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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 1.307
 
Und hier gibt es vor dem Wochenende noch mal ein neues Kapitel. Also viel Spaß beim Weiterlesen.

Unnötige Risiken? (August 1979)




Ramon gab dem Taschendieb einen leichten Tritt, der ihn auf die Eingangstür zur Polizeistation zutaumeln ließ.
„Geh jetzt da rein! Sofort. Sag denen, dass du die vier Handtaschen gestohlen hast. Dafür halte ich mich raus und behalte die Sache mit den Drogen für mich!“

Der junge Mann sah sich nach einem Fluchtweg um, aber Ramon sah schließlich ein, dass sein neuestes „Opfer“ keinerlei Interesse daran hatte, sich freiwillig zu stellen. Er würde sich nicht an seinen Teil der Abmachung „Gestehe wenigstens etwas, dafür wird das Schlimmere verschwiegen,“ halten würde.
„Selber schuld! Dann bekommen sie dich eben wegen allem dran!“, sagte der Vampir und er ließ das Tütchen mit den Drogen wieder in die Hosentasche des Mannes gleiten, ehe er einem vorbeifahrenden Polizeiwagen zu winkte.

„Hier, der hat was dabei!“, rief er und gab dem Mann einen Schubser.

Er taumelte auf die aus dem Wagen aussteigenden Polizisten zu, während Ramon zusah, dass er fort kam.
„Die werden die Drogen finden. Damit wird er sogar noch mehr Ärger kriegen als wegen Handtaschendiebstahl! Wer weiß, vielleicht erkennt ihn ja eins der Opfer....und dann bekommt er wegen allem ein Verfahren!“

Leider stand auch Ramon Ärger bevor, als er ins Versteck der Vampire zurück kehrte. Elena warf ihm einen geringschätzigen Blick zu, als er den Raum, in dem er üblicherweise schlief, betrat.

„Was hast du hier zu suchen? Hast du schon mal was von Privatspähre gehört?“, fragte er sie unfreundlich. „Mach, dass du hier raus kommst!“
„Nun sei nicht so garstig,“ erwiderte Elena mit beleidigter Stimme. „Ich will dich nur warnen und als Dank wirfst du mich raus! Eigentlich sollte ich dabei zusehen, wie Valentino dir die Arme ausreißt oder dich mitten am Tag aus dem Haus wirft!“

Sie schüttelte den Kopf und grinste. „Vielleicht werde ich mir dann in der Nacht deine Asche holen! Ich werde sie auf einem Kehrblech zusammen kehren und in eine Vase füllen. Oder wäre dir eine Bierflasche als letzte Ruhestätte lieber?“
„Sehr witzig!“, knurrte Ramon unfreundlich. „Dann hoffe ich, dass er mich im Meer ertränkt und meine Überreste da entsorgt! Ich will ganz bestimmt nicht auf deinem Nachttisch stehen! Diese Vorstellung ist....ekelhaft!“

„Ein Grund mehr, genau das, was du hasst, mit deinen Überresten zu machen, falls du den nächsten Tag nicht überleben solltest,“ gab Elena mit gleichgültiger Stimme zurück. „Valentino ist sehr wütend auf dich!“

„Da wäre ich jetzt gar nicht drauf gekommen, nach all den lieben Andeutungen, die du so gemacht hast,“ erwiderte Ramon. „Und jetzt geh raus! Ich komme schon allein zurecht!“

Elena warf dem anderen Vampir noch einen bösen Blick zu, ehe sie den Raum verließ. „Du wirst dir noch wünschen, dass ich dich ein bisschen unterstützt hätte, wenn Valentino über dich herfällt!“

„Dann steh ich ihm halt bei!“, rief Jaime, der das Gespräch vom Nebenraum aus mitangehört hatte. „Wir Jungs müssen doch zusammenhalten. Gegen böse Vampirfrauen und Obervampire, die glauben, dass sie uns in allem Vorschriften machen könnten!“

Elena achtete nicht auf Jaimes Worte. Sie fühlte sich müde und fühlte den nahenden Sonnenaufgang.
Von allen Vampiren war sie diejenige, die meist am frühsten zur Ruhe ging und nun sehnte sie sich nach dem tiefen Schlaf, der nur Vampiren zuteil wurde.

Ramon war erleichtert, als Elena den Raum verließ, aber statt dessen gesellte sich nun Jaime zu ihm. Mit ihm wollte der ehemalige Polizist eigentlich auch nicht sprechen, auch wenn er seine Gesellschaft mehr schätzte als die der jungen Frau.

Elena hatte seiner Ansicht nach etwas....Verschlagenes und Gemeines an sich und er war sich sicher, dass er sie wahrscheinlich auch als Mensch und unter anderen Umständen nicht gemocht hätte.

