I love you, I’m charmed by your beauty, dear boy...

GeschichteRomanze / P12 Slash
Clark Kent Lex Luthor
23.07.2008
23.07.2008
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So, das ist mal wieder eines meiner ersten Meisterwerke *hust, die ich aus den Tiefen meines PCs ausgegraben habe. Ich gebe zu, mittlerweile schäme ich mich für den schmalzigen Unsinn, den ich hier verzapft habe, aber schließlich fängt jeder Bestsellerautor ja mal klein an ;) Wer sich bisher noch nicht hat abschrecken lassen, dem wünsche ich auch weiterhin viel Spaß und seid so nett und lasst mir dann ein Review da, gell?

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I love you, I’m charmed by your beauty, dear boy...


Pairing: Clark/Lex
Rating: PG-12
Warning: None
Summary: Clark wird sich über seine Gefühle für Lex klar...

Disclaimer: "Smallville" und alle beinhalteten Charaktere sind Eigentum von DC Comics, Warner Brothers, Tollin/Robbins and Millar/Gough Ink. Ich verdiene keinen Cent an dieser Story. Die Handlung ist rein fiktional. Der Titel ist ebenfalls nicht mein geistiges Eigentum, sondern stammt aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe. Es handelt sich um ein Zitat aus der englischen Übersetzung des Erlkönigs.

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Ich weiß nicht mehr genau, wann ich es festgestellt habe. Es könnte einige Monate her sein, aber ich kann es nicht genauer sagen. Ich glaube, ich habe auch ziemlich lange gebraucht, um es zu realisieren. Vielleicht, weil ich es einfach nicht gemerkt habe, höchstwahrscheinlich aber eher, weil ich es mir nicht eingestehen wollte.
Aber irgendwann habe ich gefühlt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Dass ich mich total mies fühle.
Und vor allem, dass ich ständig dazu neige, rot anzulaufen, wenn ich auch nur an ihn denke. Und da war es mir klar. Ich bin verliebt. Das Schlimme daran ist, dass ich keine Frau liebe, sondern einen Mann.
Das würden meine Eltern sicher noch verstehen, aber mein Vater würde ausflippen, würde er wissen, um wen es sich handelt. Doch das kann mich nicht schrecken. Noch nie in meinem Leben bin ich mir einer Sache so sicher gewesen.

Ich liebe Lex Luthor.

Das einzige Problem, dass ich jetzt noch habe, ist, es Lex zu erzählen. Okay, das wird wahrscheinlich nicht allzu schwierig werden, ich frage mich aber, wie Lex darauf reagieren wird. Ich habe Angst, dass er mich auslacht, dass er alles als pubertäre Ideen hinstellt,
oder noch schlimmer, dass er mich nie mehr sehen will.
Das könnte ich nie ertragen.

Pete hat schon gemerkt, dass ich nicht mehr normal bin, wie er es ausgedrückt hat. Er fragte, ob ich mal wieder irgendeine Veränderung an meinem Körper spüre. Oh ja, das tue ich. Und zwar immer dann, wenn ich an Lex denke.
Doch das konnte ich ihm ja nicht sagen. Ich grummelte etwas von Schulstress und ließ ihn einfach stehen. Danach hat er nie wieder gefragt.
Chloe witterte natürlich sofort ein dunkles Geheimnis, wenn sie ahnen würde, wie Recht sie hat, würde sie mir garantiert aus dem Weg gehen.
Lana nervt mich. Ich verstehe einfach nicht, wie ich mich überhaupt in sie verlieben konnte. Okay, sie sieht ja zugegebenermaßen recht hübsch aus, aber sonst?

Seit dem Sturm textet sie mich zu, von wegen Vertrauen und so. Mein Gott! Man kann sich aber auch aufregen. Was kann ich denn dafür, dass sie mir von all ihren kleinen Problemchen mit Whitney erzählt hat? Ich habe sie schließlich nie darum gebeten.
Der arme Whitney, ich frage mich, wie es ihm wohl geht. Ich hoffe, er hat es mittlerweile verkraftet, dass Lana sich von ihm getrennt hat. Aber ich glaube, er ist nur deswegen zur Armee gegangen, weil er sie loswerden wollte. Der Junge hat mein vollstes Verständnis.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als Lana mich im Schwimmbad der Highschool verführen wollte. Jetzt weiß ich auch endlich, warum ich damals nicht einfach zugegriffen habe. Ich interessiere mich nicht für Frauen. Punkt! Und ich bezweifle, dass sich das so schnell wieder ändern wird.

Mum hat es als erste gemerkt. „Clark, du bist verliebt,“ sagte sie mir vor einigen Wochen. Ich konnte es nicht bestreiten. „Wer ist es? Kenne ich sie?“ Warum ist sie direkt davon ausgegangen, dass es ein Mädchen ist? Gut, in Smallville sind wir etwas zurückgeblieben, was die Schwulenbewegung angeht, aber ein klein wenig mehr Toleranz hätte ich gerade von Mum doch erwartet.

Was Dad angeht, so hat er mir mal erzählt, dass er während seiner Schulzeit total in seinen Kumpel verliebt war. Bis Mum auftauchte und ihn sozusagen ‚kurierte’. Lächerliche Vorstellung. Ausgerechnet Dad! Das hätte ich nun wirklich nie geglaubt.

Seit Wochen nun versuche ich einen Weg zu finden, es Lex zu erzählen. Leider habe ich es bisher nie geschafft, Lex war selten zu Hause und wenn, dann hatte er immer so viel zu erledigen, dass er mich nebenbei abfertigte. Bisher hatte ich immer Verständnis dafür, aber in letzter Zeit bin ich davon eher tierisch angenervt. Lex scheint es bis jetzt nicht registriert zu haben. Warum auch?

Ich bin ja nur sein bester Freund, nichts weiter. Warum sollte er mir mehr Aufmerksamkeit schenken als seinen Geschäften? Ich bringe ihm keinen Gewinn, vielleicht liegt es daran. Gut, jetzt bin ich etwas ungerecht, aber im Prinzip stimmt es schon. Lex ist zwar wesentlich menschlicher als sein Vater, der große Eisklotz Lionel Luthor höchstpersönlich, aber immer noch viel zu sehr auf die Materie fixiert. Ich habe mir fest vorgenommen, dies zu ändern, bis heute aber leider erfolglos. Ich sollte ihm wirklich von meinen Gefühlen für ihn erzählen, vielleicht schenkt er mir dann endlich die Aufmerksamkeit, die ich mir so sehr wünsche.

