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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
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451 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 1.022
 
Es geht mit dem nächsten Kapitel weiter. Also viel Spaß beim Weiterlesen.

Mit den Tatsachen abfinden....


Zwei Wochen waren vergangen, seitdem Florian und Fritz die Nachricht von Christians Tod durch Klaus erhalten hatten.
Bislang hatten sie sich nicht erneut auf die Suche nach Klaus gemacht, auch wenn Florian nach wie vor den Wunsch verspürte, den Vampirjäger aufzustöbern.

Seine erste Wut war verraucht und nun war überwiegend Trauer geblieben. Nicht einmal die Tatsache, dass ihm nun auch der Tag zur freien Verfügung stand und er das Sonnenlicht ertrug konnte ihn wirklich über den Verlust hinweg trösten.

„Am Anfang konnte ich ihn nicht ausstehen. Da hätte es mir wahrscheinlich nicht einmal etwas ausgemacht,“ dachte Florian, während er Christians Kleidungsstücke in einen Sack stopfte, um sie am frühen Abend zur Kleidersammlung zu bringen.

Warum sollten sie diese Dinge jetzt noch behalten? Sie stellten nur einen weiteren Ballast dar....

Florian band den Sack zu und stellte ihn in den Flur der Wohnung, ehe er ins Wohnzimmer ging und dort auf den Fernseher starrte. Leider begann das Fernsehprogramm erst am späten Nachmittag und er streckte sich auf dem Sofa aus.

Nach Fernsehen war ihm sowieso nicht, all die dort gezeigten Filme und Fernsehserien waren zwar unterhaltsam, reichten aber bei weitem nicht an die Wirklichkeit heran.

Vor allem kamen dort so gut wie nie Vampire vor, auch wenn es den ein oder anderen Dracula Film gab, den Christian und er sich lästernd angesehen hatten.
„Als ob sich einer von uns in so einen Sarg legen würde. Und der Anzug müsste viel zerknautschter und schmutziger sein, wenn ein Vampir damit in der Erde gelegen hat. Und was soll das mit der Heimaterde überhaupt?“, hatte Christian beim letzten Dracula-Film, der Spätabends lief, grinsend gesagt. „Und dann die Sache mit dem fehlenden Spiegelbild....wie schaffen die drei Vampirfrauen es, so hübsch zu sein?“

„Du findest die hübsch? Ich finde, dass Dauerwellen nicht ins 19. Jahrhundert passen. Und der Vampir-Kerl hat auch welche. Und er hat überkronte Zähne. So was gab es doch zu seiner Zeit auch noch nicht...“, hatte Florian lachend geantwortet und dann hatten sie sich wieder einmal über Paulas Vampirbuch, von dem nun noch ein zweiter Teil erschienen war, lustig gemacht.....

„Paula hat sich schon beschwert, als Fritz sie kürzlich einmal angerufen hat. Ihr fehlen romantische Ideen und es wird wohl keinen dritten Band mehr geben,“ dachte Florian.
„Christian und ich waren nicht sonderlich traurig darüber. Obwohl es mir lieber ist, die Leute halten uns für nette Wesen, die nur nach Liebe suchen als für blutrünstige Monster, die man alle ausrotten muss....“

Vor allem im Hinblick auf die letzten Ereignisse waren ihm die Paulas eindeutig lieber als Menschen wie Klaus.

Er dachte an die Pläne, die sie für dieses Jahr zum Weihnachtsfest geschmiedet hatten. Eigentlich hätten sie nun die Wohnung ein wenig dekorieren und einen Baum besorgen müssen. Vor allem Christian hatte sich, obwohl er nicht oft darüber sprach, auf ein Weihnachten gefreut. Es hätte ihnen allen den Anschein gegeben, so etwas wie eine Familie zu sein....

Florian hatte die Augen geschlossen und er stand kurz davor, einzuschlafen und zumindest für diese Zeit einmal seine Trauer zu vergessen, als sich die Tür öffnete und Fritz das Wohnzimmer betrat. Er setzte sich in den Sessel und schlug die Zeitung auf.

„Nun lies dir das mal durch! Die tun wirklich alles, um den armen Kronprinzen zu verkuppeln. Ich sag dir, so was nimmt ein böses Ende. Früher wurden diese Ehen arrangiert und damit war es gut. Nicht, dass ich das besser finden würde....“, stellte Fritz fest, während er zum politischen Teil der Zeitung blätterte.
„Das ist auch nicht gut....,“ murmelte er, schlug dann aber die Zeitung zu und beugte sich vor, um Florian einen leichten Klaps auf den auf ein Sofakissen gebetteten Fuß zu geben.
„Florian, es bringt nichts, dass du dich hier vergräbst. Das Leben geht weiter. Nenn es von mir aus Unleben. Aber es wird nicht das letzte Mal sein, dass dir so was passiert. Das ist halt das Risiko, wenn man nicht vernünftig genug ist, als Vampir allein zu bleiben. Entweder man geht damit einigermaßen gefasst um und gewöhnt sich...“

„An so was will ich mich nicht gewöhnen,“ widersprach Florian und seine Müdigkeit fiel von ihm ab.

Er setzte sich auf und blickte Fritz fast schon vorwurfsvoll an. „Wie kannst du so was sagen? Tu doch nicht so, als sei es dir vollkommen gleichgültig, dass Christian tot ist. Es kann dir doch nicht egal sein!“

Fritz zuckte die Achseln. „Ist es auch nicht. Es ist jedes Mal ein bitterer Schlag für mich, je öfter es geschieht. Aber ich hab mich daran gewöhnt und festgestellt, dass es nichts bringt, denjenigen, die nicht mehr da sind, allzu lange hinterher zu trauern. Trauer hat mich als Mensch fast in den Wahnsinn getrieben und es hat nichts gebracht, aber das ist meine Sache. Vielleicht erzähle ich es dir irgendwann einmal.....aber nicht jetzt.“

Fritz lächelte traurig und er schien sich an andere Zeiten und Menschen und Vampire zu erinnern, die er bereits hatte kommen und gehen sehen.

„Die Toten sind nicht zurück gekehrt,“ fügte er nach einem kurzen Moment hinzu. „Und selbst solche wie wir, also eigentlich Unsterbliche, bleiben nicht für immer. Manche teilen unser Leben für sehr lange Zeit, aber auch das ist nicht für die Ewigkeit. Damit muss man sich nun einmal abfinden. Beziehungen zu Menschen enden grundsätzlich traurig, für beide Seiten, denn irgendwann fordert die Natur ihr Recht....“

Florian stand auf und er machte Anstalten, das Wohnzimmer zu verlassen. Sicher war alles, was Fritz sagte, zutreffend. Aber im Augenblick half ihm dies auch nicht weiter, sondern die Worte des anderen Vampirs machten ihn nur noch trauriger.

„Ich will mich aber nicht einfach damit abfinden,“sagte er leise.

„Dir bleibt keine andere Wahl! Christian ist tot. Daran kannst du nichts mehr ändern.....und was künftige Freunde oder gar Partnerinnen betrifft.....wirst du wahrscheinlich die gleichen Erfahrungen machen wie ich und dich irgendwann doch damit abfinden,“ erwiderte Fritz in einem ernsten Tonfall. „Du musst lernen, damit zurecht zu kommen und du musst weiter machen. Du wirst noch viele Wesen, Menschen und Vampire, kennen lernen....und wieder verlieren.“
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