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Challenged

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Het
Alfred Pennyworth Batgirl / Barbara Wilson Batman / Bruce Wayne Joker Nightwing / Dick Grayson Oracle / Barbara Gordon
11.10.2008
01.03.2009
13
21.831
1
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11.10.2008 3.116
 
Diese Batman-Geschichte war eine der allerersten längeren, die ich je geschrieben habe. Ich habe sie damals noch auf dem C4 meines Bruders abgetippt und auf diesen lustigen biegbaren Disketten abgespeichert... Mein erstes auf Computer statt auf der mechanischen oder elektrischen Schreibmaschine getipptes und ausgedrucktes Werk, ich war stolz wie Oskar *G*. Na ja, wie erwähnt, es ist ein viele Jahre altes Nostalgiewerk und natürlich nur wenig anspruchsvoll, aber es ist auch irgendwie so richtig schön quietschbunt, so wie die Serie und die Schumacher-Batman-Filme halt, die ich so liebe... Wer hier also etwas von den neuen, "vieel coooolereeeen" Batman-Filme erwartet, sucht vergeblich, ich bin ein Zang! Boom! Pang!-Batman-Fan ;).

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Titel: Batman: CHALLENGED
Titelbild
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören DC, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: Tim Burton & Joel Schumacher-Filme/60er Jahre-Realserie-Crossover; AU
Zeitlinie: nach dem Film ‚Batman & Robin‘
Zensur: P-16 (Gewalt)
Zusammenfassung: Batman, Robin und Batgirl haben sich zu einem gut funktionierenden Team zusammengeschlossen und bekämpfen gemeinsam das Böse in Gotham City. Doch noch sind die Bande der Freundschaft und des Vertrauens zwischen den dreien nicht stark genug. Immer wieder gibt es Spannungen zwischen ihnen. Vor allem Robin und Batgirl steht eine schwierige Zeit bevor.
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen, Träume oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken, Telepathie oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D







Batman
CHALLENGED




1



Manche Nächte auf Wayne Manor konnten sehr einsam sein.

Wie jeden Abend schloss Alfred Pennyworth, Bruce Waynes Butler und treuester Freund, seinen Rundgang durch das riesige Anwesen mit ein paar Minuten des Alleinseins auf der Terrasse ab. Es waren diese Momente der Ruhe, die sein Geist immer brauchte, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen. Wie jeden Abend sah er auch heute lange Augenblicke regungslos in die Nacht hinaus, zu den Lichtern der Stadt in der Ferne. So friedlich, und das schon seit Wochen… Es war unnatürlich. Lange schon waren Batman, Robin und Batgirl nicht mehr gebraucht worden. Wenn man lange genug hier lebte, wusste man, dass das ein schlechtes Zeichen war. In Gotham ging es nie so lange so normal zu. Irgendetwas lag in der Luft… Etwas Böses.
Alfred war sehr besorgt um seine Schützlinge.





Wenn er gewusst hätte, was in diesem Moment im Zimmer seiner Nichte Barbara vorging, hätte das seine Angst nicht gerade beruhigt.

Barbara hatte Dick beim Abendessen spontan zum Musikhören zu sich eingeladen. Eigentlich standen sie beide mehr auf Rock und Heavy Metal, aber heute ertönte aus der Musikanlage in der Ecke eine ruhige Ballade, als Dick das Zimmer seiner Partnerin betrat. Barbara erwartete ihn auf dem Bett statt wie sonst auf dem gemütlichen schwarzen Sofa, ein verlegenes Lächeln umspielte ihre hübschen Lippen. Das gedämpfte Licht, ihre geröteten Wangen, die ganze Stimmung verriet ihm sofort, dass sie ihn nicht ohne Grund zu sich gebeten hatte.

