Kaedes Fluch

GeschichteRomanze / P12
Muto Yuki Otori Shigeru Otori Takeo Shirakawa Kaede
31.07.2008
31.07.2008
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31.07.2008 1.038
 
Hey!
Das ist jetzt mein erster One-Shot zu diesem Thema. Ich habe vor kurzem den vierten Band fertig gelesen und muss gestehen, dass mir Kaede sehr unsympatisch geworden ist, denn ihr Handeln war eindeutig bescheuert. Aber irgendwie tut sie mir auch leid, und da kam mir die Idee zu diesem Brief von ihr an Takeo, in dem sie ihn um Verzeihung bittet. Aber lest selbst!
Disclaimer: Personen & co. sind leider nicht meiner, sondern der Fantasie der Autorin entsprungen.
Reviews würden mich sehr freuen! =)


Kaedes Fluch

Mit zitternden Fingern tauchte Kaede den Pinsel in die dunkle Tusche und zögerte. Einen Brief an Takeo schreiben, was für ein sinnloses Unterfangen. Ihr Mann war tog und bekäme ihn niemals zu Gesicht, warum sollte sie sich also die Mühe machen? Doch die Gefühle in ihr drängten hervor und wollten zur Kenntnis genommen werden. Von ihm. Er sollte erfahren, wie sehr sie bereute, auch wenn das nicht mehr möglich war. Seufzend beugte sie sich vor und setzte den Pinsel auf.

Liebster Takeo,
meine Taten sind unverzeihlich und dennoch will ich dich um Vergebung bitten. Ich bereue, was ich blind vor Trauer und Einsamkeit sagte und tat, denn in Wahrheit liebe ich dich mehr als mein eigenes Leben, auch wenn ich etwas anderes glaubte. Niemals wird man mir vergeben können, aber das erwarte ich auch nicht, denn ich habe begriffen, was ich auslöste. Es war Hochverrat, den ich beging, als ich dich verließ und meiner verräterischer Schwester und ihrem Mann Glauben schenkte. Du liebtest unseren Sohn ebenso innig, wie ich es tat, doch ich sah nur meinen eigenen Schmerz, als er starb.


Aus Kaedes Brust stieg ein Schluchzen auf und sie fühlte, wie die Trauer sie wieder einholte. Sie hob die Hand und wischte die Tränen fort, damit sie nicht auf den Brief tropften. Dann nahm sie den Pinsel wieder auf und schrieb weiter.

Hana war es, die mir vom Rest der Prophezeihung und deinem und Yukis Sohn Hisao erzählte. Dass du mir nicht vertraut hattest, erschütterte meine Liebe zu dir dermaßen, dass ich unser gesamtes Leben für eine einzige Lüge hielt. Dabei war etwas anderes die Lüge. Nicht dein Sohn sondern deine Frau tötete dich, denn letzendlich war ich es doch, die dich in den Abgrund trieb. Mein Fluch, von dem die Leute sprechen, hat dich schließlich auch eingeholt. Du warst der letzte Mann, der mich noch begehrte und mich trotz meiner Verstümmelung schön fand und heute weilst du nicht mehr unter uns. Doch ich will mich nicht beklagen, wahrscheinlich habe ich es verdient. Außerdem hat dir der gute und treue Dr. Ishida sicherlich die Geschehnisse bereits mitgeteil, aber ich empfinde das dringende Bedürfniss, mich zu rechtfertigen, auch wenn das der Schwere meine Handelns wegen nicht möglich ist. Ich habe die drei Länder verraten, die allein durch die aufopferungsvolle Heirat von Shigeko gerettet wurden. Er schlug Zenkos Armee im Osten und befahl ihm und Hana ihren Selbstmord. Es war das Ende ihres Verrats, doch du erlebtest ihn nicht mehr. Ich hatte dir gesagt, das du dir den Bauch aufschlitzen solltest und du gehorchtest.

