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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 1.270
 
Ich will nicht zu lange auf das nächste Kapitel warten lassen. Nun erfährt man auch, was Adrian momentan so treibt.
Also viel Spaß beim Weiterlesen.

Adrians Beobachtungen (Mai 1979)


In der Tat schien sich Ramons Stimmung in den nächsten Tagen und Nächten ein klein wenig zu verbessern.
Von Zeit zu Zeit sprach er sogar mit seinen Artgenossen und er schien nicht mehr wild entschlossen zu sein, so wenig Nahrung wie möglich zu sich zu nehmen. Statt dessen verließ er an einigen Abenden sogar die gemeinsame Unterkunft, um auf die Jagd nach Nahrung zu gehen.

Bei seinen ersten Ausflügen begleitete Valentino den immer noch recht schweigsamen Vampir, stellte aber bald schon recht zufrieden fest, dass Ramon keine unnötigen Risiken einging. Der jüngere Vampir schien stets bemüht zu sein, so wenig wie möglich aufzufallen.

Valentino dachte bei sich, dass Ramon es sicherlich bedauerte, dass Vampire nicht über die Fähigkeit verfügten, sich unsichtbar zu machen, um noch weniger aufzufallen.

Vor allem Polizisten, die hin und wieder durch die Stadt patrouillierten und auf den größer werdenden Touristenstrom achteten, um diesen vor Taschendieben oder junge Frauen vor Betrunkenen zu beschützen, ging Ramon aus dem Weg.

„Er befürchtet wahrscheinlich, dass ihn doch noch jemand erkennen könnte,“ vermutete Valentino, als Ramon schnell im Inneren eines Souvenierladens verschwand, während zwei Polizisten die Straße entlang gingen.
„Immerhin haben die ja mal nach ihm gesucht. Die glauben zwar, er wäre tot und irgendwo im Meer versunken, aber es muss wohl noch ein wenig mehr Zeit vergehen, bis er sich sicherer fühlt und nicht mehr mit Entdeckung rechnet!“

Aber Valentino teilte zumindest diese Sorge nur zum Teil. Die Menschen hielten Ramon für tot und Menschen sahen, wenn man sie nicht zu deutlich mit der Nase auf andere Wahrheiten stieß, zum Beispiel, indem man leer getrunkene Opfer hinterließ, nur das, was sie sehen wollten.

Sie nahmen lediglich das wahr, was sie für möglich hielten und dies hatte sich im Laufe seines Lebens bereits mehr als einmal als Glück für ihn erwiesen. Vor allem in den letzten Jahrzehnten war es, was den Glauben und Aberglauben der Menschen anging, einfacher für ihn geworden.

Früher, während seiner Zeit in Rom, hatte es Menschen gegeben, die über ihn und die seinen Bescheid wussten. Aber diese Freundschaften waren langsam gewachsen und er gedachte nicht, dies auf Ibiza zu wiederholen. Es war zu riskant, für beide Seiten.

„Selbst wenn einem Polizisten, der damals nach Ramon gesucht hat, auffiele, dass er ihn vor sich stehen hat, würde er sich selber wahrscheinlich sagen, dass dies nicht sein könne,“ dachte der Vampir, während er Ramon in den Laden folgte.
„Er würde sich sagen, dass Ramon mit einer Schussverletzung ins Meer gestürzt und ertrunken sei und dass dieser Mann, den er gerade sieht, ihm recht ähnlich sieht. Dass es sich ja fast schon um einen Bruder handeln könne. Aber er wird nicht denken, dass es wirklich Ramon ist!“


Zu Valentinos großer Freude schien sich Jaime mittlerweile ein wenig mehr zusammen zu reißen, auch wenn er nach wie vor das Gefühl hatte, ihn nicht aus den Augen lassen zu können.

Jaime nahm die dauernde Beobachtung durch Valentino und Elena halbwegs gelassen hin, auch wenn er ihnen von Zeit zu Zeit feindselige Blicke zuwarf. Lediglich Ramon wurde von diesen Blicken ausgenommen.
„Er nimmt es uns immer noch übel! Meine Güte noch  mal, hätten wir ihn nicht in einen Vampir verwandelt, dann wäre er wirklich gestorben! Wäre ihm das vielleicht lieber gewesen?“, dachte Valentino ein wenig ungeduldig, beschloss aber, dem jüngeren Artgenossen dennoch ein wenig mehr Zeit zu geben, sich in sein neues Leben einzufügen – und ein paar Regeln zu beachten.

Trotzdem wusste er, dass er keinen Grund hatte, sich beruhigt zurück zu lehnen.

Noch immer rechnete er damit, dass Adrian eines Tages, wenn er nicht damit rechnete, zuschlagen würde. Oder hatte der bösartige Vampir das Interesse an ihm verloren? Hatte er sich mittlerweile ein neues Opfer gesuchte?