Dick blieb einen Moment lang unschlüssig stehen, versucht, sofort zu flüchten. Eigentlich mochte er es nicht, in solche Gespräche gedrängt zu werden, das wusste Barbara auch genau. Andererseits war es vielleicht nicht schlecht, wenn sie das endlich hinter sich brachten, bevor sie beide irgendwann etwas Unüberlegtes tun würden. Er schob die Entscheidung auf, indem er einen Moment lang den ungewohnten Klängen von Tracey Chapman lauschte. Mit einem unsicheren Grinsen musterte er Barbara, die verlegen an ihrem Fingerknöchel knabberte. „Wo hast du denn die ausgegraben? Ich wusste gar nicht, dass du so was hast...“

„Bis heute nicht“, gab sie mit einem unschuldigen Augenaufschlag zu.

„Babs, hör zu...“ Dick fuhr sich nervös durch die Haare und versuchte demonstrativ wegzusehen, nicht auf ihr kurzes Kleid mit dem definitiv viel zu tiefen Ausschnitt zu achten. Warum jetzt auf einmal? Wo sie sich in den letzten Wochen so zurückgezogen hatte, nach dem Kampf mit Freeze und Ivy, und er schon fast alle Hoffnung aufgegeben hatte… Sie traf ihn einfach völlig unvorbereitet mit der Aktion. Er hasste solche Überraschungen.

Barbara stoppte ihn mit einer sanften Handbewegung, stand auf – wobei sie ihren Rock sicher nicht ganz zufällig noch ein Stück höher rutschen ließ, sodass er gar nicht anders konnte als hinzusehen – und setzte sich nun doch aufs Sofa. „Ich weiß, ich war unmöglich in letzter Zeit. Ich wollte dich nicht zurückstoßen. Ich musste nur ein wenig nachdenken. Was ich eigentlich will, wie lange ich es tun will und vor allem, wo. Aber jetzt bin ich mir sicher. Ich will und werde hier in Gotham bleiben und weiterhin meine Pflicht als Batgirl erfüllen.“

„Das freut mich.“ Wenigstens das konnte er aus tiefstem Herzen sagen. Ein Team ohne Barbara konnte er sich nach dieser kurzen Zeit schon gar nicht vorstellen. Mit gebührendem Abstand setzte er sich neben sie und verschränkte nervös die Arme auf den Knien.

„Ist das alles?“ Barbara legte schüchtern eine Hand auf seinen Arm, sichtlich erleichtert, als er sie nicht zurückstieß. „Ich finde, dass wir es uns für zwei Leute, die sich eigentlich sehr gern mögen, ganz schön schwer machen. Sind wir jetzt nicht lange genug umeinander herumgeschlichen?“

Schweigen. Nach endlosen Sekunden des Zögerns hob Dick den Kopf und sah Barbara direkt in ihre faszinierenden hellblauen Augen. „Kann schon sein.“ Verlegen strich er sich eine Haarsträhne zurück, die so kurz war, dass man sie sowieso nicht zurückstreichen konnte. „Es ist nur… Bruce wird ausflippen, das weißt du.“

„Er ist nicht unser Vater. Es ist unser Leben.“ Barbara überging den Einwand mit einer wegwerfenden Handbewegung. Als Dick nach einem weiteren kurzen Zögern nickte, huschte ein Strahlen über ihr Gesicht. Jetzt, wo sie die Entscheidung getroffen hatten, herrschte sofort wieder diese angenehme, kribbelnde Spannung zwischen ihnen beiden, die sie schon seit ihrer ersten Begegnung verband. Die Welt schien sich plötzlich viel schneller zu drehen als sonst. Ganz vorsichtig nahm Barbara Dicks Hand, näherte sich ihm langsam...

Ein Klopfen an der Tür ließ jegliche Romantik auf der Stelle verschwinden.

Zwei Zehntelsekunden später saß Barbara ganz züchtig auf ihrem Schreibtischstuhl und Dick auf der äußersten Ecke des Sofas.

Bruce wartete gar nicht erst eine Antwort ab sondern kam einfach herein. Er hatte ein unvergleichliches Gespür dafür, immer dann zu stören, wenn es am wenigsten passte. „Hey, ihr zwei. Gordon hat angerufen. Er will wissen, ob wir morgen zur Danksagung kommen.“

„Oh, nicht doch“, stöhnte Dick.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich mich erst mit euch besprechen muss. Glaubst du vielleicht, ich freue mich auf diesen Mist?“, fragte Bruce schief grinsend.

