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Untold

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Baal Feena Justin Leen Mullen
17.09.2008
23.03.2010
3
6.363
 
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17.09.2008 3.289
 
„Nein.“
„Warum nicht? Es wird dir Spaß machen!“
„Ich sagte nein.“
„Stell dich nicht so an. Du wirst sehen, wenn du erst einmal da bist, willst du nie wieder weg!“
Mullen seufzte. Fjun konnte wirklich anstrengend sein. Sobald er eine Idee hatte, ließ er nicht mehr so leicht locker. Elis war da viel umgänglicher. Er hatte nichts gegen seine beiden Zimmerkameraden. Wirklich nicht. Er verstand sich sogar sehr gut mit ihnen.
„Pass auf: schau es dir wenigstens einmal an. Das kann doch nicht zu viel verlangt sein.“
Meistens zumindest.
„Ich sage es dir zum letzte mal: ich habe einen Auftrag hier, und nicht Ausgang, so wie ihr beide. Ihr könnt euch gerne... amüsieren gehen, wie du es nennst, aber ohne mich.“
Das war doch nun hoffentlich deutlich genug.
„Du bist nur gebeten worden, den Umschlag heute abzugeben. Niemand hat verlangt, dass du es sofort tun... - Okay, okay, ich bin schon still.“
Der Schwarzhaarige hob abwehrend die Hände, als Mullen ihm einen finsteren Blick zu warf.
„Du hättest wissen müssen, das Mullen nicht mitkommen würde, Fjun. Im Gegensatz zu dir ist er sehr diszipliniert.“
Dieser Kommentar kam von Elis. Er ging auf Fjuns anderer Seite und seine roten Haare bildeten einen auffälligen Kontrast zu seiner Uniform. Er redete nicht besonders viel, aber die kleinen Provokationen gegen Fjun gehörten zur Tagesordnung, wie Mullen sehr bald festgestellt hatte. Ebenso wie die Tatsache, das Elis es nicht böse meinte und Fjun trotzdem jedes mal an die Decke ging.
„Was soll das nun wieder heißen?“ kam prompt die Antwort. Fjun hatte angebissen. Ein Lächeln huschte über Mullens Lippen. Elis half ihm, das leidige Thema des Nachtclubs ganz abzutun, das Fjun unerwartet angesprochen hatte.
Vielleicht konnte er nun endlich seinen Auftrag erfüllen, immerhin war er nicht zu seinem Vergnügen auf dem Weg nach Neu Parm. Doch er musste schnell feststellen, das er sich zu früh gefreut hatte, den kaum hatten sie das Stadttor passiert, brach Fjun die Neckereien mit Elis ab und wand sich wieder dem Blonden zu.
„Gut, der Nachtclub war vielleicht der falsche Ort für dich, aber ich mein es ja nur gut mit dir. Weist du doch, oder? Du musst mal unter Leute kommen! Ein Mädchen an deiner Seite würde dir gut tun, glaub mir! Du nimmst einfach alles zu ernst.“
Mullen antwortete nicht darauf. Warum fing Fjun immer und immer wieder damit an? Er wollte nicht. Schluss. Das hatte sein Kamerad zu akzeptieren.
Seid der Dunkelhaarige erfahren hatte, das Mullen keine Beziehung führte, hatte er wiederholt seine Hilfe als 'Frauenversteher' angeboten.
Das Mullen jedes Mal ablehnte schien ihn nicht zu stören.
Und er fragte auch nicht nach dem Grund für Mullens Desinteresse, obwohl dieser einiges zu dem Thema hätte sagen können, wenn er gewollte hätte.
Aber er wollte nicht.
Erst recht nicht, seid er die Aufzeichnungen seiner Mutter gelesen hatte. Neben all ihrem Wissen das sie in ihrer Kultur erworben hatte, hatte sie auch ihre eigene Geschichte aufgeschrieben.
Und damit hatte Sie das bestätigt, was er ohnehin schon geahnt hatte.
'Menschen verbinden sich, weil sie Vorteile daraus ziehen. Die Natur hat uns die Regeln vorgegeben und die Menschen halten sich daran, ebenso wie die Tiere und alle anderen lebenden Geschöpfe.'
