La pietra rosa

GeschichteAbenteuer / P18 Slash
Clark Kent Lex Luthor
05.10.2008
09.12.2008
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*hüstel* Eines meiner ersten Werke zu Smallville. Die Inspiration dazu kam von Elke, und ich weiß bis heute nicht wie sie auf solch kranke Gedanken gekommen ist. Nichtsdestotrotz mag ich die Geschichte immer noch, auch wenn ich sie heute mit Sicherheit anders schreiben würde. Sogar sehr anders. Vor allem, was die Gedanken und das Verhalten der Charaktere angeht. Man lernt ja doch dazu mit dem Alter ;)

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„Lex Luthor?“ brüllte ich genervt in den Hörer. Seit Minuten klingelte dieses verflixte Telefon und schien nicht begeistert von meinen Versuchen, es einfach zu ignorieren. Wie soll man denn da vernünftig arbeiten können?

„Hamilton hier,“ erklang eine aufgeregte Stimme am anderen Ende der Leitung. Ich stöhnte. Ausgerechnet heute. Auch ohne den Pseudo - Wissenschaftler hatte ich genug zu tun, ich spürte nicht die leiseste Lust, mich mit Dr. Hamilton zu unterhalten und erwog ganz kurz den Gedanken, den Hörer einfach wieder aufzulegen. Dummerweise kannte ich die Hartnäckigkeit meines Gesprächspartners und beschloss daher, mir zwar seine Motzereien anzuhören, dieses Gespräch aber so schnell wie möglich zu beenden. Es gibt wirklich Tage, an denen ich mir  wünschte, dass ich mich niemals auf eine Geschäftsbeziehung mit ihm eingelassen hätte. Er nervte.

„Was wollen Sie?“ fragte ich seufzend, mich in ein unanwendbares Schicksal fügend.
Dr. Hamilton schien meinen genervten Ton völlig zu überhören. Sensibilität zählte nicht gerade zu seinen größten Stärken. Gut, auch nicht unbedingt zu meinen, aber das tut hier ja nichts zur Sache.

„Ich muss Sie unbedingt heute noch sehen,“ verlangte er, „es ist dringend.“

Ich lehnte mich bequem im Sessel zurück und schloss die Augen. Regen prasselte von außen gegen die Scheiben in einem eintönigen Rhythmus, welcher mich schon seit Stunden in Versuchung führte, einfach einzuschlafen. Mit Mühe konzentrierte ich mich wieder auf das Gespräch. ‚Formulier eine höfliche Absage und leg dann auf!’ befahl ich mir in Gedanken.

„Nicht heute,“ erwiderte ich so freundlich wie möglich, „auf meinem Schreibtisch türmt sich die Arbeit und es warten einige Verträge auf mich, die absoluten Vorrang haben. Außerdem habe ich morgen ein sehr wichtiges Meeting, auf das ich mich auch noch vorbereiten sollte...“

„Quatsch mit Soße,“ rief Dr.Hamilton dazwischen, „das, was ich Ihnen zu bieten habe, ist  hundertmal wichtiger als Ihr blöder Papierkram.“

Ich seufzte erneut und knetete mit Daumen und Zeigefinger meiner rechten Hand (ich war ein Linkstelefonierer) meine Unterlippe, wie immer, wenn ich nachdachte. Wie zur Hölle machte man einer aufdringlichen Nervensäge klar, dass die Geschäfte meines Vaters eindeutig wichtiger waren als irgendwelche Probleme meiner Angestellten, ohne dabei auszuflippen? Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das noch nicht herausgefunden habe.