Barbara räusperte sich kurz. „Könnte einer der Herren so freundlich sein, mich aufzuklären?“

Bruce zuckte unbehaglich mit den Achseln. „Diese Danksagung findet jährlich für die wichtigsten Leute der Stadt statt. Kurz gesagt eine einzige Peinlichkeit mit viel Presse, schrecklicher Musik und einer nervtötenden Rede. Dabei fällt Gordon dann auch mit schöner Regelmäßigkeit ein, wie viel wir für die Stadt tun und wie wenig er zurückgibt.“

„Böse Zungen behaupten, er inszeniert das Ganze nur jedes Mal wieder, weil er hofft, wir würden dabei endlich einmal unsere Masken abnehmen“, bemerkte Dick.

„Ich bin ein einziges Mal nicht auf dieser Feier aufgetaucht. Danach wurde in der Presse so viel Dreck über mich geschrieben, dass ich mehr Aufsehen erregt habe als nach einem Durchschnittseinsatz. Das muss nicht noch einmal sein“, erklärte Bruce.

„Gehen wir hin“, stimmte Barbara zu. „Wir können ja jederzeit wieder gehen. Wir haben schließlich die gute Ausrede, dass wir arbeiten müssen. Nicht mal gelogen.“

„Meine Meinung. Gut, dann ruf ich Gordon an. Gute Nacht, Barbara.
Dick- ab ins Bett mit dir! Du hast morgen Vorlesungen.“

Dick sah Barbara verlegen, schulterzuckend an und folgte seinem Mentor auf dem Fuße. „Bis morgen.“





Die Feier wurde genauso langweilig wie prophezeit. Das Batteam saß auf mehr oder weniger bequemen Sesseln in den ersten Reihen des Publikums, während Gordon seine Rede hielt, bemüht, nicht einzuschlafen, während der Commissioner in begeisterten, bewegten Worten die Taten des dynamischen Trios lobte, das Gotham einmal mehr das ganze Jahr lang vor dem Abschaum der Unterwelt gerettet hatte. Nach einer Stunde wurden allmählich sogar die geduldigsten Zuschauer unruhig, aber am meisten genervt waren eindeutig die drei Helden selbst.
Endlich, als sie schon kurz davor waren, einfach zu gehen, beendete Gordon seine Ansprache.

Tosender Applaus, der wohl mehr dem Abschluss des Monologs galt als dem Batteam.

Batman, Robin und Batgirl gingen notgedrungen auf die Bühne zu den vorbereiteten Mikrofonen, um die abschließende Pressekonferenz abzuhalten.

„Danke, Ladies und Gentlemen.“ Batman verschränkte die Arme hinter dem Rücken und wartete gottergeben auf die obligatorischen Fragen nach seinem Privatleben.

Erstaunlicherweise wollte der erste Reporter, der drankam, stattdessen etwas von seinen Zukunftsplänen wissen.

„Was soll ich sagen... Wir machen unseren Job, solange wir können. Das ist alles, was Sie wissen müssen.“ Festgelegte, neutrale Phrasen. Das ging gar nicht anders, wenn man nicht zuviel verraten wollte. Die meisten Pressevertreter hatten die Hoffnung, je hinter Batmans Geheimnis zu kommen, ohnehin längst aufgegeben.

„Und privat?“, fragte eine junge Frau ganz hinten neugierig.

„‚Privat’ gibt es für Leute wie uns nicht.“ Batman verzog keine Miene.

„Wirklich nicht? Wie steht es denn bei der jungen Dame mit der Liebe?“

Jetzt spitzten vor allem die Männer im Raum die Ohren.

Batgirl sah ihre Chance gekommen. „Ich bin fest vergeben. Und bevor Sie meinen Partner dasselbe fragen...“ Mit einem strahlenden Lächeln schmiegte sie sich an Robin, in scheinbar alter Vertrautheit, legte die Hand an seine Brust. Sogar durch sein Kostüm konnte sie spüren, wie sein Herz ein paar Takte schneller schlug.

