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Nach dem Sturm

von bambi71
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Leo Tobi
10.09.2008
20.09.2008
4
20.193
4
Alle Kapitel
33 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
10.09.2008 4.970
 
Nach dem Sturm


Disclaimer: Die in der Geschichten erwähnten Figuren gehören leider nicht mir, sondern Marco Kreuzpaintner, dem unvergleichlichen Regisseur von „Sommersturm“.
Sämtliche kursiv geschriebenen Textstellen entstammen nicht meiner Feder, sondern der von Tim Moeck, der den Roman zum Film geschrieben hat.
Mir gehört nur die Idee, wie es weitergehen könnte (das heißt: Happy End-Garantie). Geld verdiene ich damit nicht.

Warning: Slash, Adult (Minderjährige: bitte das Kreuz rechts oben anklicken – Danke!)

Beta: gugi28, die sich ausnahmsweise bereit erklärt hat, meinen Seitensprung vom HP-Fandom zu korrigieren – Dicker Kuss!  

Sonstige Erklärungen.

- Für alle, die den Film nicht kennen: http://de.wikipedia.org/wiki/Sommersturm

- Laut Buch haben Tobi und Leo zwar Sex miteinander (sprich: sie holen sich gegenseitig einen runter), schlafen aber nicht zusammen. Auch im Film sieht man das anhand der Stellung *räusper*



Kapitel 1


„Darf ich jetzt keine Frau mehr küssen – nur weil ich schwul bin?“
Die anderen brauchten einen Moment, bis sich auch bei ihnen die Spannung löste.
Anke lächelte nachdenklich, Achim konnte nicht anders, als erstaunt seinen besten Freund anzuschauen, und Leo lächelte ein glückliches Lächeln, das Tobi von allem am meisten gefiel. Dann fiel sein Blick in die Runde der Queerschläger, die ihm gegenübersaßen, an einem anderen Tisch und ihm doch so nah waren, und er fühlte etwas in der Luft, eine Schwingung, die er lange Zeit nicht einordnen konnte. Schließlich blickte er Leo noch einmal an, der immer noch grinste, und plötzlich wusste er, was es war.
Sie waren stolz auf ihn.


Die Mitglieder des RSC Starnberg hatten mit gemischten Gefühlen auf Tobis Outing reagiert. Achim, sein bester Freund und heimlicher Schwarm, war nachdenklich. Anke, die in Leo verliebt war, reagierte ein wenig melancholisch. Sie wusste, dass sie mit einem Jungen nicht konkurrieren konnte, wollte es auch nicht. Aber wenigstens stand Tobi nun zu sich selbst. Schorsch, der Sohn des Sponsors, war innerlich entsetzt darüber; würde Tobi nun ebenfalls beginnen, sich wie Malte zu benehmen und ihm rücksichtslos nachstellen? Günther sah das Ganze nicht so eng. Mit einem „Ja, krass“ quittierte er Tobis Geständnis und damit war der Fall für ihn erledigt. Tobi hatte ihn die letzten Jahre nicht angebaggert und würde sicher auch jetzt nicht damit anfangen.

Leo hingegen, der mit seinem Ruderteam am Nebentisch saß, hatte Tobi richtig angestrahlt. Er hatte von Anfang an erkannt, dass Tobi verzweifelt versuchte, seine Gefühle zu unterdrücken, mit dem Strom zu schwimmen und dabei immer mehr vor die Hunde ging. Schließlich war Leo es gewesen, der dem schmalen Bayern einen Schubs in die richtige Richtung gegeben hatte.

Hansi, dem Trainer des RSC, waren die sexuellen Neigungen seiner Schützlinge egal, solange sie glücklich waren und unbeschwert drauflos rudern konnten. Er hatte längst geahnt, dass seinem jungen Schlagmann etwas auf der Seele brannte, das ihn daran hinderte, sportlich durchzuziehen. Nun war Tobi endlich frei und konnte sich auf das konzentrieren, was vor ihnen lag, die Regatta.

Als Georg sich dann kurz vor dem Rennen abfällig über das feminine Gehabe eines Queerschlägers äußerte, griff Hansi helfend ein.

„Es tut mir leid, aber wir müssen absagen“, erklärte Susanne den Kampfrichtern.
„Wos?“ fragte Hansi.
Susanne drehte sich zu ihm um. „Mit dreien lässt es sich schwer rudern.“
Leo stand schuldbewusst neben ihnen und ließ traurig den Kopf hängen. Dann deutete er auf seine Schulter.
„Ich hab es wirklich versucht, aber es geht einfach noch nicht.“
„Ja, und jetzt?“, fragte Hansi empört.
„Das weiß ich doch nicht“, gab Susanne zurück. „Das hättest du deinen Jungs mal vor der Prügelei sagen sollen.“
Hansi runzelte die Stirn. „Ich glaube, ich weiß da was“, sagte er.

