9.Lahmer Glorfindel

GeschichteAllgemein / P6
Erestor Glorfindel
19.09.2008
19.09.2008
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23.08.2008

Für meine Berliner Verwandtschaft ist meine erzgebirgische Heimat die Hölle – zumindest, wenn’s ums Spazieren geht. Was für uns hier normal ist, wirkt für sie wie ein Trip ins Hochgebirge.
Nach unserer üblichen „Abendrunde“ zum Wassertretbecken, ernannten dann meine Tante und meine Cousine eine Fußgängertreppe mit knapp 100 Stufen zur „Treppe des Schreckens“.

Wer mich kennt, weiß, dass ich daraus natürlich sofort etwas „basteln“ muss…

Disclaimer: Kein Elb gehört mir, auch Bruchtal leider nicht. Aber schön wäre es natürlich… in einem solchen Haus wohnen, viele Bedienste (Dobby =)) zu haben (nicht, Marúhl?), aber leider ist alles geistiges (und, wer weiß, vielleicht auch materielles) Eigentum JRR Tolkiens.

A/N: Die „Treppe des Schreckens“ ist ein eingetragenes Markenzeichen des Bauamtes der Stadt… nee, Spaß beiseite, sie gehört jedenfalls nicht mir und sogar der Name, angelehnt natürlich an Harry Potter und die Kammer des Schreckens, ist nicht auf meinem Mist gewachsen (s.o.). Wozu Verwandte alles gut sind… Vielen Dank dafür.
Widmung: In diesem Fall, welche Frage, meiner großartigen Familie…

Außerdem an dieser Stelle noch einen schönen Gruß an Marúhl. Ich hoffe, du hast Spaß in Berlin.

Und für alle, die Puigiell noch nicht kennen: das ist Glorfindels Zimmermädchen.


LAHMER GLORFINDEL


Oder:


Die Treppe des Schreckens



Ein herrlicher Tag neigte sich dem Ende und feierte seinen Abschied mit einem grandiosen Sonnenuntergang. In einem Feuerwerk aus Farben versank die Sonne im Westen. Viele Bewohner Imladris´ sahen auf ihren abendlichen Wegen kurz aus den Fenstern und seufzten ergriffen. Und einige, die Zeit genug hatten, innezuhalten und den Himmel ein wenig länger zu bewundern, wären, wenn sie nach unten in den Hof geschaut hätten, in den Genuss eines noch viel größeren Schauspiels gekommen.

Aber lasst mich von Anfang an erzählen, wie alles kam.

Es war an einem Tag im Spätsommer, genau einen Tag vor dem bereits erwähnten, als Glorfindel, ehemaliger Herr des Hauses der Goldenen Blume von Gondolin und jetziger oberster Krieger von Imladris, die Idee kam, dass es doch mal ganz nett wäre, wenn er seine Gardinen waschen würde. Schließlich war schönes Wetter, die Sonne schien, so würden die Vorhänge schnell wieder trocken und außerdem hatten sie es wirklich nötig. Und Glorfindel, wie er nun einmal ist, ließ sich von nichts und niemanden wieder von dieser Idee abbringen. Also nahm das Unheil seinen Lauf…

Dabei hatten ihn aber auch alle gewarnt. Elrond, der, wohl in Angst um seine Einrichtung, fürchtete, Glorfindel würde nicht nur seine Vorhänge, sondern gleich die Gardinenstangen mit herunterreißen. Puigiell, sein Zimmermädchen, war sowieso der Meinung, Glorfindel solle sich lieber nicht an Haushaltsaufgaben machen; sie hatte aus der Vergangenheit gelernt. Und Erestor war sowieso grundsätzlich gegen alles, was Glorfindel machen wollte (Warum wohl?!=)). Die Zwillinge hatten sich ihren Stimmen enthalten, schließlich waren Glorfindels „Ideen“ immer sehr unterhaltsam und lenkten – leider meistens nur kurzzeitig – von ihrem eigenen Unfug ab.

Im Nachhinein also, hätten sie es alle wissen müssen, doch keiner von ihnen hatte auch nur geahnt, wie schlimm es am Ende kommen würde.

Und nein, die Gardinenstangen hängen noch, sollte jetzt einer fragen. Und die Vorhänge wurden – Tatsache! – gewaschen. Und glaubt es oder nicht, sie hängen sogar wieder: sauber und glatt gebügelt (Puigiells Verdienst). Was hatten sie sich für Szenarien ausgemalt, eines schlimmer als das andere und doch war keines eingetroffen. Denn sie alle hatten in ihrer Angst um Wände, Gardinenstangen und Leitern eines vergessen: Glorfindel selbst.