Als Fjun erkannte, das er keine Antwort erhalten würde, seufzte er.
„Wirklich Mullen. Du solltest mal mit offenen Augen durch die Welt gehen! Es gibt so viele schöne Frauen da draußen!“
Fast hätte der Angesprochene den Kopf geschüttelt. Hatte er das je abgestritten? Aber das änderte nichts daran, der er keine Beziehung wollte. Sein Vater hatte seine Mutter geheiratet, weil er an die Geheimnisse ihre Volkes kommen wollte, seine Mutter war darauf eingegangen um ihren Heimatort verlassen zu können. Fjun flirtete gerne mit hübschen Frauen, weil er an das „Romantische danach“ dachte, wie er es einmal bezeichnet hatte. Er selbst hatte auch schon erlebt wie Frauen ebenso wie Männer sich mit jemandem in einer höheren Position zusammengetan hatten, um selbst weiter zu kommen. Manche Paare heirateten, um sich gegenseitig im Leben zu unterstützen. Wieder andere Ehen wurden aus Finanziellen Gründen geschlossen. -Oder gelöst. Und wieder andere heirateten, weil sie in einander die schönen Dinge sahen und es reizvoll war, eben diesen schönen Menschen als SEINEN Partner bezeichnen zu können, das alleinige Recht auf ihn zu haben.
Das war die Liebe. Das, und nichts anderes. Und der Blonde hatte keinerlei Bedarf dafür.
Am Rande seines Bewusstseins merkte Mullen mit einem mal, das Fjun immer noch erzählte und das er selbst mit seinen Gedanken abgeschweift war. Er begann wieder zuzuhören.
„...jemanden wie dich!“, sagte der Dunkelhaarige gerade. Bevor Mullen nachfragen konnte, was gesagt worden war sprach Fjun weiter.
„Ich sage dir Mullen, wenn du nur mal Einer die Chance geben würdest! Du würdest es nicht bereuen! Das Glück ist unterwegs, mein Freund. Ich wette, wenn du nur hinsiehst, triffst du schon hinter der nächsten Ecke die Liebe deines Lebens! Nein, ich weiß es!“
Da Fjun, um seine Worte zu unterstreichen bedeutungsvoll auf die nächste Häuserecke deutete, wanden Mullen und Elis den Kopf und sahen hinüber.
Kurz bevor sie an besagter Ecke vorbei kamen, rannte plötzlich ein kleines Mädchen von vielleicht sieben Jahren um diese herum und stieß mit Mullen zusammen.
„Uff!“, machte das Mädchen und taumelte zurück. Dann sah sie hoch, in die Augen des Blonden, der überrascht stehen geblieben war.
„Tut mir leid, das ich sie an gerempelt habe“, meinte die Kleine entschuldigend, ehe sie weiter lief. Mullen sah ihr einen Moment hinterher, ehe er sich langsam mit einem spöttischen Ausdruck auf dem Gesicht zu Fjun umdrehte.
„Die Liebe meines Lebens, ja?“
Elis brach in Gelächter aus während Fjun grinsend mit den Schultern zuckte.
„Wie auch immer...“, begann der Dunkelhaarige erneut und legte Mullen eine Hand auf die Schulter.
„Denk einfach mal darüber nach. Solltest du je irgendwelche Fragen in der Richtung an mich haben, ich hör dir zu.“
Mullen nickte. Er würde nicht darauf zurückkommen, aber es abzulehnen wäre unhöflich. Fjun schien nicht mehr erwartet zu haben, denn er verkündete gut gelaunt, das er nun seinen freien Tag genießen wollte. Er und Elis verabschiedeten sich und schlugen eine andere Richtung ein.
Mullen lächelte. Jetzt konnte er endlich seine Aufgabe erfüllen. Er musste nur noch das Haus des Kapitän finden. Das sollte kein allzu großes Problem sein.


Dreißig Minuten später sah Mullen sich gezwungen zuzugeben, das es sehr wohl ein Problem war. Er kannte sich in Neu Parm nicht aus, und die Stadt war für sein Empfinden eindeutig zu unsortiert angelegt. Kein Vergleich zu der logischen Aufteilung in einem Militärstützpunkt. Die Stadtbewohner konnten mit der Dienstnummer des Kapitän nichts anfangen und ebenso wenig mit dem Namen. Viele Bekannte schien er nicht zu haben.