Wenig später fand sich Schorschi zu seinem Entsetzen im Boot des RC Queerschlag wieder, während Anke seinen Platz beim RSC Starnberg eingenommen hatte. Seine Mannschaftskameraden feixten, während er ihnen unglücklich waidwunde Blicke zuwarf.
Als Malte ihn dann auch noch mit „Jetzt will ich ein bisschen Einsatz sehen. Du geiler Knödel“  anfeixte, resignierte er. Auch der Sieg konnte ihn nicht wirklich trösten, mit einer halben Bootslänge Vorsprung auf den RSC gewannen die Queerschläger die Regatta.

Bis in die Nacht hinein feierten Sieger und Besiegte gemeinsam und schließlich glätteten sich auch die letzten Wogen. Achim und Tobi sprachen sich abseits von den anderen aus; Tobi erzählte Achim von seinem inneren Zwiespalt und auch über das Gefühl, das er früher in Achims Nähe verspürte und das er nun für Leo empfand.

Achim grinste schief, so ganz konnte er mit der Homosexualität seines besten Freundes noch immer nicht umgehen. Es würde wohl noch ein Weilchen dauern, aber eigentlich war er froh, dass Tobi mit Leo einen Partner hatte, der ihn unterstützte, seinen Weg zu gehen. Am Ende des Gesprächs wussten sie beide, dass die Vorfälle der letzten Tage ihrer Freundschaft keinen Abbruch tun konnten.

Und während Achim seine Freundin Sandra in die Arme nahm, setzte sich Tobi neben Leo, der ihn beruhigend anlächelte.

„Alles klar?“, fragte Leo, spürte er doch sofort, das Tobi etwas auf dem Herzen hatte.

Tobi wagte es nicht, den Anderen anzusehen, hatte in diesem Moment ein wenig Angst vor dessen Reaktion. Wenn Leo ihn nun auslachen würde, ihm sagte, dass das zwischen ihnen nur ein Sommerflirt gewesen war?  

Er knetete nervös seine Finger und stammelte verlegen „Ich ... Du ... Kannst Du Dir vorstellen, dass wir …?“

„Und Achim?“, verlangte Leo eine Antwort.

„Er wird immer mein bester Freund sein. Aber Du ... Du bist ... etwas Besonderes. Ich ...“

„Mann, Leo, hör’ auf, Dich zu zieren und küss ihn endlich“, kam ihm Malte zur Hilfe und grinste die beiden frech an. „Siehst Du nicht, dass er nur drauf wartet? Und er hat sich eine kleine Belohnung verdient.“

Mit roten Wangen starrten sich Leo und Tobi an.

„Ich mag Dich sehr“, gestand der Berliner. „Aber ich könnte es nicht ertragen, für Dich nur eine Notlösung zu sein.“

Tobi schüttelte den Kopf. „Das bist Du nicht. Ich hab’ einfach nur Angst, dass ich nur ein Urlaubsflirt für Dich bin. Für mich ist das alles noch neu und verwirrend. Aber eins weiß ich.  Ich will mit Dir zusammen sein. Nur mit Dir.“

Ein kleines Lächeln legte sich auf Leos Gesicht. „Das will ich doch auch“, flüsterte er leise und legte seinen Arm um Tobis Taille.

Zögernd näherten sich ihre Lippen; dass ihre beiden Ruderteams ihnen gespannt zusahen, bemerkten sie nicht einmal. Zu sehr sehnten sie sich nacheinander, all ihre Ängste wurden nichtig und klein, wenn sie einander hatten.

Tobi und Leo hatten sich schon vorher geküsst. An jenem Tag auf dem Steg waren ihre Küsse von wilder Leidenschaft geprägt, und in der letzten Nacht, nachdem Leo Tobi im Duschraum gefunden hatte, von Trost, Verständnis und Zärtlichkeit gewesen. Jetzt aber beherrschte ein anderes Gefühl die beiden Jungs und endlich wusste Tobi den Namen dafür. Es war Liebe.

Selbst Oli, der bis zuletzt kein gutes Haar an Tobi gelassen und diesen bis an dessen Grenzen und darüber hinaus provoziert hatte, weil er selbst in Leo verknallt war, musste einsehen, dass er momentan wohl keine Chance bei Leo hatte.

Achim gluckste, er fand den Anblick zweier sich küssender Jungs ein wenig merkwürdig, vor allem, weil einer der beiden sein bester Freund war. Als er aber nach diesem Kuss in Tobis freudestrahlenden Augen blickte, wusste er, dass dieser nur mit Leo wirklich glücklich werden konnte.

