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Nemesis: WHERE DO I BELONG

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Beverly Crusher Geordi LaForge Wesley Crusher
11.10.2008
11.10.2008
1
4.062
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Dieses Kapitel
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11.10.2008 4.062
 
Titel: Star Trek: Nemesis: WHERE DO I BELONG
Titelbild
Autor: Storm{X}Padmé
Disclaimer: Alle originalen Charaktere und Elemente gehören Gene Roddenberry, Paramount, den Rechteinhabern und allen, die dafür bezahlen. Ich geb sie ja wieder zurück, ich leih sie mir doch nur... Ich tu ihnen auch nicht weh… Jedenfalls nicht sehr *G*.
Universum: reines Serien- und Film-Universum
Zeitlinie: im Film Star Trek: Nemesis
Zensur: P-12 (Erotik)
Zusammenfassung: Am Abend des größten Glücks für zwei der Enterprise E-Senior-Crewmitglieder treffen sich zwei alte Freunde wieder, die mit ihrer Zeit auf der Enterprise nicht nur schöne Erinnerungen verbinden…
formale Bemerkungen:
- kursive Sätze = Erinnerungen, Träume oder zur Betonung
- Sätze in ‚ ‚-Zeichen = eigene Gedanken, Telepathie oder indirekte Rede
Feedback: Ist nicht nur erwünscht sondern wird auch geknuddelt, abgeschmust, gestreichelt und George genannt :D







Star Trek: Nemesis
WHERE DO I BELONG




“Jetzt seht euch das an… Die haben aus unserem Wunderknaben wieder einen Fähnrich gemacht.“

Diese Stimme... Ihre Stimme. Tief, rauchig, unglaublich sexy. Wesley stellte schnell sein Weinglas vor sich auf dem Buffettisch ab, bevor ein leises Klirren verraten konnte, dass seine Hand sofort zu zittern begann.

Geordi grinste amüsiert, mit wissender Miene, und zog sich diskret zurück. „Wir sehen uns später noch, Wes, hoffe ich.”

„Sicher.“

Wesley räusperte sich kurz, gab sich einen Ruck und drehte sich zu der einzigen Frau, der er je so etwas wie Liebe entgegen gebracht hatte. „Robin... Schön zu sehen, dass du nichts von deinem Charme verloren hast.“

„Und du nichts von deiner Arroganz.“ Mit einem ärgerlichen Stirnrunzeln schnappte sie sich einen ihrer geliebten Cracker vom Buffettisch. Wie zufällig streifte sie dabei seinen Arm, als wüsste sie nicht genau, dass ihn das nach all dieser Zeit immer noch nicht kalt ließ. „Ich habe dich mindestens ein dutzend Mal gerufen, seit du deinen Dienst auf der Titan angetreten hast. Bist du dir zu fein, um dich bei alten Freunden zu melden, jetzt wo man dir wieder mal einen Titel ehrenhalber verpasst hat?“

„Den habe ich mir sicher nicht ausgesucht.“ Wesley schnitt eine kurze Grimasse. „Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich als simpler Begleiter auf der Titan mitgeflogen.“
Ihren Vorwurf musste er sich allerdings trotzdem gefallen lassen. „Verzeih bitte. Ich hatte seit meiner Ankunft keine Sekunde Ruhe.“ Tatsächlich hatte er bis jetzt noch nicht einmal seine Reisetasche ausgepackt. Er hatte gerade so Zeit gehabt, sein Quartier von innen zu sehen, dann hatten Riker und Deanna ihn in Beschlag genommen, um ihn mit der typischen menschlichen Neugier mit Fragen zu den letzten Jahren zu löchern. Ganz zu schweigen von den unzähligen Nachrichten seiner Mutter. Und dann war es ja auch schon zur Enterprise gegangen… Ein Ausflug, auf den er gern verzichtet hätte, wenn es nicht um die Hochzeit gegangen wäre. Gewisse Dinge sollte man ruhen lassen. Natürlich waren die Fragen hier erst recht losgegangen, und die stumpfen Standard-Antworten, mit denen er die Geheimnisse seines Mentors bewahren musste, gingen ihm inzwischen selbst schon auf die Nerven.
„Kann ich dich mit einem Spaziergang durch den Garten als Friedensangebot bestechen? Captain Riker hat da ein sehr schönes Programm erstellt, nach allem, was ich gesehen habe. Ich muss ein paar Minuten hier raus.“

