Der Riss

GeschichteRomanze / P16 Slash
Da´an Liam Kincaid Mit´gai Ronald Sandoval T´than Zo´or
12.08.2008
04.04.2009
8
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So....
Es hat eine Weile gedauert, aber auch hier geht es jetzt weiter...
Viel Spaß nO



"Kommen Sie, Sandoval! Ruhen Sie sich etwas aus... Ich informiere Sie, sobald die Synodensitzung beendet ist!"
Liam betrachtete besorgt den, inzwischen auf dem Boden sitzenden, Agent, doch dieser schüttelte entschieden den Kopf.
"Ich sagte 'NEIN'!"
"Wenn Sie zusammenbrechen, nützen Sie niemandem!"
Sandoval vergrub verzweifelt die Hände in seinen Haaren.
Zo'or suchte sowieso immer einen Weg ihn zu strafen, nicht selten hielt er ihm dabei vor, mit Kincait nicht mithalten zu können.
Er würde den Zorn des Synodenführers sicher nicht provozieren, wenn es sich vermeiden ließ.
In Liam stieg der Weil' pures Unverständnis auf.
Warum blieb der Asiate nur so stur?
Zum wiederholten Male streifte sein Blick über die zusammen gesunkene Gestalt Sandoval, doch blieb sein Blick diesmal an dem hervorlugenden Nacken des Agent hängen, der durch dessen nach vorne gesunkenen Kopf zum Vorschein kam.
Vernarbte Haut zog sich über die empfindliche Nackenpartie und in ihm stieg ein Verdacht hoch, der ihm übel werden ließ.
"Foltert er Sie?"
Der Kopf des Asiaten schoss in die Höhe und sein Blick suchte geschockt die Augen des Mischlings.
Die Stimme des Synodenführers peitschte durch den Gang.
"Wer sollte ihn foltern?"
Sandoval zuckte zusammen, ehe er sich eilig erhob, sowohl Da'ans, wie auch Liams Blicken ausweichend.
Er schien sich einen Moment sammeln zu müssen, ehe er sprach.
"Auch wenn es Sie nichts angeht: Ich habe mir als Kind eine Verbrennung im Nacken zu gezogen..."
Liam hätte über diese lausige Ausrede gelacht, wenn das Thema nicht so ernst gewesen wäre.
Sie kam zu schnell und die Aussage passte nicht zum Verhalten des Asiaten.
Jemand der lange Zeit Narben mit sich rum trug, vergaß sie...
Sie verloren ihre Presenz, wenn man nicht regelmäßig mit ihnen konfrontiert wurde.
Es sei den, es waren zeitgleich auch seelische Narben.
Mit einem Mal ergab alles einen Sinn.
Sandovals verändertes Verhalten, seine Müdigkeit und seine von heute auf morgen da gewesene Angst gegenüber dem Synodenführer.
Der Agent war immer vorsichtig gewesen, aber er hatte niemals Angst vor Zo'or gezeigt und Liams Wissen nach auch nicht empfunden.
Da'ans zierliche Hand, die ihn am Unterarm berührte, holten ihn aus seinen Überlegungen zurück in die Realität.
"Ich bin erschöpft, Major! Ich wünsche, dass Sie mich in die Botschaft zurück begleiten!"
Etwas an dem Blick seines Tealons ließ den Mischling sofort einwilligen.
'Später!', schienen die großen, blauen Augen seines Tealon zu flüstern. 'Nicht jetzt!'
Liam nickte.
"Ich bin auch müde... Kommen Sie, Da'an!"
Der Mischling wandte sich, nach dem sie sich auf den Weg zu ID-Portal gemacht hatten, noch einmal um.
Sein Blick suchte den des Asiaten, doch Zo'ors Körper schob sich in sein Blickfeld.
Ein Grinsen zog sich über das Gesicht des Tealons, während seine Lippen ein Wort lautlos formten.
'Meins'
Liam rann ein kalter Schauer den Rücken hinab.