„Dr. Hamilton,“ begann ich, „ich kann heute leider unmöglich bei Ihnen vorbeischauen. Das Geschäft hat absoluten Vorrang, das werden selbst Sie doch sicher verstehen können, oder?“

Na ja, nicht gerade berauschend, aber einen Versuch war es wert. Er konnte oder er wollte es nicht verstehen, jedenfalls machte Dr.Hamilton keinerlei Anstalten, das Gespräch zu beenden. Im Gegenteil. Er redete auf mich ein, erzählte etwas von ungeheurer Wichtigkeit und faselte ständig von einem revolutionären Durchbruch. Ich hatte große Mühe, meine Augen offen zu halten, die eintönige Stimme meines Gesprächspartners wirkte auf mich äußerst einschläfernd.

‚Sobald der Trottel aufgelegt hat, kümmerst du dich um den Vertrag und schickst ihn dann nach Metropolis, anschließend darfst du endlich ins Bett’, summte mir eine leise Stimme in meinen Kopf vor. ‚Schlaf, Kindchen, schlaf!’. Spinne ich? Irgendwann, als ich kurz davor war, einzunicken, riss bei mir der Geduldsfaden.

„Dr. Hamilton,“ schrie ich in den Hörer, „ich habe genug von Ihrem langweiligen Gefasel. Sagen Sie mir jetzt endlich, was Ihnen so wichtig ist, dass Sie mich mitten in der Nacht stören müssen. Und an Ihrer Stelle würde mich damit beeilen, sonst sehe ich mich gezwungen, dieses überflüssige Gespräch zu beenden.“

Klartext reden soll Wunder wirken, habe ich mal irgendwo gelesen. Bin gespannt, ob es funktioniert.

„Es geht um den Meteoriten,“ erwiderte Dr.Hamilton, gekränkt von meinen zu offensichtlichen Desinteresse. Jedoch mit einem Schlag war ich wieder hellwach. Endlich kam der Mann zum Punkt.

„Warum haben Sie das nicht gleich gesagt,“ rief ich aufgeregt, „ich bin einer halben Stunde bei Ihnen.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, warf ich den Hörer auf die Gabel zurück und fegte mit einer Handbewegung sämtliche sich auf meinem Schreibtisch befindlichen Papiere in einen Aktenkoffer. Mochte Dad toben, wie er wollte, der Meteorit hatte eindeutig Vorrang. Ich tätigte einen kurzen Anruf bei meinem Chauffeur, der zu jeder Tages- und Nachtszeit im Dienst war, und kaum fünf Minuten später war ich auf dem Weg zu jener Baracke, die
Dr. Hamilton sein Labor nannte.

Durch die abgedunkelten Scheiben der Limousine erschien die Welt draußen nahezu schwarz, ob wohl es Sommer war und noch nicht einmal 22 Uhr. Das Unwetter, dass schon seit drei Tagen über Smallville hing, verwandelte die sonst so ruhige und verschlafene Kleinstadt in ein düsteres Schlachtfeld.
Es gab kaum ein Haus, bei dem nicht irgendetwas kaputt gegangen war. Zum Glück war mein Schloss aus stabilem Stein, es würde selbst einen Tornado überstehen. Das heißt, sicher war ich mir da nicht.

Sehr langsam quälte sich der große Wagen (ich hätte doch lieber selber fahren sollen!) durch knöcheltiefen Morast, bis er schließlich vor Dr. Hamiltons Labor zum Stehen kam. Von ihm selbst war nichts zu sehen.

Irgendetwas stimmte hier nicht.

Das sagte mir mein Instinkt, als ich Dr. Hamiltons Labor und die Umgebung betrachtete. Etwas passte nicht ins Bild. Aber was? Kurz überlegte ich, ob ich auf mein Gefühl hören sollte. Ich kämpfte mit mir, entschied mich aber dann dafür, auszusteigen und die restlichen paar Meter zum Eingang zu sprinten.

Ich wies meinen Chauffeur an, auf mich zu warten und rannte los. Wieso nur vergesse ich ständig meinen Regenschirm? Ich war eindeutig zu langsam gewesen, denn ich war nass bis auf die Knochen, obwohl ich nur eine lächerliche Anzahl von Metern hatte zurücklegen müssen.