Es gab wohl niemandem im Saal, der überraschter war als er selbst, trotzdem reagierte er sofort und küsste Batgirl kurz aber unübersehbar auf die Lippen.

Laute Pfiffe aus dem Publikum, beifälliger Szenenapplaus.

Batman sagte zwar nichts – er hätte nicht im Traum daran gedacht, in der Öffentlichkeit einen Aufstand anzuzetteln – aber sein Lächeln wirkte gequält, und er verabschiedete sich und seine Mündel nur kurz darauf. Die drei liefen auf direktem Weg zu ihren Fahrzeugen, gerade als vom Galagebäude aus ein großes, aufwändiges Feuerwerk gestartet wurde.

Batgirl seufzte lautlos. Das minutenlange laute Knallen war sicher kein gutes Omen für den restlichen Abend. Nach der ersten Aufregung meldete sich das schlechte Gewissen. Hatte sie übereilt gehandelt? Sicher. Hatte sie falsch gehandelt? Vielleicht. Auf jeden Fall sah Batman nicht sehr freundlich aus...

Sie fuhren auf direktem Wege zurück zum Batcave- der Strafpredigt entgegen.





Viel zu laut schlug Batman die Autotür hinter sich zu. Diese kurze Geste sagte im Grunde schon alles.

Alfred, der in der Tür zum Haus wartete, zuckte zusammen. „Mit Verlaub, Sir- das Fahrzeug kann nichts dafür“, bemerkte er, als Bruce an ihm vorbei stapfte.

Bruce brummte etwas Unverständliches und ging weiter zur Garderobe.

Robin folgte ihm auf dem Fuß. „Hi, Al!“ Er versuchte, munter zu klingen, doch das für ihn so typische leichte Lächeln fehlte.

Und dann kam endlich Batgirl, ziemlich kleinlaut. Bedrückt ließ sie sich auf einer großen Metallkiste neben Alfred nieder. „Ich glaube, ich habe gerade die größte Dummheit meines Lebens begangen.“

„Ach ja?“ Belustigt sah der Butler auf seine Nichte herab. „Das hat aber eben ganz anders ausgesehen, als du dich Master Dick an den Hals geworfen hast.“ Er hatte das Spektakel natürlich im Fernsehen verfolgt.

„Jetzt mach dich nicht auch noch lustig darüber! Was soll ich denn jetzt tun? Bruce wird mich umbringen!“

Ihr Onkel las echte Sorge in ihren Augen. Auch er befürchtete das Schlimmste. Er kannte seinen Arbeitgeber lange genug, um zu wissen, dass mehr fällig sein könnte als ein raues: ‚Tu das nie wieder’. Wenn Bruce wütend genug war, konnte es durchaus sein, dass er Barbara aus dem Team warf...

Jetzt sprach sie es auch aus, ganz leise nur: „Und wenn er mich feuert?“

„Er wird sich hüten“, versuchte Alfred sie entgegen seiner eigenen Bedenken zu beruhigen. „Erstens wäre das eine Bankrotterklärung an seine pädagogischen Fähigkeiten... Und dann hat er dich viel zu gern, um länger wütend zu sein, glaub mir. Dick hat schon weit Schlimmeres angestellt.“

„Ach ja?“ Über dieses Thema hätte sie sich wohl gern länger unterhalten, doch in diesem Moment rief Bruce ungeduldig nach ihr. „Gott, wie überlebe ich das nur?“ Immer noch im Kostüm verließ sie die Höhle, als ob sie sich hinter der Maske verstecken wollte, obwohl sie wusste, dass das nichts bringen würde. Gar nichts.





Die Stimmung im Wohnzimmer war so eisig, dass Barbara eine Gänsehaut bekam, als sie es betrat. Bruce stand am Fenster, mit dem Rücken zu ihr. Dick saß im Schaukelstuhl und sah sie an wie eine zum Tode Verurteilte, was nicht eben dazu beitrug, ihre Laune zu heben.
Seufzend ließ sie sich auf dem Lehnsessel nieder, der ihr Lieblingsplatz war, und schlug die Beine übereinander.