Im Moment sieht es aber sehr schlecht aus. Lex geht wie immer seinen Geschäften nach und ich muss in die Schule, wo ich wirklich jeden Tag alberne Gespräche von pubertierenden Jungs über Traumfrauen und das Erste Mal anhören muss. Ich zweifle nicht daran, dass es heute auch wieder so sein würde.

Wie jeden Tag stehe ich um sechs Uhr morgens auf. Zum Glück macht mir das nichts aus, ich kann Tage ohne Schlaf aushalten, manchmal ein Vorteil, zur Zeit aber eher ein gewaltiger Nachteil. Denn was tue ich, wenn ich nicht schlafe und ansonsten auch nichts zu tun habe? Natürlich über Lex nachdenken. Und das schlaucht.

„Clark, beeil dich! Der Bus wartet nicht,“ ruft meine Mutter durch das ganze Haus. Seufzend erhebe ich mich von meinem Bett, auf dem ich mal wieder von Lex geträumt habe.
Dank Superspeed erwische ich den Bus noch, wo Chloe mir wie immer einen Platz freigehalten hat.

„Du siehst müde aus,“ stellt sie mit Scharfblick fest. Ich antworte nur mit einem ausweichenden Gebrumme, ich habe keine Lust auf lange, nervtötende Diskussionen. Leider scheint Chloe meine abwehrende Haltung nicht zu akzeptieren, sondern verwickelt mich in ein höchst kompliziertes Gespräch über das bevorstehende Schulfest.

„Wenn ich mich recht erinnere, wolltest du zusammen mit Lana die Organisation des Buffets übernehmen,“ meint sie spitz, genau merkend, dass ich ihr eigentlich nicht zuhöre. Ich brauche einige Sekunden, ehe ich weiß, was sie meine.

„Hm,“ mache ich und starre wieder desinteressiert aus dem Fenster. Neben mir höre ich Chloe seufzen und in ihrer Tasche kramen. Das bedeutet, sie sucht ihre geliebte Schülerzeitung, um darin zu schmökern. Endlich Ruhe! Meine Gedanken schweifen wieder ab. Und dann fasse ich einen Entschluss: Heute Abend! Ich muss es Lex erzählen. Sonst gehe ich hier noch vor die Hunde.
Pete lässt mich deutlich spüren, dass er immer noch wütend ist, weil ich ihn letztens einfach habe stehen lassen, Lana rennt ständig hinter mir her, will mit mir über ihre Sorgen reden und mir so ganz nebenbei meine Probleme entlocken. Mit jedem neuen Tag frage ich mich, was mich mal an dieser Frau gereizt hat. Heute reizt mich einfach alles, ihre nervige Stimme, ihr Dackelblick und dieses Unschuldsimage. Ich kann und will sie einfach nicht mehr sehen. Funktioniert leider nicht, da wir zusammen in einer Jahrgangsstufe sind. Es scheint, als würde ich sie innerhalb der nächsten paar Jahre nicht loswerden.

„Clark, aufwachen!“ reißt mich Chloes spöttische Stimme aus meinen Gedanken. Damit stehen mir jetzt noch sieben langweilige Schulstunden bevor, anschließend ein harter Arbeitstag auf der Farm und dann endlich werde ich mit Lex reden.

„Hallo, Clark!“ Oh nein, ich glaube es einfach nicht. Muss diese Nervensäge mich schon so früh am Morgen erwischen? Ich bin nicht sicher, ob ich diesen Schock auf nüchternen Magen ohne meine Superkräfte heil überstanden hätte. Ich verdrehe die Augen, setze dann mein höflichstes Lächeln auf, zu dem ich fähig bin und drehe mich dann um. Lana Lang, ehemalige Cheerleaderin und Ex-Freundin des ehemaligen Quarterbacks, Traumfrau aller pubertierenden Jungs auf unserer High School, Auslöser von zahlreichen feuchten Träumen und, leider, leider, vollkommen auf mich fixiert. Kann ein einzelner Mensch dermaßen vom Unglück verfolgt werden?

„Hast du heute Zeit? Wir müssen noch die Bestelllisten durchsehen, außerdem hast du mir immer noch nicht gesagt, ob deine Mutter bereit ist, bei der Vorbereitung des Buffets zu helfen. Ich hoffe, du hast dich mittlerweile mit der Vermieterin des Lokals in Verbindung gesetzt. Wir können es uns nicht leisten, in allerletzter Sekunde nach einem anderen Lokal zu suchen, wie du weißt.“

Habe ich es schon einmal erwähnt, dass mir diese Frau auf die Nerven geht?

„Tut mir leid, Lana, heute habe ich keine Zeit,“ erwidere ich so ruhig wie möglich und verschwinde schnell zwischen den Schülermassen, die auf die Schule zuströmen, ohne ihre weiteren Fragen zu beantworten. Am Eingang kann ich es mir nicht verkneifen, mich umzudrehen. Wie sie mir hinterher starrt. Absolut verblüfft und irgendwie dämlich. Damit ist der Tag gerettet.
Zufrieden grinsend betrete ich den Klassenraum und lasse die beiden nun folgenden Stunden Amerikanische Geschichte über mich ergehen. Geschichte zählt nicht gerade zu meinen absoluten Lieblingsfächern. Deswegen hat Lex sich angeboten, mir darin Nachhilfe zu erteilen.

Anfangs habe ich es gehasst, doch mit der Zeit lernte ich, dieses großzügige Angebot zu schätzen. Nicht nur, dass meine Noten wesentlich besser wurden, ich genoss einfach diese Stunden, in denen ich mit Lex zusammen war, in denen wir Geschichte lernten, uns aber auch über alles mögliche unterhielten oder nur nebeneinander auf dem Sofa saßen und uns Lex’ umfangreiche Klassik-Sammlung anhörten. Eigentlich mag ich ja keine Klassik, HIM ist eher mein Fall, aber das Gefühl, in seiner Nähe zu sein, war einfach unbeschreiblich. Ich fühlte mich sicher, unverletzlich, geborgen und seltsam frei. Ja, ich glaube, frei ist genau der richtige Ausdruck.

„Mr Kent?“ Verdammt. Anscheinend habe ich wieder mal nicht zugehört. Passierte mir ziemlich häufig in den letzten Tagen.

„Können Sie uns sagen, aus welchen Gründen der Sezessionskrieg begann?“ Ausgerechnet dieses Thema. Das hat Lex mir noch nicht erklärt, ich meine, wir hatten es vor, aber dann hatte er so viel zu erledigen, dass er es immer weiter hinausschob.