Dabei war Glorfindel wirklich der einzige, dem es zuzutrauen wäre, die zwei Stufen der Leiter herunterzufallen* und sich bei diesem Sturz aus Kniehöhe auch noch schwer zu verletzten. Denn genau das war passiert. Wie genau es abgelaufen war, wussten die Valar allein (und die würden diesen Wissen bestimmt nicht teilen), denn Glorfindel, Elrond fand ihn einige Zeit später bewusstlos am Boden, wusste nur noch, wie er auf die Leiter gestiegen war. An das Wieder-Herunter-Kommen hatte er keinerlei Erinnerung mehr.

Es war aber in dem Augenblick auch egal. Was zählte war, dass Glorfindel am Boden lag und sich jammernd Kopf und Fuß hielt, wobei letzterer schon begann anzuschwellen und interessante Farben anzunehmen.

Doch Elrond ist nicht nur Fürst, sondern auch ein exzellenter Heiler, ein Griff genügte und er stellte erleichtert fest, dass der Fuß immerhin nicht gebrochen war. Böse verstaucht, ja, aber eben doch keine lebensgefährliche Verletzung. Und so verschrieb er Glorfindel nur etwas zum Einreiben und schickte ihn zurück an die Arbeit. Und kein Betteln und Jammern [half Glorfindel], ihn umzustimmen. Wegen eines verstauchten Fußes wurde man doch nicht krankgeschrieben! Und überhaupt, alle hatten ihn gewarnt, aber er hatte ja nicht hören wollen. Strafe musste schließlich sein.

Da konnte er murren  wie er wollte, es gab keinen Ausweg: Glorfindel musste sich wohl oder übel auf die Trainingsplätze und in die Ställe quälen. Und so war er auch am nächsten Morgen mit leidendem Gesichtsausdruck zu Asfaloth gehumpelt. Zum Glück standen nur Grenzinspektionen an. Den ganzen Tag hatte er auf dem Pferderücken sitzen können, doch als es Abend wurde und Glorfindel zurück kehrte, sah er sich einem unlösbaren Problem gegenüber: die Haupttreppe. Diese 326 Stufen, die sich im imposant vom Hof hinauf zum Haus wanden. Schmale, hohe Stiegen, in den Stein gehauen.

Ja, für Besucher gab es nichts eindruckvolleres, als am Fuße dieser Treppe zustehen und hinauf zum hohen Torbogen zu sehen, unter dem zumeist einige wichtige Elben sie erwarteten.

Auch an diesem Tag stand dort ein Elb: Erestor, der Oberste Ratsherr von Imladris, in einer langen schwarzen Robe. Mit im Wind wehenden Haaren, stand er im Eingangsportal und genoss den grandiosen Sonnenuntergang. Und Glorfindel am Fuße der Treppe, den verletzen Fuß entlastend, sah zu ihm hoch, sah das feine Lächeln auf dem Gesicht dessen, der da oben wie die Inkarnation der Demütigung thronte. Und er wusste: das würde ein langer Aufstieg werden.

Vielleicht hätte er ja doch auf die anderen hören sollen; all die anderen, die ihm hatten einreden wollen, dass Gardinenwaschen nicht unbedingt zu seinen besten Ideen gehörte, eben all jene, die ihm ständig sagten, wie viel klüger sie doch waren als er. Und vielleicht… vielleicht war da doch ein Fünkchen Wahrheit dran.

Aber hinterher ist man schließlich immer schlauer.

Und so musste sich der große Krieger die 326 Stufen hinaufkämpfen (und hätte man ihn gefragt, so wäre er wohl viel lieber noch einmal gegen einen Balrog angetreten, als das zu tun). Immer schön unter dem wachsamen Blick Erestors, der sich spätestens ab Stufe 98 nicht mehr die Mühe machte, seine Erheiterung zu verbergen. Immerhin gab der Oberste Ratsherr Glorfindel helfend die Hand, als er auf Stufe 324 stand, und stütze ihn die letzten zwei Stufen. Er begleitet den erschöpften Krieger sogar bis zu seinen Räumen und verbiss sich sogar jeden Kommentar.

Später, als die Sonne längst untergegangen war und Tausende von Sternen den Himmel über Imladris erleuchteten, als die meisten der Bewohner Bruchtals längst zu Bett gegangen waren, (auch Glorfindel schlummerte schon selig), saß noch ein Elb an seinem Schreibtisch. Und nur der Mond, der durch die Spitzbogenfenster schien, war Zeuge, als Erestor ò Imladris den Flaschenzug** erfand und Glorfindel nie wieder mit einem verletzten Fuß die Treppe heraufsteigen musste.

Manch schmerzhafte Erfahrungen lohnen sich eben doch.


Ende.



* danke für die Vorschläge, was man Glorfindel alles antun könnte, Marúhl! Du siehst, immerhin von der Leiter gefallen, wenn auch nicht beim Tapezieren. Aber das ist ja schon alt.
** Eigentlich wollte ich Erestor ja den elbischen Fahrstuhl erfinden lassen, aber das war mir dann doch etwas ZU unrealistisch. Das macht er dann ein paar Zeitalter später in Valinor, damit die Valar nicht immer rauflaufen müssen auf den Taniquetil.
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