Bruce drehte sich langsam zu ihr um, sah sie an und öffnete den Mund – wobei Barbara schon regelrecht schlecht vor Angst wurde – blies jedoch nur Rauch in ihre Richtung.

Verwirrt runzelte sie die Stirn... Dann entdeckte sie die Zigarette in seiner Hand. Sie hatte ihn noch nie rauchen sehen. Plötzlich schämte sie sich wirklich. Von Dick wusste sie, dass Bruce nur rauchte, wenn ihm etwas sehr große Sorgen bereitete. Abwesend strich sie sich durch die Haare und stieß an ein stabiles Band. Ihre Maske. Sie hätte sich umziehen sollen, anstatt Zeit mit Alfred zu vertrödeln.

Bruce’ erste Frage war dann natürlich auch gleich, warum sie ihr Kostüm noch trug.

„Vergessen“, murmelte sie.

„So was vergisst man nicht“, fuhr er sie sofort an. „Man vergisst auch nicht einfach die einfachsten Spielregeln des Hauses. Muss ich dich erst daran erinnern, was dazu gehört?“

„Ich habe in der Hausordnung nichts davon gelesen, dass man hier drin keine Gefühle zeigen darf“, erwiderte sie, weniger zynisch als beabsichtigt, mehr müde. „Auch wenn du persönlich das zu einer Kunstform erhoben hast.“

„Du hast keine Gefühle zu haben in diesem Job.
Das habe ich dir nun wirklich schon oft genug gesagt, und auch dir, Dick. Ich hatte gehofft, wenigstens du wärst vernünftig geworden.“

Barbaras Augen wurden schmal. Wusste Bruce nicht, dass Dick mit der Sache nichts zu tun gehabt hatte? Warum verteidigte sich dieser nicht anstatt vor sich hin zu schweigen?

Sie setzte zu einer Erklärung an, doch Bruce ließ sie nicht zu Wort kommen. „Es ist mir völlig egal, was ihr als Dick und Barbara macht“, behauptete er. „Aber sobald ihr eure Kostüme tragt, seid ihr nichts als Partner. Ist das jetzt ein für allemal klar?“

„Klar“, knurrte Dick.

Barbara presste die Lippen zusammen, unterdrückte eine bissige Bemerkung. Sie wollte ihren Mentor nicht noch mehr aufregen.

Aber er machte es ihr nicht so einfach. „Barbara, ich will wissen, ob du mich verstanden hast.“

„Ja doch! Zu Befehl!“ Sie stand auf und verließ fluchtartig den Raum, lief nach oben.

Dick folgte ihr auf dem Fuße. „Keine Angst, ich gehe in mein Zimmer“, knurrte er sarkastisch.





Alfred, der vor der Tür ein wenig gelauscht hatte, war erstaunt. Für Bruce’ Verhältnisse war diese Zurechtweisung eigentlich ziemlich harmlos gewesen. Er sah ihm voll ins Gesicht, als er das Zimmer betrat, versuchte wie so oft, die Beweggründe seines Arbeitgebers zu ergründen.

Aber das war einfach unmöglich. Sein Leben als Batman hatte Bruce geprägt. Er trug immer eine Maske, ein Pokerface, das nicht die kleinste Gefühlsregung verriet.

Alfred seufzte leise. Gewisse Dinge änderten sich nicht.

Bruce sah bei dem Geräusch auf, lächelte schwach. Er rauchte immer noch. Bei Alfreds missbilligendem Blick drückte er die Zigarette aus. „Dumme Angewohnheit, ich weiß. Ich werde langsam alt, oder?“

„Ach was.“ Aber Alfred nickte fast unmerklich. Jetzt verstand er die vergleichsweise milde Abfertigung der Jüngeren eben besser.