„Warum nicht?“ Robin zuckte mit den Achseln, schon nicht mehr ganz so aggressiv. Sie verließen den Festsaal zusammen und gingen ohne Eile durch die riesige, farbenfrohe Grünanlage, welche der Computer kreiert hatte. Keiner der beiden wusste so recht, was er sagen sollte, also schwiegen sie vorerst.

Wesley ertappte sich immer wieder bei Seitenblicken auf Robin. Sie sah genauso aus, wie er sie in Erinnerung hatte. Und doch war irgendetwas anders als früher. Ein ernster Zug lag um ihre Augen, der bei ihrem letzten Treffen noch nicht da gewesen war. „Du siehst gut aus“, murmelte er schließlich schüchtern.

Nur für einen Moment drehte sie den Kopf in seine Richtung… Ihre Beine hielten wie von selbst an, sie musste sofort den Kopf senken. Immer noch konnte sie seinem Blick nicht standhalten. Nichts hatte sich geändert, gar nichts. Das war das Traurige daran, jedes Mal wieder, wenn sie sich begegneten. Es wurde immer noch schwerer. Abwesend wischte sie ein paar nicht vorhandene Staubflusen von seinem weißen Oberteil. „Das kann ich nur zurückgeben. Die Uniform steht dir immer noch.“

„Sag das meinem Hals“, knurrte er, an dem viel zu engen Kragen zerrend. „So kurzfristig konnte man keine für mich auftreiben. Außerdem bin ich kein Typ für Uniformen mehr. Zu viele schlechte Erinnerungen.“ Schnell wandte dem kleinen, kristallen glitzernden See in der Nähe zu. Das Bild der ruhigen Wasseroberfläche half ihm, seine Konzentration, seinen Fokus wieder zu finden, so wie der Reisende ihn das in mühsamer Arbeit gelehrt hatte. Die unkontrollierten Emotionen, die Robin immer noch, nach all dieser Zeit, mit einer einzigen Berührung in ihm auslösen konnte, erschütterten ihn zutiefst.

Schlechte Erinnerungen, wirklich?“, fragte sie sanft nach. „Soviel ich mich erinnere, hast du die Enterprise D mehr als einmal gerettet.“

„Ja, damals hat es noch Spaß gemacht, Dinge zu reparieren. Darin war ich immer gut. Bin ich heute noch.
Aber als ich dann auf die Akademie gekommen bin… Ich habe einfach gemerkt, dass es nicht das ist, was ich will. Und hey, ich habe nur drei ganze Jahre gebraucht, um es herauszufinden.“ Er kicherte, aber es klang nicht fröhlich. Kein bisschen. „Das Leben ist zu kurz für so einen Unsinn. Ich bin nur als Beobachter auf der Titan, egal, wie oft ich vielleicht dabei helfen werde, einen Computer zu streicheln. Die Sternenflotte bestimmt nicht länger über mich. Ich habe in den letzten Jahren viel vermisst, aber sicher nicht Ränge und Befehle.“

„Und den Weltraum, hast du den auch nie vermisst?“ Robin legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter, als sie den Konflikt spürte, der ihn quälte, seit man ihm das Angebot gemacht hatte, unter Captain Riker zu dienen.