Der Blick des Synodenführers folgte ihnen, bis Da'an und Liam durch das ID-Portal verschwunden waren, ehe er sich wieder seinem Attaché zuwandte.
Hart griff er nach Sandovals Kinn, hob es an und zwang ihn seinen kühlen Blick zu erwidern.
"Was haben Sie ihm erzählt!"
Die Augen des Asiaten weiteten sich leicht und seine Nasenflügel bebten.
Zo'or kannte diesen Tick und er liebte ihn.
"Also, ich warte!"
"Gar nichts! Ich habe-", der zierliche Mann brach ab, als er das vergnügte Funkeln in den Augen des Tealon sah.
Es war zu spät, Zo'or war nicht mehr an der Wahrheit interessiert.
"Der deutsche Companian wünscht Ersatz für seine beiden kürzlich verstorbenen Leibwächter... Wir werden jetzt das Einstellungsgespräch führen, welches nur noch reine Formsache ist und danach unsere Unterhaltung fortsetzen!"
Langsam löste sich der harte Griff um seinen Kiefer und Zo'or wandte sich zum gehen.
Ein erschöpfter Sandoval folgte ihm und fragte sich insgeheim, ob Zo'or so etwas wie Mitleid kannte.

Nordamerikanische Botschaft
Da'an saß, die Beine zum Schneidersitz an seinen Körper gezogen, im Garten der Tealonbotschaft und wartete auf Liam, der sich etwas zu trinken holte.
Die Beziehung zwischen Agent Sandoval und Zo'or hatte sich gewandelt.
In welche Form und warum, wusste er nicht und egal wie oft er es drehte und wendete, er kam zu keinem Schluss.
Die Frage, die Liam Sandoval stellte, hatte ihn schockiert.
Die Vorstellung, dass sein Kind Foltern konnte überraschte ihn weniger, doch dass er nicht mal mehr vor dem Asiaten zurückschreckte, bereitete ihm Sorgen.
Sandoval war immer der einzige Mensch in Zo'ors Umfeld gewesen, vor dem sich der Synodenführer, na ja, wie sollte man sagen...
Nicht geekelt hatte?
Als Liam den Garten betrat, blieb er einige Meter hinter Da'an stehen und beobachtete den in Gedanken vertieften Tealon.
Da'an schien ziemlich aufgewühlt, seine Fassade flackerte und seine Energie raste förmlich durch ihre Bahnen.
Dennoch strahlte er so eine Ruhe und Gelassenheit aus, die Liams Zorn auf Zo'or fast augenblicklich schwinden ließ.
Es machte ihm Angst, welche Wirkung der Tealon auf ihn hatte, früher hatte er mit Zorn darauf reagiert...
Früher hatte er das Gefühl, dass diese beruhigende Wirkung eine weitere Manipulation des Tealons war.
Nicht nur was Zorn und Wut anging.
Auch war er der Schönheit und Anmut seines Companian verfallen.
Der Mischling seufzte.
Ja, Da'an war eine Schönheit.
Sowohl innerlich wie auch äußerlich.
Und er war stark.
Durch das Wissen, dass Liam von seinem Vater geerbt hatte, wusste er, dass fast alle Kimera so gedacht hatten.
Doch egal, wie sehr sie ihn umgarnt hatten, versucht hatten ihn zu verführen und zu umwerben, Da'an wies sie ab.
Er schien immun gegen sie.
Mit einem weitern seufzen setzte er seinen Weg fort und ließ sich neben seinem Schützling zu Boden gleiten.
"Da'an? Foltert er ihn?"
Der Tealon hob erschrocken seinen Kopf.
Er hatte Liam wieder nicht bemerkt.
"Ich glaube schon..."
Der Mischling nahm einen Schluck von seiner Cola, ehe er weiter sprach.
"Aber ich dachte, er wäre zu direkter Gewalt einem anderem Wesen gegenüber nicht fähig..."