„Ist sie dir auf die Nerven gegangen?“, stellte Jaime grinsend fest, wurde dann aber wieder ernst. „Sie wollte dir wirklich helfen! Valentino hat raus bekommen, was du Nachts so treibst! Und er ist deswegen wütend! Er sucht gerade nach dir. Sei froh, dass du vor ihm nach Hause gekommen bist, denn sonst wäre er wahrscheinlich schon über dich hergefallen!“

„Mit welchem Recht?“, fragte Ramon herausfordernd. „Und um was genau geht es? Was wirft er mir eigentlich vor?“

Jaime senkte die Stimme. „Das weißt du doch am Besten! Du spielst hier den Rächer der Witwen und Waisen und hilfst der Polizei, diverse kleinere und größere Kriminelle einzufangen. Die wissen bestimmt inzwischen schon gar nicht mehr, wo sie die alle hinstecken sollen....“

„So viele waren es nun auch wieder nicht,“ verteidigte sich Ramon. „Außerdem finde ich nicht, dass ich damit etwas Schlechtes mache!“
„Das kommt ganz auf den jeweiligen Standpunkt an,“ sagte Jaime und er senkte die Stimme, als sich die Haustür öffnete. „Lass dir eine gute Ausrede einfallen....“

„Ich muss mich nicht rechtfertigen,“ dachte Ramon, aber er zuckte dennoch zusammen, als Valentino aufgebracht den Raum betrat.
„Raus hier!“, herrschte er Jaime an, der Anstalten machte, diese Aufforderung zu ignorieren, aber Ramon nickte ihm zu. „Geh schon...“

Valentino schloss die Tür, nachdem Jaime den Raum verlassen hatte. „Was denkst du dir eigentlich dabei? Hast du geglaubt, ich komme nicht dahinter?“
Ramon war fest entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen, auch wenn Valentinos Auftreten offenbar genau dies bezwecken sollte. „Es ist mir eigentlich ziemlich egal, ob du dahinter gekommen bist oder nicht! Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig! Oder verlangst du als nächstes, dass ich dich mit „Meister“ anspreche?“

Valentino funkelte seinen Artgenossen wütend an. War er zu sanft zu „seinen“ Vampiren gewesen? Hatte er ihnen zu viel durchgehen lassen? Wo blieb der Respekt, den sie ihm schuldeten?
„Sei froh, dass du nicht Adrians Schöpfung bist! Der hätte dich für so eine Frechheit wahrscheinlich sofort in der Luft zerrissen!“

„Du bist aber nicht dieser Adrian,“ antwortete Ramon herausfordernd. „Und dass ihm, nach allem, was du so über ihn erzählst, nicht wohl bei dem Gedanken wäre, dass ein Vampir den Menschen hilft, ist verständlich! Aber was ist mit dir? Bist du dann nicht genauso schlimm wie er?“

Valentino holte aus und er versetzte dem überraschten Ramon einen heftigen Schlag ins Gesicht. Der andere Vampir hielt sich die blutende Nase.
„Das wird gleich wieder verheilen.....“, sagte Valentino, den es wütend machte, dass er mit Adrian auf eine Stufe gestellt worden war.
„Überleg dir, was du sagst! Ich bin ganz sicher nicht wie Adrian!“

Ramon hielt sich weiterhin seine Nase. Der andere Vampir hatte sehr feste zugeschlagen und er war sich sicher, dass etwas gebrochen war. Würde dies wirklich wieder verheilen? Er hoffte es und versuchte, ruhig zu atmen.
„Du bist....“

„Ein Widerling, der dich nicht frei leben lässt?“, unterbrach Valentino seinen jüngeren Artgenossen. „ Der dir Vorschriften macht? Es hat schon seinen Sinn, warum ich auf die Einhaltung einiger Regeln bestehe und nicht möchte, dass du den Robin Hood für Touristen und Einheimische spielst! Verflucht noch mal, ich habe meine Gründe!“

„Dann nenn sie mir. Geht es wirklich nur darum, dass niemand bemerkt, dass es Vampire gibt? Daran glaubt doch sowieso niemand mehr!“, verteidigte sich Ramon aufgebracht. Allmählich wurde er wütend.
„Und was immer auch deine Gründe sind, du hast nicht das Recht, einfach so meine Nase zu brechen!“

Valentino setzte sich auf Ramons Bett. Er wirkte sehr müde und der nahende Sonnenaufgang schien auch ihm ein wenig die Kraft zu rauben.
„Das tut mir leid. Aber du bringst uns alle in Gefahr. Ich weiß doch, wovon ich rede. Ich hab das doch alles schon mehr als einmal erlebt! Du wärst nicht der erste Vampir, der Aufmerksamkeit auf sich zieht...“

„Mach dir mal lieber Sorgen um Elena! Ich hab viel mehr das Gefühl, als wäre sie diejenige, die uns irgendwann in Gefahr bringen würde!“, verteidigte sich Ramon.

Leider ging Valentino nicht auf diesen Einwand ein. „Das muss aufhören! Keine Heldentaten mehr. Sonst wird es dir sehr leid tun.....“

Ramon war sich nicht wirklich sicher, ob es sich um eine leere Drohung handelte oder nicht.
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