„Natürlich.” Mit einem schwachen Lächeln sah er zu ihr zurück. Sie kannte ihn einfach zu gut. „Aber die Zeit wird kommen, wo ich kein Raumschiff mehr brauchen werde, um das Universum zu bereisen. Es ist noch ein langer Weg bis dahin, aber ich werde es schaffen, das fühle ich mit jedem Tag mehr. Die Titan gibt mir die Möglichkeit, meine Fähigkeiten weiter zu entwickeln, und ich kann wieder Leute um mich haben, die mir am Herzen liegen. Dorvan V war die beste Erfahrung, die ich bisher machen durfte, aber ich bin froh, wieder hier oben zu sein, wenn es das ist, was du meinst.“

„Wesley... Du redest tatsächlich wie ein Erwachsener.“ Robin klang überrascht. So kannte sie ihn nicht.

„Nun, mit Anfang 30 wird das wohl auch langsam Zeit”, gab er mit einem kurzen Lächeln zurück. „Was willst du wirklich wissen, Robin? Ich sehe dir an, dass dich etwas belastet.“

Sie verschränkte abwehrend die Arme, als ob sie sich selbst Trost geben wollte- oder sich vor ihm schützen wollte. „Warum tust du das immer? Es war doch gerade alles gut, wie es war. Übernatürliche Kräfte zu entwickeln hat dir wohl keine Zeit dafür gelassen, an deinem Taktgefühl zu arbeiten.“

„Ich bin Ingenieur, schon vergessen?” Ein schiefes Grinsen umspielte seine vollen Lippen. „Wir brauchen kein Taktgefühl, nur ruhige Hände.“ Er hob demonstrativ seine Rechte und sah stirnrunzelnd darauf, als ihm plötzlich auffiel, dass diese zitterte. Ganz schön heftig sogar. Soviel zur inneren Ruhe.

Auch Robin sah es, und sie lächelte. Wie von selbst legte sich ihre Hand an seine. Sekundenlang standen sie regungslos so da und sahen sich nur an, die Ernsthaftigkeit ersetzt von dem verspielten Flirten, das schon ihre früheren Begegnungen begleitet hatte. Annährung, wunderbare lange Abende im 10 Vorne, Nächte, in denen sie bis in die Morgenstunden geredet hatten. Immer mehr Vertrautheit… Bis einem von ihnen wieder eingefallen war, warum sie beide die denkbar schlechtesten Voraussetzungen hatten, die man sich vorstellen konnte.
Und auch jetzt kehrte dieser Frust in Robins Miene zurück, bevor Wesley ihre Hand auch nur richtig nehmen konnte. Rasch trat sie einen Schritt zurück. „Wes…“

Auf einmal hatte er genug von diesem Spielchen. Wenn sie nicht wollte, sollte sie das sagen, aber immerhin war sie zu ihm gekommen. Er hätte ihr den Gefallen getan und die Vergangenheit ruhen lassen. Aber nicht so. Bevor sie noch weiter zurückweichen konnte, zog er sie impulsiv an sich heran und küsste sie, sanft, tastend, aber auch sehr bestimmt. Fragend.

„Wesley...“ Sekundenlang starrte sie ihn nur an, völlig überrumpelt. Dann trat sie erneut zurück, energischer jetzt. „Nein.“

„Tut mir leid.“ Erst jetzt wurde ihm wirklich bewusst, was er da gerade getan hatte. Schockiert senkte er den Kopf, fasste sich an die Stirn. „Das wollte ich nicht... Ich habe die Kontrolle verloren.“

Die Kontrolle verloren?”, wiederholte sie ungläubig. „Ist es so schwer, sich zurückzuhalten, mich zu küssen? Ich weiß nicht, ob ich das als Kompliment auffassen oder mich fürchten soll.“