Weitere fünfzehn Minuten später lehnte der Blonde sich ratlos an einen Baum. Er musste nachdenken.
„Du~hu?“
Irritiert sah er neben sich.
'Ein Kind? Moment, ist das nicht das Mädchen von vorhin?'
Sie stand neben ihm betrachtete ihn mit einem Ausdruck in den Augen, den der Blonde nicht ganz zuzuordnen wusste.
„Du siehst aus, als hättest du dich verlaufen.“
Mullen grinste schief. War das so offensichtlich?
„Soll ich dir helfen?“
„Ich suche das Haus von Kapitän Jonef“, begann Mullen nach einem kuren Moment des Zögerns. Was hatte er schon zu verlieren?
„Ah, das kenne ich“, antwortete das Mädchen lächelnd. Erleichtert atmete der junge Soldat aus. Endlich etwas Glück an diesem Tag.
„Kannst du mich hinbringen?“
„Wenn ich das mache, spielst du dann mit mir?“
Verdutzt sah der Blonde zurück. Das hatte er jetzt nicht erwartet.
„Spielen?“, wiederholte er. Vielleicht hatte er sich ja verhört? Doch das Mädchen nickte.
„Meine Schwester hat keine Zeit“, fügte sie noch hinzu.
„Haben dir deine Eltern nicht gesagt, das du nicht mit Fremden spielen sollst?“
Dieses mal schüttelte sie nur den Kopf.
„Hätten sie aber tun sollen...“, murmelte Mullen. Das war ja fast schon Erpressung! Aber hatte er eine Wahl?
„Nun?“ Die Kleine blickte interessiert zu ihm hoch.
„Also gut, Einverstanden.“
Das hätte er sich auch nicht träumen lassen. Er würde heute mit einem Kind spielen. Noch dazu mit einem kleinen Mädchen. Wenn er das gewusst hätte... Ein Jubelschrei unterbrach seine Gedanken.
„Oh, das ist wirklich lieb! Komm mit, ich bring dich gleich hin!“
Sofort nahm sie Mullens Hand und zog den überraschten Soldaten hinter sich her. Zielsicher führte sie den Blonden durch mehrere Straßen. Viele Leute betrachteten das eigentümliche Bild. Einige lachten sogar. Mullen war erleichtert als das Mädchen schließlich vor einem alt wirkenden, grün-grauen Haus stehen blieb und ihn los ließ.
„Bitte sehr.“
Der Blonde betrachtete erst das Gebäude skeptisch dann seine kleine Führerin, aber sie schien sich sicher zu sein. Also schritt er zur Tür und klopfte an. Eine junge Frau öffnete. Unwillkürlich dachte Mullen daran, das sie eine ähnliche Ausstrahlung besaß wie jene Frauen die Fjun bevorzugt zu einem Kaffee einlud.
„Sie wünschen? Oh! Diese Uniform... Sie sind sicher vom Militär.“
Prüfend wurde Mullen gemustert.
„Ja, bin ich. Ich möchte zu Kapitän Jonef. Das hier ist doch sein Haus?“
Einen Moment lang zweifelte Mullen noch, doch die Frau nickte.
„Natürlich ist es das. Ich bin seine Frau, Suann. Mein Mann ist gerade nicht da, wissen sie? Ich bin ganz allein zu Hause. Ach ja, er geht immer um diese Zeit weg und kommt erst Stunden später zurück.“
'Warum erzählt sie mir das?', wunderte sich Mullen, während er bereits den Umschlag aus der Tasche holte. Zumindest war er hier richtig.