Da'an schloss erschöpft seine Augen.
"Zo'or war schon immer anderes, als die Anderen meiner Art..."
Liam nickte und kramte eine Weile in seiner Jackentasche herum.
Die Trauer, die der Tealon spürte, war für auch den Mischling greifbar und er bekam das Bedürfnis ihm etwas Gutes zu tun.
Mit den Worten, "Ich weiß, ich sollte Ihnen das nicht geben!", förderte er eine kleine violette Schatulle zu Tage und reichte sie Da'an.
Der Tealon warf ihm einen fragenden Blick zu, ehe er den Deckel öffnete und den Inhalt in Augenschein nahm.
Kleine ebenfalls violette Energiekristalle kamen zum Vorschein und Da'an stockte in seiner Bewegung.
"Crisp?"
"Ja... Sie sehen aus, als könnten Sie es gebrauchen!"
Die Hände des Tealon zitterten, als er nach dem Crisp griff, doch kurz vorm Ziel hielt er inne.
"Was ist, wenn ich wieder abhängig werde?"
Liam lachte leise, nahm noch einen Schluck der Cola zu sich und blickte Da'an, nachdem er die Flasche neben sich auf dem Rasen deponiert hatte, offen ins Gesicht.
"Es ist eine neue Zusammensetzung... Sie macht nicht abhängig!"
"Und warum wolltest Du es mir nicht geben?"
Liam holte tief Luft.
"Weil man seine Sorgen nicht vertuschen sollte... Doch manchmal sollte man sich auch gehen lassen!"
Da'an lächelte, es war kein gezwungenes und auch nicht das diplomatische Lächeln, es war ehrlich und rein.
Es machte Da'an noch schöner befand Liam.
Der Tealon griff zielsicher in die Schatulle und nahm eine Handvoll des Inhalts heraus.
Vorsichtig führte er sie zu seinem Mund und nahm die Kristalle zu sich.
Schnell setzte die erste Wirkung der Droge ein.
Stöhnend warf Da'an seinen Kopf in den Nacken, schloss die Augen und seine Energiebahnen leuchteten hell auf.
Die Wirkung hatte vollständig eingesetzt, als der Tealon seine Augen wieder einen Spalt breit öffnete und seinen Beschützer einen dankbaren Blick zuwarf.
Liam schluckte.
Der Schlafzimmerblick Da'ans war anziehender, als der jeder Frau, die ihm bis jetzt begegnet war und auch weit aus erotischer.
"Wie ist das Gefühl?"
Der Tealon lächelte, hob leicht seine zierliche Hand und blickte den Mischling auffordernd an.
Zögernd kam Liam dem nach, umfasste sie mit seiner eigenen und öffnete sein Chakarava.
Leichtigkeit, Freude, erleichternde Leere und Lust empfingen ihn in Da'ans Geist.
Moment...
Lust?
Der Mischling riss die Augen auf und blickte in die funkelnden Augen des Tealons.
"Fühlst du es?"
Liam nickte benommen, zu mehr war er nicht fähig.
Gefangen in den, durch das Crisp, verdunkelten blauen Irden Da'ans verlor die Welt um ihn herum ihre Bedeutung.
Und mit einen erschreckenden Klarheit und Gleichgültigkeit, sprach Liam ein Versprechen aus, dessen Tragweite er sich noch nicht im Klaren war.
"Ich werde mich selbst, inklusive der Welt, verraten, wenn ich Sie damit schützen kann, Da'an!"
Jedes Wort entsprach der Wahrheit und er wusste es, er wusste warum seine Rasse untergegangen war.
Seine Rasse hatte sich auf den ersten Blick in eine Andere verliebt und war offenen Auges ins Verderben gerannt.
Der Tealon lächelte wieder und nickte, als Zeichen dafür, dass er verstanden hatte.
"Danke!"
Liam erwiderte es.
"Mir kommt es so vor, als wäre das schon Mal passiert..."
