Die Ruhe vor dem Sturm

von SuE
GeschichteHumor / P18 Slash
Nathan Stark Sherrif Jack Carter
03.10.2008
02.02.2009
8
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03.10.2008 1.093
 
Das war ein einziger Alptraum!
Er lief auf und ab. Sieben Schritte, scharfe Kehrtwendung.
Nathan Stark war immer schon akkurat gewesen. Bloß schlecht, dass das in diesem Falle ganz und gar nicht half.
Bis heute morgen hatte er kein Problem gehabt. Allison hatte keine Zeit für ihn gehabt, aber das war nicht wirklich etwas, das die Welt untergehen ließ. Da war Fargo ein weit größeres Problem für diese unschuldige Welt.
Nicht mal an das Artefakt hatte er denken müssen. Nun gut, kurz hatte er überlegt, wie er geschickter an die Informationen, die in seinem Sohn schlummerten, herankommen könnte, aber das war auch nur ein sehr kurzer Moment der Überlegung, den er sich tagtäglich gestattete.
Sein jetziges Problem war viel komplizierter und um einiges ärgerlicher.
Er war gerade durch einen der Gänge von Global Dynamics gelaufen, als direkt neben seinem rechten Ohr etwas mit lautem Getöse explodiert war. Dass er sein Trommelfell mal für eine Weile vergessen konnte, war ihm sofort im nächsten Moment klar, aber dass er nicht einmal mehr einen Ton hervorbrachte, überraschte ihn dann doch. Was zur Hölle war da bitte explodiert?
Nähere Untersuchungen konnten noch nicht gemacht werden, da Explosion ein Feuer mit sich zog, das man nicht so einfach löschen konnte, aber als Nathan selbst untersucht wurde, sagte man ihm, dass irgendetwas, vermutlich eine Strahlung, seine Stimmbänder gelähmt hatte. Wenn man nicht herausfand, was das verursacht hatte, konnte man es auch nicht heilen.
Und jetzt lief der ehemalige Chef der Global Dyn in einem Krankenzimmer auf und ab und wartete auf irgendetwas. Man hatte ihm nicht wirklich konkret gesagt, auf was er warten sollte, aber er sollte warten.
Da er am heutigen Tage sowieso nichts geplant hatte, wartete er. Nicht, dass er besonders scharf darauf wäre, den ganzen Tag bei Global zu bleiben, aber je eher er seine Stimme wieder hatte, desto besser.
Und in genau diesem Moment betrat ein enthusiastischer Jack Carter das Krankenzimmer und Nathan sah sich veranlasst, die Augen zu verdrehen. Konnte dieser kompetenzlose Idiot nicht den Verkehr regeln? Carter hatte doch nicht den geringsten Schimmer, was da explodiert sein könnte und dann marschierte er hier schon wieder an. Es war doch jedes Mal dasselbe.
Dumm nur, dass er ihm heute nicht wieder mit einer treffenden Bemerkung verjagen konnte.
„Ah, Stark!“, rief Jack mit seinem üblichen Enthusiasmus in die Welt hinaus, als er Nathan erspähte. „Ich hab gehört, es hat ihnen die Sprache verschlagen.“
Der Sheriff gab sich nicht die geringste Mühe, seine Schadenfreude zu verbergen. Kein Wunder, dachte Nathan, Wo er doch sonst immer den Kürzeren zieht.
„Hören Sie nur mal, wie still es ist, wenn niemand einen verachtenden Kommentar einwirft. Hören Sie's?“, fuhr Jack fort und kam langsam näher.
„Aber deswegen bin ich gar nicht hier. Ich bin hier, weil doch heute Vormittag diese Explosion war und da muss ich ihre Zeugenaussage aufnehmen.“
Das Grinsen des Sheriffs wurde von Wort zu Wort breiter und der schale Sieg machte ihm sichtlich Spaß.
„Schade nur, dass sie gar nicht reden können, um eine Aussage zu machen.“
Carter bemühte sich um ein ernstes Stirnrunzeln, bevor sich seine Miene wieder in das jungenhafte und widerwärtigerweise attraktive Strahlen verwandelte.
Stark schnaubte und machte mit beiden Händen Bewegungen, als schriebe er etwas mit unsichtbarem Stift auf unsichtbares Papier.