„Nein, nicht das...” Wesley suchte nach Worten. Wie machte man das jemandem klar, der von diesen Dingen nichts verstand? „Es geht immer um die Kontrolle. Mein ganzes Leben dreht sich darum, meinen Geist zu kontrollieren, mich nur auf mein Inneres zu konzentrieren. Im momentanen Stadium der Erforschung meiner Fähigkeiten können Emotionen alles zerstören, was ich mir bis jetzt aufgebaut habe. Ich muss sehr vorsichtig damit umgehen. Und gerade heute ist das ein verdammt harter Job. Ich kann nicht das tun, was ich gerne tun würde. In den Maschinenraum gehen, um mir den neuen Warpantrieb anzusehen zum Beispiel, weil mich die Erinnerungen auffressen würden. Deanna einfach umarmen anstatt ihr die Hand zu geben… Oder meiner Mutter einen Kuss auf die Wange geben, was das angeht.“
Er hielt inne, holte tief Luft und legte noch einmal seine Hand auf ihre. „Oder einer wunderschönen Dame an meiner Seite sagen, wie sehr ich sie vermisst habe. Wie sehr ich es bereue, sie für eine Akademie verlassen zu haben, die ich nie hätte besuchen sollen.“

„Ich habe dich auch vermisst.“ She streichelte für einen viel zu kurzen Moment über seinen Handrücken. Jetzt war sie es, die deutlich zitterte. Seine Eröffnung hatte sie trotz allem überrascht. „Aber wir hatten damals keine Wahl, Wes. Es hätte nicht funktioniert.“

„Ich weiß.“ Er nickte knapp und wandte sich abrupt ab.
„Gehen wir zurück. Mom hat sicher schon die Schiffssensoren gecheckt, um mich zu finden.“ Schneller als nötig ging er voraus zum Haupthaus.





„Hab ich gerade was von erwachsen gesagt?“ Robin sah Wesley kopfschüttelnd nach. Auf einmal flüchtete er wieder vor ihr, wo sie gerade auf dem besten Weg gewesen wären, etwas Entscheidendes zu klären. Dann sollte es wohl nicht sein. Es war nicht so, als wäre sie an Enttäuschungen durch ihn nicht gewöhnt. Und trotzdem konnte sie nicht abstreiten, dass dieser Kuss gerade sie bis ins Innerste getroffen hatte.

Wenigstens wartete Wesley an der Tür auf sie und hielt sie ihr auf. Wahrscheinlich auch nur, damit es keine unangenehmen Fragen von den anderen geben würde, ob sie sich gestritten hatten.

Kluger Schachzug. Beverly hatte anscheinend nur darauf gewartet, dass sie beide zurückkamen. „Ich sehe, Sie haben ihn gefunden”, lächelte sie Robin zu. „Kann ich ein Foto von euch beiden machen?“

Mom...“ Wesley verdrehte die Augen.

„Ich habe kein einziges aktuelles Foto von dir“, erstickte Beverly seinen Protest im Keim. „Und bald gehst du zurück auf die Titan, dann sehen wir uns wieder monatelang nicht. Ich will wenigstens eine Erinnerung haben. Komm, sei ein Gentleman und nimm die Lady in den Arm.“

Keiner, der die beiden jungen Leute so da stehen sah, in einer geradezu erzwungen wirkenden Umarmung, stocksteif, mit einem falschen Lächeln, hätte wohl angenommen, dass sie sich vor wenigen Sekunden noch geküsst hatten. Auf einmal war die Spannung wieder unerträglich.

„Danke euch beiden“, lächelte Beverly. „Nutz die Gelegenheit, um die Dame zum Tanzen aufzufordern, Wes. Der Captain heute noch will ein paar gute Geschichten von dir hören…
Deanna! Warte! Wir müssen noch…“ Und schon war sie verschwunden.

Tanzen?“, fragte Robin prustend. „Du kannst tanzen?“

„Leidlich. Mom hat es mir als Teenager beigebracht“, nickte Wesley. „Aber das ist eine ganze Weile her.“ Sein Blick ruhte auf dem Tisch des Captains. Ein unwilliges Seufzen verriet, wie sehr er sich darauf freute, weiteren neugierigen Fragen ausgesetzt zu sein.

