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Skeletons

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Alphonse Elric Edward Elric
26.10.2008
24.04.2009
5
22.750
1
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
26.10.2008 5.917
 
Disclaimer: Finger weg von Drogen. Die lassen euch nur seltsame Sachen denken. Wie zum Beispiel, das euch Dinge gehören, auf die das nicht zutrifft. (Drogen sind widerlich; Ich hasse sie und die Leute, die sich dafür entscheiden, sie sich in den Kopf zu schmeißen)

Authors Note: Okay. Ich hatte in meinen Reviews eine Menge fragen über das letzte Kapitel, die dringend beantwortet gehören. Also, legen wir los! XD


Bitte denkt daran, dass ich, da ich jetzt diese Fragen beantworte, eure Reviews todsicher ignorieren werde, wenn ihr in Zukunft irgendetwas gleichartiges fragt. Also geht sicher, dass ihr vorher die FAQs gelesen habt, wenn ihr irgendwas wissen wollt.




FRAGE EINS: „Wie alt sind Edward und Alex(jetzt)?“
ANTWORT: Ich weiß, ich hab das nicht direkt gesagt, aber ihr Alter wurde in Kapitel eins erwähnt. Unser Ed ist vor zehn Jahren gestorben, als Ed Jr. Sieben Jahre alt war. Das macht ihn jetzt siebzehn. Alexander ist ein Jahr jünger, also sechzehn. (Schaut unten nach, was weitere Infos zu Ed und Alex betrifft.)

FRAGE ZWEI: „Hä?! Aber wenn Al dort auf dem Foto ist, warum schreibt Ed ihm dann Briefe, als wäre er weg...? War er nicht am Ende des Movies mit Ed zusammen?“
ANTWORT: Die Einträge beginnen, bevor Al in unserer Welt auftaucht. Ich schätze, Ed und Al haben drei Jahre getrennt verbracht; seit Eds Auftauchen sind erst zwei Monate vergangen bis zum ersten Eintrag. :)

FRAGE DREI: „Wusstest du, dass die Daten falsch sind? Es war 1921/1917/19 etc.“
ANTWORT: ... ähm... (hust)
So oder so, ich hab mal nachgerechnet. Wenn Ed 2005 100 Jahre alt war, ist er 1905 geboren worden**. Das bedeutet, wenn er zu Beginn des Movies 18 war, beginnt der 1923. Also, ja, ich lag falsch. Er war ja am Ende der Serie... 16? (ja, sie sind um die drei Jahre getrennt) Also sollte dieses Tagebuch 1921 beginnen. Also ihr, die ihr auf 1921 bestanden habt – ihr habt gewonnen!
***
Ich werd das in diesem Kapitel ändern und ich werd das in Kapitel eins ausbessern, wenn ich kann. :)

FRAGE VIER: „Warum hast du Heidrichs Namen Hendrich geschrieben?“
ANTWORT: Weil ich nen Fehler gemacht hab...? Ähä... Tschuldigung. (kommt sich blöd vor)

FRAGE FÜNF: (Gut, das war nicht wirklich eine Frage – aber das kam VERDAMMT oft und es hat mich WIRKLICH genervt) „Al ist nicht Alexander; er ist Alphonse.“
ANTWORT: ... wie bitte? Habt ihr euch das Kapitel vor dem Review schreiben überhaupt DURCHGELESEN? Ich will ja nicht unhöflich sein, tut mir Leid, aber das war meine erste Reaktion. Vielleicht waren einige von euch auch nur einfach durcheinander. Also gut.
Edward Elric senior – der Fullmetal Alchemist – hat einen kleinen Bruder namens Alphonse; ja. Er nennt ihn Al; ja. DIESER Al ist der, an den Ed schreibt. Klar soweit? Klar soweit.
Edward Elric junior – der Siebzehnjährige aus unserer Welt – hat einen kleinen Bruder namens ALEXANDER. NICHT ALPHONSE. Warum dachtet ihr, sein
Name sei ebenfalls Alphonse? Weil Ed jr. ihn Al nennt? Wollt ihr den Grund dafür wissen?EDWARD ELRIC JUNIOR IST FAUL.
Jepp. Alexander Alex zu nennen, ist ihm zu viel Arbeit. Also hat er es zu Al verkürzt. („Alex“ - „ex“ = „Al“). Das war so was, was ich entschieden habe, als ich ihre Charaktere entworfen habe. Da sich einige von euch genau darüber Gedanken gemacht haben, sind hier ein paar Steckbriefe von unseren neuen Charakteren:

Edward Simon Elric
Spitzname: Ed (und Alex nennt ihn manchmal „Brüderchen“)
Alter: Siebzehn
Erscheinungsbild: Groß(sein Opa wäre so neidisch); goldene Augen; langes, blondes Haar, das er als Pferdeschwanz trägt(manchmal auch offen)
Lieblingsfarbe: Blau
Lieblingsessen: Pizza mit Sauerrahm(das schmeckt!)
Lieblingsbuch: Howl’s Moving Castle (Diane Wayne Jones)
Sexuelle Orientierung: So schwul wies nur geht. XD (jetzt erzählt mir nicht, ihr habt das nicht kommen sehen)
Tick: Ed erträgt den Geruch von French Toast nicht.
Weitere Informationen: Ein mittelmäßiger, bis guter Schüler ohne wirkliche Interessen außer Kunst; Edward liebt Schauspielerei, Malerei und er singt gern (wenn niemand zuhört) unter der Dusche. Er mag auch Sport, wie Basketball und Fußball – allerdings mehr aus Spaß an der Freude(vor allem wenn er gegen Al spielt; es ist eigentlich nur eine weitere Entschuldigung um wieder mit ihm zu raufen.) Als älterer Bruder hat er einen sehr ausgeprägten Beschützerinstinkt und war viel zu lange Zeit dafür bekannt, dass er Kerle zusammenschlägt, die seiner Schwester(oder seinem Bruder (hustet)) hinterher starren(sehr zu Rosalies Schrecken, wie man sich denken kann). Er hält allerdings nicht allzu viel von seinem Alten Herren – der ist irgendwie homophob(keine Ahnung, wie das passiert ist). Im großen und Ganzen ist Ed ein sehr umgänglicher, heiterer Mensch, der faule Nachmittage und Mittagsschläfchen sehr zu schätzen weiß.

