Das Ende einer Ära

GeschichteAllgemein / P6
Abby Maitland Claudia Brown / Jenny Lewis Connor Temple Helen Cutter James Lester Nick Cutter
27.08.2008
27.08.2008
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Prolog

Während Helen Cutter noch entsetzt ihre Umgebung betrachtete, wurde sie auch schon angegriffen. Zwei Preadatoren stürzten sich auf sie, einer von hinten und einer von der Seite, ohne dass sie die geringste Chance auf Entkommen, geschweige denn Gegenwehr, gehabt hätte. Nun erkannte sie ihren Fehler, doch sie erkannte auch, dass es zu spät war um ihn zu korrigieren. Innerhalb weniger Sekunden war sie tot.

* * *
                         Eine Woche zuvor.

Nick stürzte entnervt aus Lesters Büro. Was dachte sich dieser eingebildete Bürokratenschnösel eigentlich? Wutentbrannt rannte er fast Jenny um, die anscheinend auch zu Lester wollte.
“Morgen Cutter, wie geht’s?  Noch schnell vor der Arbeit mit Lester einen getrunken?” fragte sie trotz seines eindeutigen Gesichtsausdruckes hoffnungsvoll.
Der Angesprochene konnte angesichts dieser Vorstellung ein Lachen nicht unterdrücken. “Nein, sicher nicht. Hat er ihnen seinen tollen Einfall etwa noch nicht mitgeteilt?”
“Nein, was hat er denn schon wieder vor?” fragte sie fast etwas besorgt.
“Ach, nichts weiter, als dass uns ab jetzt bei allen Aktionen 30 Soldaten begleiten sollen, für die ich dann den Babysitter spiele. Er muss echt denken, dass ich  nicht ausgelastet bin.”
“Danke für die Info, dann werde ich jetzt mal hingehen und versuchen ihm klarzumachen, dass das Schwachsinn ist. Ich sage Ihnen dann danach Bescheid, ob es was gebracht hat. Wo finde ich sie?”
“Unten beim A.D.D.. Connor will mir irgendwas zeigen.” sagte Nick in einem leicht skeptischen Tonfall.
“Vielleicht hat er ja ein Raumschiff entdeckt, oder so was.” sagte sie und lachte. “Wir sehen uns dann, wenn ich bei Lester fertig bin.”
“Viel Glück, das wird nicht leicht.”
Als Nick weiterging war er froh, dass er mit seiner Meinung gegen Lester nicht alleine dastand.

Connor erwartete ihn schon.
“Professor, schauen sie sich das mal an.”
Nick schaute auf den Monitor. Er würde sich mit diesem Computer nie anfreunden können. Auch jetzt sah er nur eine Menge Zahlen vor sich, mit denen er nichts anzufangen wusste. Schließlich gab er auf, irgendwas auf diesem Bildschirm zu finden. Er wandte sich an Connor. “Du weist ganz genau, wie gut ich mit diesem Teil umgehen kann, Connor.”
Dieser war immer sehr stolz darauf, seinem Professor etwas beibringen zu können.
“Also gut, Professor:” sagte er mit dem besten wissenden Gesichtsausdruck, den er erzeugen konnte, “Wir haben Interferenzen. Aber es kann keine Anomalie sein, auf jeden Fall keine, wie wir sie kennen. Wir empfangen sie auf einer ganz anderen Frequenz als Normal. Sie müsste absolut instabil sein. Hier können sie sehen, wo sie sich befindet. Das ist nicht gut.”
“Das ist wirklich merkwürdig” gab Nick zu, “Was könnte es noch sein?”
Als Antwort kam von Connor nur ein sehr konstruktives Schulterzucken.
Wie jeden Tag im vergangenen halben Jahr wünschte sich Nick, Stephen wäre hier. Erst nach dessen Tod war ihm aufgefallen, dass er nicht nur als Mensch eine riesige Lücke hinterlassen hatte, sondern auch dem Team sehr wichtig gewesen war. Er hatte immer Ideen gehabt und, wenn nötig, auch mal die Drecksarbeit erledigt. Auch jetzt hätte Nick mal wieder eine seiner Ideen sehr gut gebrauchen können.
Connor riss ihn aus seinen Gedanken. “Äh, Professor?”
“Ja, Connor?”
“Was machen wir denn jetzt?”
“Wir schauen uns das mal an. Du holst Abby und Sarah, ich bring Jenny mit, OK?”
“Ja, Professor, ich würde sagen in 10 Minuten können wir los.”