„Hier, ich bin gebeten worden, diese Unterlagen bei ihm abzugeben, gute Frau.“
„Oh ja, aber es dauert gewiss, bis er zurück kommt. Ach ja, wie immer. Er ist so selten da. Bitte, kommen sie doch rein. Ich mache ihnen einen Tee, während sie warten. Das sie genau dann kommen, wenn er nicht da ist...Und dabei haben sie doch den ganzen Weg auf sich genommen! Aber treten sie nur ein. Es stört mich nicht, wenn sie hier warten. Wirklich nicht. Nicht im geringsten. Wissen sie, im Gegenteil: Ich würde mich sehr freuen.“
Suann machte eine einladende Geste mit der Hand. Einen Moment überlegte der junge Soldat, der Bitte nachzukommen, und hier auf den Kapitän zu warten. Aber zum einen hatte das geklungen, als würde es ziemlich lange dauern. Und all die Zeit in der Gesellschaft von dieser geschwätzigen Dame? Besten Dank! Und zum anderen...
Er hatte dem Mädchen ein Versprechen gegeben und er wollte nicht wortbrüchig werden, auch wenn er keine Lust hatte. Also lehnte er die Einladung höflich ab. Die Frau wirkte sichtlich enttäuscht, als Mullen ihr den Umschlag aushändigte und sich verabschiedete.
Der Blonde trat zurück zu dem Mädchen, das ihn lächelnd erwartete.
„Da bin ich. Und? Was möchtest du spielen?“
'Bitte, lass es nicht Vater-Mutter-Kind sein!', flehte er innerlich.
„Wie wäre es mit Verstecken?“, schlug das Mädchen vor.
'Großartig', dachte Mullen sarkastisch, aber er nickte.


Ein Kichern.
„Gefunden!“
Mullen seufzte. Das Mädchen kannte sich hier aus, es war also kein Wunder, das sie ihn immer wieder innerhalb kürzester Zeit aufspürte. Aber sie verlor nicht die Lust daran, wie er gehofft hatte, ganz im Gegenteil.
Wie lange ging das Spiel nun bereits? Es kam ihm wie eine halbe Ewigkeit vor. Musste ihr nicht bald langweilig werden? Sie hatten sicher schon fast jede Straße in der Stadt mehrfach passiert.
„Du bist dran mit suchen“, sagte sie nun und grinste. „Du bist wohl nicht so gut im Verstecken, hm?“
„Wohl nicht“, gab der Blonde genervt zurück. Jetzt wurden auch noch seine Fähigkeiten kritisiert, na wunderbar! Gut, Versteck spielen war nicht unbedingt etwas, das er können musste aber hier ging es um's Prinzip!
„Macht es dir keinen Spaß?“
Den traurigen Unterton in der Stimme der Jüngeren ignorierend zuckte Mullen mit den Schultern.
„Nicht wirklich“, antwortete er ehrlich.
Daraufhin ließ die Kleine den Kopf hängen. Bevor dies jedoch ein schlechtes Gewissen in dem Blonden wachrufen konnte, lächelte sie wieder.
„Dann hören wir auf. Ich hab mich jedenfalls gefreut, das du mit mir gespielt hast.“
„Es war Teil unserer Abmachung.“
„Abmachung?“ Überraschung schwang in der Stimme mit.
„Du führst mich zu dem Haus, wenn ich dafür mit dir spiele. So war es ausgemacht.“
„Ah“ Das Mädchen lachte. „Ich hätte dich auch zu dem Haus gebracht, wenn du nicht mit mir gespielt hättest.“
Nun war es an Mullen überrascht zu sein.
„Aber du hast doch gesagt...“
„Ich habe lediglich gefragt, ob du dann mit mir spielst. Ich hab nie gesagt, das ich dich nur dann hinbringe. Mach's gut!“
Das Mädchen winkte ihm noch einmal zu und lief davon. Mullen sah ihr sprachlos hinterher.
„Sie hat mich reingelegt...“ murmelte er nach einer Weile. Dann schüttelte er lachend den Kopf. Ausgerechnet ein Kind schaffte es, ihn zu überlisten!
Eigentlich sollte er sich ärgern, so getäuscht worden zu sein, aber irgendwie fand er es nur amüsant. Man sollte besser Niemanden nur seines Aussehens wegen unterschätzen, das Mädchen war schlau, obwohl sie noch sehr jung war.
Von einer Sekunde zur Anderen hatte sich seine Laune wieder gebessert.
'Ein interessantes Mädchen', dachte Mullen lächelnd, während er einen Gasthof betrat. In all dem Durcheinander heute war er noch nicht zum essen gekommen, das würde er jetzt nachholen.