Robin tappte ungeduldig mit dem Fuß, starrte ihre Nägel an und zählte die Sekunden, bis ihm wieder einfallen würde, dass er nicht allein an der Tür stand wie bestellt und nicht abgeholt.

„Na dann… Ich denke, es ist besser, wenn ich jetzt gehe…“

„Und ich dachte, du wolltest tanzen...“ Robin verdrehte die Augen himmelwärts und fragte sich, warum sie sich das eigentlich jedes Mal wieder antat. „Nur falls du es nicht gemerkt hast: Ja, das würde ich gerne.“

„Habe ich wirklich nicht“, gab er zu, nahm versöhnlich ihre Hand, um sie zur Fläche in der Mitte des Saals zu führen. „Aber erwarte nicht zuviel. Ich bin aus der Übung.“

Das aktuelle Lied, sehr schnell und fröhlich, war gerade zu Ende, als die beiden erst ein paar Tanzschritte gemacht hatten. Just in diesem Moment verkündete die Band eine Pause.
Stattdessen begann der Computer Musik zu spielen, eine langsame, ruhige Melodie. Genau wie das Lied, das Data vorhin für das Brautpaar gesungen hatte, war es ein altes Lied von der Erde.

„Wir haben einfach kein Glück heute.“ Mit einem entschuldigenden Lächeln ließ Wesley Robin wieder los.

„Warte”, bat sie, bevor er erneut flüchten konnte. „Jetzt lauf nicht schon wieder weg. Ich will das nicht mehr, Wesley. Wie sollen wir so zusammen auf einem Schiff arbeiten? Wir werden uns jeden Tag wieder begegnen. Wir müssen endlich reinen Tisch machen. Ich hätte dich vorhin nicht so wegstoßen sollen. Ich weiß doch selbst nicht, was ich will. Nimm mich einfach ein paar Minuten in den Arm, ja? Nur einen Moment für uns beide, bevor wir unser Leben auf der Titan aufnehmen.“

Wesley sah sich kurz – und etwas nervös – um, aber am Tisch des Captains schien man gerade mit einer Erzählung von Will aus alten Zeiten beschäftigt. Robin und ihm schenkte man jedenfalls keine Beachtung.

Außerdem begannen gerade auch einige andere Pärchen, zu dem sehr gefühlvollen Lied zu tanzen. Sie würden nicht auffallen. Die neue Crew der Enterprise kannte Wesley und seine sogenannten legendären Heldentaten sowieso nicht. Und Robin hatte dieses Schiff schon vor langer Zeit verlassen- wegen ihm, was das anging, aber das hatte er erst Jahre später erfahren.

„Wie du möchtest.” Noch einmal nahm er sie in eine normale Standard-Tanzhaltung, die nicht zuviel Körperkontakt zuließ. „Nur… vorsichtig bitte. Ich glaube, du hast immer noch nicht ganz verstanden, was für eine Wirkung du auf mich hast, Robin. Und was das für mich bedeutet.“

Robin schnaubte ungeduldig. „Ich bin nicht dumm, Wesley. Ich habe auf vielen Aufzeichnungen die Dinge gesehen, die der Reisende tun kann. Ich glaube dir sofort, dass du mit diesen Fähigkeiten noch unsicher bist. Und ich bin sicher die letzte, die dich in Schwierigkeiten bringen will.“ Langsam, in einem ruhigen Takt begannen sie sich zu dem Lied zu bewegen, dessen emotionale Worte über Liebe und Trennung Robin kalte Schauer über den Rücken jagten. „Du hast dich so sehr verändert.“

Da war es wieder, dieses verschmitzte Lächeln, in das sie sich vor Jahren verliebt hatte, als er ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt hatte. „Du hast dich überhaupt nicht verändert. Du bist immer noch genau so, wie ich es in den schönsten Erinnerungen an dieses Schiff im Kopf habe.“