Susanne und Hansi, die Betreuer der beiden Teams, beobachteten diese Szene gerührt. Auch sie waren sich während der letzten Tage nähergekommen und selbst die Prügelei ihrer beiden Mannschaften am Vortag hatte keinen Schaden hinterlassen. Der Kampf war wie ein reinigendes Gewitter gewesen und nun saßen die gestrigen Kontrahenten einträchtig um das Lagerfeuer und flachsten.

Besonders Georg bekam sein Fett weg. Er, der sich am meisten über die Homosexualität des Berliner Ruderteams echauffiert hatte, war mit diesen zu seinem ersten großen Sieg gefahren und hatte mitgejubelt, bis er merkte, dass er der Einzige in der Mannschaft war, dessen Achseln nicht rasiert waren.

„Komm, lass uns gehen“, schlug Leo Tobi vor, der mit hochroten Wangen nickte. Auf dem Weg ins Zimmer fiel dem Berliner plötzlich noch etwas ein. „Geh schon mal vor, ich komme sofort nach“, flüsterte er leise und drückte dem Bayern noch einen Kuss auf den Mund.

Tobi blickte ihm irritiert hinterher, ging dann aber ins Zimmer. Zehn Minuten später folgte ihm Leo, sichtlich verlegen und versteckte etwas in seinen Händen.

„Was ist das?“, erkundigte sich Tobi und verrenkte sich fast den Hals, um zu sehen, weswegen Leo noch mal umgekehrt war.

„Ich war nicht darauf vorbereitet, dass im Rudercamp was passieren könnte – schon gar nicht, dass ich mich verlieben würde“, gestand Leo leise und zeigte Tobi die Kondome und das Gleitgel, das er sich von Malte geholt hatte. „Nicht, dass Du Dich zu irgendwas verpflichtet fühlen musst, aber falls es passiert ...“

Tobi nickte. Bis jetzt bestand ihr Sex aus gegenseitigem Streicheln und intimen Berührungen. Aber nun waren er und Leo ein Paar und da war es wahrscheinlich normal, dass man miteinander schlief. Und irgendwie wollte er es auch.

Leo atmete erleichtert auf und sperrte die Zimmertür zu. Da die Jugendherberge renoviert werden sollte und eigentlich abgeschlossen war (kein Problem für Ferdl und den alten Trick mit der Kreditkarte), gab es zwar mehr als genügend Platz für ihre Mannschaften, aber die beiden Frischverliebten wollten auf Nummer sicher gehen.

„Nicht, dass euer Ferdi nun auch noch zu uns zum Spannen kommt“, versuchte Leo, die innere Anspannung zwischen ihnen mit einem Witz aufzulockern.

Tobi lachte, als er daran dachte, wie Malte und Leo den Zeugwart des RSC Starnberg zu ihnen gebracht hatten, weil sie dachten, es wäre das Krankenzelt. War das wirklich erst wenige Tage her?

„Aber wenn er sich auf der Flucht vor den duschenden Sachsenmädels nicht die Vorhaut im Reißverschluss eingezwickt hätte, wärt ihr nie in unser Lager gekommen“, gab Tobi dann zu bedenken. „Dann hätten wir uns vielleicht nicht kennen gelernt. Eigentlich müssen wir ihm ja dankbar sein.“

„Okay, ich geb’ ihm morgen ein Bier aus“, lächelte der Berliner, schälte sich bis auf seine Unterhose aus seinen Kleidern und kletterte auf das Etagenbett. Tobi tat es seinem Freund gleich, er war mehr als aufgeregt.

Leo strich ihm beruhigend über die Brust. „Hey, mach Dich locker. Wir haben alle Zeit der Welt – zumindest bis übermorgen.“

Übermorgen – das Wort hing wie ein Damoklesschwert über ihnen. Bald würden sie nach Hause fahren: Leo nach Berlin und Tobi in das Dorf in der Nähe von Starnberg. Diese räumliche Trennung würde es ihnen nicht leichter machen. Besonders Leo bedauerte es, Tobi in den ersten Wochen nicht beistehen zu können. Sicher würde sein Freund gegen die Vorurteile kämpfen müssen, die man „Leuten wie ihnen“ entgegenbrachte. Selbst in Berlin, der Hauptstadt, deren Oberbürgermeister sich beim Amtsantritt geoutet hatte, war Schwulsein keine Selbstverständlichkeit, aber man hatte zumindest mehr Möglichkeiten als im konservativen Bayern.

Leo schob diese Gedanken von sich. Noch war Tobi hier bei ihm und er würde den Teufel tun, die wenigen Stunden, die sie noch zusammen verbringen konnten, mit dunklen Gedanken über die Zukunft zu vergeuden. Da gab es wirklich angenehmere Dinge.