„Der Sezessionskrieg ... ähm ... begann ... vielleicht ... weil ... ähm ... möglicherweise ... hm ... nein, das weiß ich nicht,“ stottere ich und merke, wie ich rot anlaufe. Mein Geschichtslehrer zieht nur spöttisch eine Augenbraue hoch und notiert sich etwas in seinem schlauen Buch. Meine Note geht den Bach runter, das ist klar wie Kloßbrühe. Ich brauche Lex, in jeder Hinsicht. Der Pausengong erlöst mich endlich und ich verziehe mich in die hinterste Ecke der Cafeteria, damit ich ja nicht mit irgendwem reden muss. Doch zu meinem Pech setzt sich Lana an meinen Tisch.

„Clark, was ist eigentlich los mit dir? Hast du Sorgen?“ Da ich nicht antworte (mein Problem mit Lex geht diese Tratschliese überhaupt nichts an) seufzt sie und löchert mich weiter. „Du kannst mir doch alles erzählen. Ich meine, wir sind nicht umsonst so gut befreundet. Wozu hat man gute Freunde, wenn man ihnen nichts erzählen kann?“ Sehr gute Frage. Und genau aus diesem Grund werde ich Lex heute Abend alles erzählen. Er ist nämlich ein guter Freund, im Gegensatz zu Lana. Oh Nein, jetzt setzt sie schon wieder diesen Dackelblick auf. „Ich verstehe dich nicht, Clark,“ jammert sie „du hast mir doch früher auch immer alles gesagt. Ich habe den Eindruck, als würdest du auf meine Freundschaft nicht mehr allzu viel Wert legen.“ Ist es denn zu fassen? Eine solch intelligente Einsicht hätte ich ihr niemals zugetraut. Wirklich ein Jammer, dass ich viel zu gut erzogen bin, um ihr das ins Gesicht zu sagen. Deswegen quetsche ich nur „Doch, doch....habe keine Sorgen...nur etwas beschäftigt“ heraus und beuge mich demonstrativ über mein Käsebaguette, als ob es da etwas Interessantes zu sehen gäbe. Endlich steht sie auf und geht.

Ich hoffe, damit habe ich das Schlimmste für heute hinter mir. Die nächsten beiden Stunden sind Sport, das bringe ich dank meiner Superkräfte ohne besondere Anstrengung hinter mich. In der Pause schließe ich mich auf dem Klo ein und beginne so langsam, an mir zu zweifeln. Pete und ich haben uns immer über die Mädchen lustig gemacht, die mit ihren Freundinnen auf dem Klo verschwunden sind und, wie ich mit meinen Superohren feststellen konnte, über ihren neuesten Schwarm redeten und dabei ununterbrochen kicherten. Und jetzt? Jetzt sitze ich hier auf dem Klodeckel und träume von Lex.
Ich bin eigentlich immer davon ausgegangen, dass Liebe die schönste Sache der Welt ist. Doch momentan bin ich mir da nicht mehr so sicher. Noch niemals zuvor in meinem Leben habe ich mich elend gefühlt. Unglücklich verliebt und ignoriert, das ist meiner Ansicht nach die Hölle auf Erden. Das kann doch im Prinzip nicht gut gehen. Jedoch schiebe ich diesen Gedanken schnell beiseite. Positives Denken war schon immer mein bevorzugtes Motto und ich glaube fest daran, dass Lex und ich eine Zukunft haben, eine gemeinsame Zukunft.

Ich bin so in meine Gedanken versunken, dass ich beinahe den Gong zur nächsten Stunde überhöre. Biologie, das ist aushaltbar. Ohne Lana, also eins meiner momentanen Lieblingsfächer. Auch wenn ich bisher nie über eine gute Drei hinausgekommen bin. Aber egal.

Vererbungslehre ist heute unser Thema. Das regt meine schmutzige Fantasie an. Ich überlege mir, wie wohl eventuelle Kinder von Lex und mir aussehen könnten. Wahrscheinlich wären sie groß, intelligent und natürlich gutaussehend. Lex wird sich dominant vererben, davon gehe ich mal rein gefühlsmäßig aus.

„Mr Kent, Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen beschäftigen Sie sich eher mit der Fortpflanzung denn mit der genetischen Vererbung,“ reißt mich die spöttische Stimme meiner Lehrerin aus meinen Gedanken.

„Was?“ Ich gucke wohl ziemlich dämlich, denn der ganze Kurs kichert, und meine Lehrerin runzelt die Stirn.

„Haben Sie gut geschlafen? Oder besser gesagt, gut geträumt?“

Was soll ich darauf antworten? Ich weiß es nicht. Deswegen versuche ich ein entschuldigendes Grinsen und senke meine Nase wieder in das Buch. Meine Lehrerin seufzt (ist heute glaube ich schon die vierte Person) und notiert etwas in ihrem schlauen Buch. Hoffentlich ist die Schule bald rum, ich versaue mir hier meinen ganzen guten Durchschnitt.
Na ja, gut ist übertrieben, annehmbar trifft es wohl eher. Es kann ja nicht jeder ein Genie sein. Wäre doch total langweilig. Der Rest der Stunde kriecht langsam dahin, aber jetzt passe ich auf. Zugegeben, ich behalte nicht viel, was meine Lehrerin über Mendel und seine Gesetze erzählt, um ehrlich zu sein, ich behalte eigentlich überhaupt nichts.

Nach der Schule muss ich noch eben mit Chloe die neueste Ausgabe des ‚Torch’ durchsehen. Das kann ich nicht absagen, Chloe würde sonst absolut misstrauisch werden, weil sie genau weiß, dass ich mir die Korrektur niemals entgehen lasse. Also überfliege ich notgedrungen einen vollkommen uninteressanten Artikel über das letzte Opfer der Meteoriten, kringele am Rand einige Kommentare hin und streiche zu subjektive und zu reißerische Passagen heraus.

„Sag mal, Clark, hast du dich heute eigentlich mit Lana gestritten?“ fragt sie beiläufig, ohne von ihrer Lektüre aufzusehen.

Lana! Warum immer Lana? Merkt denn keiner, dass sie mich kein winziges bisschen mehr interessiert?

„Wieso?“ frage ich genauso desinteressiert, um Zeit zu gewinnen, überlege fieberhaft, was ich sagen könnte.

„Sie hat mir gesagt, dass du sie ziemlich mies behandelt hast, heute morgen in der Cafeteria.“
Endlich hebt Chloe den Kopf und sieht mich an, mit ihrem typischen, neugierig-interessierten Blick.