Alexander James Elric
Spitzname: Alex (und Ed nennt ihn Al.)
Alter: Sechzehn
Erscheinungsbild: Durchschnittlich groß, silbrig-braune Augen, lange, bronzefarbene Haare, die er im Pferdeschwanz trägt.Lieblingsfarbe: Grün
Lieblingsessen: Ramen mit Rind
Lieblingsbuch: The DaVinci Code (Dan Brown)
Sexuelle Orientierung: Er watet zwischen den Ufern des Flusses hin und her. ***
Tick: Al schläft mit einem Plüschkänguru namens Bunny(bekommen und getauft, als er vier war)
Weitere Informationen: Alexander ist intelligent. In den meisten seiner Fächer schrammt er immer sehr knapp an einem „sehr gut“ vorbei, was ganz einfach an seinem Hass auf die Schule liegt. (er findet sie stinklangweilig). Seine Interessen sind vor allem Geschichte, Mathe und Chemie, aber er ist sich noch nicht sicher, was er später beruflich machen will. Eine Weile hat er mit dem Gedanken gespielt, Tierarzt zu werden(er liebt Katzen) aber er meint auch, dass es nett wäre, Lehrer zu sein. (Er könnte ein bisschen frischen Wind reinbringen) In seiner Freizeit liest Alex am liebsten und spielt mit seiner Katze Alchemy. Außerdem hat er Spaß an Lufthockey und anderen körperlich nicht allzu anstrengenden Sportarten, weil er da seinen älteren Bruder schlagen kann. (Er ist auch ein sehr guter Pokerspieler) Als die vernünftigeren Kinder der Familie haben er und Rosalie die gemeinsame Lebensaufgabe, ihren unvernünftigen ältesten Bruder von Ärger fernzuhalten – davon abgesehen jedoch reden sie nicht allzu viel. Aber wenn sie ihn braucht, ist er für sie da. Alexander ist auch das Elric-Kind, das sich am erwachsensten verhält, wenn Mom oder Dad also irgendetwas erledigt haben wollen(auch, wenn sie die Verantwortung dafür Edward übertragen), weiß der Perfektionist Alex, dass es an ihm ist, dafür zu sorgen, dass es ordentlich erledigt wird.


Rosalie Catharine Elric
Spitzname: Rosie(oder Miststück/Freak, wenn Ed einmal zu Scherzen aufgelegt ist)
Alter: Vierzehn
Erscheinungsbild: Durchschnittliche Größe; blassblaue Augen, langes, hellblondes Haar, das sie im Pferdeschwanz, Zöpfen oder im Mozartzopf trägt
Lieblingsfarbe(n): Lavendellila und grau
Lieblingsessen: Gummywürmer
Lieblingsbuch: Die Mediator-Reihe(Meg Cabot)
Sexuelle Orientierung: Bi
Tick: Rosie findet Brillen unwiderstehlich sexy
Weitere Informationen: Rosalie Elric, die zarte Blume des Elric-Haushaltes, ist laut, freigeistig(was sie anderen gern und deutlich mitteilt) und herrisch. Ihre Zensuren hängen irgendwo zwischen denen ihrer Brüder und dank einem ungewöhnlich aktiven Sozalleben ist sie eigentlich fast nie da. Wenn sie allerdings mal ein wenig Ruhe hat, liebt sie es, Zeitschriften zu lesen, Make-Up auszuprobieren, Animes zu schauen und Computer aus Versatzstücken zusammenzubauen. Sie ist ein wahrer Technik-Geek – und sehr stolz auf ihr Talent, sich in wirklich jedes System einhacken zu können. Außerdem ist sie Präsidentin des Manga-/Anime-Clubs an ihrer Junior High School und ein fieberhafter Shonen-Ai-Fan. Auf der Tanzmatte macht sie jeden platt. Was ihre Beziehung zu ihren Brüdern betrifft – sie liebt sie, aber sie hasst es wie die Pest, dass die Beiden sie wie ein Kind behandeln. Entsprechend sucht sie immer wieder neue Wege, sie auszunutzen, so wie es jede gute Schwester tun sollte. ;)

Whew! Okay, ich denke, das wars. XD Also dann, schlussendlich, wer ist bereit für ein neues Kapitel? ;) (Auch wenn diese A/N schon fast wie ein eigenes Kapitel für sich war...)