Da'an schmunzelte.
"Ha'gel hat einmal das Selbe zu mir gesagt, vielleicht verschwimmen die Grenzen zwischen Vergangenheit und der Gegenwart..."
Die Augen des Mischlings weiteten sich erschrocken und er setzte schon zum protestieren an, als Da'an ihn, mit einem Finger, den er ihm auf die Lippen legte, zum Schweigen brachte.
"Ich weiß, du hast es ernst gemeint und ich zweifle nicht an dir und deiner Treue! Nicht mehr..."
Eine ungewohnte Melancholie breite sich über ihnen aus und Liam fragte sich, ob das Crisp daran schuld war.
"Was haben Sie ihm geantwortet?"
Der Tealon lachte leise.
"Ich habe ihm gesagt, dass ich keinen Wert darauf lege von einem Kimera geschützt zu werden."
Liams Blick wandelte sich und wurde verschlossener.
War das Da'ans Meinung über seine Rasse?
Wollte er ihn gar nicht als Leibwächter?
Sein Vater war so viel mächtiger als er selbst...
Dennoch hatte Da'an ihn abgewiesen?
Zarte Hände strichen federleicht über seine Wangen und als er seinen Blick hob, sah er in Da'ans warme Augen, die ihn freundlich anfunkelten.
"Ich habe nicht Danke gesagt, soviel steht fest! Und würde Ha'gel noch leben, würde ich dich ihm immer vorziehen! Ich würde sein Versprechen niemals annehmen, so wie ich es bei deinem tat."
Liams Blick wurde fragend.
"Wie meinen Sie das?"
"Seine Absichten waren nicht halb so ehrenvoll wie deine, als er dies sagte und nun komm! Es wird kalt!"
Der Tealon erhob sich und schlenderte, nun ja wankte würde es eher treffen, in Richtung Botschaft.
Der Mischling verstand immer noch nicht, was sein Companian meinte, dennoch beeilte er sich ihm zufolgen.
Ein beschwipster Da'an sollte besser nicht in die Arme anderer Tealons laufen.

Tealon Mutterschiff
Als Sandoval die Brücke hinter Zo'or betrat, fiel sein erster Blick auf zwei finstere Gestalten.
Eine Frau und ein Mann, beide groß und in Schwarz gekleidet.
Beide lange Haare, die zu einem lockeren Pferdeschwanz nach hinten gebunden waren.
"Das sind Major Mia Meier und Major Marek Schulz..."
Sandovals Blick huschte unauffällig über seine zukünftigen Kollegen.
Major Meier war blond, schlank und überragte ihn um einen halben Kopf.
Sie trug ein tiefgeschnittenes Top und eine einfache Jeans, beides in schwarz.
Hohe Stirn und Wangenknochen, grade Nase und volle Lippen.
Ihre stechend grünen Augen musterten ihn misstrauisch.
Sie war hübsch, keine Frage und doch verriet ihre ganze Haltung, dass sie eine Kriegerin war.
Ihr Partner war noch größer als sie selbst.
Ein maßgeschneiderter Anzug, ein helles Hemd und eine schwarze Krawatte.
Als sein Blick höher glitt und das Gesicht in Augenschein nehmen wollte, hielt er überrascht an den Augen inne.
Ein Asiate.
Sehr groß für seine Herkunft, was den Agent überraschte.
Wahrscheinlich ein Mischkind.
Ebenfalls hohe Stirn und Wangenknochen, grade Nase, schmale Lippen und ein markantes Kinn, umrahmt von pechschwarzen Haaren.
Alles in Allem wirkten die beiden, wie aus einer Modelzeitschrift ausgeschnitten.
Sie ergänzten sich perfekt, was ihre Ausstrahlung und Haltung anging.
"Sie können beginnen, Agent Sandoval!"
Sandoval seufzte, ehe er zu sprechen begann.
"Major Meier, wann sind Sie geboren, wie alt sind Sie, wo sind Sie geboren und wie ist Ihr Werdegang?"