Ich und Lana mies behandeln? Das ist ja wohl die Höhe. Wer läuft mir denn auf Schritt und Tritt hinterher, textet mich zu und geht mir auf die Nerven? Doch wohl Lana.
Aber ich wusste ja schon immer, dass Mädchen, insbesondere Lana, dazu neigen, gewisse Tatsachen falsch zu verstehen oder einfach umzudrehen.
Willst du was von ihr, spielt sie die unnahbare Eiskönigin und lässt dich zappeln, bist du nicht mehr interessiert, wirst du sie nicht mehr los. Verrückte Welt.

„Clark? Kriege ich heute noch eine Antwort?“ Ungeduldig trommelt Chloe mit ihren Fingern auf dem Schreibtisch herum.

„Ich habe mich nicht mit Lana gestritten. Sie hat irgendwas falsch verstanden,“ brumme ich und setzte ein ‚Wie immer!’ in Gedanken hinzu. Ich schnappe meinen Rucksack und schmeiße meine Unterlagen hinein.

„Du willst doch nicht etwa schon gehen? Wird sind doch noch gar nicht fertig,“ fragt Chloe verblüfft.

„Habe noch was zu erledigen,“ rufe ich ihr zwischen Tür und Angel noch zu, bevor ich in Rekordzeit nach Hause laufe. Mein Superspeed wird immer besser. Vielleicht legt mein Verstand eines Tages auch noch zu. Jedenfalls habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

„Hallo, mein Schatz,“ werde ich von meiner Mum begrüßt, die in der Küche steht und einen traumhaft lecker riechenden Eintopf zubereitet. „Wie war’s in der Schule?“

„Ganz okay, Mum,“ antworte ich und verdrehe die Augen, als sie gerade nicht hinsieht. Warum müssen Mütter eigentlich immer diese blöde Frage stellen? Na schön, bei meinen Eltern kann ich es ja noch verstehen, sie haben immer Angst, dass mir irgendetwas passiert oder dass jemand von meinen Kräften Wind bekommt. Ihrer Ansicht nach wissen es schon zu viele, seit ich es Pete gebeichtet habe. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Pete dicht halten wird. Fragt mich nicht, wieso, ich weiß es einfach. Leider sind meine Eltern da meistens anderer Meinung.

„Kannst du schon mal den Tisch decken?“ fragt Mum, „das Essen ist gleich fertig und Jonathan müsste auch jeden Moment zurücksein.“

„Wo war er denn?“ frage ich, während ich Teller und Besteck aus dem Schrank hole.

Mum seufzt. „Bei der Bank.“

Da sie weiter nichts sagt, kann ich davon ausgehen, dass wir mal wieder in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Ich weiß ja, dass so ein Farmerleben alles andere als einfach ist und im Prinzip bin ich auch ganz zufrieden damit, aber manchmal wünsche ich mir doch, etwas mehr Geld zur Verfügung zu haben. Mit Lex befreundet zu sein scheint Wünsche dieser Art nach sich zu ziehen. Ich weiß noch genau, wie beeindruckt ich bei meinem ersten Besuch im Schloss war. Lex war es peinlich, dass konnte ich ihm ansehen. Er fühlt sich, glaube ich, auch nicht wohl im Schloss, in dem es geradezu nach Reichtum stinkt. Aber ich bezweifle, dass er freiwillig auf sein Geld verzichten würde.

Ich höre, wie Dad herein kommt und die Tür hinter sich zuschlägt. Das bedeutet, er hat keinen Kredit bewilligt bekommen. Wie immer eigentlich. Als er ins Esszimmer kommt, sehe ich meine Ahnung bestätigt. Er hat dermaßen schlechte Laune, dass sich die Falten in seinem Gesicht verdreifacht haben. Trotzdem schafft er es, mich halbwegs freundlich anzusehen.

„Hallo Clark!“ sagt er und verschwindet dann in der Küche, wo er mit Mum eine hitzige Diskussion beginnt. Ich halte mir die Ohren zu, ich will nicht wissen, worüber sie reden.
Ich weiß es ja eigentlich schon. Mum wird Dad vorschlagen, sich von Grandpa unterstützen zu lassen, wohingegen Dad auf seiner Unabhängigkeit besteht und sich noch nicht einmal vom lieben Gott, falls es denn einen geben sollte, helfen lassen würde.

Erfahrungsgemäß dauern solche Diskussionen sehr lange, deswegen verziehe ich mich in die Scheune. Es ist wirklich schade, dass ich von hier aus nur einen Blick auf Lanas Haus werfen kann, nicht auf das von Lex. Es würde mich wirklich interessieren, was er im Moment so treibt. Arbeiten, schätze ich, was anderes tut er eigentlich nie, wenn er sich nicht gerade mit Victoria vergnügt. Warum Victoria? Warum nicht ich? Was Lex an dieser Schlampe findet, kann ich sowieso nicht nachvollziehen. Wahrscheinlich sind es ihre großen Titten, auf die er so abfährt. Das kann ich ihm leider nicht bieten.

„Clark!“ höre ich Dad brüllen, was ein Zeichen dafür ist, dass wir jetzt endlich essen können. Mein Magen knurrt schon ziemlich laut, deshalb renne ich mit Superspeed ins Esszimmer. Mum und Dad haben sich ziemlich heftig gestritten und sich noch nicht wieder versöhnt, dass erkenne ich mit einem Blick. Ist ja auch nicht wirklich schwer. Mum lächelt mich unglücklich an und hofft, dass ich ihre Tränen nicht sehe, Dad setzt ein Weltuntergangsgesicht auf und würde mit seinen grimmigen Blicken jeden töten, wenn er denn mit Blicken töten könnte. Dummerweise habe ich nicht das leiseste Taktgefühl für solche Situationen, deshalb sage ich lieber nichts. So stochert jeder missmutig und ohne Appetit in seinem Essen rum. Komisch, obwohl ich vorhin noch so großen Hunger hatte, ist mir der Appetit irgendwie vergangen. Nach einer Ewigkeit, so erscheint es mir jedenfalls, steht Dad auf. Das nehme ich als Aufforderung, so schnell wie möglich von hier zu verschwinden. Ich hasse mich selbst dafür, aber ein klein wenig Egoismus scheint mir doch dann und wann angebracht zu sein. Mum und Dad sind schließlich erwachsen, sie werden auch mal einen Tag ohne mich zurecht kommen.

