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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 2.081
 
Es geht weiter mit einem neuen Kapitel. Dieses Mal wird ein längerer Zeitraum ein wenig zusammen gefasst, ehe es wieder mit einigen Handlungssträngen weiter geht.
Also viel Spaß beim Weiterlesen

Ritas Kinderwunsch (1978)


Im Februar konnte sich Mariannes Familie über ein Neugeborenes freuen. Luise brachte eine kleine Tochter zur Welt, der man den Namen Petra gab. Marianne freute sich über die kleine Stiefenkelin, die fortan ihre Familie bereichern sollte, auch wenn Luise es nicht müde wurde zu betonen, dass sie ja nicht die leibliche Oma sei.

„Sie hat gesagt, sie will nicht, dass die Kleine Oma zu mir sagt. Kurt ist zwar der Opa, ich aber nicht die Oma,“ sagte sie drei Monate später, an einem verregneten Maitag des Jahres 1978 seufzend zu Rita, während sie einen Strampler zusammenfaltete.
„Aber was soll es schon. Dann bin ich halt die Marianne für die Kleine. Luise wird sich halt nie ändern, so schade das auch ist!“
„Sie ist eine blöde Kuh,“ dachte Rita traurig und Marianne schenkte ihr einen mitleidigen Blick.
„Nun sei nicht so traurig, weil ich von der Kleinen spreche. Du und Tobias versucht es doch erst seit Anfang des Jahres! Fünf Monate sind wirklich nicht so lang. Meine Nachbarn von gegenüber haben fast drei Jahre gebraucht, bis sie ihren Ältesten bekamen. Und mit Kind Nummer zwei wurde die Gerda dann nur zwei Monate nach der Geburt schwanger. Das wurden dann Zwillinge und jetzt ist es ihr manchmal fast schon ein wenig zu viel des Guten, vor allem, seitdem sie sich noch einen Hund angeschafft haben....“

Über Hunde wollte sich Rita wirklich nicht unterhalten und sie war froh, als Marianne nicht weiter auf das Thema „Schnuppi“, wie der kleine weiße Pudel hieß, einging.

„Ich hoffe, dass ich keine drei Jahre brauchen werde. Es ist ungerecht. Eine Ziege wie Luise wird sofort schwanger und bei mir klappt es nicht. Wenn sich innerhalb der nächsten zwei Monate nichts tut, gehe ich zum Arzt!“, erwiderte Rita mit belegter Stimme und sie erinnerte sich daran, dass sie erst vor zwei Tagen erneut enttäuscht worden war, nachdem sie tagelang fieberhaft gehofft hatte, dass es dieses Mal mit einer Schwangerschaft klappen würde.

Sie bemühte sich, nicht zu häufig über ihren Wunsch nach einem Baby mit Tobias zu sprechen, da dieser häufig ungeduldig wirkte, wenn sie davon anfing.

„Er wollte für den Herbst einen Urlaub buchen. Er möchte mir nach Jugoslawien fahren,“ sagte Rita und Marianne nickte „Das ist doch eine sehr gute Idee. Jugoslawien soll sehr schön sein!“

Ich weiß,“ stellte Rita seufzend fest. „Aber bis September ist es noch so weit. Und ich will nicht so weitfristig planen. Was ist, wenn ich bis dahin schwanger bin? Was ist, wenn es mir nicht gut geht und ich den Urlaub gar nicht mehr antreten kann? Dann hätten wir ihn umsonst gebucht und es kämen wahrscheinlich trotz allem Kosten auf uns zu!“

Marianne griff über den Tisch nach der Hand ihrer Schwiegertochter. „Rita, du solltest nicht dein ganzes Leben nach einer möglichen oder unmöglichen Schwangerschaft ausrichten. Das hab ich auch nie getan. Ich bin mit Tobias nach einem halben Jahr Wartezeit schwanger geworden, aber damals war der Krieg gerade erst sechs Jahre her und es ging uns bei weitem nicht so gut wie heute. Wenn ich ganz ehrlich bin hab ich sogar Monat für Monat gehofft, dass es nicht so wäre.“