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Gelegentlich werde ich gefragt, wann ich es wusste. Wann ich es zum ersten Mal realisiert habe, dass ich „anders“ bin. Normalerweise werde ich das von Mädchen gefragt. Normalerweise weinenden Mädchen. Normalerweise zum unpassensten Zeitpunkt – wie zum Beispiel im übervölkerten Korridor zwischen zwei Unterrichtsstunden, gerade kurz bevor die Warnglocke läutet. Und lasst mich euch eins sagen, es kotzt mich an, es immer wieder zu versuchen und (so behutsam es eben geht) einer weinenden Klassenkameradin zu erklären, über das Schreien, Rufen, gegenseitige Beschimpfen und dem ganz normalen Wahnsinn hinweg.
Aber sie bestehen darauf, dass sie es wissen wollen. Jetzt. Damit sie etwas haben, worüber sie mit ihren Freundinnen tratschen können, schätze ich. Oder um sicher zu gehen, dass ich sie nicht abserviere, weil ich ein totaler Arsch bin.
Also, im Zentrum des ganzen Schreiens, Rufens, gegenseitigen Beschimpfens und des ganz normalen Wahnsinns bin ich gezwungen(und das in schönster Regelmäßigkeit), meine Seele bar zu legen und (zum millionsten Mal) aus diesem metaphorischen Schrank zu springen.
Ich hasse es. Und herrje – man könnte meinen, die ganze Schule wüsste es inzwischen. (Ganz ehrlich, ich bekomme so langsam das Gefühl, dass sie einfach gern hören, wie ich es sage.)
Ja, Welt. Ich bin schwul.
Und ich weiß es schon seit Jahren.
Es war nicht so schlimm, als ich klein war; als alle Jungen Mädchen gehasst haben. Man konnte seine Ablehnung irgendwelcher Berührungen einfach als Angst vor Läusen tarnen. Aber selbst, als ich dann älter wurde und all die anderen Jungs anfingen über das „Fahrgestell von der und der“ zu flüstern, hatte ich kein körperliches Interesse am anderen Geschlecht. Sicher, es gibt ein paar ziemlich hübsche Mädels – und ein paar wirklich tolle, die ich als wirklich tolle Freunde betrachte – aber wenn es zu Lust und Liebe kommt?
Nö. Sorry, Liebes, aber ich hab kein Interesse.
Und ich war mir über diesen Fakt immer angenehm im Klaren. Angenehm im Klaren und ich schäme mich nicht, kann ich stolz von mir sagen. Ich hatte auch nie Angst, meine sexuelle Vorliebe anderen zu teilen – jeder weiß doch, dass die Homophobiker eigentlich die schwulsten von allen sind.
So oder so, ich denke, die Leute haben mich zu Anfang immer irgendwie aufgezogen, doch dann entdeckten sie, dass auch die Faust von einem Schwulen in deinem Gesicht scheiße weh tut. Also hielten sie den Rand. Und seitdem hatte ich nie irgendwelche Probleme, Freunde zu finden oder zu behalten.
Tatsächlich gibt es da nur ein einziges Problem(von all den weinenden Mädchen in lauten Korridoren mal abgesehen) mit dieser ganzen Situation. Mein Schwulsein meine ich. Ein schlaksiges, kastanienbraunes, witziges, wunderbares, seltsames, wunderhübsches Problem.
Alexander Elric.
Mein kleiner Bruder.