Der Berliner schob sich über Tobis Körper und machte da weiter, wo sie kurz vorher aufgehört hatten. Seine Lippen erforschten Zentimeter für Zentimeter die Haut des unter ihm Liegenden, während er mit der rechten Hand Tobis Boxershorts vorsichtig nach unten schob und mit geschickten Fingern begann, dessen hartes Glied zu massieren. Seine eigene Erregung stand der Tobis um nichts nach, aber das war zweitrangig. Jetzt zählte erst einmal Tobi. Für ihn war das alles neu und Leo wollte ihm zeigen, wie schön die Liebe zwischen Männern sein konnte.

Allzu viele Liebhaber hatte Leo auch noch nicht gehabt, richtig geschlafen hatte er nur mit einem. Bei den anderen war es bei wilden Knutsch- und Fummelorgien geblieben. Darum hatte er auch im Traum nicht daran gedacht, dass sich das ausgerechnet hier ändern sollte. Zum Glück war Malte auf alle Eventualitäten vorbereitet und hatte schon geahnt, dass zwischen Leo und Tobi mehr war. Schließlich kannte er ja seinen 2. Mann im Boot.

Auch wenn sich der Schlagmann des RC Queerschlag nach außen hin als unwiderstehlicher Casanova präsentierte und gnadenlos alles anbaggerte, was nicht bei „Drei“ auf den Bäumen war, so hatte auch er eine empfindsame Seite, die er jedoch geschickt verbarg. Ohne langes Federlesen hatte er dem verlegenen Leo nicht nur die gewünschten Gegenstände in die Hand gedrückt, sondern ihm auch noch ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben. Tobis erstes Mal sollte schließlich etwas Besonderes sein, nicht nur einfach „ganz okay“.

Tobi bemerkte die riesige Ausbuchtung in Leos engsitzender Hose und schob nun seine Hand hinein. Leos Penis war hart und heiß, er fühlte sich einfach perfekt an. Wie wäre es wohl, ihn in sich zu spüren? Ob es wohl wehtat? Oder überwog doch die Lust? Tobi beschloss, nicht mehr darüber nachzudenken, sondern sich einfach treiben zu lassen.

Tobis Blick fiel auf Leo, der direkt hinter Malte ruderte. Zum ersten Mal sah Tobi Leos nackten Oberkörper, und er bemerkte, dass er weniger trainiert war, als Tobi zunächst gedacht hatte. Seine Haut schien weich zu sein, ähnlich wie seine eigene, und hatte einen eigenartigen rostbraunen Glanz, obwohl  sie ganz trocken war. Die Sonne schien auf Leos Oberkörper,  und für eine Sekunde kam Tobi der Gedanke, noch nie einen so schönen Mann gesehen zu haben. Er verlor fast die Kontrolle über das Boot und starrte Leo an, der ihm mit einem Lächeln voll größtem Selbstvertrauen zunickte.

Plötzlich spürte Tobi einen Mund an seinem Penis, eine Zunge, die vorsichtig über seine empfindliche Eichel leckte. Er stöhnte lustvoll auf und drückte sein Becken nach oben. Dann erst realisierte er, was Leo da genau tat und blickte diesen unsicher an.

„Magst Du das nicht?“, erkundigte sich Leo nervös.

„Doch, sehr sogar, aber macht Dir das denn nichts aus? Muss ich das bei Dir auch ...? Ich meine, gehört das dazu?“ Tobi fühlte sich ein wenig überfordert.

Leo richtete sich auf und schüttelte den Kopf. „Du MUSST nichts. Es ist alles freiwillig und ich will Dich um Himmels Willen nicht überrumpeln. Es ist nur ...“ Er zögerte ein wenig, aber wenn Tobi ihm vertrauen sollte, musste er ihm auch vertrauen. „Ich habe das selbst noch nie gemacht, nur darüber gelesen und davon gehört. Aber bei Dir WILL ich es. Das heißt aber nicht, dass Du Dich verpflichtet fühlen musst, das Gleiche zu tun. Außer Du willst es auch.“

Tobi schluckte. Ein merkwürdiges Gefühl machte sich in ihm breit, ein Gefühl, für das er nur einen Namen fand. LIEBE. Leo war das Beste, was ihm je hatte passieren können, keinem Anderen wollte er sein erstes Mal schenken.

Scheu schlug er die Augen nieder und murmelte ein leises „Darf ich denn?“

Leo nickte, war ebenso verlegen wie Tobi, der ihn nun vorsichtig auf den Rücken drehte und sich langsam über dessen Körper nach unten küsste.