Nick hechtete zurück in Richtung Lesters Büro. Dieser schien gerade eine lautstarke Diskussion mit Jenny zu führen, doch darauf konnte und wollte er jetzt keine Rücksicht nehmen. Er öffnete, selbstverständlich ohne vorher anzuklopfen, die Tür und sagte schlicht: “Entschuldigen Sie, James, aber wir haben vielleicht eine Anomalie. Ich will jetzt los und das untersuchen. Kommen sie mit, Jenny?”
“Ja, gerne.” antwortete diese sofort. Sie war froh über jeden Grund von Lester wegzukommen.
Eine andere Reaktion kam von diesem: “Ah, sehr schön Cutter. Dann können wir doch gleich mal versuchen, ob meine Idee vielleicht doch was bringt. Ich schicke ihnen die 30 Jungs nach..., äh wohin überhaupt?”
Darauf hatte Nick gewartet. Seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. “In die Innenstadt. Es ist ein Hinterhof, wenige Meter von der Fußgängerzone entfernt. Da machen sich 30 uniformierte Männer mit Maschinengewehren natürlich besonders gut. Und da die ja auch immer in so schönen, schwarzen Transportern auftauchen, ist das in der Fußgängerzone besonders praktisch.”
Während Jenny sich wegdrehen musste, um nicht laut loszulachen, sah Lester ziemlich sauer aus. “Machen sie doch was sie wollen.” Er klang auch verärgert. “Vielleicht haben sie ja wenigstens die Güte, Captain Becker mitzunehmen.”
“Machen wir, sie kriegen dann heute Abend noch meinen Bericht.”
“Das will ich hoffen. Und schön ausführlich, Cutter, verstanden?” knurrte er. “Viel Erfolg.” kam es noch kleinlaut hinterher, als Jenny und Nick den Raum verließen.

Beide waren sehr guter Stimmung, als sie sich zum Kleintransporter begaben, an dem Connor, Abby, Sarah und Captain Becker, den Lester sehr schnell beordert haben musste, warteten.
“Also Professor, wohin geht es denn?” fragte Becker, der sich schon ans Steuer begab.
Nick nannte Becker einen diesem völlig unbekannten Ort in der Innenstadt. Der Captain sah ihn verständnislos an. “Wo soll das denn sein?”
“Keine Ahnung, ich dachte, sie kennen sich aus.”
“Wie oft soll ich ihnen noch sagen, dass ich bis vor vier Jahren in den Highlands gelebt habe?” fragte dieser schon etwas gereizt. “Connor,” schnauzte er in den hinteren Teil des Transporters, “Wo ist das?”
Wieder einmal hatte Connor einen Grund seine besserwisserische Miene aufzusetzen. “Nun, Sir, Fragen sie doch mal ihr Navigationsgerät da vorne.” war sein Vorschlag.
Wenige Augenblicke später raste ein hochgradig beleidigter Captain Becker vom ARC weg in Richtung Innenstadt.

