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Ruhe im Sturm

von Tananda
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Elrond Erestor Glorfindel
10.09.2008
15.10.2008
29
65.401
41
Alle Kapitel
218 Reviews
Dieses Kapitel
13 Reviews
 
 
10.09.2008 896
 
Disclaimer: Alle bekannten Personen und Orte gehören J.R.R. Tolkien.

Rating: P 12,  später P16/18

Zeit: Zweites Zeitalter

Pairing: Glorfindel/Erestor

Warnung: In den späteren Kapiteln wird es auch zu Slash und Gewaltszenen kommen! Wer so etwas nicht mag, sollte diese Geschichte besser nicht lesen!
Ich kenne keinesfalls jedes einzelne Detail der Geschichte Mittelerdes. Deswegen und da auch Slash vorkommen wird, gibt es eine extra Warnung wegen AU und OOC, wobei ich versuchen werde, alles im Rahmen zu halten.
Ebenfalls muss ich diejenigen enttäuschen, die erwarten, dass es bereits nach ein, zwei Kapiteln "zur Sache geht". Ich mag keine PWP-Geschichten und lege mehr Wert auf Charakterentwicklung.

Summary: Der Aufbau Bruchtals gestaltet sich schwieriger als erhofft, da die beiden Berater Elronds zueinander stehen wie Feuer und Wasser.

~~~

Elrond rieb sich ermattet die Augen. Es war ein langer Tag gewesen und eine noch längere Nacht. Doch noch immer lag Arbeit vor ihm, wenn es ihm auch langsam erschien, als wäre diese mehr und mehr sinnlos. Er fragte sich insgeheim, ob sie wenigstens bis zum Morgengrauen alle Punkte auf der schier endlosen Liste geklärt haben würden.

Es hatte eine Zeit gegeben, da ihn die eigentlich trockene Papierarbeit mit einem Gefühl der Befriedigung zurückgelassen hatte. Inventurlisten, Bebauungspläne, Arbeitsverteilungen, all das waren stete Größen. Immer wieder zu fällende Entscheidungen, die damit verbunden waren, Imladris zu einem Ort der Zuflucht zu machen und doch sah er am Ende jeden Jahres die kleinen Fortschritte der nie enden wollenden Arbeit.

Seit geraumer Zeit jedoch war ihm die Freude daran vergangen. Nicht, dass Imladris nicht immer mehr erblühte und wuchs. Nein, gerade die letzten Jahre hatten sie viele der Projekte erheblich voranbringen können. Die Häuser der Heilung standen und nach und nach bestückte er die Bibliothek seines Hauses mit Werken aus ganz Mittelerde. Auch waren die ersten Familien gegründet worden oder hatten sich in Imladris angesiedelt. Seine Hoffnungen für Bruchtal schienen sich langsam zu bestätigen und er hätte eigentlich zufrieden sein müssen. Jedoch waren die Planungen und eben auch der Papierkram immer mehr zu Zerreißproben für sein sonst so unerschütterliches Gemüt geworden.

Missmutig betrachtete Elrond nun die beiden Personen, die dafür verantwortlich waren. Seit nun mehr einer Stunde stritten sich seine beiden Berater erbittert über eine Nichtigkeit. Und sie machten nicht den Eindruck, sich in nächster Zeit einigen zu können.

„...ich werde keine meiner Männer von den Grenzen abziehen. Sie sind ausgebildete Soldaten und keine Bauern.“

„Gewiss sind sie das. Doch auch sie werden wenig erfreut sein, wenn uns mitten im Winter die Nahrungsvorräte ausgehen, weil Ihr es für unnötig befunden habt, einen zusätzlichen Kornspeicher errichten zu lassen.“

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir noch nicht bereit sind, Familien in diesen Mauern zu beherbergen. Ganz abgesehen von unseren Nahrungsvorräten gibt es genug Orkbanden, die das Gebiet unsicher machen.“

„Und noch vor einer halben Stunden habt Ihr damit geprahlt, wie überlegen Eure Soldaten den Gefahren wären, die lauern.“

„Nun, da wusste ich noch nicht, dass Ihr die Hälfte davon zum Holzsägen abzukommandieren plant.“

Elrond schüttelte kaum wahrnehmbar den Kopf. Es hätte so gut funktionieren können. Seine Berater hätten unterschiedlicher kaum sein können. Doch er hatte gehofft, dass sie sich perfekt ergänzen und nicht aufeinander reagieren würden wie Feuer und Wasser.

Glorfindel hatte sich vor dem am Tisch sitzenden Erestor aufgebaut. Mit verschränkten Armen stand er da und auch die edlen Stoffe seiner Robe konnten nicht verbergen, dass der Elb es mehr gewohnt war, Rüstung und Schwert zu tragen. Der gerade durchgedrückte Rücken und das leicht erhobene Kinn offenbarten seinen stolzen Geist und die edle Gesinnung. Kaum jemand, den Elrond kannte, vermochte es so gut auf dem schmalen Grat zwischen Selbstsicherheit und Arroganz zu wandeln wie Glorfindel. Wann immer man glaubte, seine leichte Überheblichkeit könnte sich zu letzterem wandeln, belehrte Glorfindel einen eines besseren. Er war ein disziplinierter Krieger und eben diese Disziplin verlangte er auch seinen Männern ab. Dies jedoch nicht, ohne ein freundschaftliches, ja manchmal fast väterliches Verhältnis zu seinen Untergebenen zu wahren. Er war beliebt bei den Soldaten und aufgrund seiner zuvorkommenden und stets höflichen und oft fröhlichen Art auch den restlichen Bewohnern Bruchtals. Die einzige Ausnahme bildete Erestor.

Während Glorfindel Elrond von Anfang an beim Aufbau Bruchtals geholfen hatte, war Erestor erst vor wenigen Jahren nach Imladris gekommen. Und es hatte Elrond eine Menge Überzeugungsarbeit gekostet. Fast ein Jahrzehnt hatte er in langen Briefwechseln Erestor davon überzeugen versucht, seine Stellung unter Oropher aufzugeben und dieser war nicht gerade glücklich über den Weggang Erestors gewesen. Denn der hochgewachsene Elb war nicht nur ein Gelehrter in vielen Disziplinen, sondern ein verschlagener und ausdauernder Diplomat. Sein Wissen über Herrschergeschlechte aller Völker, über die komplizierten Verwicklungen der menschlichen Königshäuser und der Geschichte Mittelerdes war unübertroffen. Bevor er nach Imladris gekommen war, hatte Elrond mehr als einmal davon erfahren, dass Erestor schier aussichtslose Verhandlungen zu einem für beide Seiten befriedigenden Ausgang geführt hatte. Und das trotz seiner stets steinernen Miene und seiner abweisenden Verschlossenheit. Wo Glorfindel mit einem gütigen Lächeln jede Vermutung über Arroganz und Überheblichkeit verwischen konnte, bemühte sich Erestor nicht, sein Gegenüber daran zweifeln zu lassen, dass er überzeugt von seinen eigenen Fähigkeiten und überlegen war. Einzig Elrond gegenüber zeigte er Zurückhaltung und respektierte ihn ohne weiteres als seinen Herrn.

Elrond seufzte leise. Wenn Erestor nur ein wenig mehr von Glorfindels Ausgeglichenheit besäße. Und Glorfindel mehr von Erestors Weitsichtigkeit. Dann hätte es wirklich ausgesprochen gut funktionieren können.
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