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Vampire

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Vampire
27.10.2008
19.08.2020
200
280.546
6
Alle Kapitel
451 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2008 1.317
 
Es geht, nach einer leider etwas länger gewordenen Pause, mit einem neuen Kapitel weiter. Also viel Spaß beim Weiterlesen.

Eine Dummheit?



Fritz schaltete den Fernseher aus und er warf Christian mehr als einen besorgten Blick zu. Er ging auf den Jüngeren zu und packte ihn am Arm. „Mach nichts.....“

Christian nickte zustimmend. „Ich werde nichts Blödes machen. Ich bin schließlich nicht lebensmüde. Also macht euch...keine Gedanken!“
„Warum kann ich das nicht wirklich glauben?“, erkundigte sich Fritz misstrauisch. „Warum läuten bei mir sämtliche Alarmglocken?“

„Bei mir auch!“, stellte Florian fest, aber Christian zuckte die Achseln und verließ das Wohnzimmer.
„Ich leg mich ein bisschen hin. Ich bin....müde. Das geht mir alles zu nahe...

„Um die Zeit? Ich glaube, ich leiste ihm besser Gesellschaft!“, sagte Florian, aber es war bereits zu spät, denn die Haustür wurde geschlossen und Schritte eilten die Treppe im Hausflur hinab.

„Hinterher!“, rief Fritz aufgebracht. „Dieser...Trottel!“

„Er ist kein Trottel!“, widersprach Florian, aber dies geschah nicht darum, da er das Verhalten seines Artgenossen als richtig empfand.

Trotzdem war es ihm ein Bedürfnis, ihn in Schutz zu nehmen und er konnte ein gewisses Verständnis nicht unterdrücken. War es nicht sogar verständlich, dass Christian Tonis Tod nicht einfach so auf sich beruhen lassen würde, ganz so, als habe es seinen Freund niemals gegeben? Dass Christian noch sehr häufig an Toni dachte war Florian nur zu bewusst, auch wenn der rothaarige Vampir nur selten von seinem Freund sprach.

„Darüber unterhalten wir uns noch, ich drehe ihm den Hals um,“ knurrte Fritz, während er die Haustür aufriss und gemeinsam mit Florian ebenfalls die Treppen hinunter eilte.
„Er wird nicht allzu weit kommen, der Schnellste ist er ja nicht...zumindest für einen Vampir!“, sagte Fritz und Florian fragte sich, ob die Worte des anderen tatsächlich ein wenig herablassend klangen.

Dabei wusste er doch, dass Fritz nicht halb so schlecht von Christian dachte, wie es nun den Anschein hatte. Warum musste er immer den Grimmigen und Harten spielen und dies selbst dann, wenn es ganz und gar nicht angebracht war?

Sie hatten das Ende der Treppe erreicht und traten nun ins Freie und Fritz wandte sich an Florian.
„Ich hab gehört, wie die Haustür ging. Wahrscheinlich macht er sich jetzt auf den Weg zum Weihnachtsmarkt und hoffte, die Vampirjäger dort zu finden. Wahrscheinlich glaubt er, sie kehren dahin zurück!“

„Ich weiß nicht, vielleicht geht er auch in diese Sackgasse....,“ stellte Florian seine eigenen Vermutungen auf und Fritz seufzte.
„Eigentlich würde ich jetzt vorschlagen, dass wir uns trennen. Aber ich will dich auch nicht allein mit diesen Jägern zusammentreffen lassen....also müssen wir wohl oder übel zusammen bleiben und zuerst in der Gasse und dann auf dem Weihnachtsmarkt nachsehen!“

Die beiden Vampire machten sich eilig auf den Weg und bemerkten nicht, dass Christian ein Stockwerk tiefer neben der Kellertür kauerte und ein abgestelltes Fahrrad festhielt, um es am Umfallen zu hindern.
Nachdem Florian und Fritz den Hausflur verlassen hatten lehnte er das Rad gegen die Wand und war froh, dass er es gerade noch aufgefangen und somit verhindert hatte, dass die anderen Vampire auf ihn aufmerksam wurden.

„Sie sind auf den Trick mit der zuschlagenden Haustür herein gefallen und haben nicht mitbekommen, dass ich dann leise hier runter geschlichen bin....,“ dachte er mit einem bitteren Lächeln.

Er wusste, dass er zu überstürzt aufgebrochen war. Warum hatte er nicht einen oder zwei Tage gewartet?
Aber beim Gedanken an Klaus und vor allem an seinen toten Freund Toni konnte er sich nicht mehr zurück halten. Der Augenblick, in dem Klaus Toni getötet hatte stand ihm wieder zu deutlich vor Augen und noch immer glaubte er ungläubige Entsetzen zu spüren wie in dem Moment, als sein Freund zu Staub zerfiel und von einem Augenblick zum anderen von der Welt verschwand.

