anni tempore gravissimo et caloribus maximis

GeschichteAllgemein / P12
Raymond
03.09.2008
03.09.2008
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Titel: anni tempore gravissimo et caloribus maximis
Autorin: Akane
Fandom: LdF
Charaktere: Raymond of Waringham, Harry of Lancaster, Edward of Burton
Challenge: # 2 Pimp your kink (120minuten, 31.8.08)
Wörter: 878
Warnungen: [drama]
Disclaimer: Raymond gehört Rebecca Gablé, Edward auch, Harry gehört sich selber.


1401.
Drückend hing die Hitze über dem Palast von Westminster, die Junisonne stand als blasse Scheibe am Himmel, bedeckt durch einen Schleier aus Nebel.
Kopfschüttelnd schaute Raymond nach oben und wischte sich den Schweiß aus der Stirn. „Harry! Gott, wo steckt der Bengel jetzt schon wieder?“
Er umrundete die Ställe, packte aufs Geratewohl einen Stallburschen am Arm, der gerade dabei war, das hintere Tor auszubessern. „Carl, hast du den Prince of Wales gesehen?“ Der Junge schaute mit großen Augen zu ihm auf, Raymond of Waringham war für sein hitziges, manchmal mit ihm durchgehends Temperament berüchtigt. „N-nein, Sir. Es tut mir Leid.“
„Schon gut.“ Der Bursche konnte ja nichts dafür, dass Harry ihm ständig abhanden kam. Wenn es nur diesmal der König nicht erfuhr, er hatte das untrügliche Gefühl, dass Henry bald genug von seinen Ausreden haben würde. Und Edward durchschaute ihn ohnehin.

Irgendwo hörte Raymond ein Pferd wiehern und er wusste zum einen sofort, dass das Herakles war, der ungestüme Hengst des Prince of Wales, zum anderen, dass Herakles gerade irgend etwas ganz und gar nicht gefiel.
Er beschleunigte seinen Schritt.
„Harry! Was zur Hölle machst du da?“
Harry of Lancaster, der Prince of Wales, tauchte hinter seinem Pferd auf, den Sattelgurt hielt er noch in der rechten Hand. Er war groß für seine knapp dreizehn Jahre, und breitschultrig, aber heute wirkte er blass. „Da bist du ja endlich. Du hast so lange gebraucht, da hab ich gedacht, ich sattle Herakles schon mal selber.“ Die Angewohnheit, sich selbst um sein Pferd zu kümmern und, wenn er gerade Lust hatte, auch bei der Stallarbeit zu helfen, hatte er sich von Raymond abgeschaut, der darüber zwar alles andere als begeistert war, aber den jungen Prinzen natürlich deckte, weil er wusste, dass der König ihn vermutlich umgebracht hätte, hätte er es erfahren. Edward auch.
„Dann kannst du ihn auch gleich wieder absatteln. Dein Vater hat gesagt keine Ausritte bei diesem Wetter.“
„Aber Raymond!“
„Nein. Ausnahmsweise teile ich seine Meinung. Es ist viel zu warm.“
„Aber-“
„Damit meine ich nicht nur dich, sondern auch die Pferde. Im Gegensatz zu dir hat Herakles ein Fell. Würdest du momentan in deinem Wintermantel herumlaufen wollen?“ Raymond wusste, dass der Vergleich hinkte, Herakles war wahrscheinlich frischer als er, aber er hoffte, dass Harry das nicht so klar war.
Der Prinz überlegte einen Moment, dann nickte er schließlich. „Na gut.“
Raymond hob erstaunt die Augenbrauen. Mit ein bisschen mehr Gegenwehr hatte er allerdings schon gerechnet, und dass Harry so schnell nachgab, bestätigte nur den Verdacht, den er den ganzen Tag schon gehegt hatte: Es ging ihm nicht gut.
Wäre es nach ihm gegangen, hätte der König seinen Sohn schon vor Wochen nach Kennington geschickt, wo es zwar nicht weniger heiß, aber bei weitem weniger stickig war. Die feuchte Hitze, die aus den Sümpfen rund um Westminster kroch, tat dem Prinzen einfach nicht gut.
„Dann komm.“ Er winkte einen weiteren Stallburschen heran und wies ihn an, Herakles wieder abzusatteln und auf die Koppel zu bringen, dann legte er Harry eine Hand auf die Schulter und schob ihn vom Stall weg. „Weswegen ich dich eigentlich gesucht habe, dein Vater hat nach dir geschickt. Weißt du, was er wollen könnte?“
Harry schnitt eine Grimasse. „Vermutlich hat sich Pater Daniel bei ihm über meinen mangelnden Enthusiasmus im Lateinunterricht beschwert.“
„Womit er Recht hat.“
„Aber Latein ist so langweilig!“ Raymond zog es vor, darauf nicht zu antworten. Seine eigenen Lateinkenntnisse reichten kaum über das Pater Noster hinaus, aber das musste der Prinz nicht unbedingt wissen.
Schweigend überquerten sie den Hof. Sie hatten gerade das Tor des Palastes passiert, als Harry plötzlich stehen blieb. Raymond sah ihn an. „Was ist?“
Der Junge fasste sich kurz an die Stirn, schüttelte aber den Kopf. „Nichts, ich...“
Und dann, aus heiterem Himmel, sank er plötzlich in sich zusammen.

Bevor er auf dem Boden aufkam, fing Raymond ihn auf, legte ihm eine Hand auf die Wange, hätte die Finger um ein Haar sofort wieder zurückgezogen. Seine Haut glühte.
„Um Gottes Willen, Harry!“ Er schüttelte ihn leicht, aber es brachte nichts, der Prinz war ohnmächtig.
Raymond fluchte unschön, dann hob er den leblosen Körper mit Leichtigkeit hoch und hoffte, dass keine von den Wachen an der Tür etwas bemerkt hatte. Eine Magd, die ihm entgegen kam und den reglosen Harry in seinen Armen mit schreckgeweiteten Augen ansah, schickte er los, den Leibarzt des Königs zu rufen. Dann brachte er Harry in sein Gemach, legte ihn vorsichtig aufs Bett und tauchte mangels eines Tuches seinen Ärmel in die Wasserschüssel auf der Kommode, um ihm damit die Stirn zu kühlen.

Als er hinter sich die Tür aufgehen hörte, glaubte er, der Leibarzt sei endlich gekommen. „Das wurde auch langsam Zeit, das Fieber-“
„Also ist es wirklich ein Anfall.“
Raymond fuhr herum. Edward lehnte in der Tür und betrachtete den immer noch bewusstlosen Harry nachdenklich.
„Ja.“
„Habt ihr es wieder übertrieben?“
Schnell hob Raymond die freie Hand, wie um sich zu verteidigen. „Nein! Ich hab ihn sogar von den Pferden weggeholt, weil sein Vater ihn sehen wollte und dann ist er auf dem Weg hierher zusammengebrochen.“ Er stutzte. „Sein Vater.“
„Weiß es schon“, vollendete Edward den Satz und wandte sich zum gehen. „Ich rede mit ihm. Du bleibst hier und passt auf Harry auf.“
„Selbstverständlich. Und schau nach, wo dieser gottverdammte Leibarzt bleibt!“
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