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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
27.10.2008 1.028
 
Es geht mit dem nächsten Kapitel weiter. Also viel Spaß beim Weiterlesen. Und an dieser Stelle vielen Dank an Rowellan und Trauemer. Ich hab mich über eure Reviews sehr gefreut.

Eine ganz normale Familie...(Februar 1979)


Tobias lächelte Anna aufmunternd zu, als er sie, nach längerer Zeit, wieder einmal besuchte.
Er hatte eine kleine Betriebsfeier als Entschuldigung vorgeschoben, um der Familie Johanson einen kleinen Besuch nach Feierabend abstatten zu können.

Frieda Johanson, die Mutter der jungen Vampirin, reichte Tobias ein Stück Butterkuchen.
„Essen Sie ruhig, den hab ich selber gebacken. Anna hat mir geholfen!“

Tobias lächelte, als er das junge Mädchen, das seinerseits ein Stück Kuchen mit der Gabel zerquetschte, beobachtete.
Tatsächlich schob sie sich die Kuchenkrümel mit der Gabel in den Mund und es schien ihr sogar zu schmecken.
„Ein Vampir, der Mamas Butterkuchen isst,“ stellte er grinsend fest und Anna warf ihm einen verlegenen Blick zu.
„Naja, Papa hat mir schon Blut besorgt. Den Kuchen hab ich früher schon immer gerne gegessen und ich mag ihn immer noch. Ich muss dann zwar....“

„Was musst du?“, erkundigte sich Tobias interessiert, aber Anna schwieg verlegen.

Die Antwort gab ihr Vater Gregor, der mit am Tisch saß und es nicht zu bemerken schien, dass es seiner Tochter unangenehm war, dass vor einem jungen Mann über ihre Körperausscheidungen gesprochen wurde.
„Sie muss dann auf die Toilette. Sie sagt, wenn sie menschliche Nahrung isst reagiert ihr Körper so wie bei einem Menschen, bis die Nahrung wieder raus ist. Das heißt, dass sie Pipi und AA muss.“

„Papa!“, rief Anna entsetzt.

Tobias wechselte das Thema, auch wenn ihn die Tatsache über die zeitweise wieder erwachten Körperfunktionen der Vampire durchaus interessierten. Aber er wollte ein junges Mädchen, auch wenn es sich um einen Vampir handelte, nicht unnötig in eine peinliche Situation bringen.
„Das ist fast so wie damals, als ich so dreizehn war und meine Mutter mir vor zwei Mädchen aus meiner Klasse sagte, dass ich besser noch mal aufs Klo gehen solle, ehe ich in den Bus steige und auf Klassenfahrt gehe. Die haben gekichert und ich hatte wahrscheinlich ein knallrotes Gesicht!“, erinnerte sich Tobias, während er sich an Gregor wandte.

„Und Sie werden nun endgültig wegziehen?“, erkundigte er sich und deutete auf die gepackten Umzugskartons die an der Wohnzimmerwand gestapelt worden waren.

Gregor Johanson nickte. „Ja, es ist besser so. Ich hab mich an einen anderen Firmenstandort versetzen lassen. Unser neues Zuhause liegt 700 Kilometer entfernt und niemand kennt uns dort. Da wird Anna sich nicht immer verstecken müssen, sobald Besuch kommt. Sie wird dort wirklich als unsere Tochter leben können, auch wenn sie nur Nachts ausgeht. Wir werden erzählen, dass sie mit der Schule fertig ist und tagsüber unterwegs sei, weil sie eine Ausbildung macht. Und wir werden sie auf ein Leben außerhalb der Familie vorbereiten. In zwei oder drei Jahren, wenn es auffällt, dass sie nicht älter wird, eine Wohnung für sie mieten. Dann ist sie ganz offiziell ausgezogen und wir werden sie regelmäßig besuchen.“

