Bartimäus-The End

von Ikyo
GeschichteAllgemein / P6
Bartimäus
09.10.2008
19.10.2008
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09.10.2008 1.093
 
Ich wehrte mich, aber ich konnte der Beschwörung nicht entgehen.
Zehn Jahre ist meine letzte Beschwörung jetzt schon her. Zehn Jahre liegen zwischen Heute und den Ereignissen im Glaspalast. Meine Substanz hat schon so gut wie ihre alte Macht erreicht, also sollte, wer auch immer es wagte mich zu beschwören, sich gewaltig in Acht nehmen.
Ich fuhr alle altbewehrten Geschütze auf: Schwefelgeruch, Eiseskälte, ohrenbetäubenden Lärm und ich setzte den ganzen Raum, wieder der Kälte, in Brant. Auch meine Erscheinungsform war nicht ohne: drei Hörner, zwei Paar Arme zu viel, riesige schuppenbedeckte Flügel, ledrige Haut, stechend gelbe Augen…
Ich stockte: „Dich hätte ich nun am wenigstens erwartet.“
Die Person, die mir gegenüber im Pentagramm stand, war Kitty Jones. Sie hatte sich die Haare wieder gefärbt und ich glaube sie hat sogar weniger Falten, ansonsten hat sich nichts geändert, auch ihre Aura strahlte noch genau so wunderschön wie vor zehn Jahren.
„Ich freue mich auch, dich wiederzusehen, Bartimäus.“ Sie stand ganz gelassen da, so als wäre nichts gewesen, aber ich wusste es ja wieder mal besser.
„Wie geht es dir? Wie ich sehe hast du dich ja wieder gut erholt. Und du hast immer noch dieselbe bevorzugte Erscheinungsform.“ Sie klang herausfordernd und provozierend, wie man es von Kitty gewohnt war.
Der ägyptische Junge grinste ihr frech entgegen, irgendwie tat es gut, sie wiederzusehen: „Wie sollte es auch sonst sein? Aber dir geht es auch wieder besser, hätte nicht gedacht, dass du dich nach deinem Besuch am Anderen Ort wieder so gut erholst. Es wundert mich ein wenig, dass du mich noch mal beschworen hast. Bist du jetzt etwa doch eine Zaubrerin?“ Den letzten Teil kam spitzer, als geplant
Ihre Miene verfinsterte sich: „Wie kannst du es wagen, ich kann die Zauberer nachwievor nicht riechen.“
„Da hat unser eins ja noch mal Glück gehabt, dass er deinen Gefühlsschwankungen nicht ausgesetzt ist.“ Das hat gesessen, falsch gedacht. Sie grinste mich nur weiter unverhohlen an und dieses Grinsen fing an, mir auf die Nerven zu gehen.
„Aber sag, warum hast du mich wieder beschworen, doch wohl nicht etwa weil du meinem Charme nicht wiederstehen kannst?“
Kitty lachte auf: „Ganz bestimmt nicht. Nein ich habe dich gerufen.“ Ihre Miene wurde ernst, zu ernst, das passt einfach nicht zu ihr, ich kann mich auch nicht entscheiden. „Weil ich Fragen an dich habe. Über… Über das was vor zehn Jahren im Glaspalast passiert ist, ich meine nachdem ihr mich weggeschickt habt.“
Ich wusste es, sie wollte wissen, was damals wirklich passiert ist. Wer kann es ihr verübeln? Nathanael ist dabei gestorben und es gab keine genauen Aussagen wie und warum. Wie auch, es gab ja auch keine Zeugen.
„Erzähl mir mal lieber was du so machst und wie es mit der neuen Regierung läuft. Sind es immer noch nur Zauberer?“
„Lenk nicht vom Thema ab, erst will ich Antworten danach können wir meinetwegen über das ‚Heute‘ sprechen!“ Ihr Blick strahlte die reinste Entschlossenheit aus.