Vorsichtig öffnete ich die quietschende Tür und betrat das finstere Loch, in dem Dr.Hamilton auf mein Geheiß hin den Meteoriten erforschte.

„Hallo?“ fragte ich zögernd, als sich auch nach einigen Minuten noch niemand blicken ließ. Ich erhielt keine Antwort. Das nahm ich als Aufforderung, mich einmal genauer in dem muffigen Raum umzusehen. Ich war zwar schon öfters hier gewesen, hatte aber noch nie Gelegenheit gehabt, die ganzen Apparate und Mechanismen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wozu brauchte der Kerl bloß soviel Kram? Ich dachte an die horrenden Rechnungen, die Dr. Hamilton mir des öfteren präsentierte und hatte das unbestimmte Gefühl, dass mindestens die Hälfte davon vollkommen überflüssig war.

Ziellos wanderte ich durch den ganzen Raum, vorbei an Reagenzgläsern, in denen Bruchstücke des Meteoriten aufbewahrt wurden, und wunderte mich über die zahlreichen kompliziert aussehenden Apparaturen, die anscheinend planlos im ganzen Raum verteilt waren. Wie zum Teufel fand sich Dr.Hamilton nur in diesem Chaos zurecht? Ich musste grinsen, als mir auf einmal mein eigenes Büro einfiel.

Ordnung war noch nie einer meiner Stärken gewesen, aber immerhin hatte ich bis jetzt alles wiedergefunden. Dr.Hamilton hatte anscheinend dieselbe Schwäche. Ich seufzte und warf einen Blick auf die Uhr. Wenn Dr.Hamilton innerhalb der nächsten fünf Minuten nicht auftauchen sollte, würde ich wieder gehen. Nächstes Mal soll er gefälligst auf Knien angekrochen kommen, bevor ich wieder einen Fuß in dieses Rattenloch setze.

Mir war kalt, sehr kalt sogar und ich begann zu zittern. Erneut verfluchte ich mich für meine Vergesslichkeit. Ich zuckte zusammen, als ein seltsames Geräusch an mein Ohr drang. Mit klopfendem Herzen lauschte ich, aber nun war wieder alles still.

Ich ärgerte mich selbst wegen meiner Nervosität und beschloss, den angrenzenden Raum einmal näher zu betrachten.
Entschlossen marschierte ich auf die große, eisenbeschlagene Tür zu, als mich dasselbe Geräusch innehalten ließ. Es schien aus ebendiesem Raum zu kommen und es klang, als würde ein Mensch (Dr.Hamilton?) sehr große Schmerzen haben.
Ich zögerte noch kurz, warf dann aber alle Bedenken über Bord, stürmte auf die Tür zu, riss sie mit Schwung auf und...


..erstarrte.


Dr. Hamilton kniete auf dem Boden und lebte. Gut! Er war nackt. Nicht gut! Er schrie. Ich auch. Dr. Hamilton hob den Kopf und sah mich an. Mein Gott! Hätte ich es nicht besser gewusst, würde ich sagen, dass dieser Mann an der Grenze zum Wahnsinn schwebte.

Seine Augen waren weit aufgerissen, die Pupillen riesig und er schien durch mich hindurch zu sehen. Auf seiner Wange war ein langer, blutiger Kratzer und sein ganzer Körper wies Prellungen und Blutergüsse auf. An seiner Hüfte waren mehrere kleine Kratzer zu sehen, herbeigeführt durch die Hände, die sich in sein Fleisch krallten und ihn festhielten. Hände? Ihn festhielten?

„Dad?“

Heureka! Ich hatte das Puzzleteilchen gefunden. Die frischen Reifenspuren vor Dr. Hamiltons Labor, draußen im Matsch. Wieso ist mir das nicht schon früher aufgefallen? Ich hätte mir bestimmt eine ganze Menge Ärger erspart, wenn ich einfach wieder umgekehrt wäre.