Christian stand auf und verließ vorsichtig das Haus. Er sah sich nach allen Seiten um, aber von seinen beiden Artgenossen war nichts zu sehen und nichts zu hören.
„Sie werden zuerst zu dieser Sackgasse gehen und dann auf den Weihnachtsmarkt. Wo diese Gasse ist weiß ich leider nicht, aber der Weihnachtsmarkt ist gar nicht mal so weit weg von hier!“, dachte Christian, der nicht vorhatte, sich auch nur an einem der beiden Orte blicken und von den Vampiren, die er doch eigentlich mochte, einfangen zu lassen.

Er würde anderweitig Jagd auf die Vampirjäger machen.....

„Bestimmt werden sie nun intensiv nach Vampiren suchen, aber sie werden, wenn sie gemerkt haben, dass Fritz sie in die Irre geführt hat, bestimmt nicht zum Weihnachtsmarkt zurück kehren,“ überlegte Christian nachdenklich und er versuchte, sich in die Jäger hinein zu versetzen. „Wahrscheinlich werden sie irgend welche einsamen Orte nach uns durchkämmen. Solche Orte, die Florian, Fritz und ich im Augenblick eher meiden...“

Er wusste, dass er nicht zu Fritz und Florian zurück kehren konnte, so lange er die Vampirjäger nicht aufgespürt hatte, da sie ihn sicherlich daran hindern würden, Jagd auf sie zu machen und umgekehrt hätte er beispielsweise auch versucht, Florian von einem ähnlichen Vorhaben abzubringen.

Verstehen konnte er die beiden anderen Vampire durchaus.

„Das ist aber meine Sache. Toni war mein Freund. Wir hätten ihn damals schon erledigen sollen!“, dachte Christian, während er sich auf die Suche nach einem Unterschlupf für die nächste Nacht begab.

Fortan würde er, zumindest vorübergehend, Fritz und Florian aus dem Weg gehen und nach Klaus suchen, bis er ihn fand. Es war das erste Mal für ihn, dass er, seitdem er zum Vampir geworden war, vollkommen auf sich allein gestellt war und er hoffte, nicht bereits am Anfang zu scheitern.

Ein Teil von ihm wusste nur zu gut, wie gefährlich und auch leichtsinnig sein Vorhaben war.
Nicht nur die Vampirjäger, sondern auch mögliche, andere Vampire und vor allem der Tag und die Sonne waren seine Feinde. Er dachte kurz daran, seine beiden Artgenossen zu bitten, ihn bei der Suche nach den Jägern zu unterstützen, aber diesen Gedanken verwarf er schnell wieder.

„Fritz will möglichst wenig Aufsehen erregen. Und die Leichen von vier Jägern passen da nicht rein!“, murmelte er, während er vor einem alten, verlassenen Kino stehen blieb und sich fragte, ob er es im Ernstfall wirklich fertig bringen würde, Klaus und die anderen bis auf den letzten Tropfen auszusaugen.

Den Filmplaketen nach musste das Kino vor drei oder vier Jahren geschlossen worden sein, da es wahrscheinlich nicht mehr genügend Gewinn durch Besucher einbrachte. Er rüttelte an der Tür und schließlich gab diese nach und Christian betrat das Gebäude.

Christian ging einen langen Gang entlang, an dem sich links und rechts jeweils zwei Türen befanden, die zu den ehemaligen Vorführungsäälen führten. Er betrat einen der Räume und sah, dass sich ein Großteil der Sitzreihen noch immer im Saal befand.

„Da hab ich es wenigstens halbwegs bequem....,“ dachte er und klappte einen Sitz herunter, während ein altes, verfaultes Stück Popcorn auf dem Boden ihn fast zum Lächeln gebracht hätte.

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Die Nacht neigte sich bereits zum Ende zu, als Florian und Fritz unverrichteter Dinge wieder in ihre Wohnung zurück kehrten.
„Ich drehe ihm den Hals um,“ wütete Fritz, als er seine Mütze auf den Kleiderhacken im Flur warf, aber Florian schüttelte den Kopf.
„Kannst du damit nicht mal aufhören? Glaubst du, irgend etwas wird besser, wenn du Christian den Hals umdrehst oder die ganze Zeit damit drohst? Gib doch einfach mal zu, dass du dir Sorgen machst....“
„Die mache ich mir wirklich,“ gab Fritz grimmig zu. „Wenn er auffällt.....“

„Es geht dir doch auch nicht nur darum!“, widersprach Florian. „Und bitte such weiter, auch wenn es hell ist. Ich....kann es ja nicht....“

Fritz nickte und schien einen Augenblick über etwas nachzudenken, verwarf diesen Gedanken dann aber offenbar wieder mit einem Kopfschütteln.
„Wolltest du noch was sagen?“, erkundigte sich Florian, aber Fritz hatte bereits die Tür zu seinem Raum hinter sich zugezogen.

„Na, großartig. Hoffentlich sucht er weiter,“ dachte Florian, während er bemerkte, dass er mit einem Mal sehr müde wurde, als sich der heran nahende Tag bemerkbar machte.
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