Erinnerungen

von Lea1988
GeschichteDrama / P6
24.08.2008
24.08.2008
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Als Audrey aufwachte, war sie noch einen Moment lang in ihrer schönen Traumwelt gefangen. Sie war mit Jack in ihrem gemeinsamen Lieblingsrestaurant essen gegangen. Sie hatten sich über alles mögliche unterhalten und Jack war so einfühlsam gewesen.
Audrey meinte, noch immer Jacks Hand auf der ihren zu spüren und seine leuchtend blauen Augen vor sich zu sehen, die sie so liebevoll anblickten.
Doch die glücklichen Gefühle aus dem Traum hielten nicht lange an. Als Audreys Blick auf das neue schwarze Kostüm fiel, dass sie an den Schrank gehängt hatte, wurde ihr die Realität schlagartig bewusst: Heute war der Tag von Jacks Beerdigung. Ihr schossen die Tränen in die Augen. Wie sollte sie diesen Tag aushalten? Und wie sollte sie danach weiter ihr Leben leben?
Bilder von dem schrecklichen Tag, der mit Jacks Tod geendet hatte, tauchten in Audreys Kopf auf. Sie versuchte, sich gegen diese Gedanken zu wehren. Doch es gelang ihr nicht. Immer wieder sah sie Jack vor sich, wie verletzt und hilflos er sie angesehen hatte, als sie ihm gesagt hatte, sie könne mit seiner Welt nicht leben und gegangen war. Und das war ihre letzte Begegnung gewesen. Mit diesen Gedanken hatte Jack sterben müssen. Und nicht nur das, sie hatte ihn in dem Glauben gelassen, sie würde ihn für das, was mit Paul geschehen war, hassen. Nun konnte Audrey ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie und Jack hätten Zeit gebraucht. Nach Jacks Tod war Audrey klar geworden, dass sie nicht ohne Jack leben konnte. Und sie beide hätten eine Möglichkeit gefunden, mit Jacks Leben als CTU-Agent zurecht zu kommen. Doch nun hatten sie keine Chance mehr, es zu schaffen. Ein Leben miteinander zu führen. Sie konnte diese Tatsache einfach nicht ertragen.
Am liebsten hätte Audrey sich wieder unter ihrer Decke vergraben, hätte die Augen geschlossen und wäre nicht mehr aufgestanden. Sie konnte den Gedanken an Jacks Beerdigung nicht ertragen. Wie sollte sie diesen Tag durchstehen? Doch sie wusste, dass sie zur Beerdigung gehen musste. Sie musste versuchen, damit abzuschließen und Jacks Beerdigung und damit das Akzeptieren seines Todes war der erste Schritt.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und stieg aus dem Bett. Widerwillig griff sie nach dem bereithängenden Kostüm, das sie sich erst vor ein paar Tagen gekauft hatte. Sie wusste, dass sie es nach diesem Tag nie wieder würde anziehen können.
Während sie sich anzog, versuchte sie, die Gedanken an Jacks Tod und die schrecklichen Ereignisse an seinem Todestag zu verdrängen. Sie wollte an die vielen wundervollen Dinge, die sie mit Jack erlebt hatte, denken. Daran, wie er sich ihr immer mehr geöffnet hatte, wie er sie angesehen hatte, an die vielen Stunden, die sie mit ihm verbracht hatte und die für sie zu den schönsten ihres Lebens zählten. Doch diese Gedanken waren genauso schmerzhaft wie die an seinen Tod. Also versuchte sie, gar nicht an Jack zu denken, doch sie wusste, das würde sie nicht schaffen.
Sie schaute auf die Uhr. Es war 8 Uhr. In einer viertel Stunde würden Kim und Chase sie abholen. Ein weiterer schmerzvoller Gedanke. Es fiel ihr so schwer, mit Kim zusammen zu sein. Kim rief in ihr so viele Erinnerungen an Jack hervor und Audrey wusste, dass es Kim mit ihr selbst genauso ging. Sie konnte und wollte sich gar nicht vorstellen, was dieser Verlust für Kim bedeutete. Sie war noch so jung und hatte sowohl ihre Mutter als auch ihren Vater verloren. Und beide wurden umgebracht.
Audrey wollte unbedingt für Kim da sein, ihr irgendwie über den Verlust ihres Vaters hinweghelfen. Doch wie sollte sie das machen? Wo sie doch selber nicht wusste, was sie mit all ihrem Schmerz machen sollte und wie ihr Leben ohne Jack aussehen sollte.
Ein weiterer Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie jetzt schon seit 10 Minuten auf dem Badewannenrand saß. Sie griff nach ihrer Handtasche und setzte sich die bereitliegende Sonnenbrille auf. Beim Blick in den Spiegel bemerkte sie, dass auch die übergroße Sonnenbrille nicht verbergen konnte, wie geschwollen und gerötet ihr Gesicht vom vielen Weinen war.
Als sie die Türe zu ihrem Schlafzimmer schloss, fiel ihr Blick auf das Bild von ihr und Jack auf ihrem Nachttisch. Es war auf einer Feier letzten Monat aufgenommen worden. Schnell drehte Audrey sich um, um keine Gedanken an diesen Abend aufkommen zu lassen und schloss die Schlafzimmertür hinter sich.
Auf ihrem Weg zur Haustür hörte sie ein Auto vorfahren. Kim und Chase waren schon da. Audrey schloss die Augen und atmete tief durch, um sich für das Kommende zu stärken. Dann öffnete sie die Tür und trat nach draußen. Sie winkte Chase zu, der gerade aus dem Auto stieg, schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass sie diesen Tag überstehen würde und schloss die Türe hinter sich.
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