Sie lächelte bei der Erinnerung. „Als er dann unterwegs war hab ich mich trotz allem gefreut und er sollte auch kein Einzelkind bleiben. Es hat dann aber Jahre gedauert, bis es noch einmal geklappt hat. Ich hab auch nicht mehr damit gerechnet. Und dann kam Florian. Aber hätte ich gewusst, dass ich ihn wieder hergeben muss....“

Marianne schwieg und Rita drückte die Hand der Schwiegermutter. Ja, sie hatte ihr zweites Kind verloren, nachdem sie es jahrelang, eigentlich bis ins junge Erwachsenenalter, aufgezogen hatte. Aber diese Zeit wollte sie doch wahrscheinlich trotz allem nicht missen, außerdem lebte Florian doch möglicherweise noch....

„Hast du die Hoffnung aufgegeben?“, fragte sie daher leise.

Marianne nickte seufzend und sie schien etwas einzugestehen, was sie bereits seit langem ahnte. „Im Grunde hab ich aufgegeben. Ich glaube irgendwie nicht, dass ich noch einmal etwas von ihm hören werde. Entweder ist er....tot. Oder er steckt in so großen Schwierigkeiten, dass ihm niemand mehr helfen kann. Möglicherweise geht es doch um Drogen...und dieser Adrian war so brutal. Die Polizei scheint die Akte auch geschlossen zu haben und sie in ihre „Ungelöst und Nie wieder aufgenommen-Schublade“ gestopft zu haben.“

Marianne schwieg, offenbar wollte sie nicht mehr weiter über ihren Sohn sprechen und Rita verstand diesen Wunsch sehr gut.
„Es ist besser, wenn sie sich mit einigen Dingen abfindet, auch wenn sie ihr sehr schwer fallen,“ dachte die junge Frau mitleidig.
„Zum Glück hat sie ja jetzt wieder einen netten Mann an ihrer Seite, der ihr beisteht. Und er scheint ihr wirklich gut zu tun....Und dann ist da noch die kleine Petra, die hat sie wirklich ins Herz geschlossen. Vielleicht bekommt sie ja auch bald ein Enkelkind, dass auch Oma zu ihr sagen darf!“

„Marianne, wollt ihr diesen Sommer wieder nach Spanien fliegen?“, erkundigte Rita sich und Marianne schien froh über den Themenwechsel zu sein. „Ja, ich zeig dir gleich mal das Prospekt mit unserem Hotel. Es liegt direkt am Meer. Ich freue mich schon, hätte nicht gedacht, dass ich noch mal zum Spanien-Fan werde.“
Marianne grinste mit einem Mal breit. „Meine Nachbarn sind schon ganz empört. Die meinen, ich solle in meinem Alter doch lieber irgendwo im Schwarzwald Urlaub machen. Nichts gegen den Schwarzwald, aber die Bemerkungen über mein biblisches Alter sind schon gruselig!“

Marianne lächelte bei dem Gedanken an ihre Nachbarin, die ungefähr zwanzig Jahre jünger war. Nun, in ihrem Alter schien eine Frau von über fünfzig wahrscheinlich uralt zu sein und sie sah sie wahrscheinlich mit den gleichen Augen, mit den sie, Marianne, eine Siebzigjährige betrachtete. „Würde eine alte Dame von Mitte siebzig plötzlich damit anfangen, in einer Funkengarde aufzutreten und Wasserski laufen, dann würde ich wahrscheinlich auch entrüstet den Kopf schütteln!“

An Funkengarde und Wasserski verschwendete auch sie keinen Gedanken mehr, aber wer wusste, was das Leben noch für sie bereit hielt? Schließlich hatte Kurt kürzlich davon gesprochen, vielleicht noch mit dem Bergwandern anzufangen....