„Dad?“ krächzte ich nochmals (mir fiel einfach nichts Besseres ein) und taumelte einige Schritte zurück, den Mann hinter Dr.Hamilton nicht aus den Augen lassend, der sich durch meine Anwesenheit nicht im geringsten bei seiner Beschäftigung stören ließ. Konzentriert und irgendwie seltsam abweisend stieß er wieder und wieder in den wehrlosen Körper vor ihm.

‚Mein Dad ist schwul und fickt vor meinen Augen einen Kerl,’ schoss es mir durch den Kopf. Das war absurd. Einfach nur absurd. Unwirklich und grotesk. Ich konnte nicht anders. Ich lachte.

Ich sah zu, wie mein Vater, der bekannte Firmeninhaber Lionel Luthor, einen meiner Angestellte fickte (Fickte? Vergewaltigte traf es wohl eher!) und lachte mich dabei fast tot. ‚Ich werde irre,’ dachte ich entsetzt. ‚Unternimm etwas!’ schrie mich mein Verstand an, aber ich reagierte nicht. Es ging nicht. Die ganze Situation war so dermaßen lächerlich. Nicht einmal in meinen perversesten Träumen hätte ich gedacht, dass mein Vater...

„Hilf....mir....Lex...“ Dr. Hamiltons Stimme war nicht mehr als ein leises Flüstern, doch es reichte, um mich aus seiner Erstarrung zu reißen. Mein Lachen erstarb. Endlich konnte ich wieder klar denken.

„Dad!“ brüllte ich und überlegte fieberhaft, wie ich Dr. Hamilton vor meinem anscheinend wahnsinnig gewordenen Vater retten könnte. Doch bevor ich etwas tun konnte, schien Lionel seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Ein letzter Stoß, ein erleichtertes Aufstöhnen, dann ließ er Dr. Hamilton los, der sofort versuchte, wegzulaufen, aber so schwach war, dass er einfach zusammenbrach und wie betäubt auf dem kalten Steinfußboden liegen blieb.

Seltsamerweise ließ mich das kalt. Sorgen machen konnte ich mir auch später, jetzt musste ich mich erst einmal um meinen verrückten Vater kümmern.

„Dad!“ brüllte ich erneut. „Bist du wahnsinnig geworden?“

Lionel stand auf und sah mich an. Wahnsinnig? Das war wohl genau die richtige Beschreibung. Selten habe ich einen solch irren Ausdruck gesehen. Seine Augen flackerten unruhig, sein Atem ging keuchend und irgendetwas in seinem Blick löste bei mir absolute Panik aus. Panik? Warum? Verdammt!

Lionel fixierte mich und nagelte mich mit seinen Blicken am Boden fest. Wie gelähmt musste ich mit ansehen, wie mein Vater näher kam. Ein diabolisches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

Oder sollte ich sagen, ein zufriedenes Grinsen, wie die Katze, die den Kanari gefressen hat? Warum? Warum zufrieden? Die Antwort erhielt ich sofort. Leider!

Ich nahm die Bewegung aus den Augenwinkeln wahr, trotzdem traf mich der Schlag völlig unvorbereitet. Es fühlte sich an, als würde eine Bombe in meinem Kopf explodieren. Vor meinen Augen tanzten bunte Punkte und ich merkte, wie meine Knie unter mir nachgaben. Ich konnte gerade noch die Arme hochreißen, um mein Gesicht zu schützen, bevor mein Körper auf dem Boden aufschlug. Benommen blieb ich liegen. Die Welt schien still zu stehen. Wie durch Watte hörte ich das gemeine Lachen meines Vaters.

Ich spürte eine Hand an meiner Schulter und Sekunden später wurde ich grob auf den Rücken gedreht. Ich blinzelte, es war irgendwie neblig, ein verschwommenes Gesicht tauchte über mir auf, das eigentlich nur zu meinem Vater gehören konnte. Ich versuchte, mich aufzurichten, aber mein Körper reagierte nicht.

