Starlife

von Zyon
GeschichteRomanze / P16 Slash
14.09.2008
14.11.2008
21
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Kadett Andrew Loughlin saß unter einer Linde im Garten des Akademie – Geländes. Die Sonne brannte hernieder und er war froh über die auslandenden Äste, die Schatten spendeten. Doch nicht nur die Hitze liess ihn schwitzen. Auch die Prüfungen trugen ihren Teil dazu bei. Eine Hälfte der Anstrengung lag hinter ihm, doch vor der noch anstehenden fürchtete er sich ein wenig. Die Abschlussprüfungen waren kein Zuckerlecken, er hoffte jeden Tag aufs Neue, dass alles glatt lief und er die Akademie erfolgreich verlassen konnte.

Ein älterer Mann näherte sich seinem Platz unter der Linde.
„Oh, Loughlin, wieder mal eine Pause eingelegt?“
Andrew erhob sich, blieb jedoch im Schatten und lächelte dem Mann im weißen Shirt und der grauen Latzhose zu.
„Hallo, Mr. Boothby, ziemlich heiß heute.“
Der Alte gesellte sich zu ihm. „Jaaa, so heiß wie jeden Sommer. Da werde ich wieder viel gießen müssen.“
„Ich kann Ihnen gerne helfen, Mr. Boothby.“ Bot Andrew an.
Der Gärtner schwieg einen Moment und musterte den braunhaarigen Kadetten, der ihm schon öfter zur Hand gegangen war.
„Nein, nein, arbeiten Sie lieber für Ihre Prüfungen. Ich möchte Sie nicht noch ein Jahr hier auf meiner frischen Saat sitzen sehen...“
Boothby deutete auf den Boden, von dem Andrew sich gerade erhoben hatte. Eine frisch geharkte Bahn zog sich um die Linde.
„Das wollen Vergissmeinnicht werden, junger Mann!“
Andrew fühlte, wie eine altbekannte Hitze in sein Gesicht stieg. Jetzt würden sich wieder die Wangen kräftig rot färben.
„Das tut mir leid, Mr. Boothby, ich hatte nicht darauf geachtet.“ Entschuldigte er sich. Das war ihm wirklich sehr peinlich, doch bevor der Gärtner antworten konnte, rief eine kräftige Männerstimme den Namen des Alten.

„Boothby, Sie gibt es auch noch?“
Der Angesprochene wandte sich nach dem Rufer um. Andrew war neugierig genug, um zu sehen, wer da unterbrach.
„Nathaniel Jordan, der Feind meiner Erdbeeren.“
Auf dem schmalen Weg kam ein Offizier in roter Uniform heran. Andrew kannte nur den Namen, das Gesicht war ihm fremd. Jordan diente als erster Offizier auf der USS Wichita. In einer ruhigen Minute hatte sich Andrew die Crewlisten der Föderationsschiffe angesehen.
„Schön zu sehen, dass auch andere Kadetten unter Ihnen zu leiden haben.“ Grinste der große schwarzhaarige Offizier breit und seine blauen Augen funkelten.
Andrew wurde wieder rot, als seine und Jordans Blicke sich kurz trafen.
„Nanana, nur weil Sie jetzt Offizier sind, brauchen Sie nicht übermütig zu werden. Ich kann Sie immer noch zum Jäten verdonnern!“

Der alte Mann deutete in seinen Runzeln ein Lächeln an und die grauen Augen freuten sich sichtlich über das Wiedersehen. Da erinnerte er sich an den Kadetten, der schweigend neben ihm stand.
Er stellte vor: „Das ist Commander Jordan und der hier ist Kadett Andrew Loughlin.“
Andrew stand stramm und grüßte, der Schweiß schoß ihm aus allen Poren. Jordan lächelte freundlich und entblößte ebenmäßige Zähne, die in sein sympathisches Gesicht hineinpassten.
„Guten Tag, Kadett. Mitten in den Prüfungen?“
Andrew nickte. Ihm fehlten die Worte.
„Viel Erfolg!“ wünschte der Commander und wandte sich wieder zu Boothby. „Begleiten Sie mich zu den Erdbeeren? Diesmal sind Sie ja dabei, dann passiert den Pflanzen nichts.“
Der Gärtner stieg über die Begonien, die den Weg von der Wiese trennten. „Sie sind jetzt auf der Wichita? Wie haben Sie das nur geschafft...?“

Der Offizier und der Gärtner entfernten sich, Andrew blickte ihnen nach. „Commander Nathaniel Jordan...“ wiederholte er flüsternd. Da sah der Offizier noch einmal kurz zurück. Andrew unterdrückte den Impuls, die Hand zu einem Abschiedswinken zu heben. „Nathaniel...“ flüsterte er noch einmal. Er folgte dem Offizier so lange mit den Augen, bis er mit Boothby hinter einer Biegung verschwand Dann kehrte er in sein Quartier zurück. Dieses teilte er sich mit Makato Kondo, der die meiste Zeit mit seinem Lernstoff am Pool verbrachte.