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In der Tat begannen Marianne und Kurt im Herbst des Jahres 1978 damit, Wanderausflüge in den Alpen zu unternehmen.
Sie ließen es gemütlich angehen und es handelte sich mehr um ausgedehnte Spaziergänge denn um Wanderungen, wie Luise  bei der Rückkehr spöttisch feststellte, aber weder Marianne noch Kurt ließen sich aus der Ruhe bringen und sie brachten der kleinen Petra ein winziges Dirndl mit.

Luise hingegen wurde nicht so freundlich beschenkt, denn Marianne drückte ihr die kitschigste Tasse, die sie in einem Sovenierladen hatte finden können, in die Hand. Die Tasse hatte die Form von Schloss Neuschwanstein, nur dass sie rosa statt weiß war.

„Hier, als ich die sah, musste ich zuerst an ein kleines Ferkelchen und dann an dich denken...weiß auch nicht warum,“ dachte Marianne mit ihrem freundlichsten Lächeln, als sie der jungen Frau die Tasse überreichte.

Rita hingegen saß, während ihre Schwiegereltern die Mitbringsel überreichten, bei ihrem Gynäkologen und wollte sich gründlich untersuchen lassen, da sich immer noch keine Schwangerschaft eingestellt hatte. Eigentlich hatte sie schon wesentlich früher zum Arzt gehen wollen, aber sie hatte sich immer wieder zur Geduld aufgerufen und sich gesagt, dass sie zu sehr auf ein Baby fixiert sei. Nun aber hatte sie es nicht mehr aushalten können und einen Termin vereinbart.

Ihr Arzt zuckte nach der Untersuchung die Achseln und meinte, dass auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein schien und es für weitere Untersuchungen noch zu früh sei. Manche Frauen würden eben sofort, auch  ungewollt, schwanger und andere müssten ein wenig länger warten. Sie würde es doch erst seit ein paar Monaten versuchen und dies würde noch vollkommen im Rahmen liegen.

„Nur Geduld,“ hatte er, väterlich weise lächelnd, gesagt. „Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.“

Aber dies half Rita nicht wirklich weiter, trotzdem versuchte sie, sich in Geduld zu üben.

Besonders bitter war für sie die Tatsache, dass Tobias gute Freundin Elke mit dem zweiten Kind schwanger war, während die kleine Silke munter durch den elterlichen Garten tobte, in dem ihr Vater ihr eine Schaukel aufgestellt hatte. Seitdem sie lief war nichts mehr vor ihr sicher und Rita hielt es kaum aus, solche Erzählungen mit anzuhören.

Allein die Tatsache, dass Elke erneut ein Baby erwartete, versetzte Rita bereits einen Stich, aber noch mehr beunruhigte sie ein Gespräch zwischen Elke und Tobias, von dem sie nur Wortfetzen mitbekommen hatte, als sie ihre Wohnung betrat und angesäuert feststellte, dass die andere junge Frau zu Besuch war.
Es war tatsächlich von Vampiren die Rede gewesen und Elke hatte bedauernd lächelnd erklärt, dass es nun wohl wieder nichts mit der Jagd wurde, wenn es wirklich noch einmal zu einem vampirischen Zwischenfall käme....

Rita hatte die beiden zur Rede gestellt und sie hatten sie fast schon schuldbewusst angeblickt. „Ich hab nur von einem Vampirbuch gesprochen. Mein Arzt meinte, ich solle mich in der Schwangerschaft nicht aufregen und solche Bücher lesen,“ hatte Elke sich heraus geredet und Rita war sich sicher, dass dies eine schlechte Ausrede war.

War Elke ebenfalls wahnsinnig? Oder hatte sie nur ihrerseits versucht, Tobias eine mögliche Wahnvorstellung auszureden und sie wollte verhindern, dass Rita etwas von eventuellen psychischen Problemen ihres Ehemanns erfuhr?