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Alex sah aus, als hätte man ihn eben geschlagen. Oder auch, als wäre er eben beinahe von einem Zug überrollt worden – seine Hände zitterten, sein Gesicht war bleich, sein Mund stand in einem perfekten, kleinen o offen.
Edward wiederum, wie eine zufriedene Katze neben ihm lungernd, kicherte immer noch, das Kinn leicht auf die Handfläche gestützt. „Also das ist mal interessant“, schnurrte Ed in die Stille hinein, die ockerfarbenen Augen blitzten in kühlem Vergnügen. „Ich frag mich, ob er je was von seinem Liebsten...?“„Bruder!“, bellte Alexander, der eben mit einem leisen, würgenden Geräusch wieder zum Leben erwachte, die Wangen flammten. „Das ist absolut unangebracht! Außerdem ist es unmöglich, dass Großvater hätte schwul sein können!“Der Ältere hob lässig eine Augenbraue und drehte eine lose Strähne seines Haares um einen langen Finger. Her schien hin- und hergerissen zwischen Neugierde und Langeweile. „Oh? Warum nicht?“
„Weil die Leute damals nicht schwul waren“, brummte Alex und rollte sich fest zusammen, starrte auf das geschlossene Tagebuch herunter. Beinahe schien es, als würde er schmollen...Edward lachte einfach nur wieder. „Sei nicht dumm“, tadelte er sanft, ohne, dass seine Stimme irgendwelchen Biss enthielt. Tatsächlich grinste er immer noch – als wäre diese Situation ein einziger, großer Scherz. „Es gab schon immer Homosexuelle, seit Anbeginn der Zeit. Und das war nie etwas Schlechtes; nicht bis zur Moderne jedenfalls. Schau dir nur mal die Römer an... ich hab gehört, sie haben es gefördert.“ Eds Lächeln weitete sich, ohne dass der starre, großäugige Blick seines Bruders ihn beunruhigt hätte. „Männer kämpfen in der Schlacht entschlossener wenn sie neben ihrem Liebhaber stehen“, erklärte er ruhig. „Die Generäle spielten diesen Umstand gern aus.“
„... oh.“
Die rosa angehauchten Wangen des Brünetten verdunkelten sich deutlich, er wandte den Blick ab. „Nun... so sehr das stimmen mag... er... er kann es einfach nicht gewesen sein!“, erklärte Al erneut, dieses Mal noch vehementer. „Ich meine, komm schon. Dieser Brief – der, bei dem er betrunken ist-“
„-aber wenigstens aus dem Schrank rausgekrochen-“
„- darin redet er über seinen kleinen Bruder!“, beendete Alex, indem er Edwards scherzhaften Einwurf ignorierte. Er blickte immer noch störrisch-verschreckt drein, während er das Buch anstupste, als wäre es ein großer, rechteckiger Button. „Sein Bruder!“Wieder – sehr zu Alexanders Schrecken – zuckte sein Bruder lediglich mit den Achseln. Oder versuchte es zumindest, doch es war eine recht schwierige Bewegung, wenn man auf einer Seite auflehnte. „Und?“, formulierte der Blonde um ein Gähnen herum. „Da gibt’s einen Namen für. Es nennt sich Inzest.“
„Ich bin nicht dumm, ich kenn den Begriff!“
„Nun, wenn es einen Begriff dafür gibt, heißt es, dass man noch nie davon gehört hat. In unserer Zeit ist es vielleicht seltsam... aber viele alte Kulturen haben Inzest als Lebensform betrachtet. Die ägyptischen Prinzen und Prinzessinnen zum Beispiel konnten nur einander heiraten, weil Gottheiten sich nur mit anderen Gottheiten fortpflanzen durften. Ed rollte sich ein wenig, so dass er nun auf dem Rücken lag und nicht auf der Seite.
... es war als diskutierten sie das Wetter.
Alex sah seinen Bruder immer noch an, als hätte er seinen Verstand verloren. Aber... Das ist ein Argument. „Ja, vielleicht“, stimmte Al mürrisch und nicht ohne einen sehr deutlichen Unterton von Wut zu, „aber heutzutage ist es illegal – und das aus gutem Grund. Noch nie von den genetischen Problemen gehört, die es hervorruft? Wollen wir die Gesellschaft von deformierten Babys überschwemmt sehen?“ Edward schaufte, seine Augenbrauen zuckten verärgert. „Al, BITTE!“, grollte er und zog sich in einen Schneidersitz hoch. „Weder unterstütze ich das, NOCH mach ich da mit. Ich sag nur, wie es ist. Und überhaupt ist es ja nicht so, als könntest du ändern, was Großvater empfunden hat. Aber mal ernsthaft, Alex? Deine Antwort entbehrt jeden Feingefühls. Nicht jeder läuft durch die Gegend und hegt dabei das Verlangen mit seinem Bruder und/oder Schwester rumzumachen. Also mach dir mal keine Sorgen, der dämliche Genpol dieser Welt ist gerettet.“Alexander wurde rot, er fühlte sich ein wenig betäubt; wich dem kalten Blick seines Bruders um. Was ist auf einmal SEIN Problem? Warum regte er sich so sehr darüber auf? Doch ehe er fragen konnte, stand Edward auf – und stakste steif zur Tür, nahm sich nur einen Moment lang Zeit, um einen letzten, vernichtenden Blick über die Schulter zu werfen. „Und Al? Ich glaube nicht, dass zwei Kerle sich darüber Sorgen machen müssten, dass sie missgebildete Babys bekommen könnten.“Und dann war er weg. Wahrscheinlich, um auf sein Atelier im Keller loszugehen, wie er es immer tat, wenn er wütend war. Auch, wenn es Alex ein Rätsel war, was ihn dieses Mal gebissen hatte. Es war ja nicht so, dass sie sich nicht jeden Tag stritten. Vielleicht war ich einfach zu stur, überlegte Alexander, immer noch zur Kugel zusammen gerollt. Er schubste das Tagebuch noch einmal herum, nur so, aus Spaß an der Freude. Ich meine, wahrscheinlich war ich irgendwie engstirnig... und er hat ja Recht: Ist ja nicht so, als könne ich irgendwas an Großvater Elrics Gefühlen ändern, so oder so. Vielleicht sollte ich mich entschuldigen. Aber im Endeffekt entschied er sich dagegen. Für den Moment jedenfalls. Sein Kopf war zu angefüllt von anderen Gedanken – wie Großvater und das Tagebuch und Eds Worte.
Er schafft es sogar, Inzest in Ordnung klingen zu lassen. Und nein, sein Herz hatte eben nicht gerast.
Und natürlich – diese ganze Diskussion konnte sich als totale Zeitverschwendung herausstellen. Was, wenn Großvater Elric wirklich betrunken gewesen war – und zwar nur betrunken? Vielleicht war ihm nicht einmal klar gewesen, was er da geschrieben hatte...Vielleicht suchte Alex nur nach Ausreden, um weiterlesen zu können?
Das, bei aller Liebe, war wohl der Fall.
Doch es hielt ihn nicht davon ab, das ledergebundene Buch aufzufingern, darauf vorbereitet(vielleicht sogar vorfreudig), weiterzulesen.