Eine knappe halbe Stunde und unzählige knapp verhinderte Unfälle später bremste Becker mit quietschenden Reifen in der Einfahrt zu einem Hinterhof. Er stieg aus und sperrte diese mit Flatterband ab. Zum Glück gab es hier  nur verfallene Gebäude. Wenn er auch noch Bewohner zu evakuieren gehabt hätte, wäre er Lester für 30 zusätzliche Helfer dankbar gewesen.
Inzwischen stiegen auch die Anderen aus. Cutter und Connor machten sich sofort auf den Weg, um die Quelle der Interferenzen zu suchen. Connors mobiler Anomaliedetektor hatte schon ausgeschlagen. In sicherem Anstand folgte ihnen Sarah Page. Die Ägyptologin war geübt wichtige Kleinigkeiten zu erkennen, ihr würde keine Spur entgehen. Als letztes verließ Abby, die von Jenny gestützt wurde, den Transporter. Die Blässe in ihrem Gesicht lies deutlich erkennen, was sie von Beckers Fahrweise hielt.
Ein Angstschrei von Connor lies sie jedoch schnell wieder zu sich kommen. Dieser rannte aus der Ecke des Hofes weg, in der sich die Mülltonnen befanden, während Nick nirgends zu sehen war. Abby hielt ihn auf, als er sich gerade in den Transporter stürzen wollte. “Was ist los, Connor?” fragte sie erschrocken, “Wo ist Cutter?”
Connor schien wirklich große Angst zu haben, er konnte erst nach einigen Augenblicken antworten. “C-C-Cutter ist da h-h-hinten... b-b-bei den M-M-Mülltonnen...,” stotterte er “D-d-da war so ein Vieh...”.
“Was war es, Connor, sag es!”
“Eine dicke, eklige, fette, dumme, böse Ratte.” heulte er fast. “Die wollte mich ganz sicher beißen.”
Abbys Angst wich Wut. “Sag mal, spinnst du? Du machst hier einen Aufstand wegen einer Ratte? Wie alt bist du eigentlich?” fauchte sie ihn an.
“Entschuldige mal, das war eine große Ratte...” versuchte Connor sich zu verteidigen.
Er wurde aber von Nick unterbrochen, der sie alle zu sich rief. “Hey, schaut euch das hier mal an. Vor allem sie, Sarah, sie müssen mir mal helfen.”
Alle begaben sich zu Nick, der in der sehr kuscheligen und streng riechenden Lücke zwischen Mülltonnen und Häuserecke wartete. Als sie dort ankamen, waren sie geschockt. Sie standen anscheinend einer Anomalie gegenüber, doch so eine hatten sie noch nie gesehen. Keine goldenen Splitter, keine Kugelform. Nur ein hell leuchtender Kreis, der einige Zentimeter über dem Erdboden schwebte. Alle standen ein Weilchen sprachlos da. Dann brach Sarah die Stille. “Schaut euch den Boden an, das ist einfach nicht möglich.”
Alle richteten ihre Blicke nach unten. Der sandige Boden, die Gehwegplatten hatten wohl eifrige Gartenbesitzer entwendet,  war mit Fußspuren übersäht. Alle dieser Spuren führten entweder von der Anomalie weg, oder direkt auf sie zu. Nach einigen prüfenden Blicken erklärte Sarah den Anderen: “Es waren wohl über zehn Personen. Es hatten alle die gleichen Schuhe an, nur eine Spur ist anders.”
“Wie alt sind die Spuren?” wollte Jenny wissen. Wenn dies Zivilisten waren, dann hatte sie nun viel Arbeit zu erledigen.
“Nun, die Spuren, die wegführen, vielleicht zwei Stunden. Die anderen deutlich jünger.”
“Das stimmt ungefähr mit dem Auftauchen dieses Teils überein, zwei Stunden passt.” mischte Connor sich ein.
“Reden bringt nicht viel.” stellte Nick fest. “Wer geht mit mir durch?” setzte er hinterher.
“Hier geht heute keiner durch.” informierte Captain Becker ihn. “Direkte Anweisung von Lester, keine Risiken eingehen.”
“Weder sie noch Lester werden mich daran hindern können,...” begann Nick, wurde jedoch von Abby unterbrochen, die auf die Anomalie deutete und schrie: “Da kommt was durch!”.
Erschrocken wandten sich alle der Anomalie zu und Captain Becker entsicherte vorsichtshalber seine Waffe. Als die Gestalt, die durch die Anomalie kam erkennbar wurde, sagte Nick nur ein Wort. “Helen!”
Diese hatte jedoch genauso schnell bemerkt, wer auf der anderen Seite wartete und sich sofort wieder in die Anomalie geworfen, bevor jemand sie davon abhalten konnte. Nick sprang zwar sofort dahin, wo sich vor einer Sekunde noch das leuchtende Zeittor befunden hatte, doch er landete, ganz und gar in der Gegenwart, auf dem sandigen Boden. Die Anomalie war zusammen mit Helen verschwunden.
Es dauerte einige Momente, bis alle realisierten, was sie geschehen war. Genau zu dem Zeitpunkt, als sich die Anomalie am Morgen geöffnet hatte, war Helen, die als einzige dafür in Frage kam, mit jemandem durch die Anomalie gegangen. Und nun, als es für Helen am Besten war, dass sie sich schloss, tat sie dies auch. Dies lies nur eine Schlussfolgerung zu. Jenny war es, die das Erschreckende als Erste in Worte fasste: “Sie hat einen Weg gefunden, die Zeit zu kontrollieren. Diese neue Art von Anomalie, sie muss sie selbst erschaffen haben.”
“Wir müssen herausfinden, wie sie es tut.” sagte Connor. “Nur so haben wir eine Chance, sie zu stoppen. Und das müssen wir, denn wer weiß was sie schon wieder vorhat...”
“Dann hast du ja eine Aufgabe.” meinte Nick an Connor gewandt. “Du Connor, und auch Sie Sarah, werdet das hier auswerten und nachbauen. Ich glaube wir können nun gehen.”
“Ich lasse hier zwei Soldaten herkommen, die Wache halten. Nur für den Fall, dass Mrs. Cutter es noch einmal versuchen sollte.” teilte Becker den Anderen mit.
“Tun sie das.” war Nicks Reaktion. Das dieser mit einer, möglicherweise gewaltsamen, Inhaftierung seiner Ehefrau einverstanden war, beruhigte den Soldaten. Er war sich noch immer nicht sicher, was er in diesem Zusammenhang von dem Professor zu halten hatte.