Kaede gab es auf, die Tränen zu unterdrücken und konnte nur noch wenig durch den dicken Schleier sehen, der an ihrem Gesicht herab lief. Der Brief durchweichte und die Schrift verschwamm, sie konnte es nicht verhindern.

Wie gerne würde ich dir folgen und mir an deinem Grab den Dolch in den Körper stoßen. Aber Maya ist tot und Miki redet kein Wort mehr. Sie ist verstummt und braucht jetzt eine Mutter ebenso wie Sunaomi und Chikara, die nun ohne Eltern sind. Dein Sohn Hisao erlernt in Terayama, wo auch ich mich mit den Kindern aufhalte, den Weg des Houou und Makoto, der sehr gütig und verständnisvoll zu mir ist, hofft, dass einmal etwas Großes aus ihm wird. Du hattest Recht, dieser Ort schenkt einem ein weing Frieden, eine Art spirituelle Kraft, die man überall im Kloster spühren kann. Vielleicht werde ich es irgendwann schaffen, auch Hisao die Liebe teilwerden zu lassen, die ihm in seiner Kindheit bisher enthalten wurde.
Du wurdest nach deinem Wunsch neben Shigeru beigesetzt und in den letzten Tagen sieht man hier viele Leute, die an deinem Grab Beistand und Rat erbitten. Dein Traum der vereinigten Drei Länder lebt in deinem Erbe weiter, Shigeko ist eine ausgezeichnete Herrscherin. Doch die Zeichen deiner segenreichen Herrschaft sind fort. Das Kirin starb und die Houou sind weiter gezogen.
Ich weiß, du wirst dies nie lesen können, nie erfahren, wie tief ich bereue und leide.


An dieser Stelle konnte Kaede sich nur noch unter größter Anstrengung aufrecht halten und fortfahren. Die Sehnsucht nach Takeo zwang sie beinahe in die Knie, doch sie musste sich auch noch den Rest von der Seele schreiben.

Wie sehr sehne ich unsere angeregten Gespräche herbei, unsere gemeinsamen Kampfübungen, deinen sanften Kuss auf meinem narbigen Nacken. Eine Umarmung von dir und ich fühlte mich geborgen und sicher. Du überstrahltest einfach alles Böse und besiegtest die herrschende Grausamkeit mit deiner Güte, doch ohne dich ist Dunkelheit in mein Herz eingekehrt, die nie mehr weichen wird. Wohlmöglich habe ich es nicht verdient und dennoch hoffe ich, dass es für uns noch eine zweite Chance gibt im Tod oder einem anderen Leben, damit ich dir sagen kann, wie viel du mir in Wirklichkeit bedeutest. Mein einziger Trost besteht darin, dass du nun bei unserem kleinen Sohn bist und auf ihn Acht gibst.
In inniger Liebe und unendlicher Reue,
deine Kaede


Dann brach sie auf dem Holzboden zusammen. Verzweifelt ballte sie die Hand mit dem Brief zur Faust und biss die Zähne aufeinander. Mühsam brachte sie sich wieder unter Kontrolle. Mit Bedauern betrachtete sie ihre unlesbar gemachte Handschrift und ließ das  Schreiben aud das Pult zurück sinken. Aus den Augenwinkeln nahm sie im Garten eine Bewegung war und drehte erschrocken den Kopf. Dort stand, mit schiefgelegtem Kopf, ein weißer Houou und starrte sie an. Seine prachtvolle Erscheinung erfüllte sie mit Staunen. Er strahlte eine kaiserliche Eleganz aus und übertrug seine Ruhe auf Kaede. Voller Ehrfurcht sank sie auf die Knie, denn sie hatte das Gefühl, dass dies ein letzter Gruß Takeos war. Als der Vogel sich mit einem kraftvollen Schalg seiner Flügel wieder in die Luft schwang, schaute Kaede ihm lächelnd und voll neuer Zuversicht nach.

ENDE
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