platz haben. Und das Fenster müssen sie zumauern, weil sie da eine größere Schrandwand hinstellen.“

Elke runzelte die Stirn und sie begann, Vampire zu wittern. „Das hab ich noch gar nicht mitbekommen! Wann haben die denn damit angefangen?“

„Nun ja,“ stellte Gerd grinsend fest. „Heute morgen, während du in der Stadt warst und dir diese Folterinstrumente für deine Füße gekauft hast! Und sie machen auch noch alles selber, angeblich trauen sie Handwerkern nicht.....komische Leute, vor allem der Mann!“

Elke hingegen fand das Verhalten der Nachbarn nicht komisch, sondern unheimlich und beängstigend. Handelte es sich bei der Geschichte mit dem Zimmerdurchbruch und der Schrankwand um eine Ausrede? Zog am Ende ein Vampir in den Raum ein oder lebte dort bereits?

Glücklicherweise schien es noch keine Überfälle, die auf Vampire hindeuteten, in der Nachbarschaft gegeben zu haben und womöglich tat sie diesem verschrobenen alten Ehepaar auch einfach Unrecht.
Trotzdem beschloss sie, das Nachbarhaus und die Nachbarn im Auge zu behalten.
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