Er würde die Gestalt von Leos Oberkörper nicht mehr vergessen können, die Form seiner Brust, die beiden geschwungenen Linien, die unter den Brustwarzen lagen, sich in der Mitte trafen und weiter nach oben verliefen, und die leichte Erhebung um seinen Bauchnabel herum, kein richtiger Bauch, keine Fettpolster, gegen die man etwas hätte tun müssen, sondern eine Eigenart, nur ein wenig Fleisch unter der Haut, auf das man stolz sein konnte.

Er schob das letzte störende Kleidungsstück über Leos Hüften und bestaunte von neuem das harte, perfekte Glied seines Freundes, dessen Spitze schon feucht glänzte. Zögernd fuhr er mit der Zunge darüber und stellte dabei fest, dass es nicht im Geringsten ekelhaft oder abartig war. Im Gegenteil, er mochte es. Nun etwas sicherer in seinem Tun, stülpte er seinen Mund über Leos Eichel und begann, daran zu saugen, während er gleichzeitig die Hoden seines Freundes streichelte.

Die Lust stand Leo förmlich ins Gesicht geschrieben, als er Tobi nach oben zog, ihn küsste und ihn bat: „Ich möchte mit Dir schlafen!“

Tobi nickte stumm und der Dunkelhaarige küsste ihn zart auf den Mund. Dann griff er zu der Tube mit dem Gleitgel, die er vorsorglich in Reichweite verstaut hatte, trug etwas davon seine Finger auf und ließ seine zitternde Hand zwischen Tobis Beine gleiten. Behutsam drang er mit einem Finger ein, Tobi verspannte sich und presste die Augen zu.

„Bitte schau mich an“, flüsterte Leo mit rauer Stimme. „Gleich hast Du Dich daran gewöhnt.“

Langsam begann er, seinen Finger zu bewegen und merkte, wie Tobis enger Muskelring sich an den Eindringling gewöhnte. Probehalber krümmte er den Finger ein wenig, Tobi stöhnte auf.

„Hab ich Dir wehgetan?“, fragte Leo sofort besorgt.

„Das war guuuut“, keuchte ihm sein Liebster entgegen. „Mach das noch mal.“

Leo küsste Tobi auf den Mund und begann, ihn sorgfältig zu weiten. Der Anblick des Blonden, der sich ihm immer mehr entgegendrängte, verlangte ihm alles an Selbstbeherrschung ab. Am liebsten hätte er auf der Stelle die mittlerweile zwei Finger durch sein pochendes Glied ersetzt und dem Anderen das gegeben, wonach sie sich beide sehnten.

Tobi schaute ihn flehend an. „Bitte, Leo, ich will nicht mehr länger warten.“

Leos Augen glühten förmlich, hastig riss er die Hülle des Kondoms auf, rollte es über seinen steinharten Penis und schmierte ihn großzügig mit Gleitgel ein.

‚Ich vertraue Dir’, signalisierte ihm Tobi,  Leo kniete sich vor ihn und zog seinen Unterkörper zu sich heran.

„Alles okay?“, fragte er leise und begann sich auf Tobis Nicken hin, in ihn zu schieben. Die linke Hand legte er locker auf Tobis Hüfte, mit der rechten umfasste er dessen Glied, das ein wenig an Steife verloren hatte, aber unter den massierenden Bewegungen jedoch zu neuem Leben erwachte.

Das Gefühl, endlich eins zu sein, war überwältigend, Leo musste sich auf die Unterlippe beißen, um nicht sofort vor Leidenschaft zu vergehen. Tobi keuchte ihn an. „Beweg Dich bitte.“

Seine Beine legte er um Leos Hüften und zog ihn so näher an sich heran, ermöglichten dem Anderen, tiefer in ihn einzudringen. Der Rhythmus der Stöße wurde schneller, die Stöße selbst kraftvoller, noch immer sahen sich die beiden tief in die Augen, konnten ihre Blicke nicht voneinander lösen.

Dann war es so weit. Tobi konnte nicht mehr. Der Anblick von Leo, dem der Schweiß auf der Stirn stand, die Reibung in seinem Inneren und an seinem Glied trieben ihn immer näher zum Abgrund. Er wollte seinen Höhepunkt noch zurückhalten, wollte nicht, dass es schon vorbei war, doch alles in ihm bettelte um Erlösung. Er schrie Leos Namen und krallte seine Finger in dessen Schulterblätter, sein Körper bebte und sein Sperma ergoss sich schubweise über Leos Hand auf seinen eigenen Bauch.

Durch Tobis sich zusammenziehende Muskeln eingeengt, konnte sich auch Leo nicht mehr beherrschen. Ein letzter Stoß katapultierte ihn zu den Sternen, dann sank er erschöpft auf Tobis Körper, küsste diesen auf den Mund und blieb erst einmal liegen, bis sich sein Herzschlag und seine Atmung allmählich normalisierten. Dann zog er sich aus Tobi zurück und legte sich neben ihn.