Einige Zeit später stand der junge Soldat wieder auf den Straßen. Ein rascher Blick zum Himmel verriet ihm, das es bereits reichlich spät geworden war. Er sollte sich besser langsam auf den Rückweg machen wenn er sich keinen Ärger einholen wollte.
Zielstrebig begab sich Mullen zum Ausgang von Neu Parm. Das Versteckspiel hatte ihm zumindest in Sofern geholfen, das er sich nun etwas besser in der Stadt aus kannte.
'Wozu so ein eigentlich recht Sinnloser Zeitvertreib alles gut sein kann', überlege Mullen schmunzelnd, wurde dann aber durch lautes Kindergebrüll in seinen Gedanken unterbrochen. Darauf geschult, bei plötzlichen Veränderungen in der Umgebung sofort nach der Ursache zu suchen drehte Mullen sich um und erkannte nicht weit entfernt eine kleine Gruppe von Jungen im Alter von etwa acht bis zehn Jahren die offenbar um etwas herum standen. Und bei näherem Hinsehen...
„Das ist ja schon wieder dieses Mädchen!“
Einer der Jungen holte etwas hervor und auch von Weitem erkannte Mullen das die Kleine große Augen bekam, zurückwich. Ein weiterer Junge schubste sie unsanft in die Mitte zurück. Erneut versuchte das Mädchen dem Kreis zu entrinnen und wieder wurde sie zurückgestoßen.
Mullen hatte genug gesehen. Schnellen Schrittes näherte er sich der Gruppe von Kindern und ergriff kurzerhand den Arm eines der größeren Jungen als dieser gerade in Begriff war das Mädchen erneut in die Mitte zu stoßen.
Erschrocken sah der Junge auf, ebenso seine Freunde. Das Mädchen hingegen lächelte erleichtert. Mullen warf ihr einen flüchtigen Blick zu, sah dann jedoch zu dem Jungen den er noch immer fest hielt.
„Vier gegen einen...was für eine feige Taktik.“ Er ließ los.
Hastig suchten die Jungen das Weite. Dankbar lächelte die Kleine ihren Retter an.
„Alles in Ordnung?“, erkundigte sich besagter Retter nun und musterte seine Gesprächspartnerin.
„Ja, mir geht's gut.“
„Gab es einen Grund dafür, das dich diese Jungen geärgert haben?“
Das Mädchen zuckte mit den Schultern. „Das machen sie immer, wenn meine Schwester nicht dabei ist.“
„Warum wehrst du dich nicht?“ Eigentlich ging ihn das ganze ja nichts an, aber es störte ihn das ein offenbar recht aufgewecktes Mädchen regelmäßig von einer Gruppe Älterer belästigt wurde.
Das Mädchen sah ihn mit großen Augen an.
„Aber...Sie haben doch eine Kröte!“
„Eine Kröte“, wiederholte Mullen, der mit dieser Antwort nicht viel Anfangen konnte. Das Mädchen nickte heftig. Mullen runzelte die Stirn. Musste er das verstehen?
„Du wehrst dich nicht, weil sie eine Kröte haben?“
„Die ist dick! Und groß!“ Das Mädchen machte eine Geste mit den Händen die wohl die Größe veranschaulichen sollte.
Viel schlauer kam der junge Soldat sich jetzt auch nicht vor und beschloss daher nicht weiter darauf einzugehen.
„Kröte oder nicht...wenn du dich nicht wehrst, werden sie dich nicht in Ruhe lassen.“
Daraufhin ließ das Mädchen den Kopf hängen.
Mullen ließ sich auf ein Knie sinken um mit der Kleinen auf Augenhöhe zu sein. Gleichzeitig legte er ihr beide Hände auf die Schultern. Er konnte sich dunkel erinnern das seine Mutter dies getan hatte wenn es ihm nicht gut ging, vielleicht half es hier ja auch.
„Pass mal auf. Du bist doch ein schlaues Mädchen, darum verrate ich dir jetzt mal was.“ Neugierige blaue Augen musterten ihn. „Die vier haben eigentlich ziemlich viel Angst vor dir.“
Ungläubig sah das Mädchen ihn an.