Ich schloss die Augen und versuchte, dieses lähmende Schwindelgefühl aus meinem Kopf zu verbannen. Mein Vater sagte etwas zu mir, doch ich verstand es nicht. Langsam merkte ich, wie mein Verstand wieder einsetzte, die bunten Sterne vor meinen Augen verschwanden und mein Körper gehorchte mir wieder.

Ich wollte mich aufrichten, wurde aber von zwei starken Händen auf meinen Schultern wieder auf den Boden gedrückt. Entsetzt riss ich die Augen auf und registrierte, dass sich Dad über mich gebeugt hatte und mich irgendwie seltsam...gierig...hungrig..(HUNGRIG? Was zur Hölle ging hier vor?)...ansah.

„Was...?“ Es war nicht mehr als ein Seufzen, dass ich herausbrachte und ich fühlte mich im Moment auch außerstande, einen halbwegs vernünftigen Satz herauszubringen, weswegen mein ‚Was?’ ungehört im Raum verhallte. Mein Vater beugte sich näher zu mir.
Ich drehte instinktiv den Kopf weg. Etwas sagte mir, dass hier irgendwas nicht stimmte. Mal wieder. Was jetzt? Aber mein Gehirn war anscheinend noch nicht wieder voll funktionsfähig, so dass ich nicht herausfinden konnte, was hier faul war.

Dad schien meine Ablehnung zu missfallen. Ich merkte das sehr schnell an dem klatschenden Geräusch und an dem brennenden Schmerz auf meiner Wange. Ich stöhnte. Woher zum Teufel wusste Dad so genau, wie man einen wehrlosen Menschen schlägt? Verdammt!

Was war hier los? Zwei kalte Finger fuhren meinen Hals entlang und machten sich an dem obersten Hemdknopf zu schaffen. Im selben Moment spürte ich, wie mein Vater sich zwischen meine Beine drängte und sie grob auseinander zog.

Wie ein Blitz zuckte die Erkenntnis durch mein Hirn und fast gleichzeitig setzte mein Verstand aus. Ich schrie und schlug meinem Vater die Faust ins Gesicht, der von meiner Abwehrreaktion überrumpelt wurde. Dann aber versetzte er mir eine noch härtere Ohrfeige als zuvor und presste mir danach die Hand auf den Mund, so dass meine Schreie zu einem unterdrückten Stöhnen wurden. Ich biss mit aller Kraft in Lionels Hand, die daraufhin zurückgezogen wurde, nur um mich erneut hart zu schlagen. Ich spürte die Schmerzen kaum, ich wollte nur eins: Weg, nur weg!

Ein Teil meines hoffentlich noch existierenden Gehirns befahl mir, logisch zu denken und nicht einfach panisch zu reagieren, aber der Rest schien sich in eine breiige Masse verwandelt zu haben, die zu keinem Gedanken mehr fähig war.

Während ich noch mit meinem Vater kämpfte, nahm der hinterste Teil meines noch existierenden Bewusstseins ein Geräusch zur Kenntnis, ein an sich unscheinbares, leises Geräusch, dass irgendwo aus Dr. Hamiltons Richtung zu kommen schien. Das irre Flackern in Lionels Augen erlosch. Das dämonische Lächeln wich purem Entsetzten. Ruckartig sprang er auf und starrte mich an. Starrte? Nein, glotzte. Panisch. Dad in Panik? Unmöglich!

