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Geteilte Gefühle

von Antari
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
12.08.2008
20.08.2008
10
13.944
 
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12.08.2008 1.201
 
Hey,
Vielen Dank für die Reviews.
Hier kommt das nächste Kapitel, ich hoffe, es gefällt euch. Viel Spaß!
Antari

Eine seltsame Einladung


Auf der Fahrt alberten Katja und Ben die ganze Zeit herum und stritten sich spielerisch darum, wer auf dem Rückweg fahren durfte. Die seltsame Stimmung von vorhin zwischen ihnen war wieder verflogen und beide wussten nicht so recht, ob sie erleichtert oder enttäuscht sein sollten. Also verfielen sie wieder in ihre alten Kabbeleien, da wussten sie wenigstens, woran sie waren.
Als sie an Frau Plischkes Wohnungstür klingelten, öffnete diese innerhalb von Sekunden.
„Da sind Sie ja endlich, Frau Metz! Kommen Sie doch herein. Ich habe schon den Kaffee aufgesetzt. Wen haben Sie denn da mitgebracht?“
Katja folgte der Frau in die Wohnung. „Das ist mein Kollege Ben Kessler.“
„Guten Tag!“ Ben schenkte Frau Plischke ein strahlendes Lächeln.
„Was ist denn mit Herrn Matthies?“
„Er ist jetzt unser Chef auf dem 14.“, antwortete Katja.
Frau Plischke führte Katja ins Wohnzimmer und sagte in vertraulichem Ton: „Da haben Sie aber einen netten Nachfolger für ihn bekommen.“
Ben hatte es gehört und grinste. „Schön, dass Sie ihr das mal sagen. Sie selber glaubt das nämlich nicht.“
Katja funkelte Ben böse an. „Das hat auch seine Gründe.“ Und bevor Ben noch etwas sagen konnte, wandte sie sich an Frau Plischke. „Was ist denn nun eigentlich passiert?“
„Ach wissen Sie, mein Nachbar hat heut nacht so laut Musik gehört, dass ich nicht einschlafen konnte. Bis zwei Uhr hab ich wach gelegen!“
Katja warf Ben einen viel sagenden Blick zu und sagte dann: „Wir waren gerade bei Ihrem Nachbarn. Es war niemand zu Hause.“ Und sie fügte noch vorsichtig hinzu: „Und ich glaube auch nicht, dass dort in den letzten Monaten jemand gewohnt hat. Der Kühlschrank und der Kleiderschrank sind leer.“
Frau Plischke seufzte und ließ sich auf ihr Sofa sinken. Katja setzte sich neben sie, Ben blieb stehen.
„Nun erzählen Sie doch mal, was eigentlich los ist.“
„Ach, es ist doch nur, … ich bin immer alleine, meine Kinder wohnen so weit weg und es ist nie jemand da, mit dem ich mal reden kann.“
Katja ergriff die Hand der alten Frau und strich ihr beruhigend darüber. Ben ertappte sich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, wenn Katja seine Hand halten würde.
„Aber Frau Plischke, deshalb können Sie doch nicht immer die Polizei rufen und Ihren Nachbarn zu Unrecht beschuldigen.“
„Ich weiß ja, ich weiß ja. Aber Sie können wahrscheinlich nicht nachvollziehen, wie es ist, allein zu sein.“
‚Oh, doch, und wie gut ich das kann’ dachte Katja. ‚Aber ich werde das bestimmt nicht zugeben.’
Ben hingegen entschied sich für die Offensive. Er wollte Frau Plischke gerne ablenken und vielleicht sprang ja noch etwas für ihn dabei heraus. Er ging vor Frau Plischke in die Hocke und sagte: „Ich kann das gut verstehen. Meine Kollegin will auch nie mit mir Essen gehen.“
Katja war sauer. Warum musste er jetzt wieder damit anfangen? Ausgerechnet hier! Na gut, wenn er Krieg wollte, konnte er ihn haben.
„Erstens hast du mich in letzter Zeit nicht mehr gefragt und zweitens waren wir schon mal Essen, an dem Abend, an dem du mich… an dem du ausgezogen bist.“ Verdammt, beinahe hätte sie gesagt, an dem du mich verlassen hast. Das wäre peinlich gewesen! Doch Ben hatte nichts gemerkt.
„Das zählt nicht, da hat Dirk uns in letzter Sekunde zu einem Sondereinsatz gerufen, noch bevor wir Pizza bestellen konnten.“