„Ich bin dann weg,“ sage ich zu niemand Bestimmten und bevor Mum oder Dad überhaupt reagieren könne, laufe ich schon über Smallvilles Hauptstraße, in Gedanken versunken, nicht auf die Menschen achtend, die meinen Weg kreuzen, was, wie sich herausstellt, der größte Fehler ist, den ich machen konnte.

„Clark! Warte!“ Nicht das auch noch. Bin ich nicht schon genug gestraft? Ich muss mich nicht einmal umdrehen, um zu wissen, dass niemand anderes als Nel hinter mir steht. Warum muss sie ausgerechnet heute in Smallville auftauchen? Konnte sie nicht in Metropolis bleiben, wie sonst auch? Nicht, dass ich sie nicht mögen würde, aber heute sollte mir am Besten jeder aus dem Weg gehen. Dazu sollte ich vielleicht nicht gerade in Smallvilles Zentrum unterwegs sein, fällt mir auf. Aber wie gesagt, mein Verstand hat noch nie sonderlich schnell gearbeitet. Ich dränge meine Wut in den hintersten Teil meines Selbst zurück und setzte das freundlichste Grinsen auf, zu dem ich imstande bin, bevor ich mich umdrehe.

„Hallo Nel! Schön, dich zu sehen.“ Ich bin schon immer ein guter Lügner gewesen.

Nel umarmt mich und drückt mir beinahe die Luft ab.


„Schön, dich endlich mal wiederzusehen. Du lässt dich nie in Metropolis blicken und Lana erzählt nicht viel von dir. Man könnte fast meinen, du gehst mir aus dem Weg.“

Was soll ich darauf antworten? Zwar weiß ich, dass sie ihre Bemerkung nicht ernst gemeint hat, trotzdem habe ich sofort ein schlechtes Gewissen. Natürlich gehe ich ihr aus dem Weg, besonders seit ich kein Interesse mehr an Lana habe. Nel hält mich nämlich für den perfekten Schwiegersohn und wäre garantiert enttäuscht, wenn sie wüsste, dass ich den Fluss überquert habe.
Daher habe ich versucht, jedweden Kontakt mit ihr und Lana zu meiden, ersteres hat bis gerade hervorragend funktioniert, letzteres zu meinem Leidwesen nicht. Na ja, man kann im Leben eben nicht alles erreichen.

„Tut mir leid,“ murmele ich, doch sie hört mich nicht mal zu.

„Weißt du, Clark,“ plappert sie weiter, „die Großstadt bietet zwar einige Vorteile, aber irgendwie vermisse ich das Landleben sehr. Und vor allem vermisse ich dich und Lana. Wie geht’s eigentlich deiner Mutter? Irre ich mich oder hast du tatsächlich abgenommen?“

Sie betrachtet mich mit einem prüfenden Blick. Abgenommen? Ich? Ist mir noch gar nicht aufgefallen. Aber sie hat vermutlich Recht. Nel hat immer Recht. Wahrscheinlich denke ich viel zu viel über mich und Lex nach, da bleibt eben nicht so viel Zeit zum Essen. Dass ich keine Antwort gebe, scheint Nel nicht sonderlich zu stören. Sie ergreift meinen Arm und schleppt mich einfach mit.

„Lass uns in Talon gehen, ich spendiere dir einen Espresso, okay?“ Ich will protestieren, ich habe nicht den geringsten Nerv, erstens mich von Nel zutexten zu lassen und zweitens Lana zu sehen, die Geschäftsführerin im Talon ist. Aber Nel lässt mich erst gar nicht zu Wort kommen.

„Ich muss auch unbedingt mit Lana reden,“ fährt sie fort, mein unhöfliches Schweigen einfach ignorierendend, „ich finde es zwar sehr gut, dass sie sich bei Chloe so wohl fühlt, aber ich würde sie doch lieber in meiner Nähe haben. Lana ist doch so ein sensibles Mädchen, dass viel Beistand braucht und ich bezweifle, dass Chloe in der Lage ist, ihr Trost zu spenden. Versteh mich nicht falsch, ich bin sicher, dass Chloe ein sehr nettes Mädchen ist, aber ich finde sie etwas zu offen und direkt. Sie könnte einen schlechten Einfluss auf Lana haben. Ich weiß ja, dass Lana bei dir in allerbesten Händen ist, sie schwärmt immer von deiner wunderbaren Art, anderen Menschen zu helfen, aber ich befürchte, dass sie in letzter Zeit den Kontakt zu dir etwas vernachlässigt, um mehr mit Chloe unternehmen zu können. Wie wäre es, wenn ihr beide mich mal in Metropolis besuchen würdet, dann könnten wir zusammen etwas unternehmen, wäre das nicht wundervoll?“

Was? Hat sie mich etwa was gefragt? Ruckartig wache ich aus meinen Träumen auf. Nel sieht mich fragend an. Verdammt! Schon wieder nicht aufgepasst. Ich merke, wie ich bereits zum dritten Mal an diesem Tag rot anlaufe.

„Hm,“ nuschele ich und hoffe, dass es als Antwort ausreicht. Und zum Glück gibt sich Nel damit zufrieden. Ununterbrochen redet sie weiter auf mich ein, bis wir das Talon erreichen. Ich flehe alle höheren Mächte des Himmels und der Hölle an, damit sie Lana zu Staub zerfallen lassen, aber es ist vergeblich. Kaum sitzen Nel und ich in einer gemütlichen Ecke am Tisch, kommt Lana mit versteinertem Gesicht auf uns zu.
Schwer zu sagen, wer von uns beiden unerwünschter ist, würde aber spontan auf Nel tippen. Sie springt auf und schließt Lana in ihre Arme, was ihr, ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, ziemlich missfällt.

„Was wollt ihr trinken?“ fragt sie und setzt ein geschäftliches Lächeln auf.

Ich überlasse Nel die Antwort und schaue mich stattdessen im Talon um. Es ist so gut wie leer, nur einige wenige Schüler, die entweder genervt über ihren Hausaufgaben sitzen oder den neuesten Klatsch verbreiten.
Mit einem Ohr höre ich Nels Redefluss zu, mit dem anderen lausche ich dem Gespräch zweier Mädchen. Obwohl sie auf der anderen Seite des Raumes sitzen und flüstern, verstehe ich doch jedes Wort so deutlich, als würde ich neben ihnen sitzen.
Jedoch interessiere ich mich weder für den neuen Quarterback noch für die letzte Ausgabe der Sugar mit einem Riesenfoto von Legolas.
Nel setzt sich wieder zu mir an Tisch. Notgedrungen wende ich meine Aufmerksamkeit wieder ihr zu. Das Gespräch mit Lana scheint sie nicht besonders erfreut zu haben.

