Attend the Tale of Sweeney Todd

von Sternkind
GeschichteDrama / P16
Anthony Benjamin Barker Johanna Barker Lucy Barker Mrs. Lovett Richter Turpin
03.08.2008
03.08.2008
1
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Disclaimer: Keine der in dieser Geschichte verwendeten Figuren gehört mir. Alle Rechte liegen bei Sondheim und Burton. Auch verdiene ich hiermit kein Geld.

Rating: Ich schwanke im Moment noch zwischen P16 und P18. Vorerst setzte ich es auf P16, es könnte jedoch auch vorkommen, dass ich es im Laufe der Handlung auf P18 setze.

Warnung: An dieser Stelle wie immer auch der Hinweis: Sweeney Todd ist nicht unbedingt etwas für Leser der leichten Unterhaltung ;) Es ist dunkel, es ist voll Hass, Blut und Schmerz. Psychische Grausamkeit und nicht zu vergessen…was blitzt denn da so schön? Oh! Das Rasiermesser, hätte ich beinahe vergessen ;) Was das alles anrichten kann, brauche ich wohl nicht ausführlich zu erwähnen, es wird bei Andeutungen bleiben, dem Rest überlasse ich eurer Phantasie.

Genre: Wie auch bei meiner anderen Sweeney-Story ist das Genre nicht ganz einfach einzukreisen. Es ist eine Mischung aus Drama, schwarzem Humor und in gewisser Weise auch ein Thriller. Da soll noch mal einer sagen, dass hier für Romantik kein Platz sei –nur eben etwas morbide Romantik ;)

Pairing: Ja ha! Es gibt doch tatsächlich auch hier ein Pairing ;) Zumindest andeutungsweise Todd/Lovett. Wie genau sich das Ganze zwischen den beiden entwickeln wird, dazu später mehr.

Inhaltsangabe: Nach 15 Jahren kehrt Benjamin Barker als Sweeney Todd nach London zurück. Zurück an den Ort, an dem einst sein Leben in eine Katastrophe gestürzt wurde. Beseelt von blutigem Durst nach Rache und Vergeltung an dem Mann, der ihn in die Hölle verbannt hat, kehrt er an den Ort seiner persönlichen Tragödie zurück: Die Fleet Street. Dort trifft er auf die Pastetenbäckerin Mrs. Lovett, welche ihm erzählt, was sich während seiner Abwesenheit hier zugetragen hat, nachdem sie ihn als Benjamin Barker wieder erkennt. Angetrieben von einem unsagbaren Durst nach Rache an seinen Peinigern, verliert Sweeney zunehmend den Blick für die Geschehnisse um ihn herum. Er will Vergeltung. Die Ereignisse spitzen sich zu, bis sie ihren dramatischen Höhepunkt erreichen, der den teuflischen Barbier aus der Fleet Street an den dunklen Abgrund der Hölle zurückführt…

Dies hier ist meine Interpretationsweise der Filmgeschehnisse. Ich werde die Story natürlich zum größten Teil beibehalten, allerdings werde ich sie mit einigen Details ausschmücken und auf meine Weise erzählen, wie sie in einigen Punkten vielleicht doch etwas anders hätte verlaufen können –denn manchmal hätte ich mir hier und da ein bisschen mehr Details gewünscht, aber wofür gibt es FFs? Ganz genau! Um das ein oder andere für sich selbst etwas mehr ins rechte Licht zu rücken ;)

So. Jetzt aber genug geredet. Ich hoffe, euch gefällt diese Variante der Geschichte, die sich auf den Gegebenheiten des Films stützt und hier und da etwas mehr ergänzt und ab und an ein kleines bisschen abweicht, um einen neuen Erzählstrang einzubauen. Ich konnte es mir nicht verkneifen, denn die Idee dazu spukt mir schon etwas länger im Kopf herum und endlich konnte ich mir etwas Zeit nehmen und den Anfang auf Papier bannen, wie man so schön sagt ;)

Viel Vergnügen wünscht euch
Sternkind
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Prolog