„Was zu schreiben?“, fragte Carter und tastete mit weitschweifenden Bewegungen seine dünnen Taschen ab. „Tja, das tut mir Leid, aber ich hab heute nichts zum Schreiben dabei.“
Wieder strahlte er, doch Nathan gab nicht auf. Sein Handy war bei der Explosion zerstört worden, aber Carter musste seines einfach dabei haben.
Er machte Bewegungen, als tippte er eine SMS, doch Carter runzelte unwissend die Stirn. Oh, diese technische Katastrophe, die auf zwei Beinen umherwandelte. Wie konnte man mit einem solchen Intelligenzquotienten nur überleben?
Nathan schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und seufzte Tonlos. Irgendwie machte es ihm zu schaffen, nicht einen Laut hervorbringen zu können. Er schloss die Augen und atmete tief durch.
„Nathan?“
Stark riss die Augen auf und nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht, erblickte er Carter, der ihn mit merkwürdig besorgtem Gesichtsausdruck ansah. Augenblicklich wich der ehemalige Chef von Global zurück, doch die Liege, an die er sich gerade noch gelehnt hatte, behinderte seine Flucht gänzlich.
Wenn dieser Schwachkopf nicht gleich einen Schritt zurücktrat, dann-
Und da war er wieder, jener besorgte Blick, der sich bis tief ins Innerste jeder Menschenseele bohren konnte. Sogar in Nathan Starks.
„Alles in Ordnung?“
Nathan hob die Hände, als wollte er Carter abwehren, doch dabei vergaß er, dass er sich mit ihnen gerade noch aufrecht gehalten hatte und so kippte er nun recht ungeschickt aussehen nach hinten.
„Was machen Sie denn für Sachen?“, sagte Carter mit diesem offenen Lachen, dass ihn noch ein wenig doofer wirken ließ und streckte seinem Erzfeind die Rechte hin, um ihm aufzuhelfen.
Zögerlich ergriff Stark diese und ließ sich wieder auf seine zwei Beine ziehen. Dann nickte er zum Dank und atmete ein wenig auf, als der Sheriff zwei Schritte zurücktrat.
Carter sollte verdammt sein dafür, dass er so gut aussah! Kein Wunder, dass Allison ihm hinterherlief. Nathan machte ein düsteres Gesicht und gleichzeitig schlich sich der neckende Gedanke in seinen Kopf, was ihn wohl annehmen ließe, Carter sei attraktiv.
Jack derweil war vollends verwirrt von der geistigen Abwesenheit Nathans und wedelte probeweise mit der Hand vor dessen Gesicht herum. Stark sah auf und runzelte fragend die Stirn.
„Ach nichts, ich, äh...“
Mehr sagen konnte er gar nicht, denn in diesem Moment packte Nathan ihn am Kragen und zog ihn ganz nah zu sich heran. Einen Moment zögerte Stark noch, dann küsste er den Sheriff hart und verlangend.
Carter riss erstaunt die Augen auf und einen Moment bevor der Gedanke des Zurückstoßens sich in dessen Kopf durchsetzen konnte, drängte Nathan Jack gegen die nächste Wand und schob sein Knie gegen Jacks Schritt. Carter schloss die Augen und stöhnte ungehalten in den Kuss hinein.
Was tat er da eigentlich? Er küsste einen geistigen Schimpansen. Warum war Sexappeal nicht einfach vom Intelligenzquotienten abhängig?
„Nathan?!“, erklang es in dem Moment ungläubig von der Tür her. „Jack?!“
Augenblicklich beendete Stark den Kuss und als er zu dem Ungläubigen hinüber blickte, stellte sich dieser als seine Ex-Frau Allison heraus.

Mit einem leisen Ausruf der Überraschung fuhr Nathan aus dem Schlaf. Was für ein Alptraum!
Wieso zur Hölle träumte er, er habe keine Stimme mehr? Und warum hatte er ausgerechnet Carter geküsst?
Was für eine absurde nächtliche Exkursion. Die stille Wut auf Allison, weil sie ihn und den Sheriff unterbrochen hatte, vergrub er tief in seiner äußeren Gefühlskälte.
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