Andrew setzte sich an seinen Computer. „Crewiste USS Wichita“ gab er an und erhielt nach wenigen Sekunden die gewünschten Informationen. Da stand der Name.
„Nähere Informationen über Jordan, Nathaniel, Commander.“ Befahl Andrew. Doch ein Piepen erinnerte ihn.
„Gewünschte Dateien nur mit Stufe Drei Ermächtigung.“
„Mist.“ Andrew schaltete das Panel aus. Wäre er doch schon Fähnrich! Er wollte mehr über diesen Mann wissen. Wie alt mochte er wohl sein? Es fiel Andrew schwer, ihn einzuschätzen. Der Commander mochte um die Dreißig sein... Die Uniform klebte an ihm, so entschied er sich zu einer Dusche.

Später...
Andrew ging direkt nach dem Abendessen in sein Bett. Makato war schon wieder mit seinen Büchern bei Brennan Scott, dem Jahrgangsbesten, der einfach alles im Kopf hatte. Darüber war Andrew nicht traurig. Seit dem Nachmittag fühlte er sich so rastlos. Als er unter der Dusche stand, die Augen schloß und ohne es zu wollen, Commander Jordans Gesicht vor sich sah, spürte er, wie das Blut in sein Glied schoß. Im ersten Moment fühlte er sich ertappt.
Auf dem Weg zum Essen ging er einen Umweg. Er hoffte, den Commander wieder zu sehen. Dabei war er sich im Klaren darüber, dass der Offizier wahrscheinlich nur jemanden besucht hatte und schon lange wieder an Bord der Wichita war, die sich im Orbit um die Erde aufhielt. Als er sein Tablett entgegennahm, beschloß er, sich mehr Gedanken über die Temporaltechnikprüfung zu machen, die in zwei Tagen anstand. Als er später in seinem Bett lag und das Pad mit Theorien zur Temporaltechnik lesen wollte, wanderten seine Gedanken zurück zum Nachmittag.
Den Commander mochte er auf Anhieb. Er war bestimmt einen Kopf größer als Andrew. Er hatte ihm direkt in die Augen gesehen. ‚Guten Tag, Kadett. Mitten in den Prüfungen?’ und ‚Viel Erfolg!’ hatte er zu ihm gesagt Die Stimme klang dunkel und warm. Andrew schloß die Augen, durchlebte diese Minuten noch einmal, versuchte sich an jedes Detail zu erinnern. Schließlich glitt er in einen leichten Dämmerschlaf hinüber...