Auch dieses Thema schien Anna sehr unangenehm zu sein und ihre Mutter lächelte ihr aufmunternd zu.
„Nun sei nicht so traurig deswegen. Wir haben dir doch gesagt, dass du dir keine Vorwürfe machen musst. Es ist nicht so schlimm, hier ein paar Brücken abzubrechen. Wenn du damals wirklich gestorben wärst, dann würde es uns viel schlechter gehen. Und wir verschlechtern uns ja nicht. Papa verdient hundert Mark mehr im Monat, die Löhne sind bei seiner neuen Stelle ein bisschen höher. Und unser neues Haus ist sogar noch schöner als das hier. Wir haben dir dort das Kellergeschoss ausgebaut. Du hast zwei Räume mit Rollläden an den Fenstern und ein schönes Badezimmer. Da hast du viel mehr Platz als hier. Und Abends kommst du zu uns hoch!“

Anna schien den Tränen nahe zu sein. Sie hing offensichtlich an ihrem Zuhause und fürchtete, dass ein Umzug für die Eltern zu belastend sein könne.
Tobias versuchte, sie ein wenig aufzumuntern. „Das klingt doch nicht schlecht. Und vielleicht besuche ich dich ja mal und schaue mir deine Vampirgruft an!“

„Es ist ein Zimmer,“ nuschelte Anna beleidigt. „Keine Gruft!“

„Natürlich, ein Zimmer! Nein, sogar zwei Zimmer,“ erwiderte Tobias lächelnd und er hoffte wirklich, dass er Anna und ihre Familie nicht zum letzten Mal sah. Ein Besuch würde schwierig werden, denn manchmal hatte er den Eindruck, als würde Rita jeden seiner Schritte misstrauisch beäugen. Bereits bei seinem letzten Besuch, ein paar Monate zuvor, hatte sie misstrauisch reagiert und nicht wirklich geglaubt, dass es sich bei Herrn Johansson um einen Werkstattkunden handelte.

„Wenn sie wüsste, dass ich gerade eine Vampirin besuche, dann...“

Er lächelte. Selbst für den Fall, dass Rita beschlossen hatte James Bond zu spielen und ihm zu folgen würde sie, sollte sie an der Haustür klingeln, lediglich eine gewöhnliche Familie antreffen.
Anna wirkte wie ein Mensch und sie hatte überhaupt nichts vampirisches an sich, auch wenn ihre Haut ein wenig blass wirkte. Aber dies traf im Februar auch auf viele Menschen zu.
„Sie müsste Rita schon ihre Zähne zeigen, damit sie es glaubt. Und selbst dann würde sie eher denken, dass Anna und alle anderen verrückt sind!“

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Tobias kehrte an diesem Abend nicht so spät zurück, wie Rita befürchtet hatte. Sie gestand sich ein, dass sie die ganze Zeit gegen die Versuchung angekämpft hatte den Chef ihres Mannes anzurufen und dessen Geschichte von dem gemeinsamen Abendessen zu überprüfen.
„Ich hab es nicht gemacht! Er hat mir sicherlich die Wahrheit gesagt,“ dachte Rita und sie war erleichtert darüber, ihrem Misstrauen nicht nachgegeben zu haben, als Tobias sie zu sich heran zog und ihr einen Kuss gab.

„War es nett?“, erkundigte sie sich und wischte einen Kuchenkrümel von seinem Pullover. „Hatte die Frau von deinem Chef etwas gebacken?“

Tobias nickte und unterdrückte ein Gähnen. „Ich bin müde. Ich glaub, ich leg mich gleich hin.“

Rita nickte ein wenig enttäuscht. Sie hatte gehofft, noch ein wenig Zeit mit Tobias zu verbringen und eine Flasche Rotwein besorgt. Leider schien er wirklich sehr müde zu sein, oder hatte er keine Lust, mit ihr zusammen zu sein? Manchmal hatte sie in der letzten Zeit den Eindruck, als würde er ihr ausweichen.

„Dann ein andermal,“ dachte Rita und sie schaltete den Fernseher ein.
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