Unbekannt

GeschichteDrama / P12
Harry Potter
13.08.2008
13.08.2008
1
703
2
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
13.08.2008 703
 
Titel: Unbekannt

Disclaimer: Die verwendeten und erwähnten Charaktere gehören ausnahmslos JKRowling

Betaleserin: Alexia

Anm.: Mal wieder habe ich eine alte Geschichte auf meinem Computer gefunden. Wenn ihr sie gelesen habt, werdet ihr wohl verstehen, warum ich sie veröffentlichen wollte. Über Meinungen zu der FF würde ich mich sehr freuen.

Widmung: Für Nora


Schweigend starrte er auf den See. Kalter Wind zerrte an seinem schwarzen Haar und ließ seinen Umhang bedrohlich aufbauschen. Seine Hände zitterten und der unbarmherzige Luftzug trieb feuchtes Laub in sein Gesicht. Seine Augen brannten, doch er starrte verbittert weiter auf den See. Die endlosen Weiten des grauen Nass spiegelten den düsteren Himmel über den Wolken rastlos hinweg rauschten.

Schnell schlang Harry seine Arme um seinen Körper und versuchte mehr Kontakt zwischen ihm und dem schützenden Mantel zu schaffen. Doch es half nichts. Die Kälte drang durch seine Kleidung und ließ ein schmerzendes Prickeln auf seiner so empfindlichen Haut zurück.

Hinter ihm, im Schloss Hogwarts, läutete eine Glocke. Sämtliche Schüler saßen nun in der Großen Halle zusammen und trauerten. Trauerten um eine Mitschülerin. Doch er, Harry, stand hier. Er wollte nicht an dieser Trauerfeier teil nehmen, dazu kannte er die Tote zu wenig. Genau das war auch der Grund, warum er hier stand.

Es war keine fünf Tage her, als sich die Nachricht, wie ein Lauffeuer durch die Schule verbreitet hatte. Eine Drittklässlerin, fast vierzehn Jahre alt, hatte sich vom Nordturm gestürzt. Harry konnte es immer noch nicht fassen. Wie gelähmt blickte er auf den grauen See und dachte an das Mädchen.

Nora, war ihr Name gewesen. Mehr wusste er nicht. Nie hatte er sie gesehen. Nie hatte er auch nur ein Wort mit ihr gesprochen. Er kannte sie nicht und doch war er drei Jahre mit ihr auf die selbe Schule gegangen. Und das machte ihn wütend. Er konnte nicht um das Mädchen trauern, aber die Tatsache, dass sie sich umgebracht hatte, machte ihn traurig. Was ging wohl in einem dreizehnjährigen Mädchen vor, wenn sie ihr Leben freiwillig ein Ende setzte? Harry konnte sich das nicht erklären. Ihm taten nur die Eltern, Freunde und Angehörigen leid. Es war so schrecklich und grausam.

Kleine Regentropfen peitschten nun in sein Gesicht. Wie wenig man doch seine Umwelt kannte. Man sah sie, aber nahm sie doch nie wirklich wahr. So seltsam war dies Gefühl.

Machtlosigkeit? Vielleicht.

Wut? Sicherlich.

Hoffnungslosigkeit? Möglich.

Nichts, was er hätte tun können.

Diese Ahnungslosigkeit, dass man auf manche Dinge keinen Einfluss hatte, keine Möglichkeit sie zu ändern. Sein innere Gryffindor sträubte sich, doch er musste es akzeptieren.

Abermals rissen ihn die Glocken des Schlosses aus seinen Gedanken. Da saßen sie nun und gedachten der jungen Hufflepuff. Gründe, waren unbekannt. Die Fragen nach dem Warum zwecklos. Sie schien ein fröhliches Mädchen gewesen zu sein. Ehrlich, aufgeschlossen, hilfsbereit. Eben ein Hufflepuff aus ganzen Herzen. Schulstress hatte es kaum gegeben. Ein S bei Snape, nach allem was man gehört hatte, aber das war ja noch lange kein Weltuntergang. Nein, keiner schien dieses Mädchen wirklich gekannt zu haben. Niemand.

Auch wenn Harry jetzt nichts mehr ändern konnte, nahm er sich doch eines vor: er würde auf seine Mitmenschen acht geben. Mehr als er es bisher schon getan hatte. Nicht, dass er eines Tages am Grab einer seiner Freunde stehen musste und sich fragen würde, was er versäumt habe zu tun. Nein, niemals würde er das zulassen. Er würde Acht geben. Ja. Das würde er tun. Harry fühlte sich ein wenig besser und schritt mit einem kleinen Lächeln vom See weg. ‚Nein‘, dachte er, ‚umsonst ist sie nicht gestorben. Sie hat mir gezeigt, dass ich vorsichtig sein muss. Ich werde auf meine Freunde und meine Umwelt aufpassen. Und für diese Erkenntnis, dafür danke ich dir, Nora.‘

Und während Harry in Richtung Schloss ging, rauschte ein weitere Windstoß durch die Bäume, wirbelte die bunten Blätter auf. Und mit einem Mal riss die dunkle Wolkendecke auf und ein Strahl der goldenen Sonne traf das Schloss und ließ es in einem wundersamen Licht schimmern.

ENDE

Die FF beruht auf einem Geschehnis in meiner Schule. Eine Achtklässlerin hat sich vor einer Woche das Leben genommen und jetzt in diesem Augenblick findet eine Gedenkfeier für Nora statt. Ich wollte damit irgendwie meine Gefühle zum Ausdruck bringen. 25.11.05
Review schreiben