Das sollte wohl wieder ein Kompliment sein, aber die letzten Minuten hatten Robin zu sehr verwirrt, um noch zu wissen, was sie davon halten sollte. „Wesley…“ Seufzend verschränkte sie die Arme hinter seinem Nacken und zwang sich, ihm einmal mehr fest in die Augen zu sehen. „Was willst du? Was darfst du? Was schreibt diese Religion, der du dich angeschlossen hast, dir vor?“

„Ich bin dem Reisenden loyal und schließe mich seinen Lehren an, aber ich bin nicht sein Untergebener”, antwortete Wesley fest. „Was immer für Risiken ich eingehe, es sind meine.
Und was ich möchte…“ Bitterkeit schlich sich in seine Stimme. „Danach hat in meinem Leben eigentlich nie groß jemand gefragt. Aber wenn ich jetzt darüber nachdenke…“ Ein deutlicher Schauer durchfuhr seinen Körper, als Robins Fingerspitzen seinen Nacken berührten, er schloss kurz die Augen. „…dann hat sich nichts daran geändert, seit wir uns zum ersten Mal begegnet sind."

„Manchmal wünschte ich, ich wäre mit dir nach Dorvan gegangen. Dann wäre viel anders gekommen.“

„Du wärst dort verwelkt wie eine Blume.“ Er umfasste ihr Gesicht sanft in einer Hand. Ein leichtes Glitzern in seinen Augen verriet, wie nahe ihm dieses Geständnis ging, das Eingeständnis, wie viel auch er ihr immer schon bedeutet hatte. „Und ich wäre daran zerbrochen, wenn ich früher zurückgekommen wäre. Erst jetzt bin ich wirklich bereit, mein altes Leben wieder aufzunehmen.“

„Mit allem, was dazu gehört?” Als er sie loslassen wollte, schmiegte sie sich gegen seine Berührung, vorsichtig erst noch, aber als sie merkte, dass er sich endlich nicht mehr wehrte, jetzt, wo sie ihm deutlich gesagt hatte, wie es in ihr aussah... Da fielen die letzten Barrieren. Mit einem Aufseufzen schmiegte sie sich näher an ihn heran. Die Wärme seines Körpers an ihrem, ein langsames, wie beiläufiges Streicheln an ihrer Taille… Plötzlich war es, als hätte es die ganzen letzten Jahre der Trennung nicht gegeben. Zu gern hätte sie gewusst, wie sich seine Lippen anfühlen würden, wenn sie sich jetzt noch einmal geküsst hätten, länger, ausführlicher… Wie es gewesen wäre, diese geschickte Hand an einer anderen Stelle zu spüren… Die Versuchung war groß. Auch das war nie anders gewesen. Aber darin waren sie sich immer einig gewesen. Dafür waren sie sich gegenseitig zu schade.
Sie zwang sich, ihre Streicheleinheiten an seinem Hals für einen Moment einzustellen. Es wäre verführerisch gewesen, sich diesem Strudel aus Emotionen hinzugeben, der in ihr tobte, aber zuerst wollte sie Klarheit.

„Ich kann dir kein Versprechen geben.“ Wesley zögerte, es war ihm sichtlich unangenehm, aber diesmal zwang er sich, ihr die ganze Wahrheit zu sagen. „Wenn es mich überfordert… Wenn ich die Kontrolle nicht behalten kann… Dann muss ich mich zurückziehen. Ich will dir nicht wehtun, Robin. Dafür bist du mir zu wichtig.“