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Mai, 1921

Lieber Al,

Mein Kopf tut weh. Heidrich sagt, ich verdiene es und dass, wenn ich nicht aufhöre, so rücksichtslos zu sein, die Univerität meine Projekte nicht mehr unterstützen wird. Was wohl stimmt. So oder so, ich hab mir nicht die Mühe gemacht, mir eine sarkastische Antwort auszudenken und ihm an den Kopf zu werfen – das ist dem Fakt geschuldet, dass es mir noch mehr wehtut, wenn ich versuche, zu denken. Aber Schreiben ist nicht so schlimm, also bin ich hier und – schreibe.
Ich weiß, ich weiß. Ich kann dich in meinem Kopf hören, Al – Heidrich hat Recht, du solltest nicht trinken. Stimmt ja, das sollte ich nicht. Und vielleicht will ich es auch nicht wirklich. Vielleicht mach ich das als irgendeine kranke Form von Rebellion. Aber andererseits bist du nicht hier um mich daran zu hindern, also was macht es, wenn es so ist?
Oder vielleicht bin ich immer noch betrunken.
... ich hoffe, wir finden einander bald.
Heidrich hat mir gesagt, dass er über einen Weg nachgedacht hat. Es hat mit dem zu tun, was er forscht – Raketen. Er denkt, dass – vielleicht – unsere Welt gleich hinter dem Himmel liegt. Mit einer Rakete, wäre ich vielleicht in der Lage, es dorthin zu schaffen. Dann könnte ich dich wieder sehen.
Als er das gesagt hat, hab ich ziemlich viel verschiedenes Zeug auf einmal gefühlt. Zum Großteil glücklich... aber auch neugierig. Und dann habe ich gehört, wie ich die Frage gestellt habe, die ich so lange für mich behalten habe: „Warum tust du das? Warum hilfst du mir?“
Denn, Al, du kannst sicher verstehen, warum ich bei ihm bleibe – er erinnert mich an dich. Dein Lächeln, dein Geruch, dein freundliches Wesen. Nicht mehr, als eine Imitation(wenn auch eine eigenständige Person), aber es ist genug, um mich bei Verstand zu halten.
Warum hält er mich aus?
Er hat gegrinst, als ich das gefragt habe, als hätte er das erwartet und stellte seinen Kaffee und seine Zeitung auf die Art und Weise ab, wie nur er es tut – die Zeitung zu einem ordentlichen Quadrat gefaltet, damit sie als Untersetzer dient.
Dann, mit sehr ruhiger Stimme, hat er mich nahezu umgebracht vor Schock: „Weil du mich an jemanden erinnerst, den ich einmal geliebt habe.“
Ich hab die Informationen aus ihm heraus gepresst. Ich hatte Magenschmerzen.
Sein Name war Edward Cullison. Er lebte in einer Stadt namens London, zusammen mit seinem Vater, Hohenheim. Er und Heidrich waren seit ihrer Kindheit Freunde gewesen; haben zusammen gespielt, als Hohenheim nach Deutschland reiste, um ein paar Geschäfte mit anderen Politikern abzuwickeln. Aber Heidrich hatte schon seit fast einem Jahr nichts mehr von ihm gehört... und dann hatte er erfahren, dass Cullison während eines Luftangriffs gestorben war.
Ich hätte ihm sagen müssen, dass es meine Schuld war. Dass, wäre ich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in Cullisons Körper gewesen, er vielleicht immer noch am Leben wäre. Aber die Worte sind mir in der Kehle stecken geblieben – alles, was ich habe sagen können, war, dass es mir Leid tut.
Er hat nur gelächelt; ich glaub er wusste es. Dass ich Schuld bin, meine ich. Aber trotzdem hat er nur gelächelt.
Vielleicht erinnere ich ihn ja an Cullison, so wie er mich an dich erinnert, Al. Aber ist das jetzt gut oder schlecht? Im Endeffekt lebt man nur so lange, wie man den Träumen der Vergangenheit nachjagt...
Ich frage mich, wird mein Leben enden, bevor ich meine erwischt habe?
... Ich muss kotzen.