Tobi kuschelte sich an seine Brust. „Leo?“

„Hm?“

„Ich liebe Dich.“

„Ich weiß“, flüsterte Leo zärtlich. „Ich Dich auch.“


Am nächsten Morgen fiel es den beiden Ruderern schwer, aufzustehen. Am liebsten hätten sie ohnehin den ganzen Tag im Bett verbracht, aber sowohl Susanne als auch Hansi hatten für den Vormittag ein letztes Training in der Talsperre anberaumt.

Tobi und Leo waren die Letzten, die in den Frühstücksraum kamen und staunten ein wenig, als sie ihre beiden Mannschaften kreuz und quer durcheinander gewürfelt an einem Tisch vorfanden.

Malte grinste. „Wir brachten es nicht fertig, euch auseinander zu reißen, also dachten wir, ein einziger Tisch tut’s auch, gell, Schorsi?“

Georg wurde rot. Malte schaffte es doch wirklich immer wieder, ihn aus der Fassung zu bringen.

Dessen Aufmerksamkeit galt mittlerweile Tobi und Leo. „Alles okay bei euch?“, erkundigte sich Malte mit einem Zwinkern. Die beiden sahen sich gegenseitig an und nickten nur.

„Schön“, kommentierte der Blonde und widmete sich entspannt seinem Frühstück, nicht ohne Georg, der ihn wütend beobachtete, einen Luftkuss zuzuwerfen.


„Du, sag mal“, stupste Achim seinen besten Freund auf dem Weg zum Boot an. „Warum seid ihr denn gestern so früh verschwunden? Ihr habt echt was verpasst. Wir haben noch Flaschendrehen gespielt und Hansi hat mit Susanne rumgeknutscht. Ich glaub, da geht was mit den beiden.“

„Wäre schön“, gab Tobi zu. „Vielleicht könnten sich unsere Teams dann öfter sehen.“

„Dir scheint unsere morgige Abreise echt auf den Sack zu gehen, stimmt’s?“

„Hm“, brummte Tobi zustimmend, er wollte nicht daran denken, wie er es ohne Leo aushalten sollte. Automatisch glitt sein Blick zum Boot der Queerschläger, in dem Leo sich gerade mit Oli unterhielt.  

„Au, Dich scheint’s ja voll erwischt zu haben“, lachte Achim, dann schien ihm ein Licht aufzugehen. „Habt ihr etwa  ...?“

Tobi nickte glücklich, während Oli im selben Moment ziemlich verbiestert dreinblickte.

Nach dem Training beschlossen Leo und Tobi, ein letztes Mal auf „ihren“ Steg zu gehen. Diesmal achtete Leo jedoch darauf, dass Tobi sorgfältig eingecremt im Schatten lag, ein Mörder-Sonnenbrand pro Saison reichte schließlich.

Wenig später trudelten auch Niels, Nils und Malte ein und so verlebten die fünf Jungs einen entspannten und sorglosen Nachmittag am Steg.

„Ich könnte ewig hier bleiben“, schwärmte der kleine Nils und strahlte mit der Sonne um die Wette. „So schön wie hier war es noch nirgends.“

Die anderen lachten.

„Dir würde es doch überall gefallen, wenn nur Niels bei Dir ist“, stellte Leo fest.

„Dir etwa nicht?“, gab Nils zurück

„Nö, Niels ist nicht ganz mein Typ“, witzelte der Dunkelhaarige und wurde dafür erst mal ins Wasser geschubst.


Wie das Leben so spielte, vergingen glückliche Stunden immer doppelt so schnell wie unglückliche und nach einer letzten Liebesnacht hieß es erst einmal Abschiednehmen.

Leo und Tobi waren kreuzunglücklich, am liebsten hätten sie die Zeit zurückgedreht, wenigstens um die letzten beiden Tage, dafür aber immer und immer wieder. Hansi und Susanne waren nicht weniger traurig, versuchten, das aber zu überspielen. Die gemeinsame Woche mit all ihren Höhen und Tiefen hatten die beiden unterschiedlichen Teams stärker zusammengeschweißt als gedacht. Wirklich leicht fiel der Abschied nur Georg, der heilfroh war, endlich aus Maltes Reichweite zu kommen, bevor er auch noch vom „Ich bin schwul und stolz darauf“-Virus befallen wurde.

Tobi war der Letzte, den der Busfahrer absetzte. Da stand er nun also, die Reisetasche auf dem Rücken, den Schlafsack in der Hand  und wusste nicht recht, wie es weitergehen sollte.