„Aber junger Mann“, mischte sich Frau Plischke ein, „eine Dame lädt man doch nicht zum Pizza essen ein! Das muss schon etwas besonderes sein!“
„Ich würde meinen Fehler ja gerne wieder gut machen“, grinste Ben Katja an, doch diese schüttelte den Kopf. „Oh nein mein Lieber, einmal hat mir gereicht.“ Das war ihr so rausgerutscht und es hatte härter geklungen, als sie es gemeint hatte.
Und es hatte gesessen, Ben sagte kein Wort mehr dazu. Er wandte sich zu Frau Plischke und zählte ihr verschiedene Möglichkeiten auf, was sie tun konnte, um sich nicht mehr so allein zu fühlen. Doch in seinem Inneren fühlte er sich plötzlich selbst so allein. Sein Plan, Katja zum Essen einzuladen, war ihm nicht gelungen und dann hatte sie ihn auch noch so grob abgewiesen. Das tat weh, obwohl er wusste, dass sie es nicht so böse gemeint hatte.
Katja beobachtete Ben. Wie einfühlsam er mit der alten Dame sprach! Doch Katja kannte Ben mittlerweile gut genug, um zu sehen, dass ihn ihre Bemerkung sehr getroffen hatte. Katja tat es schon leid, was sie gesagt hatte. Wahrscheinlich war sie einfach nur wütend auf sich selbst gewesen, darüber dass sie sich tief in ihrem Herzen nach Bens Gesellschaft sehnte. Doch ihr Kopf arbeitete dagegen so gut er konnte. Nie intim im Team! Das war ihr Grundsatz und daran würde sie sich auch halten. Doch sie spürte, dass sie die Sache irgendwie wieder gut machen musste, denn als sie schließlich die Wohnung von Frau Plischke verließen, sagte Ben immer noch nichts und reichte ihr ohne Widerspruch den Autoschlüssel.
„Ben?“
„Ja?“ Er blickte stur geradeaus.
„Es tut mir leid.“
„Was tut dir leid? Dass du mich nun mal einfach nicht leiden kannst?“
Katja konnte nicht erkennen, ob Ben das ernst meinte oder nicht. Deshalb sagte sie vorsichtshalber: „Ach verdammt Ben, ich hab das doch nur gesagt, weil die Situation irgendwie so blöde war. Frau Plischke versucht die ganze Zeit uns zu verkuppeln und du steigst da auch dann noch so drauf ein. Da hatte ich einfach keine Lust drauf.“ Sie hielt kurz inne, holte tief Luft und sagte: „Und ich würde gerne noch mal mit dir Essen gehen.“
Jetzt sah Ben sie an. Er lächelte. „Ich wusste doch, dass du mir nicht widerstehen kannst!“ Doch in Wirklichkeit war er sich weiß Gott nicht so sicher, wie er immer tat. Er war froh und erleichtert, dass Katja ihre Meinung doch noch geändert hatte.
Katja ahnte nichts von den Gedanken ihres Kollegen und hörte nur seinen selbstsicheren Spruch. Deshalb knuffte sie ihn mit dem Ellenbogen in die Seite und meinte nur: „Blödmann!“
„Also dann hole ich dich heute abend um acht ab.“
„Heute abend schon?“
„Ja, ich will ja nicht, dass du es dir noch mal überlegst.“
„Na gut, aber wenn du mich wieder ins Revier bringen willst, sag es lieber gleich, dann bleibe ich zu Hause.“ Den Spruch konnte Katja sich nicht verkneifen.
Ben grinste nur. „Keine Sorge, ich verspreche, dass es dir gefallen wird.“
Katja musste sich eingestehen, dass sie sich schon auf den Abend freute. ‚Wenigstens muss ich nicht alleine auf dem Sofa rumhocken’ dachte sie. Gespannt überlegte sie, wo Ben sie wohl hinführen würde. „Muss ich mich schick machen?“
„Nein, du siehst doch immer wunderschön aus!“ Oh Gott, hatte er das gerade wirklich gesagt?! Verdammter Mist! Wie kam er da nur jetzt wieder raus?
Katja sah ihren Kollegen verwundert an. Nicht, weil er ihr ein Kompliment gemacht hatte, das tat er öfter, sondern weil er es so ernst gesagt hatte. Der Tonfall, in dem er gesprochen hatte, so bewundernd, hatte ihr die Sprache verschlagen.
„Nein, …, also, … du musst sich nicht schick machen“, versuchte Ben in einem möglichst lässigen Tonfall zu sagen, „es wird sowieso niemand sehen.“
„Ok.“ Katja dachte nach. Was hatte das nur zu bedeuten?
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