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Die Eine Nacht

GeschichteDrama / P12 Slash
Tonda
22.10.2008
22.10.2008
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22.10.2008 747
 
Die Eine Nacht

Sie war gekommen.
Die Nacht, von der Tonda immer gewusst hatte, dass sie kommen würde,
und doch immer im Stillen gehofft hatte, dass dieses Los an ihm vorüber gehen möge.
Seine Hoffnung war umsonst gewesen.

Schweigend stand er dort, vor der Mühle, still wie ein Baum.
Er hörte die Stimmen der anderen Jungen.
Leise unterhielten sie sich in der Schlafkammer.
Angst erfüllte ihre Stimmen.
Eine Angst, die auch Tonda einst beinahe hätte verzagen lassen.
Jetzt war sie verschwunden,
einem Wissen gewichen.
Dem Wissen, dass dies sein Weg war.

Eine Zeit lang hatte Tonda geglaubt,
das Schicksal ändern und den Kreis durchbrechen zu können.
Doch er hatte sich getäuscht.
Im Schicksal und in sich selbst.
Er war nicht dazu bestimmt gewesen,
diesem Bösen ein Ende zu setzen.
Dies hätte ihm viel früher bewusst werden müssen.

Von guten Mächten wunderbar geboren,
    erwarten wir getrost, was kommen mag :
    Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


Tonda lauschte auf die Geräusche der Nacht,
das Schreien einer Eule,
das Rascheln des Windes.
Nichts war zu hören.
Es war, als würde die Zeit still stehen,
als würde die ganze Welt den Atem anhalten,
um ihm Lebewohl zu sagen.

Seine Gedanken huschten zu Krabat
und für eine Sekunde wurde ihm schwer ums Herz.
Krabat.
Ein Junge, der ihm ein guter Freund geworden war.
Vielleicht würde er derjenige sein,
der er selbst lange geglaubt hatte, zu sein.
Die Stimmen der Burschen waren verhalten,
sie wussten längst, was sie erwartete,
was ihn, Tonda, erwartete.
Ein Teil von ihnen war froh, noch einmal
verschont worden zu sein.
Doch ein kleiner Teil in ihnen wusste längst,
dass auch für sie eines Tages die Zeit kommen würde.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
    des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand,
    so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
    aus Deiner guten und geliebten Hand.


Tonda hatte sich damit abgefunden.
Schon seit Langem.
Es war nicht leicht gewesen,
aber es war das Beste so.
"Wenn dein Schicksal erst einmal bestimmt ist,
kannst du es nicht mehr ändern.“
Ja, Tonda hatte sein Schicksal angenommen –
Er nicht.
Er stand hinter Tonda im Schatten der Mühle.
Im Anschleichen und Lauschen war er schon immer gut gewesen.
Tonda spürte seine Blicke in seinem Rücken,
spürte die unausgesprochenen Worte, Fragen.
Und doch wusste er nur eine Antwort darauf:

„Es ist zu spät. Kein Weglaufen und Hoffen mehr.“
Er flüsterte es in die Dunkelheit,
wohlwissend, dass er ihm damit das Herz brach.
Tonda war sich auch bewusst,
dass es für ihn, der ging, leichter war
als für die, die zurückblieben.
Jedoch machte er sich keine Gedanken um Krabat.
Seine Gedanken kreisten um den, der hinter ihm stand.
Ein leises Seufzen verließ seine Lippen.
Es war immer seltsam zwischen ihnen gewesen,
so falsch und doch irgendwie richtig.
Beide hatten gespürt, dass es richtig war,
wie es war –
wie es gewesen war.
Bis heute.

Doch heute Nacht war es vorbei.
Ein für alle Mal.
Noch kurz spürte Tonda eine Hand
auf seiner Schulter,
die hinauf in seinen Nacken wanderte,
spürte noch einmal dieses imaginäre
Gefühl seines Atems auf seinem Gesicht.
Wenn der Meister wüsste, wofür sie sein Gelehrtes verwendeten...
In dem Moment jedoch, als Tonda in die ausdruckslosen,
kalten Augen sah, und doch so viel in ihnen las,
das nie zum Ausdruck kommen würde,
als er für einen winzigen Augenblick seine Lippen auf
den eigenen spürte –
war er verschwunden.
Obwohl er es nicht sah oder hörte,
wusste er, dass er gegangen war.
Hinauf zu den anderen,
wohin Tonda ihm nun folgen würde.
Und wenn er oben angelangt war,
würde er in seinen Augen nur noch
Gleichgültigkeit lesen, wie jedes Mal.
Und doch wusste Tonda, was sie verbargen,
diese grauen Augen;
dass es den Jungen mit den langen Locken
innerlich zerriss und er schrie im Todeskampf.


Von guten Mächten treu und still umgeben,
    behütet und getröstet wunderbar,
    so will ich diese Tage mit Euch leben
    und mit Euch gehen in ein Neues Jahr.


Der Altgesell wandte sich schweigend um.
Er öffnete die Tür zur Mühle und stieg langsam
die Treppen hinauf in die Schlafkammer.
Sie war da.
Wo anders nannte man sie die Silvesternacht.
Doch hier auf der Mühle
war sie nur die Eine Nacht,
die den Tod mit sich brachte.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Na, erraten, wer bei Tonda ist?
Vielleicht gibt es noch einen zweiten Teil
aus der Sicht dieser Person...
wenn ihr mir fleißig eure Meinung sagt^^

liebe grüße
euer viggo-girl
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