„Findest du nicht, dass sich Lana etwas seltsam verhält?“ fragt sie mich und sieht mich dabei mit einem äußerst misstrauischen Blick an. Ich stelle mich ahnungslos.

„Seltsam?“ wiederhole ich und gucke dabei erstaunt. „Ist mir nicht aufgefallen.“

„Sie ist ganz und gar nicht erfreut, mich hier zu sehen und ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass sie auch über deinem Anblick nicht allzu glücklich ist. Habt ihr euch gestritten?“

Ich brauche einige Sekunden, um diesen komplizierten Satz zu verstehen und nochmals einige Sekunden, um mir eine passende Antwort auszudenken.

„Das bildest du dir ein. Zwischen Lana und mir ist alles in Ordnung.“ Ich versuche, das so sicher wie möglich rüberzubringen und anscheinend ist Nel überzeugt. Bevor sie etwas erwidern kann, kommt Lana zurück und stellt zwei Tassen Cappuccino auf den Tisch. Hatte Nel mir nicht erst vor fünf Minuten einen Espresso versprochen? Wahrscheinlich hat sie sich selbst nicht richtig zugehört, das soll vorkommen.

„Wollt ihr sonst noch etwas?“ fragt Lana, immer noch höflich, aber ich kann erkennen, dass sie am liebsten herumschreien und uns hinauswerfen würde. Innerlich fange ich an zu grinsen. Das ist immer ein Spaß, wenn die liebe, nette Lana wütend wird. Passiert für meinen Geschmack leider viel zu selten. Ich bin enttäuscht, als sie nach Nels Kopfschütteln wieder hinter der Theke verschwindet und mir jetzt offene böse Blicke zuwirft, welche ich jedoch mit absoluter Ruhe ignoriere. Nel stürzt ihren Cappuccino in einem Zug hinunter und knallt die Tasse mit solcher Wucht auf den Tisch, dass ich erschrocken zusammenzucke.

„Tut mir Leid, Clark, aber ich muss noch dringend etwas Geschäftliches erledigen, wir sehen uns später vielleicht noch.“

Jubel! Ich muss mich stark zusammennehmen, um nicht vor Freude zu grinsen und schaffe es sogar irgendwie, einen enttäuschten Ausdruck auf mein Gesicht zu zaubern.

„Du willst schon gehen?“ quetsche ich noch hervor, dann rauscht Nel mit erhobenem Kopf durch das Talon, würdigt Lana keines Blickes und verlässt das Cafe.
In aller Seelenruhe widme ich mich meinem Cappuccino und genieße die unverhoffte Freiheit, bis Lana vor meinem Tisch auftaucht und mir die Rechnung präsentiert. Wenn ich mich nicht irre, hat Nel doch irgendwas von ‚einladen’ gesagt. Das ist mal wieder absolut typisch. Aber ich ärgere mich nicht lange, krame in meiner Tasche nach dem Rest meines Taschengelds und lege sogar noch ein überaus großzügiges Trinkgeld drauf. Ich sehe es Lana an, dass sie mir die Münzen am liebsten mitten ins Gesicht pfeffern würde, aber ihre Selbstbeherrschung ist wirklich meisterhaft.

„Ciao Lana,“ grinse ich und freue mich tierisch über ihr Gesicht. So sichere ich mir einen bärenstarken Abgang und kann eigentlich sicher sein, in dieser Woche nicht mehr von ihr belästigt zu werden. Einfach paradiesisch! Mittlerweile regnet es, aber das macht mir nichts aus. Ich mag Regen. Aber nur im Sommer, wenn er schön warm ist.

Ich laufe über Smallvilles Hauptstraße, mit meinen Gedanken bei Lex, wie schon oft in den letzten Tagen. Ich werfe einen Blick auf die Uhr, es ist kurz nach vier. Bis neun hat Lex meistens zu tun, deshalb werde ich so höflich sein und erst so gegen halb zehn bei ihm aufkreuzen. Doch was soll ich bis dahin tun? Hausaufgaben machen? Nur das nicht. Lesen? Keine prickelnde Vorstellung. Pete oder Chloe besuchen? Kommt wahrscheinlich nicht so gut, außerdem habe ich nicht den geringsten Nerv, mich in meinem Zustand mit anderen Menschen auseinander zu setzen.

Smallville wirkt wie ausgestorben, kein Mensch ist mehr auf der Straße unterwegs. Es ist stürmischer geworden, dicke schwere Regentropfen prasseln auf mich nieder, doch ich spüre sie kaum. Ich summe ‚I’m singing in the rain’ vor mich hin und hüpfe von einer Pfütze in die nächste. Es macht wirklich Spaß, sich ab und zu mal so richtig kindisch zu benehmen.

Als ich an der Bücherei vorbeikomme, beschließe ich, ausnahmsweise mal wieder ins Internet zu gehen. Zuhause haben wir noch nicht mal einen Computer und in der Schule erledigt Chloe immer die Recherchen. Ich bezahle zehn Dollar und kann dafür zwei Stunden ins Netz. Damit ist mein Taschengeld für diesen Monat so gut wie aufgebraucht. Lex würde mir sofort Geld geben, wenn ich ihn darum bitten würde. Aber das will ich nicht. Ich surfe quer durchs Netz und langweile mich irgendwie. Ich ertappe mich dabei, wie ich alle fünf Minuten nach der Uhr schiele. Die Zeit will einfach nicht vergehen. Zäh wie Sirup kriechen die Minuten dahin. Endlich sind die zwei Stunden vorbei und ich verlasse die Bücherei.

Ich überlege, ob ich zum Essen nach Hause gehen soll, entscheide mich aber dagegen. Mum oder Dad würden es mir bestimmt ansehen, dass ich nervös bin. Und genau das möchte ich vermeiden. Sie werden es schon früh genug erfahren. Ich betrete die nächstgelegene Telefonzelle und wähle die Nummer der Farm. ‚Bitte, lieber Gott, mach, dass Mum drangeht,’ flehte ich innerlich. Am anderen Ende der Leitung hob jemand ab.

„Kent Farm?“ So ein Glück, es ist tatsächlich Mum.

„Hi Mum,“ sage ich und bemühe mich, meiner Stimme einen festen Klang zu geben.

„Clark? Ist etwas passiert?“ Das ist mal wieder typisch Mum. Sie macht sich immer sofort Sorgen.