Die junge Frau warf ihm einen irritierten Blick zu.
"23. August 1989. Ich bin 26 Jahre alt und in Deutschland, um genau zu sein in Köln, geboren und aufgewachsen. Mit 18 bin ich in Bundeswehr eingetreten. Einige Zeit war ich im Ausland stationiert."
Sandoval nickte.
"Was qualifiziert Sie zum Companienbeschützer?"
"Es gibt keine Waffe, die uns Menschen bekannt ist, die ich nicht beherrsche... Ich spreche fünf Sprachen fliesend: Deutsch, Englisch, Russisch, Chinesisch und Französisch. Des weitern spricht meine Akte für sich!"
Ein kurzer Seitenblick zu Zo'or, der nickte und Sandoval fuhr fort.
Sein Augenmerk richtete sich auf den großen Asiaten, der schnell reagierte und die Fragen ebenfalls beantwortete.
"13. Dezember 1987. Ich bin 28 Jahre alt, in Deutschland, Dortmund geboren und aufgewachsen. Ich bin ebenfalls mit 18 in die Bundeswehr eingetreten und war auch einige Zeit im Ausland stationiert. Meine Qualifikationen sind identisch mit Major Meiers, ich beherrsche dieselben Waffen, dieselben Sprachen und meine Militärakte spricht für sich..."
Sandoval seufzte abermals, ehe er nickte.
"Wir bleiben in Kontakt, im Grunde genommen, können Sie sich direkt bei Ihrem Companian zum Dienst melden...Herzlichen Glückwunsch!"
"Vielen Dank für ihr Vertrauen, wir werden Sie nicht enttäuschen! Mit Ihrer Erlaubnis kehren wir jetzt zur Erde zurück!?"
Zo'or grinste und nickte.
"Tun Sie das, Major Schulz!"
Ein letztes Nicken, auch in Richtung Sandoval und der Asiate ging zum ID-Portal.
Weg waren sie und mit ihnen auch jede Möglichkeit, Zo'or und dem 'Gespräch', das dieser führen wollte, zu entkommen.
Er wandte dem Tealon den Rücken zu, sein Blick starr auf den blauen Planeten gerichtet, der vom Tealon Mutterschiff aus gut zu sehen war.
Er war so schön und doch so gleichgültig.
Die Erde interessierte sich nicht für die Welt.
Ein schlanker Arm, der sich um seine Talje legte und ihn an den schlanken, großen Körper hinter ihm zog, riss ihn aus seinen Gedanken.
"Ich habe ihm nichts gesagt..."
Es war ein Flehen, ein letztes Betteln, auch wenn Sandoval wusste, dass es keinen Erfolg haben würde.
Die Hand, die immer noch auf seinem Bauch ruhte, begann langsam streichelnd über seine Bauchdecke zu wandern.
Der zierliche Asiate wurde mit einem Mal sehr, sehr müde.
Die scheinbare Zärtlichkeit des Synodenführers lullte ihn ein und machte ihn schläfrig.
Zuckerrohr und Peitsche...
Dieses Spiel beherrschte Zo'or perfekt.
Wie ein wildes Tier von dem man nicht weiß, ob es beißen wird oder Streicheleinheiten will.
Dennoch konnte sich Sandoval nicht mehr von ihm lösen.
Das perfide Spiel zwischen ihnen, hatte ihn gefangen genommen und selbst wenn er es gewollt hätte, hätte ihn Zo'or nicht gehen lassen.
Zo'or seufzte leise.
Er hasste es, er hasste, dass Sandoval ihn mit einem einzigen Blick beeinflussen konnte, dass Sandoval ihn auf eine Art faszinierte, wie kein anderes Wesen zuvor, dass er Sandoval schön fand.
Einen Menschen, ein Angehöriger einer Rasse, die er wirklich mit jeder Faser seines Seins verabscheute.
Wie oft hatte Sandoval ihn verraten?