Jetzt war kein Leo mehr da, der Tobi helfen konnten, die Klippen des Alltags zu umschiffen. Beide standen in ihrem letzten Schuljahr und würden im nächsten Jahr Abitur machen, der eine in Bayern, der andere in Berlin. Die räumliche Entfernung war nicht zu verachten und auch Internet und Handy waren kein wirklicher Ersatz dafür, den Anderen in den Armen zu halten.

Tobi begann zu begreifen, dass es wirklich nicht leichter werden würde und dass der harte Teil seines Weges noch vor ihm lag. Aber er wollte sich zu Leo bekennen, der auch ein Teil von ihm war. Wie würden wohl seine Eltern auf die Neuigkeiten reagieren?

Tobi zweifelte keine Sekunde daran, dass Georg den plötzlichen Uferwechsel seines Teamkameraden sofort rumposaunen würde, vielleicht auch, um von den eigenen Unsicherheiten abzulenken. Der Buschfunk würde funktionieren, da machte sich Tobi keinerlei Illusionen. Und bevor seine Eltern von anderen erfuhren, was mit ihrem Sohn los war, wollte er es ihnen selbst sagen.

Ein leichtes Lächeln, in dem ein wenig Verzweiflung und ein wenig Sehnsucht lag, legte sich auf sein Gesicht. ‚Ich werde Leo nicht verleugnen’, dachte er, dann betrat er das Haus seiner Eltern.

Seine Mutter hörte die Tür ins Schloss fallen und (und) schaltete den Ofen zurück, dann lief sie ihrem Sohn entgegen. „Wie schön, dass Du wieder da bist! Habt Ihr gewonnen? Hattest Du eine schöne Zeit?“

„Hallo, Mum“, begrüßte Tobi sie und ließ sich von der Frau in die Arme nehmen. „Mit dem Sieg hat es nicht geklappt, wir sind Zweiter geworden. Die Queerschläger waren einfach besser als wir und außerdem ist Schorsch bei ihnen mitgerudert, während Anke bei uns war.“

„Haben die Mädchen nicht ihr eigenes Boot?“, erkundigte sich seine Mutter.

„Jetzt nicht mehr, die „Forelle“ wurde im Sturm von einem fallenden Baum zerlegt.“

„Oh je, da muss der Gruber wohl wieder tief in die Tasche greifen. Na, der hat’s ja. Und wenn sein Sohn schon bei den Siegern mitrudern durfte, lässt er sich bestimmt nicht lumpen.“ Seine Mutter war so optimistisch wie eh und je.

„Ganz so einfach ist das nicht“, erklärte Tobi zögernd. „Die Siegermannschaft besteht aus 5 schwulen Jungs. Schorsch musste nur einspringen, weil ich mich wie ein Idiot benommen und Leo verletzt habe, nur weil er mir die Wahrheit sagte.“ Er atmete tief ein, seufzte und wusste, dass es wohl besser war, von Anfang an für klare Verhältnisse zu sorgen. „Mama, ich möchte, dass Du es von mir erfährst. Ich bin auch schwul.“

Das Wort war endlich ausgesprochen und lag schwer in der Luft. Tickte die Uhr schon immer so laut? Tobis Mutter atmete tief ein, schüttelte den Kopf und sah ihren Sohn an, als wartete sie auf ein Lachen, auf eine Grimasse, auf irgendein Zeichen, dass Tobi nur einen Witz gemacht hatte. Als dieses Zeichen ausblieb, seufzte sie.

„Das habe ich befürchtet, auch wenn es jetzt doch ein wenig überraschend kommt. Ich hab gesehen, mit welchen Blicken Du Achim angesehen hast und konnte 1+1 zusammenzählen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Du es Dir eingestehst. Du bist alt genug, um selbst zu entscheiden, wie Du leben willst. Begeistert bin ich nicht, das kannst Du Dir sicher vorstellen. Ich denke, dass Du Papa und mir heute Abend einiges zu erzählen hast.“

Mit sorgenvoller Miene blickte sie ihrem Sohn hinterher, als dieser die Treppe hinauf in sein Zimmer ging.

„Ich wünsche mir so sehr, dass Du glücklich bist, mein Sohn“, flüsterte sie leise. „Aber anders zu sein als die anderen ist nie leicht, Du wirst es schwer haben, akzeptiert zu werden.“

Nach dem Abendessen setzte sich Tobi zu seinen Eltern, um ihnen zu erzählen, was im Rudercamp passiert war.