Nach den Prüfungen...
„Loughlin, Andrew – bestanden. Gratuliere Ihnen, Fähnrich.“
Ein Stein fiel dem jungen Mann vom Herzen. Einige andere hatten es nicht geschafft, umso größer war also seine Erleichterung. Seine Eltern, die unten im Publikum saßen, strahlten und freuten sich. Mutter hatte sich in einen todschicken Fummel geworfen und sogar Paps hatte sich zu einer Krawatte entschlossen. Nach diesen drei anstrengenden Monaten kam er sich vor wie in einem Traum.
All die Menschen, die anderen Kadetten, die Angehörigen, die Offiziere der Akademie schwirrten durcheinander. Eine unglaubliche Müdigkeit überfiel ihn. Trotzdem zwang er sich zu einem glücklichen Lächeln.
Der offizielle Teil war nach zwei Stunden vorüber. Vater und Mutter Loughlin war aufgefallen, wie blass und müde ihr hoffnungsvoller Sprössling aussah.
„Du bist bestimmt sehr müde, mein Schatz!“ offenbarte Mutter ihre Sorge und streichelte liebevoll seine Wange. „Vati und ich werden in die Stadt zu Susan gehen. Leg Dich schlafen, denn heute abend sehen wir uns ja wieder.“
Andrew nickte erschöpft, begleitete seine Eltern zu ihrem Shuttle und winkte ihnen nach. Schließlich drehte er sich um und suchte den Park der Akademie auf. Die hochstehende Mittagssonne spendete herbstliche Wärme. Eine Bank zwischen mehreren Büschen lockte einladend. Aufatmend ließ Andrew sich auf das antiquierte Stück fallen und blickte durch die gesenkten Augenlider in den gelben Himmelskörper.
Natürliche Stille senkte sich über ihn, das Zwitschern der Vögel und das Sirren der Insekten wurden eins mit seinem Herzschlag. Die Oleandersträuche verbreiteten einen leichten Duft, der sich mantelgleich um Andrews Sinne schmiegte. Ein leises, beinahe zaghaftes Lächeln verwandelte Andrews erschöpftes Gesicht in eine Miene der Zufriedenheit. Nach diesen Minuten der inneren Einkehr erinnerte sich der frischgebackene Fähnrich an die Worte seiner Mutter. Dieser Abend stand im Zeichen der Familie.
Der ganze Loughlin – Clan würde den Erfolg des jungen Andrew feiern. Tante Susan mit ihrem Mann Viron und den Drillingen Rufus, Geordi und Tamara, seine Eltern Henry und Maureen, Wallace, Tanitha und seine anderen drei Geschwister, Großvater, Onkel...
Andrew seufzte.
Schön, schön, sie liebten ihn und freuten sich mit ihm, würden ihn mit Lob überschütten, ihm anerkennend auf die Schulter klopfen, seine Pläne hören wollen. Nur würde ihn keiner in den Arm nehmen und ihm tief in die Augen blicken, um ihm zu sagen, dass er auf ihn gewartet hätte...
Sein Kopf neigte sich zur Seite. Andrew starrte auf die Wiese, die zwischen den Oleandern friedlich im Sonnenschein lag.
Kräftige, klare blaue Augen würden in seine Braunen sehen, warme Hände würden sich auf seinen Rücken legen und alles wäre soweit weg.
Zaghaft würde er mit seinen schmalen Händen das kantige Gesicht Nathaniels streicheln, die hellbraune Haut betasten, die geschwungenen Lippen unter den Fingerkuppenerfühlen. Er würde ihm schwarze Haare aus der Stirn streichen und sein Gesicht ganz nah an Nathaniels bringen, mit klopfendem Herzen den Atemzügen lauschen und der vibrierenden Stimme, die ihm das Paradies in seinen Armen versprechen würde.
Nach und nach verdunkelte sich der Himmel. Die veränderten Lichtverhältnisse drangen in Andrews Bewusstsein, schoben energisch sein glückliches Idyll zur Seite. Wie aus tiefem Schlaf gerissen zwinkerte Andrew mehrmals, richtete seinen Körper wieder auf und stellte nach einem Rundblick fest, dass eine Wolkenfront sich vor die gelbe Scheibe geschoben hatte. Der Park wurde in ein unwirkliches Licht getaucht, die Formen und Farben erschienen irreal die Luft hatte an Schwere zugenommen. Nach und nach verstummten die Vögel in ihren jubelnden Gesängen. Ein Gewitter begann it den Vorbereitungen zu einem düsteren Nachmittag. Die Uniform klebte ihm am Körper. Andrew wusste, dass sein Körper Adrenalin produziert hatte in den vergangenen Minuten. Er kannte für diesen Umstand auch den Namen.
Doch an diesem frühen Nachmittag im Park vertrieb er diesen Namen. Er entschied sich für den Rat seiner Mutter. Ein wenig ausruhen und die Beine ausstrecken konnte nicht schaden.
So kehrte er zurück zu seinem Quartier, in dem er seit drei Wochen alleine lebte. Sein Kollege Makato war durch zwei Examina gefallen und von der Akademie gegangen. Die Kühle in dem kleinen Raum erfrischte Andrew wieder ein wenig. Seine Augen wanderten zum Schreibtisch. Dort lagen einige seiner Padds. Er biß sich auf die Unterlippe.
Blickte zum Fenster.
Wieder zu den Datenblöcken.
Schließlich riß er ein bestimmtes an sich und fiel rücklings aufs Bett. Den Arm unter den Kopf geschoben, hielt er das graue Rechteck vor seine Augen. Sein Herz verkrampfte für einen Moment, als er auf das Konterfei Commander Jordans blickte.
Es war kein aktuelles Bild, Andrew fand es im Absolventenarchiv der Akademie. Und doch schlug ihn das Gesicht in seinen Bann.
Vereinzelte Tränen rollten aus den Augenwinkeln des Jungen, so stark wütete der Schmerz der Sehnsucht in seiner Brust.
Andrew schob das Bildnis unter sein Kopfkissen. In drei Tagen würde er seine Einsatzorder erhalten. In dem üblichen Antragsschreiben hatte er um Versetzung auf die USS Wichita gebeten. Aber ob ihn die Einsatzabteilung erhören würde?
Ihm blieb nichts übrig, als zu hoffen und zu glauben. Schließlich stand der Glaube im Ruf, Berge versetzen zu können. Und hoffentlich Fähnriche auf Wunschmissionen...
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