Die Nacht war so schwarz wie die Schatten, welche sein Herz umhüllten. Das es überhaupt noch in seiner Brust verweilte und dort schlug, das warme Blut durch seine Adern jagte und ihn so am Leben hielt, grenzte an ein Wunder. Nicht, das er an Wunder glaubte. Jene Zeiten waren vorbei. Längst in Vergessenheit geraten, verschluckt vom Nebel der Zeit. Begraben unter einem Berg von intrigantem Hochmut. 15 Jahre vegetierte er in einer bedrückend düsteren Lethargie vor sich hin –wie einer von jenen Geisteskranken, die sich in ein vermodertes Eck in ihrer Zelle zurückgezogen hatten, kauernd auf dem Boden saßen, die Knie dicht an den Körper gezogen und den Blick starr in eine andere Welt gerichtet, während sie vor- und zurück schaukelten. 15 Jahre seines Lebens. Gestohlen. Unwiederbringlich verloren. Abgeschnitten vom Rest der Welt, vom Leben.

Gequält, gefoltert und jeden Tag aufs Neue geplagt von der Sorge und Sehnsucht um seine Familie –seine Frau und seine Tochter. Sie waren das Einzige auf der Welt, woran er sich noch festhalten konnte. Er klammerte sich an die Illusion in seiner Vorstellungskraft, dass er sie eines Tages wieder in den Armen halten würde. Eines Tages würde er zurückkehren, zurück zu seiner Lucy und zurück zu Johanna. Tage verstrichen. Wochen wurden zu Monaten, Monaten zu Jahren und die harten Jahre der Entbehrung, der Erniedrigung und der Qual waren es letzten Endes, die den Mann mit Namen Benjamin Barker töteten. Langsam und genüsslich gruben sie sich in sein Herz und seine Seele, rissen tiefe Wunden und verstümmelten jegliches Gefühl von Wärme und Geborgenheit, bis nur mehr gähnende, kalte Leere in ihm zurück blieb.

Sein Herz hörte auf zu schlagen. Es gefror zu Eis, während sich die Dunkelheit ungestört in ihm ausbreitete und die Wunden seiner Seele mit kühlendem Balsam bedeckte. Sie wollte das er schlief. Den Schlaf der Vergessenheit und des Todes. Ein letzter Rest in ihm wehrte sich dagegen, doch sein Wille war zu schwach, zu gebrochen, um es ernsthaft zu wollen. Nein. Er wollte es nicht mehr, dieses Leben, diesen schwachen Körper, in dem er gefangen gehalten worden war die letzten 15 Jahre. Die Menschlichkeit in ihm war durch die Zeit Stück für Stück ausgemerzt worden. An ihre Stelle trat nach und nach eine Überzeugung, ein neuer Lebensfunke: Hass, Rache und Verachtung. Predigte Gott, seinen Feinden zu vergeben, ihren schrecklichen Taten mit einem Lächeln zu begegnen, so verfluchte er diesen Gott, schwor ihm ab.

Im tiefsten Kreis der Hölle erwachte man aus dieser Utopie. Man wurde mit Brutalität in die kalte, nackte Realität gestoßen, wo brodelnde Kessel voll ewiger Verdammnis auf einen warteten. Und erst dann, wenn man zermalmt, gedemütigt und halb tot auf dem Boden im Staub kroch und um seinen Tod bettelte erkannte man die Wahrheit. Nicht Güte und Liebe waren es, die einen Stark machten, sondern der Hass. Unbändiger, brodelnder, alles vernichtender Hass ließ einen seine körperlichen und seelischen Schwächen überwinden. Er hielt einen aufrecht. Ließ jeden Menschen die schlimmsten Schmerzen, Qualen und Torturen überstehen, aufrecht, nicht gebrochen und nicht halb wahnsinnig, weil der schwache Geist diese Pein niemals ertragen würde. Und der Hass war es, der einen geduldig werden ließ. Das warten auf Vergeltung, auf den süßen Genuss der Rache.

