Saoraht

KurzgeschichteAllgemein / P16
07.09.2008
07.09.2008
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AN: Ich muß von diesem Cloud-Thema wegkommen, aber ich hab immer wieder Ideen dazu. Auf die Gefahr hin, daß das allmählich langweilt, OS 3 zur Sache.

Ach ja. Zweite Person Singular Präteritum ist extremer Bullshit. Macht das nicht zuhause nach.



Saoraht


Marra anan maima jaura
Malla anan mairon rassa
Marra anan mairon rassa
Malla anna mallavaja
Mallavaja raiva sa dan
Saoraht seossa jaura vaja.


Warum sind wir am Leben?
Damit wir sterben.
Warum sterben wir?
Für unsere Ziele.
Was sind die Ziele?
Das Töten ist aller Leben Zweck.


gefunden unter der Ausrüstung eines gefallenen SOLDIER



Was bist du? Was warst du?

Sieh dich selbst, im Spiegel. Blicke dich an und sage, was dir ins Auge fällt. Blicke vorbei an dem Schwarz, das du trägst wie viele andere in dieser Stadt, auf die bloße Haut darunter. Woran erinnert es? Du kennst die Antwort.

Du bist ein Killer, An Chlaódhg.

Du wolltest stets ein Killer sein. Ein halbes Kind warst du noch, da erzähltest du ihr bereits davon. Noch keins dieser Zeichen auf deinem Körper, noch keine dieser Versehrungen in deiner Seele, und doch war es dein Wunsch, dein Wunsch aus tiefstem Herz, dir den Schlaf raubend und beflügelnd deine wilde Fantasie, zu ihnen zu gehören, den Menschen jenseits des Menschlichen, den vollendetsten Mördern der Welt, denjenigen, deren Leben es ist, zu töten. So unschuldig der Wunsch eines Kindes, magst du sagen. Doch so etwas wie Unschuld gibt es nicht.

Was warst du? Nicht mehr als ein Exemplar aus der gewöhnlichen Masse. Du versagtest. Der Splitter der Göttlichkeit, zum Greifen nah, entschwand, dein Traum fiel in Trümmer. Doch dir war nicht bewusst, daß die Essenz dieses Traumes blieb. Man gab dir die Waffe, man übertrug dir die Aufgabe. Man machte dich zu dem, was du sein wolltest. Man gab dir die Möglichkeit, über Leben und Tod zu entscheiden, mit nichts weiter als einem einzigen deiner Finger.

Nein, du sahst es nicht; für dich war dein Leben gescheitert, und deine einzige Verbindung zu dem, was du dir so gewünscht hattest, wurde der Junge aus Gongaga, ein gewöhnlicher Junge, etwas älter als du, doch mit genau dem gleichen Ideal, dem genau gleichen Ideal wie Aberhunderte ach so unschuldiger junger Leute. Er war einer derer, die es schafften; er wurde ein Halbgott in deinen Augen, du sahst ihn nicht als das, was er war. Du sahst keinen von seinesgleichen als das, was sie waren. Wesen, geschaffen zu töten; Wesen ohnegleichen.

Was warst du? So blind.

Und doch, du solltest deine zweite Chance bekommen. Du wurdest erhoben auf eine Stufe, die gleichzog mit allem aus deinen Gedankenwelten. Und du bezahltest dafür, ja, wie du bezahltest dafür. Deine Heimat, deine Kindheit verglühte in den Flammen, die niemand anderes zu verantworten hatte als der Mann, der mehr war als nur dein Held, der etwas war nahekommend einem Gott für dich. Ein Gott, der herrschte über Leben und Tod, so wie du es immer gewünscht hattest, selbst über das Leben derer, die du schon für unsterblich gehalten hattest. Er gab dir das erste Zeichen des Krieges, und er zeigte dir zum ersten Mal die Realität hinter einem Traum. Das Blut, das Leid, den Haß und das Sterben.


Was warst du? Was bist du?

Du warst ein Kind mit einer Illusion. Du wurdest zu einer Illusion deiner selbst, und du kanntest keine Träume mehr, nur noch das Schwert. Du warst zu dem geworden, was sich in den Tagen, als die Fremden deine Heimat fest in ihrem Griff hatten und ihre Präsenz allgegenwärtig war, in deinen Kopf gefressen hatte. Du warst SOLDIER. Du warst der vollendete Killer.

Doch dein gelobtes Land stellte sich als Wüste dar, allumspannend und leer. Alles hattest du erreicht, doch nun konntest du dich nur verbergen hinter den Mauern deiner ganz eigenen Fata Morgana. Und als sie zusammenbrach, spie sie dich aus in die ewige Wüste, und sie zerbrach dich.

Wer bin ich?

Das erste Mal in deinem Leben wolltest du nicht etwas sein, sondern jemand sein.

Du ließt die Wüste hinter dir. Du brauchtest Hilfe, doch du schafftest es, zu verzichten auf die unsichtbaren Mauern, um den unbarmherzigen Wind der Realität auszusperren. Du wußtest wieder, wer du warst, doch noch immer nicht, was du warst. Nun, vielleicht wußtest du es. Doch du konntest es einmal mehr nicht begreifen. Du konntest dich dem nicht stellen.

Du stelltest dich stattdessen deinem Gott, zweimal. Du schlugst ihn, rißt ihm die Flügel ab, verbanntest ihn aus deiner Welt und machtest aus ihm nicht mehr als einen bösartigen Alptraum. Der Kampf hatte sein Ende gefunden, deine Waffe ruhte. Das Leben ging weiter.

Und das erste Mal in deinem Leben fragtest du dich, wozu du all dies durchgestanden hattest. Denn was bist du? Was kannst du? Wohin hat es dich gebracht, deinen Träumen nachzujagen?

Sieh dich selbst, im Spiegel, sieh deinen Körper, sieh all die Risse und Schnitte, die selbst auf der blassen Haut, heller als bei den meisten Bewohnern der Stadt, deutlich sichtbar sind. Richte die Augen auf den zentimeterlangen, ausgefransten Blitz, der sich quer über deinem Herz über deine Brust zieht. Erinnere dich an die Soldaten, die sich auf dich stürzten, in Midgar, Junon, Gongaga, jeder Stadt, die du betreten hast auf der Suche nach dir selbst und dem Mann, der dir so viel genommen und zeitgleich alles je Erträumte gegeben hat; erinnere dich an sie jenseits des Anblicks der zerbrochenen und zerfetzten Masse aus Knochen und Blut, in die du sie verwandeltest. All die Leben, die du genommen hast mit deiner Kraft, die man dir so gar nicht ansieht. So viele Narben auf deinem Leib, zugeschüttete, zugewachsene Gräber für von durch dich ausgelöschte Seelen, eine Narbe für ein Dutzend. Was bist du?

Schließe nicht die Augen, diese Augen, derentwegen Menschen auf der Straße dir ausweichen und die in jedem die heimliche Angst wecken, mit jemandem zu tun zu haben, der nicht mehr völlig menschlich ist; diese Augen, die auch im noch so schwachen Licht in diesem verzehrenden blauen Feuer glühen, in das nur eine Person wirklich schauen kann und in denen nur eine Person wirklich lesen kann, die einzige, die dich versteht und die die Abgründe deiner Seele kennt. Richte diese Augen wieder auf den Spiegel, auf das Bild, das sich dir bietet. Sieh dich an, Killer.

Sieh dich an und frage dich, was dein Traum wert war, Junge aus Nibelheim.








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