Bruce war überarbeitet, auch wenn er es tausendmal abstritt. Er bekam viel zu wenig Schlaf, hatte dunkle Ringe unter den Augen, die ihn tatsächlich etwas älter aussehen ließen als er war.
Und dann die Sache mit Chase. Heute war ein Brief von ihr gekommen, völlig nichts sagend, nur ein paar Zeilen ohne Absender. Ihr Interesse an ihrem früheren Liebhaber hatte sich wohl endgültig verflüchtigt. Das hatte Bruce sehr getroffen. Fakt war, er brauchte dringend mal wieder eine Ruhepause.

Alfred überlegte gerade, ob er es ihm diskret vorschlagen sollte, als vom oberen Stock laute Musik ertönte. ‚Self esteem’ aus dem Jungenzimmer, ‚Wish you were here’ aus dem Mädchenzimmer.

Bruce schnitt eine genervte Grimasse. „Der Abend wird immer besser.“

„Wenn sie Musik hören, sind sie beschäftigt“, versuchte Alfred zu beschwichtigen.

„Mit demonstrativem Schmollen, den Krach nach zu urteilen. Sollen sie beleidigt sein, solange sie wollen, aber um Himmels Willen einen Ton leiser“, beschwerte sich Bruce.

„Ich sage es ihnen“, bot Alfred an.

„Danke.“ Bruce flippte die halb gerauchte Zigarette in die ungefähre Richtung des obligatorischen Aschenbechers auf den Kaminsims, was Alfreds ordnungsliebendem Herzen empfindlich wehtat.

Er zog es vor, seinen Herrn nicht noch mehr zu reizen und sagte nichts dazu. Für heute war es wirklich genug.
Er ging die Treppen hoch und klopfte an Dicks Zimmertür. „Master Dick, schalten Sie bitte etwas leiser!“

Keine Antwort. Kein Wunder bei dem Lärm.

Die Tür war abgeschlossen, aber das stellte kein Problem dar. Dafür hatte Alfred ja einen Zweitschlüssel. Dick wusste das gar nicht, bisher war es auch noch nie nötig gewesen. Nun aber verschaffte sich Alfred Zutritt- und seufzte. Das Bett war leer. Es war nicht schwer zu raten, wo Dick war. Alfred stellte die Musik leiser und versperrte die Tür von außen wieder.
Bei Barbara versuchte er erst gar nicht, sich verständlich zu machen. Er trat sofort ein- und fand auch dieses Zimmer leer vor. Das Fenster stand weit offen. Dick und Barbara waren ausgeflogen. Das ärgerte ihn nun doch. Mit zusammengebissenen Zähnen stellte er die Musikanlage leiser und sah sich missmutig im Raum um. So etwas von Unvernunft! Wenn nun ein...

Er hatte den Gedanken noch nicht beendet, als sich draußen der Nachthimmel grellgelb erhellte. Das Batsignal!

Als Alfred das Zimmer eilig verließ, war Bruce bereits auf dem Weg zum Batcave. „Wo sind die anderen?“, bellte er von unten, als er seinen Butler an der Treppe sah.

„Ich fürchte, ich weiß es nicht, Sir.“

„Wundervoll! Der erste Notruf seit Wochen, und die Herrschaften mit dem gebrochenen Herzen machen sich dünn.“ Wütend vor sich hin fluchend lief Bruce zur Höhle, zog sich um und sprang ins Batmobil. Unbeherrscht trat er aufs Gaspedal und raste los.

Alfred, der ihm wie immer gefolgt war, um ihm zur Hand gehen zu können, wenn nötig, zuckte erschrocken zusammen. Das Tor war noch nicht mal ganz offen. Er konnte gar nicht hinsehen... Aber da quietschten die Bremsen des Autos noch einmal, zum Glück.

„Wenn die beiden Turtelmäuse hier ankommen, schicken Sie sie zum Museum, Alfred. Wenn ich bis dahin nicht schon zurück bin, heißt das.“ Jetzt gab Bruce endgültig Gas, eine dichte Rauchwolke hinterlassend, die seine Worte bestens unterstrich.

Alfred machte etwas, das er lange nicht getan hatte: Er fluchte. Nur ganz leise, aber immerhin.
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