Sie sieht mich nicht

von Lara
GeschichteRomanze / P12
26.10.2008
02.01.2009
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James Potter rollte ein kleines Stück Pergament zwischen seinen Fingern zu einem Kügelchen, hob den Arm und warf. Mit der Präzision des geübten Quidditchspielers traf er Lily Evans, die eine Reihe weiter vorne saß, an der Schulter.
Sie warf einen verächtlichen Blick über die Schulter nach hinten, dann wandte sie sich wieder ihrer Ausgabe von “Die 92 Schritte zur perfekten Verwandlung” zu.
Sirius stieß einen gequälten Seufzer aus und ließ die Feder fallen, mit der einen Schnatz neben seine Notizen gezeichnet hatte. “Lass es, Alter”, riet er seinem besten Freund.
Doch James Potter schien gar nicht zuzuhören. Mit einem Blick nach vorne versicherte er sich, dass Professor McGonagall in ein Gespräch mit Analeigh Stevens aus Ravenclaw vertieft war. Dann lehnte er sich ein Stück nach vorne.
“Hey, Evans!”, zischte er.
Lily beugte sich tiefer über ihr Pergament und tat so, als würde sie ihn nicht hören.
“Evans!”, meinte James etwas lauter.
Janet Cleigh, die neben Lily saß, beugte sich zu ihr rüber und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Lily zuckte abwesend mit den Schultern.
“Evans!”, versuchte James es noch einmal. “Hey, wann wirst du endlich aufhören, mich zu ignorieren?”
Lily ließ ihre Feder fallen, drückte die Schultern nach hinten durch und drehte sich um. Ihre grünen Augen waren zu zwei Schlitzen verengt. “Vielleicht, wenn du erwachsen geworden bist, Potter”, fauchte sie, “und aufhörst, mit Papierkugeln zu schmeißen!”
“Hey, Evans”, James grinste breit.
“Halt doch einfach den Mund”, grummelte Sirius in sich hinein, während er zu erkennen versuchte, was Remus neben ihm so eifrig schrieb. Doch wieder hörte James nicht.
“Hast du mich Samstag spielen sehen?”, fragte er Lily. “Den Schnatz hab ich nur für dich gefangen, Evans.”
“Oh mein Gott”, grummelte Sirius in sich hinein.
“Oh mein Gott”, Lily verdrehte die Augen, dann wandte sie sich wieder nach vorne. Für sie war das Gespräch beendet.
“Evans!”, rief James.
“Halt doch endlich die Klappe, Krone”, stöhnte Sirius, “das kann man ja nicht ertragen…”
“Lass mich doch mal machen”, funkelte James seinen Freund an. “Ich…”
“Mr Potter!”, hallte Professor McGonagalls Stimme durch den Klassenraum. “Würden Sie Ihre geschätzte Aufmerksamkeit bitte Ihrer Lektüre zuwenden?”
Leise fluchend beugte James sich wieder über sein Verwandlungsbuch.
“Danke, Minerva”, murmelte Sirius, erleichtert, dass ihm weitere Peinlichkeiten seitens seines Freundes erspart geblieben waren.
“Ein bisschen mehr Unterstützung hätte ich von dir schon erwartet, verdammt”, fluchte James in sein Buch hinein, während seine Augen orientierungslos über eine sechsspaltige Tabelle glitten.
“Gegenüber McGonagall?”
“Gegenüber Lily, du Volltrottel!”
“Auf die kannst du lange warten, Mann”, Sirius zog Remus Notizzettel zu sich herüber, was dieser mit einem resignierten Stöhnen bedachte. “Du blamierst dich total”, fuhr er fort. “Nächstes Mal werde ich mich gezwungen sehen, mit Gewalt einzugreifen, um weitere katastrophale Anbaggersprüche zu verhindern…”
James grummelte etwas Unverständliches in sich hinein, was von dem Klingeln der Pausenglocke übertont wurde.
Sirius knallte sein Buch zu und stopfte es gemeinsam mit seiner Feder und einer zerknickten Pergamentrolle unordentlich in seine Tasche.
“Jungs, wir sehen uns beim Mittagessen”, meinte Remus. Er schwang sich seinen Rucksack über die Schulter und eilte beschwingten Schrittes zu Alte Runen. Peter Pettigrew folgte ihm eilig, während er noch im Gehen den Text überflog, der Hausaufgabe gewesen war.
Sirius gähnte ausgiebig, als er neben James aus der Klasse schlenderte. “Oh Mann, ich kann die Ferien echt gut gebrauchen. Was haben wir jetzt, Pflege Magischer Geschöpfe?”
Doch James hörte gar nicht richtig zu. Er beobachtete Lily, die mit Janet etwas vor ihnen ging. “Weißt du, eines Tages wird sie mit mir ausgehen”, schwor er Sirius.
“Oh nein, ist das heute dein einziges Gesprächsthema? Sag das gleich, dann bin ich nämlich über alle Berge…”
“Du könntest dich auch mal ein wenig für meine Probleme interessieren, Tatze”, meinte James, ohne Lily aus den Augen zu lassen, die jetzt die Treppe zum vierten Stock hinauflief.
“Wenn sich deine Probleme mal voneinander unterscheiden würden, wäre das deutlich abwechslungsreicher für mich. Aber nein, seit Jahren läufst du hinter dieser kleinen Zicke her…”, im Vorbeigehen grinste er einer Sechstklässlerin aus Gryffindor zu, die auf einer Fensterbank saß. Errötend lächelte sie zurück.
“Sie ist keine Zicke - nur wenn sie mit mir redet, dann ist sie ein bisschen…”
“Na siehst du, such dir eine andere. Hogwarts ist voll von halbwegs attraktiven Mädchen.”
“Ich will keine andere, ich will Lily. Und ich hatte eigentlich gehofft, dass jetzt, wo wir beide Schulsprecher sind… na ja, ich dachte, wenn wir mehr Zeit miteinander verbringen, dann wird sie irgendwann erkennen, dass ich ganz netter Kerl bin. Nur irgendwie behandelt sie mich fast noch abfälliger, seit wir uns ein Büro teilen…”
“Du bist ein hoffnungsloser Fall, Krone.”
“Bin ich nicht. Du warst nur noch nie verliebt, das ist das Problem.”
“Ich würde das nicht gerade als Problem bezeichnen, wenn ich mir deinen Auftritt heute in Verwandlung so angucke…”
“Lass uns über was anderes reden”, seufzte James.
“Gute Idee”, meinte Sirius. “Wollen wir Pflege Magischer Geschöpfe mal ein bisschen aufmischen? Wir mussten jetzt schon seit zwei Wochen nicht mehr nachsitzen. Wir haben schließlich einen Ruf zu verlieren…”
“Tatze, ich bin Schulsprecher und ich…”
“Ja ja”, Sirius verdrehte die Augen. “Du bist langweilig, schon klar!”
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