Schonungslos berichtete er, dass er auf Sandra eifersüchtig gewesen war, weil diese sich zwischen Achim und ihn gedrängt hatte, dass er lange nicht gewusst hatte, was eigentlich mit ihm los war. Als die Mitglieder einer anderen Rudermannschaft Ferdl ins Lager schleppten, der sich beim Spannen die Vorhaut in den Reißverschluss eingeklemmt hatte, fand er die Jungs sehr sympathisch, bis sich herausstellte, dass sie alle schwul waren. Immer wieder waren die beiden Mannschaften aufeinander getroffen. Einer dieser Jungs, Leo, hatte es ihm angetan und ein heißer Sommernachmittag, an dem er sich mit Achim gestritten hatte, endete damit, dass er und Leo Sex auf dem Steg hatten.
Eine Zeit lang versuchte er, seine Homosexualität zu leugnen, sich nicht von den anderen zu unterscheiden, aber während eines aufkommenden Sommersturms eskalierte die Geschichte. Oli outete ihn vor den beiden Mannschaften und Leos Schlichtungsversuch führte zu dessen Verletzung. Dennoch war Leo für ihn da, als Achim Tobi aus dem Zimmer der Jugendherberge warf, in der beide Mannschaften vor dem Regen und dem Sturm Schutz gesucht hatten. Leo hatte ihm Mut gemacht, zu sich und seinen Gefühlen zu stehen.

„Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als endlich alles raus war“, schloss Tobi seine Erzählung und blickte seine Eltern ernst an.

Sein Vater knetete nervös die Hände, wie es auch Tobi manchmal tat. Ihm gefiel diese Situation überhaupt nicht. „Und dieser Leo – ist er Dein Freund?“

Tobi nickte. „Er ist das Beste, was mir passieren konnte.“

„Was ist dieser Leo für ein Typ? Trägt er Frauenkleider? Lackiert er sich die Nägel? Benutzt ihr wenigstens Kondome, wenn ihr ... na ja, Du weißt schon? Nicht, dass Du Dich mit Aids infizierst.“

„Klischee olé“, kommentierte Tobi die Befürchtungen seines Vaters leise mit Niels’ Lieblingsspruch. „Leo ist ein ganz normaler Mann, genauso alt wie ich, hat kurze, dunkle, wuschelige Haare, blaugrüne Augen und trägt weder Frauenklamotten noch hat er lackierte Nägel. Und ja, wir haben Kondome benutzt.“

„Trotzdem solltest Du  zur Sicherheit einen Aidstest machen“, gab seine Mutter zu bedenken. „Meinst Du denn, dass er treu ist? Du bist hier, er ist in Berlin. Ihr werdet Euch oft wochenlang nicht sehen können. Wie schnell ist da ein Seitensprung passiert. Davon abgesehen, wird es bestimmt böses Gerede geben. Selbst in der heutigen Zeit ist Homosexualität immer noch für viele ein rotes Tuch, besonders bei uns im Dorf. Kommst Du damit klar, dass ihr immer und überall angestarrt und teilweise auch angefeindet werdet? Dazu kommt noch die Schule, es ist Dein letztes Schuljahr. Da heißt es lernen, lernen und lernen. Und aufs Rudern willst Du bestimmt auch nicht verzichten, oder?“

Tobi sah seine Eltern traurig an. „Ich weiß, dass es nicht leicht wird. Aber ob die Leute mich anstarren oder nicht, ist mir egal. Ich will mich für meine Liebe nicht verstecken müssen. Das hat Leo nicht verdient.“

Wie aufs Stichwort läutete sein Handy. Er tastete danach und errötete. „Leo ruft an“ stand im Display und Tobi entschuldigte sich hastig bei seinen Eltern. Dann verschwand er mit seinem Mobiltelefon und die Eltern hörten nur noch das sanfte, sehnsuchtsvolle „Leo!“, mit dem ihr Sohn seinen Freund begrüßte.

Tobis Vater sah seine Frau verzweifelt an. „Was haben wir falsch gemacht? Muss es denn wirklich ein Mann sein?“

Tobis Mutter erwiderte seinen Blick traurig. „Er wird es schwer haben. Kannst Du Dir vorstellen, wie sich die Leute über ihn die Mäuler zerreißen werden? Aber wenn wir nicht zu ihm halten, wer dann? Tobi liebt diesen Leo, so viel ist sicher. Er ist nicht so leichtfertig, von einem Bett ins nächste zu springen. Wenigstens waren die beiden so vernünftig, sich zu schützen.“

Gedankenverloren saßen sie am Tisch und schwiegen sich an. Sie wussten auch nicht, was sie hätten sagen sollen. Sie wollten Tobi ja helfen, konnten es aber nicht, weil sie ihn nicht verstanden. Vielleicht war es ja doch nur ein harmloser Sommerflirt, ein böser Traum, der im Alltag seinen Schrecken verlieren würde.

Als Tobi etliche Minuten später zurück ins Zimmer kam und leise flüsterte „Ich vermisse ihn so sehr, dass es wehtut“, begriffen sie, dass es ihm mit Leo absolut ernst war.



Fortsetzung folgt …
 
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