-Ed



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Der Keller gehörte Edward.
Das war natürlich keine festgeschriebene Regel. Der Keller hatte allen dreien Elric-Kindern gehört: hatte als unvollendetes Spielzimmer gedient, als sie klein gewesen waren. Doch als Edward älter wurde, seine Projekte größer und sein Chaos chaotischer, hatten Alex und Rosie den restlichen freien Raum ihrem engagierten Bruder zum neunten Geburtstag als Geschenk überreicht. Und er hatte es angenommen.
Seit jenem schicksalhaften Tag hatte sich nicht viel geändert. Die holzgetäfelten Wände hatten ihren fröhlichen wallnussbraunen Ton behalten – mit schiefergrauem Beton als Fußboden. Es war sowohl von den Eltern, als auch den Immobilienmaklern mit dem Wort „Unfertig“ etikettiert worden, außerdem auf eine Art kalt(temperaturtechnisch gesehen); mit einem kleinen Fenster zum Hinterhof hinaus, das als Feuernotausgang diente, sollte es einmal ganz schlimm kommen.
Doch das Decór war ganz ohne Frage das Ergebnis von Eds ungezählten künstlerischen Versuchen.
Fünf Staffeleien, eine zerbrochene Töpferscheibe und zahllose windschiefe Buchregale verstellten den Raum – Tische, übersät von halbfertigen Leinwänden, zerrissenen Seiten aus Skizzenbüchern, Kohle, Kreide, Pinsel in jeder Farbe, Ölpastell-Kreiden, Acrylfarben, Holzschnipseln, kleinen Gliederpuppen, Speckstein, Paletten, angemischte und getrocknete Farben, schmutzige Tassen, Pinsel in zwanzig verschiedenen Größen, Tuschen, Lacke, Scheren, Pflastern und Messern. Farbkleckse verkrusteten ganze Bereiche auf dem Boden und den Wänden, Tonflecken waren dauerhaft in das Fachwerk eingebrannt. All das leuchtete fröhlich im warmen, hellen Licht von drei gelben Zugleinenlampen.
Der Keller war Edwards Zuhause im Zuhause. Er liebte es dort; seine eigene, kleine Welt aus Farbe und Strukturen. Es war immer ruhig hier... das half ihm beim Denken.
Er dachte viel nach dort unten.
„Ed...?“
„!“ Der ältere Junge machte vor Überraschung einen kleinen Satz und drehte sich mit einem Flattern seines verklecksten Labormantels um(welcher ihm als bequeme und kunterbunte Schürze diente) „Nun, wenn das nicht die kleine Rosie ist“, brachte er dann heraus und lächelte freundlich, als er ein Handtuch hervorzog, mit dem er seinen dünnen Pinsel auswischte. Das blasse Tuch war bald von einem dunklen Jadegrün verschmiert. „Und ungewöhnlich hübsch, möchte ich hinzufügen.“
Das jüngste Elric-Kind grinste von ihrem Sitzplatz auf den Kellerstufen her zu ihm hinüber, die perfekt nachgezogenen Augen verengten sich vor Freude über das Lob. „Ich gehe aus“, verkündete sie fröhlich, während sie ihre hohen, weißen Socken gerade strich, wobei sie ihre frisch schwarz lackierten Fingernägel vorzeigte. „Ein Date.“
Edward hob eine Augenbraue und rutschte von seiner Staffelei weg. Seinen aktuellen Pinsel beiseite legend, betrieb er einen unheimlichen Aufwand, einen neuen aus der Schachtel zu suchen, die auf dem Tisch stand. „Oh? Mit wem?“, fragte er gleichmütig, als würde es ihn nicht wirklich interessieren. Doch das sorgte nur dafür, dass Rosalies Lächeln sich zu einem hinterlistigen Grinsen weitete.
„Amy“, sang sie und warf ihre langen, seidigen Haare über die Schulter. An diesem Abend trug sie sie in einem hohen Pferdeschwanz, zusammengebunden von einem lavendelfarbenen Satinband. „Du kennst sie. Der Bücherwurm mit den welligen, braunen Haaren? Überniedlich? Ihre älteren Schwestern gehen mit dir zur Schule.“
„Ja, ich kenne sie.“ Edward lächelte leicht, als er einen dickeren Pinsel aussuchte und sich auf einen Klappstuhl fläzte, wobei er direkt zu seiner kleinen Schwester sah. „Und ich freu mich für dich... auch, wenn ich so langsam glaube, dass Mom und Dad eine herbe Enttäuschung erleben werden, was die Enkelkinder betrifft.“
Rosalie lachte und wedelte mit einer schwer beringten Hand. „Keine Sorge, ich hab den Männern nicht abgeschworen oder so“, versicherte sie, in den himmelblauen Augen funkelten Schalk und gute Laune. „Tatsächlich wird Todd mit uns zusammen sein.“ Der ältere Junge verzog sofort finster das Gesicht. „Todd...? So wie Todd Multare? Dieser angeberische... Schürzenjäger? NEIN. Ich mag ihn nicht – und er ist VIEL zu alt für dich.“
„Er ist 18!“
„Und du nicht“, stellte Ed klar. Seine Augen hatten sich merklich verhärtet; er stach mit der Pinselspitze in die Luft. „Verdammt, ich auch nicht. Und ich kann ihn nicht leiden.“ „Dann ist es ja gut, dass nicht du mit ihm ausgehst“, entgegnete Rosalie gelassen und stemmte sich auf die Füße. Während sie geistesabwesend den Staub von ihrem Jeansrock wischte, glitt sie vorwärts – in Richtung der unfertigen Malerei, die Edward auf der Staffelei gelassen hatte. „Wo wir ohnehin gerade von deinem Liebesleben sprechen...“ Sie verstummte und lehnte ich vor, dabei schielte sie ein wenig.(Von seinem Stuhl aus neben ihr fing Ed einen Hauch von ihrem Wicken-Parfüm auf.) „Oh, wow. Neue Flamme?“, fragte das Mädchen unschuldig, wirbelte herum und deutete mit dem Daumen zum Bild hin. Es war noch weit vom Status „beendet“ entfernt: lediglich ein paar helle Linien, nachgezogen mit dünnen Reflexen in abgedunkeltem Smaragdgrün, lebhaftem Türkis und einer Mischung aus Apricót und Vanillegelb. Doch Rosalie hatte schon genug Bilder von ihrem Bruder gesehen, um zu wissen, dass dies der Beginn eines wirklich wichtigen Porträts war... zumindest war es wichtig für Ed.
Er benutzte Acryl nur für die wichtigen Bilder.
„Ich denke...“, antwortete Edward – wenn auch ein wenig zögernd – und lehnte das Kinn auf die Lehne seines Stuhls; die dichten, schwarzen Wimpern senkten sich und verdeckten seine glühenden bernsteinfarbenen Augen teilweise. „...das kann man so sagen.“
„Bisher ist es gut.“
Er kicherte ein wenig nervös. „Wie kannst du das sagen? Es ist doch kaum was da!“
„Kann sein“, meinte Rosie strahlend, während sie die Finger hinter dem Rücken verschränkte, „aber ich kann sagen, dass es gut ist. Und ich bin mir sicher, Alex wird es auch mögen, wenn du es erst fertig hast.“ Sie schwieg einen Moment, beobachtete die Reaktion ihres Bruders. Er sagte nichts, doch sie war sich sicher zu sehen, wie sich sein Rücken ein wenig versteifte. Da war alles, was sie wissen musste. „Übrigens – hast du ihm je diese anderen Skizzen gezeigt, die du gemacht hast? Von ihm, meine ich. Wie er schläft oder im Garten liest? Weil, Ed, die waren wirklich schön.“ Das Gesicht des Blonden war langsam in den Tiefen seiner gekreuzten Arme verschwunden; seine Ohrspitzen flammten in einem scheußlichen Scharlachton auf. Rosalie lächelte. „... in diesem Fall solltest du das wirklich tun.“
„Nein, sollte ich nicht.“ Seine Stimme war gedämpft, aber klar.
„Doch, du solltest“, wiederholte sie streng und verzog das Gesicht. „Also wirklich, Ed. Bist du ein Mann oder nicht?“
„So sexistisch?“
„Ich darf das“, schnaufte Rosie aufgeregt, „ich bin ein Mädchen.“ Dann, mit einem Kicher, das zeigen sollte, dass sie nur Saß machte, glitt sie hinüber, um die Stirn ihres düster gelaunten Bruders zu küssen. „Wo ich das jetzt gesagt ist, muss ich wirklich los. Amys Eltern sind ziemlich streng was den Zapfenstreich betrifft und wenn ich noch vor Neun an ihre Wäsche will, hätte ich schon vor fünf Minuten gehen sollen.“ Edward hob seinen Kopf ein paar Zentimeter und bedachte seine Schwester mit einem trockenen Blick. „Zu viel Informationen, Miststück. Viel zu viel Information...“ Doch er fuhr ihr durch die Haare und winkte ihr zum Abschied hinterher, als sie die Treppe hoch raste.
„Ach ja – UND RED NICHT MIT TODD!“
Doch ihre einzige Antwort bestand daraus, dass sie die Haustür zuknallte.