„Lex?“ flüsterte er entsetzt und registrierte Sekunden später, dass er nackt war. „Was zur Hölle ist hier eigentlich los?“

Haha! Wäre ich nicht so geschockt gewesen, hätte ich bestimmt gelacht. Was hier los war? Sehr gute Frage. Würde ich auch gerne wissen. Benommen rappelte ich mich auf und griff mir stöhnend an den Kopf. Innerhalb des nächsten Tages würde sich meine Wange in ein
gelb-blau-grünes Kunstwerk verwandeln, dessen war ich mir sicher. Zitternd blieb ich stehen. Ich misstraute meinem Vater und hielt einen nicht zu geringen Sicherheitsabstand ein.

„Weißt du, Dad,“ sagte ich und hoffte, dass meine Stimme nicht zitterte, „genau dasselbe wollte ich dich auch gerade fragen.“

Da Lionel mir nicht antwortete, sondern mich nur verständnislos ansah, fuhr ich, nun schon etwas mutiger und ärgerlicher, fort: „Du wolltest mich gerade ficken, verdammt! Ist das deine neueste Art, mir zu zeigen, dass du der Herr im Haus bist?
Oder warst du nur frustriert, weil Victoria nicht mehr mit dir schlafen wollte? Was zum Teufel hast du dir dabei eigentlich gedacht? Hast du jetzt völlig den Verstand verloren?“

Den letzten Satz schrie ich beinahe und ich musste mich stark zusammennehmen, um meinem Vater nicht einfach an die Gurgel zu gehen. ‚Tu es, tu es!’ jubilierte der dunkle Teil meines Ichs, aber noch hielt ich mich zurück. Vermutlich, weil der vernünftige Lex in mir mich mit  einen ellenlangen Vortrag über die Todesstrafe in Amerika zutextete. Manchmal wünschte ich mir, dass ich diese lästigen Stimmen einfach abstellen könnte.

„Er weiß es nicht mehr, Lex.“

Ich ärgerte mich selbst darüber, dass ich erschrocken zusammenzuckte und drehte mich ruckartig zu Dr. Hamilton um, der noch immer am Boden lag.

„Was soll das heißen ‚Er weiß es nicht mehr’? Soll das ein Witz sein?“

Falls ja, dann habe ich aber schon eindeutig bessere gehört. Dr. Hamilton stemmte sich auf die Knie hoch und schüttelte den Kopf. Dann winkte er mich zu sich heran. Ich trat einige Schritte zu ihm hin und beugte mich zu ihm hinunter.

Dr. Hamilton hob mit großer Anstrengung den Kopf und sah mich an.

„Es sind die Meteoriten,“ krächzte er leise, hustete und spuckte Blut.

Meteoriten? Meine Güte, ist heute der Tag der schlechten Witze, oder was? „Sie wollen mich verarschen, oder?“

Erneut schüttelte Dr. Hamilton den Kopf. „Neues Experiment ....Zufall...Mr. Luthor...zu neugierig...“ Mehr konnte ich nicht verstehen, da Dr. Hamilton zwischendurch von neuen Hustenkrämpfen geschüttelt wurde.

„Bleiben Sie liegen, ich rufe einen Arzt,“ versuchte ich ihn zu beruhigen und dachte mir, dass der Wissenschaftler wahrscheinlich durch den Schock verrückt geworden war. Dr. Hamilton widersprach mir ausnahmsweise nicht und legte sich wieder hin. Er hielt mich aber noch zurück, als ich mich abwenden wollte.

„Nimm es mit!“ flüsterte er und hielt mir eine kleine, quadratische Bleischachtel hin. Ein Teil meines Gehirns fragte sich, seit wann Dr. Hamilton mich duzen durfte. Jedoch war ich mehr an der Schachtel interessiert, weswegen ich diese Kleinigkeit geflissentlich überhörte.

„Was ist da drin?“ wollte ich wissen und machte Anstalten, die Schachtel zu öffnen. Entsetzt zuckte ich zurück, als Dr. Hamilton mit einem lauten Schrei meine Hand wegschlug.