Auf der Rückfahrt zum ARC schwiegen alle und gingen ihren Überlegungen nach. Was hatte Helen vor? Was würde sie jetzt unternehmen? Was konnte das Team gegen sie ausrichten? Keiner fand eine Erklärung. Wieder einmal zeigte sich, dass Helen die Schlüsselperson zu den Anomalien war. Wenn sie an ihr Wissen gelangen könnten, dann würden sie die Folgen des Phänomens eindämmen können.

Im ARC ging Nick sofort zu Lester, dem er alles mitteilte. Lester hörte aufmerksam zu und fragte dann, was Cutter denn nun empfehlen würde. Dieser wunderte sich zwar, dass sein Chef an seiner Meinung interessieret war, doch er antwortete: “Das Wichtigste ist, Helen zu stoppen. Halten sie überall im Land Soldaten bereit. Keiner weiß, wo sie wieder auftaucht. Wenn wir eine ihrer Anomalien lokalisieren, können schnell Einsatzkräfte da sein und sie aufhalten.”
“Sie sind ja doch ganz vernünftig Cutter.” gab ein sichtlich überraschte Lester zu. “Ihre Idee ist gut, das kann man sehr gut daran erkennen, dass ich sie auch schon hatte. Ich lasse meine Leute sich heute Nacht verteilen.”
“Kann ich dann für heute Schluss machen?” fragte Nick hoffnungsvoll. Er hatte so großen Hunger, dass er kaum aufrecht stehen konnte.
“Wenn ich mich recht erinnere, versprachen sie mir einem schriftlichen Bericht.” grinste Lester ihn an. “Aber ich will mal nicht so sein. Mir reichen ein paar Zeilen, nur so für die Akten, ja?”

Kurze Zeit später war er mit dieser Arbeit fertig und machte sich bereit zu gehen.
Am A.D.D. traf er Jenny und Connor, die gerade den Computer für die Nacht programmierten. Es sollten probeweise einige Szenarien durchgespielt werden. Als er damit fertig war, ging Connor nach Hause. Jenny wandte sich an Nick. “Kommen sie noch mit zu Luigi’s Restaurant? Ich habe einen Mordshunger und gehe nicht gerne alleine hin...”
“Sehr Gerne,” antwortete er “Ich habe seit ziemlich genau 18 Stunden nichts mehr gegessen.” Die Beiden verbrachten einen schönen abend bei Luigi’s und brachte sämtliche Kellner darüber zum stauen, wie viel zwei Menschen in wenigen Stunden doch essen können. Letztendlich wurden sie aufgrund ihres lauten Lachens, dass zum Großteil auf viel guten italienische Wein zurückzuführen war, gebeten das Lokal zu verlassen.
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