„Nein, nein,“ beruhige ich sie, „ich wollte nur Bescheid sagen, dass ich heute nicht zum Essen nach Hause komme. Petes Eltern haben mich eingeladen und wir müssen noch unser Geschichte – Referat vorbereiten. Es könnte also spät werden.“
Zum Glück sieht Mum nicht, wie ich rot anlaufe. Sie merkt immer sofort, wenn ich sie anlüge. Sie zögert mit der Antwort.

„Na gut,“ meint sie schließlich, „aber spätestens um zehn bist du wieder hier, okay?“ Mein Gott! Ich bin doch kein Kleinkind mehr. Aber um Mum nicht zu verärgern, willige ich ein.

„Okay, Mum!“

So, damit wäre das schon mal geklärt. Jetzt muss ich nur noch sehen, wo ich etwas zu essen auftreibe. Leider gibt es in Smallville weder ein McDonalds noch ein BurgerKing oder sonst was. Normalerweise mag ich auch kein Fast Food, das Essen meiner Mutter schmeckt dazu einfach viel zu gut. Aber so langsam merke ich, dass ich wirklich Hunger kriege, ich hätte eventuell heute Mittag doch noch ne zweite Portion nehmen sollen.

Als ich an einer Bushaltestelle vorbeigehe, kommt mir ein genialer Gedanke. Warum nicht nach Metropolis fahren? Dort werde ich Mum oder Dad bestimmt nicht in die Arme laufen. Doch aus meinem Plan wird nichts. Der letzte Bus nach Metropolis ist schon vor einer halben Stunde abgefahren. Einfach zu ärgerlich. Die Busverbindungen hier in Smallville sind einfach miserabel. Ein eigenes Auto müsste man haben, oder noch besser, gleich zwei Dutzend, so wie Lex.

Damit wäre ich wieder bei meinem eigentlichen Problem angekommen. Und das Schlimmste ist, mit jeder Minute, die ich hier untätig herumstehe, sinkt meine Laune ein Stück tiefer. Das ist wirklich nicht die beste Vorraussetzung für eine Offenbarung. Verflixt! Der Regen hat aufgehört und die Menschen kriechen wieder aus ihren Löchern. Bloß weg hier. Ich laufe in den Wald und schlendere ziellos hin und her. Wenn ich nur nicht soviel nachdenken würde. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich Lex tatsächlich von meinen sexuellen Vorlieben erzählen soll. Ich bin nämlich eigentlich hundertprozentig sicher, dass Lex eindeutig hetero ist. Victoria, Desiree und Helen sind ziemlich handfeste Beweise dafür. Aber wenn ich es ihm heute nicht sage, dann wohl niemals und das bedeutet, dass ich mir mein Leben lang Vorwürfe machen werde. Also werde ich es ihm sagen. Am besten sofort. Sonst traue ich mich sowieso nicht. Entschlossen mache ich mich auf den Weg zu seinem Schloss. Es sieht düster und unheimlich aus in der untergehenden Sonne. Ich frage mich, wie Lex es da so lange aushält, ohne Freunde, ohne Familie, nur mit einigen Angestellten. Mir wäre es viel zu groß und auch viel zu kalt, viel zu unpersönlich. Bevor ich klingele, werfe ich noch einen Blick auf die Uhr. Kurz vor sieben. Zu früh. Viel zu früh. Lex wird mich wahrscheinlich durch seine Sekretärin abwimmeln lasse, aber wenn ich es nicht zumindest versuche, werde ich wohl nie herausfinden, was er wirklich für mich empfindet.

Ein Angestellter öffnet mir und bittet mich herein. In der Zeit, in der wir befreundet sind, hat Lex es geschafft, seine Untergebenen so zu erziehen, dass sie keine dummen Fragen stellen, wenn ich mal wieder unangemeldet im Schloss auftauche. Ich bin erstaunt, dass mir auf dem Weg zu seinem Arbeitszimmer kein einziger Mensch begegnet. Wo sind die ach so wichtigen Geschäftspartner, wegen denen Lex mich in den letzten Wochen kaum beachtet hat? Wo ist diese arrogante Sekretärin, die mir mit ihrem falschen Lächeln erklärt, dass der Hausherr leider sehr viel zu tun hat und mich deswegen nicht empfangen kann?

Die Tür zum Wohnzimmer, wo Lex und ich uns normalerweise aufhalten, steht einen Spalt weit offen. Ich bleibe stehen und lausche. Mein Herz schlägt schneller, als ich Lex’ Stimme höre.

Anscheinend telefoniert er. Vorsichtig schiebe ich die Tür ein Stück weiter auf und riskiere einen kurzen Blick. Lex sitzt auf der Couch und hält sein Handy in der Hand. Er scheint wütend zu sein, denn er bezeichnet seinen Gesprächspartner als ‚unfähigen Vollidioten’. Vielleicht telefoniert er mit Dominic oder sonst einem seiner Angestellten. Leise schleiche ich mich ins Wohnzimmer und schließe die Tür hinter mir. Lex scheint mich noch nicht gehört zu haben. Er brüllt lauter unmögliche Schimpfwörter ins Handy. Das kann ich hier auf keinen Fall wiedergeben. Lex wirft das Handy auf den Boden, es zerbricht in viele kleine Einzelteile. Schade drum.

Lex dreht sich zu mir um und erschrickt. „Clark! Mein Gott, hast du mir einen Schrecken eingejagt. Ich habe dich gar nicht kommen hören.“

Ich bemühe mich, nicht rot anzulaufen und ihn nicht allzu auffällig anzustarren. Es fällt mir sehr schwer. Selten hat Lex so gut ausgesehen wie jetzt, zornig, mit einem Blitzen in seinen wunderschönen blauen Augen.

„Ich wollte nur mal sehen, ob du noch lebst.“ Origineller Witz. So etwas sollte ich lieber lassen, Sarkasmus ist eindeutig Lex’ Stärke, nicht meine. „Ich habe lange nichts mehr von dir gehört und da dachte ich, ich schneie hier einfach mal unangemeldet herein.“

Lex verzieht das Gesicht zu einem missglückten Grinsen. „Die Arbeit, du weißt ja...“ meint er entschuldigend und sieht mich zerknirscht an. Bei diesem Blick schmelze ich dahin. Am liebsten würde ich Lex umarmen, ihm zeigen, was ich für ihn empfinde, doch ich halte mich zurück.

„Ich verstehe schon,“ murmele ich, obwohl ich viel lieber genau das Gegenteil gesagt hätte. Ich weiß wirklich nicht, warum ihm seine Geschäfte so dermaßen wichtig sind. Gut, Geld verdienen muss jeder, aber doch nicht 24 Stunden am Tag. Man kann’s auch übertreiben.

