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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 1.492
 
Ich lass euch nicht zu lange auf die Fortsetzung warten. Momentan geht es mit dieser Geschichte wieder ein wenig schneller voran. Also viel Spaß beim Weiterlesen.

Fehler eines Vampirjägers



Christian griff nach dem kleinen Wesen, das an ihm vorbeihuschte und er trank kurz darauf das Blut der Maus. Seit Tagen war dies die erste Nahrung, die er zu sich nahm und er fürchtete bereits, den Verstand zu verlieren.

Jedes Mal, wenn er einschlief glaubte er, halbverdurstet durch eine Wüste zu wandern und einer erbarmungslos scheinenden Sonne hilflos ausgeliefert zu sein.
Er hörte, dass sich direkt vor der verschlossenen Stahltür Menschen befanden und verfluchte den Umstand, dass er weder die Tür noch die Männer, die diese bewachten, erreichen konnten. Eine Kette, die um seinen Fuß geschlungen und mit der Wand verbunden war verhinderte dies...

Bereits mehrfach hatte er vergeblich versucht, sich zu befreien und sich die Haut an der Kette aufgerissen. Seinen Schuh und seine Socken hatten er ausgezogen, um den Befreiungsversuch zu erleichtern und nun stand er unmittelbar davor.

Erneut riss er sich die gerade erst einigermaßen verheilte Haut an der Eisenkette auf und biss die Zähne zusammen, als er seinen Befreiungsversuch vorläufig aufgeben musste.

Die Tür wurde geöffnet und er sah, dass es draußen dunkel war. Einer der Männer, die vor der Tür Wache hielten, blickte hinein.
„Der ist immer noch nicht tot. Bestimmt frisst der heimlich Ratten! So was ist ekelhaft!“, sagte der Mann und sein Begleiter stellte sich hinter ihm auf die Zehenspitzen und schaute zu Christian hinüber. „Hörst du, du ekelhaftes Ding? Du bist...ekelhaft! Widerlich. Trinkt Blut, bah!“

Die beiden Männer grinsten und schlossen die Tür hinter sich. Christian hörte, dass ein Schlüssel im Schloss herum gedreht wurde und er fasste sich unwillkürlich an seine Rippen. Dort hatte zu Beginn seiner Gefangenschaft ein Holzpflock gesteckt, mit dem Klaus ihn attackiert hatte.

Natürlich hatte der Vampirjäger sich verteidigt, als Christian ihn in dieser Seitenstraße angriff, aber noch während er mit seinem Pflock zustach schien Klaus inne zu halten und umzudenken...

Christian wusste nicht genau, wie er in diesen Raum gekommen war und wo er sich überhaupt befand. Lag sein Gefängnis außerhalb von München? Und warum hatte der Jäger ihn überhaupt am Leben gelassen?
Nachdem sich der Pflock tief zwischen seine Rippen gebohrt hatte, hatte er einen Schlag auf den Hinterkopf erhalten, der selbst einen wesentlich stärkeren Vampir zu Fall gebracht hätte. Leider war er kein sonderlich starker Vertreter seiner Art, wie er, wieder einmal zu seinem großen Bedauern, hatte feststellen müssen.

Er war mit großen Schmerzen an diesem Ort aufgewacht und es hatte ihn einiges Überwindung gekostet, den Pflock heraus zu ziehen.
Auch dies war schmerzhaft gewesen und er hatte den nächsten Fehler begangen, indem er das Holzding in die hinterste Ecke seines Gefängnisses warf. Leider kam er dort nicht mehr an den Pflock heran und so konnte er ihm auch nicht als Werkzeug oder Waffe dienen.

„Ich bin auch zu dumm,“ dachte er, während er sich erneut an der Kette an seinem Fuß zu schaffen machte. „Ein Wunder, dass ich bis jetzt überlebt habe....und ich hab Hunger.“

Das Blut der kleinen Maus würde nicht lange vorhalten und er war froh, dass er überhaupt noch einigermaßen klar denken konnte. Zeitweise war ihm dies fast nicht mehr möglich gewesen.

Christian zog noch einmal mit einem Ruck an der Kette und er spürte, dass sein Fuß frei gegeben wurde, während ein Teil seiner Haut einriss. Fast fühlte es sich an, als sei zusätzlich noch ein Knochen gebrochen und er stand, sich an der Wand abstützend, auf.
Er spürte einen Schwindel, der ihn das letzte Mal als Mensch, während seiner tödlichen Krankheit, an der er am Ende seines Lebens gelitten hatte, heimgesucht hatte.

Christian schloss, trotz der im Raum herrschenden Dunkelheit, die Augen und wartete, bis der Schwindelanfall vorbei ging.

Im wurde bewusst, dass das Blut der kleinen Maus bei weitem nicht ausreichend gewesen war und leider hörte er kein anderes Tierchen, das sich eventuell in sein Gefängnis verirrt hatte. Bitter stellte er fest, dass es ihm nicht allzu viel nutzte, sich von seiner Kette befreit zu haben.

Er kam aus diesem verschlossenen Raum nicht heraus und würde es nicht aus eigener Kraft schaffen, die Tür zu öffnen, dessen war er sich sicher.

Trotzdem musste er versuchen, einen Weg zu finden, aber der Hunger war einfach zu groß und ein Gefühl der Erschöpfung machte sich in ihm breit. Auch sein Fuß verheilte nicht so schnell, wie er es sich gewünscht hätte, ein wenig Geduld war dringend vonnöten.