Es war zwecklos, sie ließ sich nicht davon abbringen, also fing ich an zu erzählen: „Nachdem du weg warst haben wir Nodau unter die Mittelkuppel geloggt, als er nah genug dran war lösten wir die Bannsiegel um den Starb und Nathanael entließ mich, damit war die Bestie befreit. Das letzte, was ich noch mitbekommen habe, war das Nathanael zusammen brach und mit ihm die Kuppel. Sie begrub beide unter sich. Er hatte keine Change zu entkommen, selbst mit meiner Hilfe hätte er es nicht mehr schaffen können. Bevor er mich entließ gab er mir noch einen letzten Auftrag, ich sollte dich grüßen. Er hatte wohl geahnt, dass wir uns irgendwann noch mal wiedertreffen werden.“
Bisher konnte sie noch einigermaßen Fassung bewahren, aber meine letzten, Beziehungsweiße Nathanaels, Worte, waren zu viel für sie. Kitty brach zusammen und die Tränen rannen wie Wasserfälle über ihre Wangen.
Ich hielt es für klüger ausnahmsweise mal nichts zu sagen.
Nach einer Weile hatte sie sich wieder einiger Maßen gefasst. Kitty wischte sich die Tränen ab, blieb aber sitzen. Wir schwiegen weiter, keiner wusste was zu sagen, also schwiegen wir.
Kitty war die Erste, die das Schweigen brach.
„Das Amulett, ich brauchte es nicht, es hat mir nichts gebracht, aber euch hätte es das Leben retten können. Warum… warum habt ihr es mir gegeben?“
„Nathanael wollte es, er wollte dich in Sicherheit wissen. Es hätte uns, ihm, eh nicht geholfen, es hätte wahrscheinlich nur noch geschadet. Es war der Palast, nicht die Wesenheiten, der ihn umbrachte.“ Die letzten Worte fügte ich noch schnell hinzu, weil sie schon wieder Tränen nahe war.
„Aber…“
„Kitty, es standfest, es gab keine andere Möglichkeit, selbst mit einer Macht wie der von Nadou. Ich wusste das und er auch. Er wollte, dass wenigstens du überlebst.“ Das war so gar nicht meine  Art, aber dieses Mädchen tat mir einfach nur leid.
Kitty schien sich eine kräftige Anschuldigung zu recht zulegen, ich machte mich bereit.
„Dich hat er auch entlassen, damit du auch überlebst. Warum?“
„Naja, irgendwer muss ja seine Heldentat bezeugen, damit er auch ja berühmt wird.“
„Das glaube ich nicht, naja, vielleicht ein bisschen, aber ich glaube eher, dass er dich zum Schluss doch gut leiden konnte. Er konnte es nur nicht zeigen. Du müsstest es doch besser wissen, immerhin warst du ja in seinem Kopf drin.“
Sie hatte  ja auch recht und ich mochte ihn eigentlich ja auch, auch wenn ich es mir nie eingestehen würde.
„Okay, jetzt lass uns mal über dich reden Wie bist du darauf gekommen, mich wieder zu beschwören?“
„Naja, ich dachte mir, dass Nathanael dich entlassen wird und ein Versuch war es ja wert.“
„Und wieso hast du mich dann erst zehn Jahre später beschwört?“
„Weil ich dachte, da musst dich erst noch etwas erholen und ich musste das auch erst.“
Schon am Anfang unseres Gespräches merkte ich, dass Kitty sich verändert hatte, in ihrer Art und zwar deutlich. Sie war nicht mehr so vorlaut und frech.  Aber auch ich habe mich verändert, zumindest bei Kitty, noch was, was ich mir nicht eingestehen würde.
„Das war jetzt das ‚warum‘ und nun das ‚was‘. Was machst du so?“ Sie grinste wieder, so gefiel sie mir doch besser.
„Nach dem die Regierung wieder alles im Griff hatte, hab ich meinen Freund Jakob besucht. Danach war ich in Ägypten, einfach fantastisch, wie du es gesagt hast und jetzt bin ich wieder in London.“
„Das hört sich doch gut an und was hast du jetzt vor?“
Kitty schwieg einen Moment, ihr Grinsen wurde noch eine Spur breiter. „Ich wollte noch mal zum Anderen Ort reisen und dann alles aufschreiben, so wie Poltemäus.“
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