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Juni, 1921

Lieber Al,

Die Tage sind lang hier – alle zusammen geknotet, um ein niemals endendes Gebilde zu formen. Licht schwindet zur Dunkelheit, Dunkelheit verschmilzt mit Dunkelheit... die Zeit geht weiter.
Aber ich hab das Gefühl, als bliebe ich zurück. Mich interessiert diese Welt nicht; mich interessieren nicht ihre Erfindungen; mich interessieren nicht ihre Menschen. Ich will nur nach Hause.
Ich will dieses ganze Nichts hinter mir lassen.
Heidrich und ich reden nicht viel über etwas anderes, als Wissenschaft. Ich weiß, er will mich wegen dir fragen, aber er tut es nicht. Ich weiß nicht, warum – vielleicht aus Taktgefühl?
Oder er denkt vielleicht, ich würde nicht antworten. Was stimmt, ich würde es nicht. Nur, ich...
Ich will nicht, dass er denkt, ich benutze ihn, selbst wenn ich das wahrscheinlich tue. Seine Freundlichkeit, sein Mitgefühl – ich verdiene das nicht. Aber dennoch nehme ich es an.
Ich bin larmselig, Al. Ich war bereit, für dich zu sterben, aber ich bin nicht stark genug, ohne dich zu leben.
Ich hoffe, dir geht es gut.

-Ed



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Die Sommerluft in der Nacht war auf dem Land immer süßer, von Frühlingskämme und Flieder geschwängert, wie sie war. Die großen, sich golden bewegenden Gräser, die in kurzer Entfernung wuchsen, raschelten; die Bäume, die sich bis ins Unendliche erstreckten, schienen wie weit entfernte Berge von dort, wo ihr Haus stan, auf den Hügeln. Dunkle Wolken rollten friedlich über den Himmel, wie die Wellen eines Ozeans, als die schwachen Sterne immer klarer wurden.
Alex beobachtete all dies still, das Tagebuch in seinem Schoß. Es war ein angenehmes Gewicht, erfreulich schwer gegen seine Beine. Er befingerte es schweigend, schloss seine Augen und wiegte sich langsam auf der Schaukelbank auf der Veranda vor und zurück. So wie der Keller Edward gehörte, gehörte die Veranda Alexander; es war sein Ort um nachzudenken, um zu grübeln, um seine Gefühle zu sortieren.
Er fand auch, dass sie der schönste Ort der Welt war.
Die Frage bleibt, was nun? Wie weiter, was was soll’n wir tun?“, summte er leise; die Worte eines alten Schlafliedes. Seine Stimme hallte leicht über der Landschaft wieder, gleichzeitig mit dem Quietschen seines Schaukelns. „Vergessen wir, bleiben wir stehn? Oder solln wir vorwärts gehen...“****
Die Worte seiner Mutter; aber worauf bezogen sie sich? Er hatte das Lied nie verstanden... aber es hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn, selbst jetzt, nach all diesen Worten. Doch gelegentlich, wenn er besonders aufgewühlt war, fragte er sich, was es bedeutete. Beinhaltete es eine geheime Geschichte, so wie Großvaters Tagebuch?
Und wo er gerade bei Großvaters Tagebuch war...
„~Manche Entscheidungen erleben wir nicht ein Mal, sondern tausende Male erneut – wenn wir uns für den Rest unseres Lebens an sie erinnern.~“
„?“ Alex setzte sich auf, nicht erschrocken, doch immerhin milde überrascht, Edward in der Tür zu sehen, wie er lässig gegen den Rahmen lehnte; ihn mit seinem entspannten, goldenen Blick beobachtete. Die Schiebetür quietschte, als er hindurchschritt, in die Nacht hinein. „Wovon redest du?“
Edward zuckte die Ascheln und setzte sich auf die kalten Verandastufen. Seine langen, schlanken Beine ausstreckend drehte er den Kopf zum weißen, abnehmenden Mond hin. „Ist ein Zitat von Richard Bard. Hat Großvater mir mal gesagt.“ Er sah seinen kleinen Bruder über die Schulter an, wobei er eine Augenbraue hochzig. „Ich denke mal, dir sagt das mehr als mir, wenn ich bedenke, dass du derjenige bist, der sich durch seine abgründig dunkle Vergangenheit wühlst.“Alexander wurde ein wenig rot, wie er es in letzter Zeit immer zu tun schien. „Ich würd sie nicht abgründig dunkel nennen“, murmelte er und stützte sich ein wenig im Rücken ab; seine Finger umfassten den Buchrücken ein wenig fester. „Bis her ist es nur irgendwie... traurig.“
Ed grinste. „Was denn, kein prähistorischer Porno mehr?“
„Bruder...“
„Ich mach nur Witze.“ Er gluckste kurz, amüsiert von Als Gesichtsausdruck, doch er beruhigte sich schnell wieder und als er weiter sprach, tat er dies in einem sehr nüchternen Ton. „Aber mal im Ernst. Was meinst du? Warum ist es traurig?“
„...“ Alex seufzte leicht, blickte über die Baumspitzen hinweg. „Naja, er... scheint momentan sehr einsam. Redet immer davon, dass nichts wichtig ist, wenn sein Bruder nicht bei ihm ist. Wüsst ich nicht, dass er 100 geworden ist, hätte ich jetzt Angst, dass er Selbstmord begeht.“
Ed bedachte dies, die Stirn gedankenvoll gerunzelt. „Nun... er kann nicht lange so traurig bleiben, denke ich. Ich meine, wir haben dieses Bild von ihnen beiden zusammen, nicht wahr? In nächster Zeit wird dieser Al für ihren Kodak-Moment auftauchen müssen.“
Darüber hatte Alexander noch nicht nachgedacht.
Edward grinste über Als großäugiges Gesicht. „Ich bin mir sicher, es wird gut für die beiden“, versicherte er, als er sich mit einem Rascheln seiner Socken auf die Füße hob. „Also hör auf, bei deiner Leserei so herumzutrödeln – ich will, dass du zu den saftigen Details kommt und die mir Stück für Stück weiter gibst.“ „Bruder!“Die Tür schlug mit einem Knall zu; Ed rannte lachend davon.