Geduld so sagt man, sei eine Tugend und der Hass war die Basis, auf welche sich Sweeney Tugend gründete. In seiner dunklen Welt harrte er den stürmischen Zeiten im Gefängnis seiner Gefühle. Er ließ seinen dunklen Freund und all die anderen Begleiter ungehindert in sein Herz ziehen, nahm sie bereitwillig auf und lauschte ihren verführerischen Einflüsterungen. Ja, die Zeit der Rache würde schon sehr bald kommen. Er hatte solange darauf warten müssen und jetzt endlich, konnte er mit einem kurzen Zögern die Hand ausstrecken und da war es. Lucy. In seinen Gedanken sah er sie vor sich. Mit jedem Jahr schien ihr Bild mehr und mehr zu verblassen, doch ihre unbestimmte Schönheit, die aus ihrem lieblichen Wesen strahlte blieb unverändert. Es grenzte an ein Wunder, dass er die Flucht überlebt hatte. Seine Gedanken waren wirr, träge und eiskalt, als er benommen wieder zu sich kam. Auf offener See treibend, dem kalten Wasser ausgesetzt und das lähmende Gefühl seiner Glieder hatte ihm den Tod und nicht das Leben vor Augen geführt.

Wie lange er in diesem Delirium aus dunklen Träumen, Erinnerungsfetzen und den Qualen der letzten Jahre geschwelgt hatte, wusste er nicht. Er erinnerte sich nur mehr vage an eine verschwommene Gestalt, welche ihn an Bord gezogen hatte. Ein Sturm hatte gewütet. Regen peitschte in sein Gesicht und dann war plötzlich alles still um ihn geworden. Ruhe hüllte ihn ein. Erst nach dem Erwachen wurde ihm klar, wo er sich befand: An Bord eines Schiffes –auf dem Weg nach England; nach London. Endlich. Ein Hoffnungsschimmer am schwarzen Firmament der Trostlosigkeit. In seinem Inneren schrie etwas auf, brüllte triumphierend. Der Moment der Rache rückte näher. Stück für Stück. Geduld. Sein Retter entpuppte sich als junger Bursche mit schulterlangem, dunkelblondem Haar, welcher sich ihm als Anthony vorstellte. Die Wochen auf See vergingen ruhig. Sweeney kam langsam wieder auf die Beine.

Er war zäh. Das hatte ihm in der Verbannung das Leben gerettet –nicht nur ein Mal. Anthony schien ein geselliger, wenngleich etwas schüchtern wirkender junger Mann zu sein. Sweeney selbst mied allzu häufigen Kontakt mit der restlichen Besatzung, beteiligte sich jedoch an den Aufgaben der Seemänner. Man sollte ihn nicht umsonst durchfüttern. Er war so schweigsam wie all die Jahre zuvor, verrichtete seine Arbeit und in der Nacht wanderte er unruhig über das menschenleere Deck. Unruhe befiel ihn, je näher sie dem englischen Festland kamen. Allzu oft befiel ihn ein inner Drang, ein Wunsch einfach über Bord zu springen und zu schwimmen, schneller, immer schneller. Er hatte das Gefühl, dass das Schiff an Fahrt verlor. Er wurde ungeduldig, brannte darauf durch die vertrauten Gassen zu wandern und das zu Ende zu bringen, was ihn sein Leben gekostet hatte.

Benjamin Barker war tot. Verbannt, hingerichtet und begraben. Doch dann auferstanden aus der Asche des Feuers wie ein Phönix. Wiedergeboren als dunkles Phantom mit Namen Sweeney Todd. Es war ein nebelverhangener Morgen als das Schiff noch vor Morgengrauen in den Hafen Londons einlief. Sweeney hatte keinen Schlaf gefunden und trat an Deck, nachdem einige gebrüllte Kommandos jeden darauf aufmerksam machten, dass sie in wenigen Minuten vor Anker gehen würden. Sein Blick war leer, starr auf den gewaltigen Umriss der Tower Bridge gerichtet, die sich aus dem grauen Nebelvorhang schälte. Das Verbindungsstück zwischen den beiden gigantischen Pfeilern war geöffnet, so dass das Schiff ungestört darunter hindurchsegeln konnte. Er wusste nicht, was er von sich selbst bei diesem Anblick erwartet hatte. Erleichterung? Freude? Wut? Abscheu? Vielleicht jedes dieser Gefühle, doch im Moment war da nichts. Er nahm es hin.