Der Synodenführer wusste es nicht, er wusste nur, dass er geflissentlich darüber hinweg gesehen hatte.
Der Asiate hatte nur einen Verrat begangen, den Zo'or nicht hatte übergehen können.
Er hatte Da'an gebeten, ihn wieder zu einem seiner Leibwächter zu machen.
Zo'or war rasend vor Wut gewesen, als sein Elter ihm, mit einem schadenfrohen Funkeln in den Augen, darüber in Kenntnis gesetzt hatte.
Noch an jenem Abend hatte zum ersten Mal in der Gesichte der Tealon ein Angehöriger einer anderen Rasse die privaten Gemächer eines Synodenführers betreten.
Und sie um ein Haar nicht mehr lebend verlassen.
Vorsichtig fuhr er mit seiner freien Hand die vernarbte Haut im Nacken seines Menschen nach, spürte das leichte Beben, das durch Sandovals Körper lief und aus Gewohnheit neigte dieser seinen Kopf weiter nach vorn, bot Zo'or so mehr vernarbte Haut.
Berührungen dieser Art waren Mittlerweile Bestandteil ihres Alltags, auch die anderen Tealons hatten sich an sie gewöhnt oder trauten sich einfach nicht mit Zo'or eine Konfrontation einzugehen.
Er war zu erfolgreich mit den Schlachten, die er führte und den Experimenten, die er leitete, niemand konnte klagen und wenn er auf so eine Art und Weise seinen Druck und immer spürbaren Zorn abbauen konnte, sollte es ihnen Recht sein.
Besser es traf diesen Menschen, als sie selbst.
Zo'ors Fingerspitzen fuhren noch immer die Haut im Nacken seines Menschen nach, selbst die Narbe entstellte Sandoval, aus seiner Sicht, nicht und Zo'or wusste mit grimmiger Wut, dass es auch die anderen Narben, die er am Körper seines Attaché hinterlassen hatte, nicht vermochten.
Noch heute konnte er sich an Mit'gais geschockten Gesichtsausdruck erinnern, als er seinen Menschen auf die Krankenstation gebracht hatte.
Nach diesem Abend hatte Sandoval ihn nie wieder verraten, dass wusste Zo'or auch...
Seine Hand wanderte vom Nacken zum Kinn des Asiaten und drehte seinen Kopf so, dass Sandoval gezwungen war ihn an zusehen.
Müde dunkle Augen schauten ihn, durch halbgeschlossene Lider, fragend an.
Sandoval war erschöpft, so erschöpft, wie schon lange nicht mehr, er konnte kaum noch klar denken und seit sein CVI ausgefallen war, kam er mit dem chronischen Schlafmangel noch schlechter zurecht.
Zo'ors Nähe machte es nicht besser und die scheinbare Sicherheit in den Armen des Synodenführers war trügerisch, doch trotz seines Wissen wehrte er sich nicht gegen ihn.
Für einen kurzen Moment glaubte er in den Augen des Tealon so etwas wie Zuneigung aufglimmen zu sehen, doch rief er sich zur Ordnung.
Machte sich klar, dass dies nicht möglich war.
Zo'or distanzierte sich so schnell von ihm, wie er auch die Nähe aufgebaut hatte.
Verwirrt drehte Sandoval sich zu ihm um und folgte ihm mit seinen Blicken, bis der Synodenführer wieder auf seinem Thron platz genommen hatte.
"Sie sind für heute entlassen, Agent Sandoval!"
Der Asiate nickte und beeilte sich zu einem der ID-Portale zu kommen.
Die Verlockung eines warmen Bettes war zu groß, als das er gezögert und sich gefragt hätte, warum Zo'or so...
...Na ja...
...Gütig war und Gnade walten ließ.
Kaum hatte Sandoval das Portal durchschritten, öffnete Zo'or mit einer einfachen Handbewegung den Komunikator und versuchte Da'an zu erreichen.
tbc.
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