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Was ist Liebe?

von Antari
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
25.09.2008
19.11.2008
19
26.369
 
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25.09.2008 908
 
Hey,
Hier kommt eine neue Geschichte von mir. Ich weiß zwar ungefähr, was ich schreiben will, hab alles aber noch nicht so genau im Kopf. Für Anregungen, Kritik und sonstige Reviews bin ich immer dankbar. Und jetzt viel Spaß!
Gruß
Antari


Ein harter Tag



Katja Metz atmete tief durch und drückte auf den Klingelknopf. In Momenten wie diesen hasste sie ihren Job. Oft musste sie gewalttätige Menschen festnehmen oder mit gezückter Waffe in Angst um ihr eigenes Leben versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch das hier war schlimmer. Viel schlimmer!
Ben seufzte, als er Katja ansah. Immer war sie so beherrscht und versuchte krampfhaft ihre Gefühle zu unterdrücken. Dabei wusste er genau, was jetzt in ihr vorging.
„Soll ich das vielleicht besser alleine machen?“ fragte er vorsichtig.
„Nein!“ fuhr Katja ihn an. „Du bist für so etwas viel zu unsensibel.“
Ben zuckte mit den Schultern und verschränkte die Arme vor der Brust. Die Tür ging auf und eine Frau Anfang vierzig öffnete ihnen die Tür.
„Ja, bitte?“
„Sind Sie Frau Evers?“ fragte Katja.
„Ja, die bin ich.“
„Dürfen wir rein kommen?“
„Natürlich, bitte.“
Sie folgte der Frau ins Wohnzimmer. Dort saßen zwei kleine Jungen in einer Ecke und spielten mit Lego. Katja schluckte, doch sie musste sich jetzt zusammen reißen.
„Frau Evers, Ihr Mann hatte einen Autounfall.“ Sie zögerte.
„Oh mein Gott, was ist mit ihm?“
Katja sah zu den beiden Jungen hinüber, die jetzt aufstanden und zu ihrer Mutter gingen. Beide konnten nicht älter als sieben Jahre sein. Sieben Jahre! Katja spürte wie Tränen in ihr aufstiegen. Sie holte Luft, doch es kam kein Laut mehr über ihre Lippen. Hilfesuchend sah sie Ben an, bevor sie sich leicht abwandte, um die Gesichter der Frau und der Kinder nicht sehen zu müssen.
Ben wusste, dass er die Sache nun zu Ende bringen musste. Auch ihm fiel das nicht leicht.
Leise und vorsichtig sagte er: „Die Ärzte konnten leider nichts mehr für ihren Mann tun. Er ist noch an der Unfallstelle gestorben.“
Die Frau sackte in sich zusammen und murmelte verzweifelt: „Aber das kann doch nicht sein. Das darf nicht sein. Die Kinder sind doch noch so klein.“
Nachdem Ben kurz geschildert hatte was geschehen war und sichergestellt war, dass sich jemand um Frau Evers und ihre Kinder kümmern würde, verließen sie die Wohnung. Draußen konnte Katja es nicht verhindern, dass ihr eine Träne die Wange hin unter lief. Es erinnerte sie alles an ihre eigene Kindheit, als sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters erhalten hatte. Die beiden Jungen mussten nun ohne Vater aufwachsen, so wie sie. Hastig wischte sie die Träne weg, doch Ben hatte sie schon bemerkt.
„Hey, komm mal her.“ Er wollte sie in den Arm nehmen, doch sie stieß ihn weg.
„Lass mich bloß in Ruhe.“ Sie drehte sich um und eilte zum Wagen.
‚Das kann ja heiter werden’, dachte Ben und folgte ihr.

Auf der Fahrt zum Revier schwiegen sie. Katja schämte sich. Sie war so unprofessionell gewesen, hatte sich von ihren Gefühlen überrollen lassen. Ben dagegen war so ruhig geblieben, hatte sich nichts anmerken lassen, obwohl es für ihn sicher auch schwer gewesen war. Doch sie hatte Schwäche gezeigt. Das hätte nicht passieren dürfen! Ben durfte diese Seite an ihr nicht kennen, er würde sie nie mehr ernst nehmen. Es gab nur eine Möglichkeit, wie sie ihre Selbstachtung wieder erlangen konnte.

„Dirk, ich will einen anderen Partner!“ Katja war in Dirks Büro geplatzt und baute sich nun vor seinem Schreibtisch auf.
„Schon wieder?“ fragte Dirk ohne von seinen Akten aufzusehen.
„Ja. Ich kann mit Ben einfach nicht mehr arbeiten.“
Jetzt sah Dirk Katja an. „Mensch Katja, du und Ben ihr seid ein gutes Team, wahrscheinlich ein viel besseres als ihr beide es euch eingestehen wollt. Und ich werde euch nicht wegen irgend so einer Kleinigkeit wieder trennen. Da müsst ihr jetzt einfach mal mit klar kommen.“
„Aber…“
„Nix aber. Ihr macht jetzt Feierabend und schlaft euch mal ordentlich aus. Der Tag war lang genug. Ab mit euch.“
Katja verließ ohne ein Wort das Büro. So ein Mist! Das Blöde war, dass sie Ben jetzt nicht mal aus dem Weg gehen konnte, denn schließlich wohnte er zurzeit bei ihr.
Ben saß am Schreibtisch und ging noch einige Akten durch, als Katja zu ihm trat. Sie trug schon ihre Zivilkleidung.
„Ben, wir können Feierabend machen, hat Dirk gesagt.“
Ben sah auf. ‚Obwohl sie so fertig ist, sieht sie mal wieder toll aus’ dachte er.
„OK, ich zieh mich nur noch schnell um, dann können wir fahren.“
Er stand auf und wollte links an ihr vorbei gehen, doch in dem Moment machte Katja einen Schritt in dieselbe Richtung, so dass sie dicht vor einander standen. Sie sah auf in sein Gesicht, obwohl sie es eigentlich gar nicht wollte. Er lächelte sie leicht an und eine Weile sahen sie sich in die Augen. Ben fühlte wie sein Herz schneller schlug. Warum eigentlich? War er noch so aufgewühlt von dem ereignisreichen Tag? Etwas verwirrt griff er mit beiden Händen nach Katjas Schultern, schob sie vorsichtig ein Stück zur Seite und ging dann an ihr vorbei zum Aufenthaltsraum.
Auch Katja wusste nicht so recht, was da gerade mit ihr geschehen war. Eigentlich war sie müde und erschöpft, doch als Ben ihr so in die Augen geschaut hatte, war sie plötzlich hellwach und aufgeregt gewesen. War es, weil sie wieder einen seiner blöden Sprüche befürchtete? Nein, das war nicht der Grund gewesen. Aber was war es dann?
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