Anthony an seiner Seite nahm er überhaupt nicht wahr. Der junge Mann schien von leiser Euphorie und Freude befallen zu sein, von stiller, aufrichtiger Bewunderung für diese großartige Stadt, das Zentrum des britischen Empire: London. Doch Sweeney empfand bei dem Anblick der sich aus den Schatten schälenden Umrisse von Gebäuden und Hafendocks nichts anderes als Ekel, Abscheu und Verachtung. Diese Stadt spuckte einem ins Gesicht und verhöhnte alle jene, welche einfach zu dumm waren und sich zu naiv ihrer Blendung hingaben, ohne die andere Seite der Medaille zu sehen, die das wahre, von Abschaum bevölkerte Gesicht dieser hässlichen, überbevölkerten Metropole. Nein, für wahr, es gab wohl keinen anderen Ort auf dieser Welt, der so hässlich und dunkel war wie London. Man sah nur, was man sehen wollte. Und die Reichen und Mächtigen führten das Zepter, erniedrigten und unterdrückten die Bürger, welche sie unbarmherzig zertrampelten und ihr sadistisches Vergnügen in vollen Zügen auskosteten, bis es sie schmerzte.

Sweeney spürte einen kühlen Stich in seinem Herzen und das Feuer der Wut flackerte leicht auf. Es spürte, dass seine Zeit reif war und dieses Mal ließ es Todd zu. Ließ die Wut und Abscheu in sich aufsteigen, während er von Bord ging, nachdem das Schiff angelegt hatte. Er schulterte seinen Seesack und hatte bereits jeglichen Gedanken an seinen anhänglichen Begleiter vergessen, als jener kurz hinter ihm über die Planke an Land trat. „Mister Todd? Ist…alles in Ordnung?“ Der Angesprochene wandte sich nicht um, sondern starrte auf den dunklen Torbogen vor sich. Alles hier steckte voller Erinnerungen und jede einzelne von ihnen war verbunden mit Schmerz und Leid. „Ja…aber natürlich.“ antwortete er abwesend. „Es sind nur die Erinnerungen…überall…in den Schatten.“ Anthony wirkte ob dieser Antwort etwas verunsichert, zumal er zweifelte, ob sie tatsächlich an ihn gerichtet war, oder Mister Todd zu sich selbst gesprochen hatte.

Es verstrichen noch einige Momente, ehe sich sein seltsamer Begleiter zu ihm umwandte. Sein Gesicht war noch immer so blass wie das erste Mal, als er es gesehen hatte. Dunkle Schatten lagen unter den Augen, die ihn mit einem seltsamen Ausdruck musterte. „Ich habe dir zu danken, Anthony. Ohne dich wäre ich vermutlich längst tot –ertrunken auf See.“ Der junge Mann lächelte leicht und schüttelte den Kopf. „Dafür solltet Ihr mir nicht danken, Sir. Ich nehme an, hier trennen sich unsere Wege?“ Todd zögerte nur einen Moment. „Ja.“ „Nun denn-„ Er hielt Sweeney die Hand entgegen, um sich von ihm zu verabschieden. „-lebt wohl, mein Freund. Werde ich Euch denn wieder sehen?“ Sweeney beachtete die Hand überhaupt nicht, sondern starrte abwesend an Anthonys Schulter vorbei auf einen unsichtbaren Punkt. „Vielleicht…wenn Ihr es wollt. Es würde mich nicht verwundern, wenn Ihr mich in der Fleet Street findet.“ Damit drehte sich Todd um, übersah die ihm noch immer entgegen gestreckte Hand des jungen Mannes und steuerte den dunklen Torbogen an.

Seine Schritte waren langsam, bedächtig, als müsse er seine ganze Kraft aufbringen, um diese unsichtbare Barriere zu überwinden. Er straffte sich unbewusst, als er in die Dunkelheit eintauchte und beschleunigte seine Schritte. Die Züge seines bleichen Gesichts verhärteten sich. Ein Glanz von düsterer Entschlossenheit erfüllte die dunklen, gebrochenen Augen mit erschreckendem Leben. Die Fleet Street. Zurück. Zurück dorthin wo alles seinen Anfang nahm. Zurück an den Ort, wo sein altes Leben endete –und sein neues beginnen würde.
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