Aber Geduld war etwas, worin Christian sich im Augenblick nicht üben wollte und konnte. Sein Durst machte ihm zu sehr zu schaffen und er überlegte, ob er im Dunkeln nach dem Kadaver der kleinen Maus suchen sollte.

Vielleicht befand sich ja noch ein klein wenig Blut in dem Körper....

Christian kauerte sich auf dem Boden zusammen und er tastete den harten Boden nach dem Körper des Tiers ab, konnte es aber nicht finden. Es war einfach zu dunkel und nicht einmal seine scharfen Vampiraugen konnten die Dunkelheit durchdringen.

Er zuckte zusammen, als sich die Tür erneut öffnete und seine beiden Bewacher  herein späten.

Aber vielleicht gab es ja nun eine Gelegenheit zur Flucht? Außerdem steigerte sich sein Durst ins Unerträgliche....
Einer der beiden Männer hielt ihm seine Hand hin und beging damit einen großen Fehler, als dem Vampir der Geruch von frischem Blut in die Nase stieg.

„Schau mal, Blutsauger, mein Kumpel hat sich gerade geschnitten. Er wollte sich mit seinem Taschenmesser einen Apfel schälen. Er mag nämlich keine Schalen. Dabei hat er sich dann geschnitten....und du wirst nichts von dem guten Blut kriegen!“, sagte der Begleiter des Blutenden, der sich umdrehte, um ihm einen wehleidigen Blick zuzuwerfen. „Jetzt haben wir genug Vampire geärgert. Ich hab Schiss....“

„Angsthase!“, grinste der andere Mann, während Christian trotz seines Schwindels und der Schmerzen an seinem Bein aufsprang und die Hand des Mannes griff und ihn zu sich heranzog.

Sein Begleiter schrie erschrocken auf und warf die Tür hinter sich zu, während sich Christians Zähne in den Hals seines Bewachers bohrten....

Es dauerte lange, bis Christian von seinem Opfer abließ und den leblosen Körper des Mannes von sich stieß. Christian fühlte, wie die Wunde an seinem Bein verheilte und auch ansonsten fühlte er sich, zumindest körperlich, besser als seit langem.
Trotzdem rüttelte er den reglosen Mann an der Schulter und faste ihm an den Hals. Es war kein Puls mehr zu spüren....

„Ich hab den...umgebracht,“ fuhr es Christian in den Sinn. So etwas hatte er bislang noch nie getan, noch niemals hatte ein Mensch durch ihn sein Leben verloren. Trotzdem durfte er nun keine Zeit verlieren und er erhob sich und ging auf die Tür seines Gefängnisses zu und rüttelte daran.

Glücklicherweise hatte sich sein anderer Bewacher damit begnügt, die Tür nur zuzuwerfen und keine Zeit mehr damit verschwendet, abzuschließen. Flüchtig fragte sich Christian woher sie überhaupt einen Schlüssel gehabt hatten...
Aber dies war nun nicht mehr wichtig, denn er warf noch einen Blick zurück auf sein Opfer, das mit verdrehtem Hals dalag und ihn aus aufgerissenen Augen hinterher zu starren schien...

Christian konnte den Anblick nicht mehr ertragen. Er warf die Tür zu und eilte davon, auch wenn er nicht wirklich wusste, wohin er gehen sollte.....

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Klaus, Arndt und Herbert knieten sich neben Georgs Leichnahm auf den Boden.

„Der ist wirklich tot?“, fragte Arndt, ein wenig schuldbewusst. „Tut mir leid. Das sollte ein Scherz sein. Und wir dachten ja auch, das Ding wäre angekettet und könnte uns gar nicht angreifen....“

„Als ob ihr denken könntet!“, fuhr Klaus den jungen Mann ungehalten an. „Jetzt haben wir einen Toten am Hals und können das der Polizei erklären! Am besten sagen wir, wir hätten ihn einfach so hier gefunden, ihr hättet öfter hier herum gehangen....und lasst um Himmels willen meinen Namen aus der Sache raus!“
„Aber....du hast uns doch gesagt, dass wir den Vampir hier einsperren sollen. Du hast doch schon neulich, als du die Gegend mal durchsucht hast, den Schlüssel gefunden....und wolltest jetzt mal wissen, wie es Vampiren geht, wenn man...wirklich fies zu ihnen ist....“, stammelte Herbert fassungslos. „Und jetzt lässt du uns damit allein?“

Klaus nickte müde. „Ja, aber macht euch mal keine Sorgen! Die werden feststellen, dass Georg an großem Blutverlust gestorben ist und wahrscheinlich denken, dass ihn ein Tier angefallen hätte. So sieht es ja auch aus, guckt euch mal seinen Hals an!“

Herbert und Arndt wandten den Blick ab, der Anblick des Toten bereitete ihnen zuviel Unbehagen. „Wir hätten das Ding direkt umlegen sollen. Dann würde der arme Georg noch leben. Und jetzt hat es ihn einfach....leer getrunken.“

Klaus erhob sich und er sah seine beiden Gehilfen eindringlich an. „Da seht ihr, dass ihr diese Wesen auf gar keinen Fall unterschätzen dürft! Sie sind bösartig und gierig nach Blut. Er hatte seit Tagen nichts getrunken. Dann ist nichts mehr wichtig. Sie stürzen sich auf den nächstbesten Menschen und töten ihn....es sind Monster.....“
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