„Das kannst du nur, wenn wir es nicht endlich versuchen. Und ich denke, zumindest darauf haben wir lange genug gewartet. Das ist der einzige Vorwurf, den wir uns am Ende machen könnten, wenn wir es nicht wenigstens einmal darauf ankommen lassen. Ausreden, das nicht zu tun, haben wir lange genug gesucht.“
Für einen Augenblick waren sogar neugierige Blicke von anderen Leuten vergessen. Diesmal sah sie den Kuss kommen. Und diesmal gab es keinen Grund, sich zu wehren. Eine warme Welle der Zärtlichkeit, der Zuneigung überrollte sie, als die zarte Berührung seiner Lippen über ihre glitt, nur ein Hauch vorerst, dann mehr, bis sich ihre Zungenspitzen zu einem ersten, verspielten Tanz trafen. Bevor sie noch das Thema des Abends wurden, löste sich Robin von Wesley, langsam diesmal, mit einem liebevollen Lächeln. „Das heißt wohl ja.“

„Ich habe noch nie nein zu dir gesagt“, erwiderte er ernst, und auch das stimmte irgendwie.
Ein ungeduldiger Ausdruck huschte über sein Gesicht, als sein Blick den Tisch des Captains streifte, wo einige Leute plötzlich ein breites Grinsen zur Schau stellten. „Sehen wir zu, dass wir hier raus kommen.“

„Man erwartet, dass wir noch länger bleiben”, widersprach Robin, wenn auch nur ungern. „Vor allem du.“

„Ich war den ganzen Tag bei ihnen. Sie werden es akzeptieren müssen, wenn ich gleich unerträgliche Kopfschmerzen bekommen werde und mich hinlegen muss“, grinste er. Unerwartet führte er sie in eine schnelle, ausgelassene Drehung, nicht passend zum Takt, dafür umso mehr zu der Hochstimmung, in der sie beide waren. „Ich hoffe nur, du brauchst nicht viel Schlaf, denn du wirst nicht viel bekommen, bis wir Betazed erreichen.“

Die anzügliche Bemerkung ließ Robin auf der Stelle erröten. Es war nicht zu übersehen, ihr Fähnrich ehrenhalber war wirklich erwachsen geworden. „Dann gehe ich wohl lieber, schlafen, hm?“ Sie schenkte ihm ein kurzes Zwinkern. "Komm zu mir, sobald du kannst. 214.“

Sie verabschiedeten sich mit einem förmlichen Händedrück, als ob das die unüberlegte Nähe gerade ungeschehen machen konnte, aber im Grunde scherten sie sich beide nicht viel um Gerede. Nicht an diesem Abend.
Gewappnet für eine weitere Fragerunde kehrte Wesley zu den anderen zurück.





Als Wesley sich schließlich von der Party loseisen konnte, brauchte er einige Zeit, um das richtige Deck zu finden. Immerhin war das sein erster Besuch auf dieser Enterprise… Endlich stand er vor dem richtigen Raum, benutzte kurz das Türsignal und trat ein.

Robin erwartete ihn schon, und einmal mehr überraschte sie ihn, wie nur sie das konnte. Sie saß auf dem Bett, mit nichts als ihren endlos langen, dunkelbraunen Haaren bekleidet, die offen über ihren Körper fielen. „Du bist spät dran, Fähnrich.”

„Und du bist umwerfend.“ Er konnte nicht verhindern, dass ein rauer Ton in seiner Stimme verriet, wie sehr ihn der Anblick aus der Bahn warf.

Robin lachte leise, stand auf und ging auf ihn zu, langsam, Schritt für Schritt, offenbarte ihm alles, was er heute Nacht haben würde. „Trainierst du eigentlich, kann das sein?” Genau vor ihm hielt sie an und ließ ihre Hände verspielt über seine Schultern gleiten. „Du siehst kräftiger als früher aus.“

„Sport ist Teil meiner Ausbildung. Die Bewegung hilft mir, mich zu entspannen.“ Noch ein wenig zögerlich nahm Wesley Robin in den Arm, ließ seine Fingerspitzen durch ihre weichen Haarsträhnen gleiten. Er konnte nicht glauben, dass sie tatsächlich nach all dieser Zeit wirklich auf diese Weise vor ihm stand. Und dass das erst der Anfang sein sollte. „Wenn das ein Traum wäre, würdest du es mir sagen, oder?“

