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Tag um Tag

von Eulenmond
GeschichteDrama / P12 / Gen
14.08.2008
28.01.2009
3
2.081
1
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14.08.2008 743
 
Als Kyle aufwachte, wusste er nicht, wo er war.
Er wusste nur, dass ihm speiübel war und sein Kopf höllisch weh tat. Außerdem war er sich sehr sicher, dass er weder das Zimmer im rustikalen Landhausstil, noch die junge Frau, die neben ihm lag, jemals zuvor gesehen hatte.

Ganz vorsichtig richtete er sich auf und sofort schoss eine neue Welle Schmerz durch seinen Kopf, vor seinen Augen wurde es dunkel.
Nur langsam war er wieder in der Lage, sich auf seine Umgebung statt auf seinen schmerzenden Körper zu konzentrieren.
Neben dem schwarzen Ledersofa, auf dem sie lagen, waren Spritzen, Löffel, Feuerzeuge und Plastiktütchen zwischen leeren Flaschen verteilt und Kyle dachte dumpf, dass es ganz schön lange dauern würde, all das wieder aufzuräumen.

Plötzlich kam ihm der Gedanke, dass unter all dem Müll vielleicht noch etwas unverbrauchtes Heroin lag, zumindest glaubte Kyle sich zu erinnern, dass sie in der vergangenen Nacht Heroin genommen hatten, ganz sicher war er sich nicht, dafür wurde sein Gehirn zu sehr von den Schmerzen in Anspruch genommen.

Er beugte sich über den Sofarand, was seinem Magen beinahe den Rest gegeben hätte und begann mit zittrigen Fingern in dem Chaos zu wühlen, der Gedanke an einen neuen Schuss trieb ihn voran.
Als er eine leere Flasche Tequila zur Seite schob, die kullernd über das Parkett rollte, fiel ihm eine aufgezogen Spritze auf, die eindeutig mit etwas Flüssigkeit gefüllt war.

Kyles Herz begann schneller zu schlagen. Noch nie hatte eine Spritze schöner ausgesehen, zumindest kam es ihm in diesem Moment so vor.
Viel zu schnell setzte er sich auf und ließ sich auf den Boden gleiten, doch er ignorierte seinen rebellierenden Magen und griff nach der Spritze.

Nach kurzem Suchen fand er auch seinen Gürtel, der zusammen mit seiner Jeans neben dem Sofa lag, die endgültige Erklärung, warum er neben dieser jungen Frau aufgewacht war.
Er band sich den Gürtel um den Oberarm, zog ihm möglichst fest zu, was mit zitternden Fingern gar nicht so einfach war und ballte die Hand zur Faust, in der Hoffnung, eine Vene zu finden.
Dann steckte er die Spritze in den Arm, sein ganzer Körper war nun angespannt vor freudiger Erwartung.

Doch gerade als er sein Blut in die Spritze ziehen wollte, um es mit dem Heroin zu vermischen, wurde plötzlich die Zimmertür geöffnet und ein untersetzter Mann mit Bierbauch und schütterem Haar starrte ihn an.
Einen Augenblick schienen sie beide vollkommen erstarrt, dann wanderte der Blick des Mannes weiter durch den Raum, streifte die Frau auf der Couch, die Alkoholflaschen und Heroinspritzen und blieb dann an den beiden schlafenden Personen auf dem flauschigen Teppich vor dem Kamin hängen, die Kyle bis jetzt noch gar nicht bemerkt hatte.

"Tom?"
Die Stimme des Mannes klang völlig fassungslos und dröhnte in Kyles schmerzendem Kopf.
Der Mann vor dem Kamin allerdings, den Kyle tatsächlich als seinen Kumpel Tom Rusk erkannte, schlief tief und fest, ohne irgendetwas mitzukriegen.
"Tom, was ist hier los?"
Seinen Worte klangen nun drängender, so als wäre er es nicht gewöhnt, irgendetwas nicht zu wissen.

"Er schläft, lassen Sie ihn doch."
Kyle wollte nur, dass der Mann endlich verschwand und ihn in Ruhe fixen ließ, doch der Mann machte keine Anstalten zu gehen, stattdessen wandte er sich jetzt Kyle zu und bedachte ihn mit einem Blick, der tödlicher nicht hätte sein können.
"Wer sind Sie überhaupt und was tun Sie hier in meinem Haus?"

"Ich bin Kyle Mc..."
Er wollte gerade seinen Namen sagen, als ihm der Gedanke durch den Kopf schoss, dass dieser Mann ziemlich aufgebracht wirkte und vielleicht die Polizei rufen würde. In diesem Fall wäre es vielleicht besser, ihm nicht gleich seine komplette Identität auf dem Silbertablett zu servieren.
"Ich weiß nicht, was ich hier mache, aber ich schwöre, ich wusste nicht, dass das Ihr Haus ist."

Der Mann sagte nichts, doch sein Blick sprach Bände. Schließlich schien er sich einen Ruck zu geben.
"Ich werde jetzt mit meiner Frau einen Spaziergang machen. Sie wecken meinen Sohn und die jungen Damen und wenn ich in einer Stunde wiederkomme, werden Sie alle und diese... Sachen verschwunden sein. Haben Sie das verstanden, Kyle?"

Kyle nickte stumm.
Er war froh, dass der Mann, offenbar Tom Rusks Vater, nicht die Polizei rufen wollte. Außerdem war eine Stunde viel Zeit, genug Zeit, um sich noch einen Schuss zu setzen, bevor er die anderen weckte.
Wie es schien, war heute mal ein Glückstag.
 
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