Der Welt den Rücken

GeschichteAllgemein / P12
31.08.2008
31.08.2008
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Disclaimer: Katherine Synford und Henry Beaufort gehören sich selber, ihre Darstellungsweise gehört Rebecca Gablé.

"Ich bin müde, Henry. Abgesehen davon bin ich alt und hässlich."
 Katherine Swynford hob die Hand, um den unausweichlichen Protest ihres Sohnes im Ansatz zu ersticken. "Fang erst gar nicht an, mir zu schmeicheln. Ich weiß, was mein Spiegelbild mir zeigt."
„Mutter…“ Henry Beaufort seufzte.
Seit dem Tod seines Vaters vor einem Jahr war seine Mutter einfach nicht mehr die Gleiche. Natürlich war sie immer noch aufrecht, ungebeugt, ließ sich ihre Trauer in keinster Weise anmerken, doch sie hatte sich von der Welt zurückgezogen. Die früher so lebensfrohe Frau mit einer Vorliebe für das Unkonventionelle war zu einer Einsiedlerin geworden.
„Aber ich nehme an, du bist nicht hier, um dir die Klagen einer alten Frau anzuhören.“
„Nein.“
Aber warum war er eigentlich hier? Um ihr vom Hof zu erzählen, wo er sich sicherlich häufiger aufhielt als sie, schließlich war sein Halbbruder König von England und obwohl das ganze Reich ihn vermutlich für einen Neider hielt, der dem König lieber früher als später den Tod wünschte, um dem Thron selber näher zu rücken, genoss er seine Gegenwart. Doch das interessierte sie nicht mehr, seit es nicht mehr sein Vater war, der heimlich die Geschicke des Reiches lenkte.
Um ihr und ihrem Haushalt die Messe zu lesen, da sie das Haus kaum noch verließ, aber hätte sie eine Messe zu einer solch ungewöhnlichen Tageszeit gewollt, wäre sie ins Kloster gegangen.
Um ihr zuzuhören, obwohl er wusste, das sie nicht reden wollte.
„Also?“
Henry beugte sich nach vorne, nahm ihre Hand. Sie zog sie weg. „Warum begleitet Ihr mich nicht zur Vesper in den Dom?“ Ein wenig Unterhaltung würde Euch vielleicht gut tun, hätte er fast hinzugefügt, aber er hatte inzwischen gelernt, dass es sich für einen Bischof nicht schickte, die Heilige Messe als „Unterhaltung“ zu bezeichnen. Genauso wie sich so vieles anderes für einen Bischof nicht schickte… Aber er hatte ja auch nie Bischof werden wollen.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich denke, ich ziehe es vor, hier zu bleiben.“
„Wie Ihr wünscht.“
Er wünschte allerdings, Katherine würde sich noch einmal aus ihrer Apathie reißen lassen, würde ihre Lebensfreunde wieder finden. Sie war noch nicht alt und sie war noch gesund.
Aber er glaubte manchmal fast, ein Teil ihres Wesens wäre mit dem Duke of Lancaster gestorben.
Henry erhob sich. „Ich allerdings sollte mich in den Dom begeben, man wird sich sonst wundern, wo ich bleibe.“
Sie nickte müde und er wandte sich zum Gehen.

„Henry!“ Sie rief ihn zurück, bevor er die Tür erreicht hatte.
„Ja, Mutter?“ Er drehte sich zu ihr um.

Sie schwieg und sah in seine Augen.
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