Aber sie hatte nicht weiter nachgehackt, sondern statt dessen wieder damit begonnen, ihren Mann genauer zu beobachten. Glücklicherweise war nichts Sonderbares mehr geschehen und sie hatten kurz darauf den lang geplanten Urlaub in Jugoslawien angetreten.

„Vielleicht...klappt es ja am Meer mit einem Baby...,“ hatte sie gehofft und dieser verzweifelte Wunsch hatte den ansonsten sehr schönen Urlaub überschattet. Tobias hatte fast den Eindruck gemacht als fühle er sich von seiner Frau ein wenig überrumpelt und er hatte einmal sogar halb im Ernst und halb im Scherz gefragt, ob sie auch ohne Kinderwunsch so verrückt nach ihm wäre....

Nach dem Urlaub war Rita sich für einige Tage sicher gewesen, schwanger zu sein und sie war glücklich zu ihrem Arzt gegangen und sie hatte sich darüber gefreut, dass es ihr drei Tage nach der Rückkehr morgens schlecht wurde.
Tobias litt an der gleichen Übelkeit und er machte ein abgelaufenes Glas Apfelmus, dessen Inhalt sie sich, ohne das Datum zu überprüfen, als Nachtisch gegönnt hatten, für ihrer beider Unwohlsein verantwortlich.

Aber diese Erklärung wollte sie, zumindest was ihre seitdem nicht mehr aufgetretene Übelkeit, betraf, nicht wahrhaben, Tobias aber auch nicht zu sehr mit ihrem Verdacht in den Ohren liegen, zumal es nicht das erste Mal gewesen wäre....

Rita wollte sich eine Schwangerschaft zuerst bestätigen lassen, ehe sie Tobias mit der freudigen Nachricht überraschte.
Aber ihr Arzt hatte ihr schulterzuckend erklärt, dass es noch zu früh sei und er eine Schwangerschaft weder ausschließen noch bestätigen könne. Ein Bluttest wurde gemacht, aber noch ehe ein paar Tage später das negative Ergebnis vorlag wusste sie bereits, dass kein Kind unterwegs war.

Der Urlaub hatte zumindest in einer Hinsicht seinen Zweck nicht erfüllt und zu allem Unglück kehrte Tobias an jenem Abend, als sie traurig in ihrem Wohnzimmer saß, später als gewöhnlich von der Arbeit zurück.
Angeblich hatte er eine alte Bekannte besucht, aber auf die Frage nach ihrem Namen antwortete er ausweichend.
„Du kennst sie nicht. Sie ist die Tochter eines ehemaligen Kunden meines Chefs. Es geht um ihren Wagen....“

Leider reagierte Tobias auch in anderer Hinsicht nicht so, wie sie es sich erhoffte. „Ich...bin nicht schwanger...ich hab es so sehr gehofft, ich war beim Arzt, der hat einen Test gemacht. Aber ich weiß es schon seit vorgestern und heute kam das Ergebnis....da ist nichts....kein Baby....da war nie eins....“
Tobias hatte sie kurz in den Arm genommen und über ihr Haar gestrichen. Leider schien er nicht halb so traurig zu sein wie sie, als er sagte: „Du versteifst dich viel zu sehr darauf. Das klappt schon noch...und wenn nicht....“

Wütend hatte Rita seinen Arm weg gestoßen. „Dir ist das wohl egal. Du bist...ekelhaft!“

Sie war aus dem Wohnzimmer gelaufen und hatte die Tür zum Schlafzimmer zugeschlagen. Warum reagierte er so herzlos und schien mit seinen Gedanken woanders zu sein, während bei ihr Monat für Monat eine Welt zusammen brach? Ein anderer Gedanke kam ihr. Vielleicht lag die Kinderlosigkeit ja gar nicht an ihr? Hatte der Arzt ihr nicht gesagt, dass, zumindest auf den ersten Blick, alles bei ihr in Ordnung war?

Und wo war Tobias wirklich gewesen?
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