„Das glaub ich nicht.“
„Sie werden es vielleicht nicht zugeben, aber es stimmt. Sie trauen sich nicht alleine, darum müssen sie gleich zu viert kommen. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn du sie einzeln antriffst und ihnen deutlich sagst, das du dir so etwas nicht mehr gefallen lässt, das sie ganz schnell weglaufen. So wie eben, als ich gekommen bin.“
„Meinst du?“ Die Kleine legte den Kopf schief und schien zu überlegen. Unwillkürlich musste Mullen lächeln.
„Bestimmt.“
Nun lächelte auch das Mädchen wieder.
„Okay.“
„Und wenn sie dich dann immer noch ärgern, kannst du ihnen sagen das ich sie mir alle vorknöpfen werde wenn ich das nächste Mal in Neu Parm bin.“
„Ehrlich? Warum?“
Die Frage erwischte Mullen unvorbereitet. Warum bot er diesem Mädchen seine Hilfe an obwohl er sie gerade mal ein paar Stunden kannte? Doch dann hatte er die Antwort.
„Ich bin ein Soldat. Und Soldaten sind dazu da, Andere zu beschützen.“
Er war schließlich nicht nur seinem Vater zuliebe der Garlyle Armee beigetreten.
Diese Aussage rief ein weiteres Lächeln der Jüngeren hervor.
„Schwester!“
Sowohl Mullen als auch das Mädchen drehten sich um. Unweit von ihnen entfernt stand ein weiteres Mädchen, etwa im gleichen Alter wie die jüngste Bekanntschaft des Blonden zu sein.
„Ah! Da ist meine Schwester. Ich muss los. Mach's gut und vielen Dank!“
Mit diesen Worten lief die Kleine los. Bei ihrer Schwester angekommen drehte sie sich noch einmal um und winkte.
Mullen stand auf und nickte den Beiden zu. Dann wand er sich ab und machte sich wieder auf den Weg zum Standtor. Lange Abschiede lagen ihm nicht.
'Hoffentlich kommt sie klar. Vielleicht kann ihre Schwester ihr ja auch helfen.'
„Mullen? Was machst du denn noch hier?“
Überrascht sah der Blonde auf und entdeckte Elis und Fjun, die offenbar ebenfalls gerade die Stadt verlassen wollten. War er wirklich so lange hier geblieben?
„Schau mal einer an. Ich hätte nicht gedacht, das wir dich hier noch antreffen.“ Fjun grinste. „Ich hätte gewettet du erledigst deinen Auftrag und gehst dann sofort zurück. Was hast du denn die ganze Zeit über gemacht?“
Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Blonden.
„Ich habe den Nachmittag mit einer sehr interessanten, jungen Dame verbracht.“
Die Fassungslosen Gesichtsausdrücke von Fjun und Elis würde er sicher nicht so schnell vergessen.


Gleichzeitig machten sich auch die beiden Schwestern auf den Weg nach Haus, redeten dabei miteinander.
„Du hast wirklich was verpasst. Ich hab mir die große Wiese angesehen. Da waren heute so viele Blumen! So viele hab ich noch nie auf einmal gesehen! Wir müssen da unbedingt zusammen hin! Da fällt mir ein...warum wolltest du eigentlich das ich heute ohne dich spiele?“
„Na ja...ich hab vorhin diesen Soldaten gesehen, der eben bei mir war. Und er wirkte irgendwie so allein. Wir sind ja eigentlich immer zusammen. Und da hat er mir halt leid getan. Ich dachte, er freut sich vielleicht wenn ich mit ihm spiele.“
Ein leises kichern war zu hören.
„Das ist typisch für dich. Aber lieb von dir. Er hat sich bestimmt gefreut Leen.“
Das Mädchen lächelte.




Anmerkung:

Im Vergleich zu den vorherigen Kapiteln ist dieses recht lang geraten. Ursprüngtlich wäre es sogar noch länger geworden... Aber da sich meine eigentliche Idee nicht so schreiben ließ wie ich wollte, habe ich eine andere Idee aufgegriffen, die ich ebenfalls sehr schön fand ^^

Das nächste Kapitel befasst sich mit Leen und Feena.
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