Valentino wollte sich nicht darauf verlassen.

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In der Tat hatte Adrian seine Pläne, was Valentino betraf, in keinster Weise aufgegeben. Bereits mehr als einmal hatte er sein Versteck auf Menorca verlassen und war nach Ibiza gereist, um den anderen Vampir und dessen neue Brut zu beobachten.

Wog Valentino, dieser unverschämte Vampir, sich bereits in Sicherheit? Das war sehr dumm von ihm und schon bald würde er feststellen, wie fatal dies war. An liebsten hätte Adrian sich triumphierend die Hände gerieben, aber diese Geste erschien ihm ein wenig lächerlich, immerhin stand er im Hafen von Ibiza und außer ihm befanden sich noch einige Touristen dort, die gemeinsam mit ihm auf ein Schiff warteten, dass sie nach Menorca zurück bringen sollte.

Adrian war sich noch nicht wirklich sicher, wo er beginnen sollte. Würde er sich zuerst Ramon vornehmen?
Jenen Vampir, der stets einen bedrückten Eindruck auf ihn machte, wenn er ihn beobachtete? Über ihn hatte etwas in der Zeitung gestanden und vielleicht war er ihm sogar noch dankbar, wenn er ihn von seinem Leid erlöste? Diese Aussicht, einen Vampir, der nicht sonderlich am Leben hing, zu vernichten, machte keinen sonderlichen Spaß.

Oder würde er Jaime in ein Häuflein Asche verwandeln? Vielleicht begann er auch mit Elena.

„Jeder Verlust wäre für Valentino sehr schwer zu ertragen. Es wäre hart für ihn, einen von ihnen zu verlieren. Aber vielleicht fange ich auch mit ihm an und bringe es schnell hinter mich?“, überlegte Adrian weiter, aber diesen Gedanken verwarf er recht schnell wieder.
„Ich glaube....ich fange mit Jaime an....aber ob das so eine gute Idee ist? Er....hat sich ein paarmal umgedreht, als ich ihnen gefolgt bin, als sie zu viert durch die Straßen der Stadt schlenderten und sich unter die Touristen mischten! Valentino wirkt häufig nervös, darum hat er sich immer umgeschaut, ohne mich zu entdecken. Ramon und Elena haben nichts bemerkt, überhaupt nichts. Sie ist skrupellos, eigentlich eine nützliche Vampirin, wäre sie meine, aber nicht sonderlich mächtig, lediglich schwach bis Durchschnitt. Das gleiche trifft auf Ramon zu....“

Aber mit Jaime verhielt es sich anders. Dieser hatte sich immer wieder umgesehen und die Gesichter der Menschen genau beobachtet. Er schien bemerkt zu haben, dass er verfolgt wurde und schien ein wenig stärker zu sein. Noch war er recht unerfahren, denn ein starker und erfahrener Vampir hätte ihn wahrscheinlich ausgemacht.

Fritz, dieses lästige Vampirwesen, dem er so schnell nicht mehr begegnen wollte, wäre ihm wahrscheinlich bereits an den Hals gegangen.

Nun, er würde sich in der nächsten Zeit häufiger nach Ibiza begeben und die Vierergruppe beobachten, um sie besser einschätzen zu können.

Nun wurde es Zeit, nach Menorca zurück zu kehren. Er hatte sich im Haus eines jungen Paares niedergelassen und diese besorgten ihm herum streuende Hunde und Katzen, um seinen Durst zu stillen.
Sie hatten schnell gelernt, dass es nicht gut war, ihn wütend zu machen. Und sie hatten auch begriffen, dass es keinen Sinn hatte, allzu viel Theater zu machen, wenn er sich mit Tierblut nicht mehr zufrieden geben wollte. Dann mussten sie als Nahrungsquelle für ihn herhalten.

„Ich werde die beiden noch eine Weile behalten! Wahrscheinlich hoffen sie jetzt wieder, dass ich nicht mehr zurück kehre. Aber da haben sie sich getäuscht! Noch heute Abend werde ich wieder bei ihm sein,“ dachte Adrian, als er die Fähre nach Menorca betrat und einer jungen deutschen Touristin zulächelte, die sich auf dem Schiff anscheinend nicht so wohl fühlte.

Er stellte fest, dass er ein wenig Hunger hatte. Eigentlich war es nur Appetit, trotzdem reichte dieser aus, dass die junge Frau bei der Ankunft im Hafen der anderen Baleareninsel bereits seit zwei Stunden über Bord gegangen war, nachdem der Vampir sich gestärkt hatte. Es war so einfach gewesen, sie zu einem unbeobachteten Platz des Decks zu locken...
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