X



Juli, 1921

Lieber Al,

Die Tage und Nächte werden wärmer. Sie erinnern mich an die Sommer damals, zu Hause, nur, dass sie weniger grün sind. Hier in der Stadt gibt es nicht allzu viel Natur – eigentlich ist es ziemlich deprimierend. Aber manchmal, wenn die Arbeit ruhig geht, fahren Heidrich und ich durch die Landschaft. Ich mag diese Tage; er hört dann im Rücksitz zu, wie ich Geschichten über unsere Abenteuer erzähle und bewundert die Landschaft. Danach haben wir ein Picknick. An Tagen wie diesen ist es schwer, sich diese Welt als den kaputten Ort vortzustellen, der sie doch ist, wie ich weiß.
Aber es ist gut, einige glückliche Erinnerungen zu haben.
Die Arbeit wird schwerer und schwerer, während die Tage länger werden. Wir scheinen nie genug Zeit zu haben, um die Dinge erledigt zu bekommen; dann wird uns gesagt, wir müssen mehr arbeiten. Unsere Blaupausen für eine experimentelle Miniaturausgabe der Rakete werden langsam fertig, doch Heidrich sagt, wir werden noch ein oder zwei weitere Monate brauchen, ehe wir auch nur ein Miniaturmodell konstruieren könnten.
Ich würde lieber wieder nach dem Stein der Weisen suchen, als herumzusitzen und diese sinnlose Warterei durchzuhalten.
Wie auch immer, in meiner Freizeit – an Tagen, die nicht zum Fahren taugen – habe ich die Gelegenheit, die Stadt zu erkundet. Es gibt da einen Polizisten, der nahe des Hofbräuhauses stationiert ist; er könnte Hughes Doppelgänger sein. Und die Frau, die im Laden an der Ecke arbeitet, ist identisch mit Gracia.
Wegen dieser Geschichten hab ich es mir schwer gemacht, zu entscheiden, ob ich sie mag oder nicht. Es wäre so leicht, eine Geschichte herausrutschen zu lassen, würde ich mit ihnen reden... ganz automatisch anzunehmen, dass sie die gleiche Person sind, egal auf welcher Seite des Tors. Aber das wäre dumm von mir.
Und immer noch ist da ein Teil von mir, der sich wünscht, noch mehr vertraute Gesichter zu sehen - Mustang, Hawkeye, Armstrong, Rose, Winry… verdammt, sogar Scar. Sie zu sehen; selbst wenn ich weinen und lachen und schreien und IRGENDWAS machen will(ich bin mir aber nicht sicher, was), alles auf einmal; sie vermitteln mir dennoch so ein merkwürdiges Gefühl von Frieden.
~Ich bin nicht verrückt. Ich hab das alles nicht geträumt.~
Heidrich glaubt mir. Ich muss nur weiter mir selbst glauben.
Ich weiß, du bist da draußen, Al.
Und ich werde dich bald finden.

-Ed.



XXX



Yeah! Das ist das Ende von Kapitel zwei. VIELEN DANK an alle, die es gelesen haben – ich bin baff, wie viele Leute sich schon in diese FF verliebt haben! XD Ihr rockt! (umarm)
(PS. ZOMG. Ich hab keine Ahnung, wie das passiert ist, aber es ist passiert – ich hab eine FAN SITE. (Ich kanns nicht glauben!) Ernsthaft! KuroiKeiko von der Elricest livejournal community hat sie für mich gemacht! (rotwerd) Die ist so toll – ein Archiv für einen Teil meiner Elricest-Sachen, Fanart, Texte und Musik. Und es wird bald noch mehr kommen! Also, wenn sich irgendwer als mein... uhm, ja, Fan betrachtet (wird noch röter) schaut mal vorbei...?http://driftingdreams.net/showcase/jennifer/random/moon_maiden/
XD)



Anmerkungen der Übersetzung:


* Im Original stehen in Eds ersten beiden Tagebucheinträgen May 1923 als Zeitangabe. Das wurde bereits von mir korrigiert.
** Nach amestristischen Kalender im Jahr 1900 oder so – der Kalender von Amestris weist eine Differenz von fünf oder sechs Jahren zu unserem gregorianischen auf.

*** Das ist ein Wortwitz im Englischen: The river in
Egypt – Denial
. Sprecht das mal korrekt aus... ja. Und was heißt Denial? Genau. Verleugnen, ignorieren... aber man kann wirklich sagen, Alex watet noch immer im Fluss, ohne an irgendeinem Ufer anzukommen – oder sich zu entscheiden, weiter in der Mitte des Flusses zu schwimmen.
*** Die korrekten Zeilen lauten: „So what should we do; how to act? Forget everything; bring in back? One never should try to rebirth… what was taken away by the Earth…“ - ich habe hier meine eigene Transkribierung von „Bratya“ für die Übersetzung verwendet.

Uff. Das hat jetzt wirklich ein bisschen sehr lang gedauert, tut mir Leid – aber ich hatte andere Sachen zu tun, Romane zu schreiben, eigene FF-Ideen zu entwickeln... *hust* Aber es hat Spaß gemacht. Rosie ist zum ersten Mal aufgetaucht... und ganz ehrlich, das Mädel ROCKT. Ich oute mich hiermit als Rosalie-Fan. ^^
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