„Nicht!“ warnte er eindringlich. „Erst öffnen, wenn du allein bist!“

Ich wollte fragen, wieso, beschloss dann aber, dass es dringender erforderlich war, Dr. Hamilton zu einem Arzt zu fahren. Ich schob die Schachtel in die Tasche meines immer noch nassen Mantels und nahm mir fest vor, sie morgen früh zu öffnen. Ich stand auf, hielt dem Wissenschaftler meine Hand hin und zog ihn hoch.

„Ich bringe Sie zu einem Arzt,“ meinte ich beschwichtigend, doch Dr. Hamilton schüttelte den Kopf und wehrte sich gegen meinen Griff.

„Ich brauche keinen Arzt. Es sind nur ein paar Kratzer.“ Ich ignorierte ihn und zog ihn einfach wie ein kleines störrisches Kind hinter mir her. Lionel stand immer noch verloren im Raum herum und glotzte mich an wie einen Außerirdischen.

Insgeheim machte ich mir nun doch langsam Sorgen um den Geisteszustand meines Vaters. Er war zwar immer schon etwas verrückt gewesen, aber so wahnsinnig wie gerade hatte er sich noch nie benommen.

„Du fährst am besten nach Hause und ruhst dich aus,“ blaffte ich ihn an und registrierte erfreut, dass Lionel zusammenfuhr. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ ich mit
Dr. Hamilton im Schlepptau das Labor. Der Sturm tobte noch immer mit unverminderter Gewalt, so dass ich zu einer zweiten unfreiwilligen Dusche kam.
‚Ich muss den Wagen reinigen lassen’, dachte ich ärgerlich, als ich die Blutspuren bemerkte, die der Wissenschaftler auf den teuren Lederpolstern hinterließ.

„Zum Schloss,“ wies ich meinen Chauffeur an. Dr. Hamilton würde wegen der paar Minuten keine Nachteile haben. Ich würde einem meiner Angestellten befehlen, sich um den Wissenschaftler zu kümmern und dann ein heißes Bad nehmen, um einer Erkältung vorzubeugen. Ich hasse Erkältungen. dadurch werde ich immer tagelang außer Gefecht gesetzt, was ich mir in meiner Position überhaupt nicht erlauben kann.

Nach der dritten unfreiwilligen Dusche (ich hatte dem Chauffeur gesagt, es müsse nicht in die Garage fahren, sondern könne mit laufendem Motor vor dem Tor warten) war meine Laune endgültig am Nullpunkt angelangt.

„Kümmern Sie sich um den Trottel und sorgen Sie dafür, dass er nichts ausplaudert,“ schrie ich einen Angestellten an und befahl dann meinem Dienstmädchen in einem ziemlich ungnädigen Ton, dass sie ein warmes Bad einlassen solle. Nachdenklich betrachtete ich die Bleischachtel, die ich auf meinen Nachttisch gestellt hatte.

Ich wollte zu gerne wissen, was darin war, aber ich zwang mich, bis morgen zu warten. Da ich morgen vermutlich sowieso am Meeting nicht teilnehmen konnte, stellte ich meinen Wecker auf elf Uhr. Das war früh genug uns außerdem brauchte ich endlich mal wieder einen erholsamen Schlaf. Schlaf ist die beste Medizin, sagte meine Mutter immer.

Auf einen Blick in den Spiegel verzichtete ich. Morgen würde ich schon früh genug erfahren, wie mein Vater mich zugerichtet hatte. Das Bad machte mich schläfrig und kurz vor dem Einschlafen fragte ich mich, was wohl aus meinem Vater geworden war und ob er immer noch in Dr. Hamiltons Labor war.

Kurz erwog ich die Möglichkeit, ihn wegen Unzurechnungsfähigkeit aus der Firma zu jagen, aber ich war so müde, dass ich mitten in meiner schönsten Vorstellung einfach einschlief.

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Soo, das war der erste Teil. Seid so lieb und lasst mir ein Review da, dann folgt auch bald der zweite Teil ;)

Floeckchen
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