Robin führte seine Hand langsam nach unten. „Fühlte sich das wie ein Traum an, Mister Crusher?“

„Kaum.“ Zärtlich glitt eine erste Berührung über ihre weichen Rundungen. „Es fühlt sich besser an als alles, was ich bisher in meinem Leben erfahren durfte.“

„Und dabei kommt da noch viel mehr…“ Wieder lachte sie, leise und glockenhell, und drängte sich gegen seine Hand, während sie fahrig, ungeduldig seine Uniformjacke öffnete.

Schnell schüttelte Wesley diese ab und zog Robin wieder an sich heran, ließ seine Hände langsam von ihrem Rücken nach unten wandern. „Sag mir, was du möchtest. Ich will, dass es etwas Besonderes für dich wird.“

„Entspann dich einfach.“ Schon machten sich ihre Hände an seinem Hemd zu schaffen. „Sei nicht unser Wunderkind oder ein Student oder ein Reisender… Sei einfach der Mann, der mich vor Jahren einmal geküsst und dabei so eine verdammt tiefe Narbe hinterlassen hat. Schließ diese Narbe heute Nacht, Wesley.“

„Ich werde mein Bestes tun.“ Er verschloss ihre Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss und schob sie sanft zum Bett hin, um sein Versprechen in die Tat umzusetzen.





Es war kein langes Spiel gewesen, aber ein sehr befriedigendes für sie beide gewesen. Immer noch zitternd schmiegte sich Robin gegen Wesley. Ein Schauer lief über ihre Haut, als er sich von ihr löste, der nichts mit der wie immer perfekt temperierten Luft im Raum zu tun hatte. Seine plötzlich fehlende Nähe war es, die sie erzittern ließ. Rasch schmiegte sie sich wieder an ihn, kaum, dass er sich neben sie gelegt hatte. „Halt mich fest, Wesley.“

„Solange, wie mich die Götter lassen mögen.“ Noch etwas außer Atem drückte er sie an sich heran und hinterließ einen unendlich zarten Kuss auf ihrer Stirn. „Weißt du… Wenn ich dich morgen den ganzen Tag über nackt sehe, werde ich mich die Hälfte der Zeit über verstecken müssen...“

„Ich verstecke mich mit”, beschloss sie grinsend. „Außer natürlich, du bevorzugst es, den ganzen Nachmittag mit Lwaxana Troi zu reden...“

„Selbst mein Verlangen nach Qualen hält sich in Grenzen, meine Liebe.“
Für einen Moment der Erschöpfung schloss Wesley die Augen, riss sie aber sofort wieder auf, als er dahinter die Kälte und die unendlichen Weite des Sternenmeers des Alls sah. Es brauchte ein paar Sekunden zu lange, um seinen Geist zurück in den normalen Raum zu bringen. Mit einem Mal wurde ihm klar, wie viel Glück er gerade während dieses wunderbaren Erlebnisses gehabt hatte. Er hätte das ganze Schiff in den Delta-Quadranten und wieder zurückschicken können. Und trotzdem hätte ihm nichts in diesem Moment egaler sein können. Mit einer Frau wie dieser an seine Seite war es schwer, sich über Raum und Zeit zu sorgen. Dafür war morgen noch genug Zeit. Sein Leben bestand nicht nur noch aus Lernen und Disziplin. Es hatte erst Robin gebraucht, um ihm klar zu machen, dass er von dieser Einstellung selbst nach der Akademie nie losgekommen war.
Jetzt war er es. Jetzt war sie da. Und egal, was auf sie beide warten würde, in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten… In den nächsten Jahren… Dafür würde er ihr ewig dankbar sein.
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