„Und, wie geht es dir so?“ fragt Lex mich, aber ich spüre deutlich, dass es ihn nicht interessiert. Er wirkt gehetzt, genervt und irgendwie abwesend, so als würde er im Geist bereits die nächste Fusion durchgehen. Ich bin enttäuscht. Kann er nicht ein einziges Mal seine Geschäfte vergessen und das Leben einfach genießen? Ich glaube, mittlerweile weiß er schon gar nicht mehr, was das überhaupt bedeutet.

„Mir geht es schlecht, ich glaube, ich habe Krebs und ich werde aller Voraussicht nach übermorgen sterben,“ erwidere ich, in der Hoffnung, endlich mal seine Aufmerksamkeit zu erhalten. Doch weit gefehlt.

„Das freut mich,“ murmelt er und durchwühlt einige Papiere, die auf dem Tisch herumliegen. „Tut mir wirklich furchtbar leid, Clark, aber ich habe noch unheimlich viel zu tun. Könntest du eventuell morgen, oder nein, besser nächste Woche noch einmal vorbeischauen?“
Lex sieht mich bittend ihn. Normalerweise würde ich diesem Blick nicht widerstehen können, aber nicht heute. Erst muss ich mit ihm reden.

„Nein!“ sage ich nur.

„Nein?“ wiederholt Lex verblüfft. Ich sehe ihm an, dass er mit dieser Antwort nicht gerechnet hat.

„Nein. Zuerst muss ich mit dir reden.“

„Hat das nicht Zeit bis nächste Woche?“ Lex wird langsam ungehalten, das ist nicht zu überhören.

„Nein.“

Lex seufzt genervt. „Na schön. Aber mach's kurz!“

„Wollen wir uns nicht setzten?“ frage ich höflich, aber bestimmt und deute auf das Sofa. Lex zieht theatralisch eine Augenbraue hoch, sagt aber nichts und setzt sich. Ich merke, wie mein Herz schneller zu schlagen beginnt, als ich mich neben ihn auf das Sofa setzte. Nur wenige Zentimeter trennen uns und ich muss mir alle Mühe geben, mich auf das zu konzentrieren, was ich sagen will.

„Versprich mir, dass du nicht wütend wirst, egal, was ich auch sage, okay?“  

Lex sieht mich amüsiert an. „Hätte ich denn Grund, wütend zu werden?“ fragt er spöttisch.

Ich sehe schon, er will mich einfach nicht ernst nehmen. Na schön, das kann geändert werden. Mein Puls rast und ich wäre am liebsten ganz woanders. Wie soll ich es nur sagen? Lex sieht mich halb belustigt, halb erwartungsvoll an. Mein Gott, in diesen Augen könnte ich ertrinken.

„Vielleicht,“ murmele ich, „vielleicht aber auch nicht.“

„Ach Clark, nun mach's doch nicht so spannend. Sag schon.“ Lex rutscht ein Stück näher und sieht mich ungeduldig an. Jetzt oder nie.

„Lex, ich liebe dich!“ platze ich heraus. Oh Nein. Erde, tu dich auf und verschling mich. Noch plumper hätte ich es wohl kaum sagen können. Ich schiele zu Lex, will wissen, wie er reagiert. Gar nicht, anscheinend. Er sitzt immer noch da, sieht mich an, seltsam. Er probiert ein Lächeln, dass aber völlig misslingt.

„Ich mag dich doch auch, Clark, das weißt du,“ sagt er leise. Er rutscht weg. Nein, nur das nicht. Ist es Abneigung, die ich in seinen Augen lese?

„Nein, Lex, so meinte ich das nicht,“ rufe ich lauter als beabsichtigt, „ich liebe dich. Wirklich!“

„Tut mir furchtbar leid, Clark, aber...“

„Schon gut,“ unterbreche ich ihn. Ich weiß genau, was er sagen will. ‚Tut mir leid, aber ich bin hetero, tschüss, auf Nimmerwiedersehen’ oder etwas in der Art.

„Ich dachte nur, es wäre besser, wenn du es weißt.“

„Und?“ fragt er, mustert mich von oben bis unten. „Was erwartest du jetzt von mir?“

Das ist eine gute Frage. Ich will, dass er mich auch liebt, aber das wäre wohl zuviel verlangt.

„Ich weiß nicht,“ murmele ich und sage damit unbeabsichtigt die Wahrheit. Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie es weitergehen soll. Kann ich erwarten, dass wir weiter Freunde bleiben?

„Damit wären wir schon mal zu zweit.“ Ein Glück, Lex scheint sich schneller erholt zu haben als ich angenommen hatte. Er grinst mich an, aber ich merke trotzdem, dass er sich sehr unwohl fühlt. Ich kann's ihm nicht übel nehmen.

„Wir könnten Freunde bleiben,“ sage ich, vorsichtig hoffend. Doch Lex scheint da anderer Ansicht zu sein.

„Ich glaube, es wäre besser, wenn wir uns eine Weile nicht sehen,“ meint er wie nebenbei und steht auf. Ich habe es doch geahnt. Wie in Trance höre ich seine Worte, die für mich keinen Sinn ergeben. Ich spüre, wie sich erste Tränen ihren Weg nach draußen suchen.

„Lass uns doch noch mal darüber reden, bitte,“ flehe ich, doch Lex schüttelt traurig den Kopf.

„Gib mir etwas Zeit zum Nachdenken, okay? Das kommt alles so plötzlich.“

Nun gut, das verstehe ich. Das heißt, mein Verstand versteht das, doch mein Herz sagt etwas ganz Anderes. Ich kriege kein Wort heraus, mein Hals ist wie zugeschnürt, deshalb nicke ich nur. Lex scheint erleichtert.

„Wir sehen uns später, irgendwann, mal schauen,“ sagt er noch zu mir. „Bye.“

Kein ‚Auf Wiedersehen’. Nur ein lasches ‚Bye’. Ein ‚Ich – will – dich – nicht – mehr – sehen – Bye’. Das war's dann wohl. Kälte kriecht durch meine Adern, lähmt mich. Ich sehe Lex das Zimmer verlassen, mich ignorierend. Es ist vorbei. Ich merke, wie mir schlecht wird, ich kann dieses Zimmer, dass mich so sehr an Lex erinnert, nicht mehr ertragen. Ich muss raus hier.

Ich sehe nicht, wohin ich renne, ein Schleier aus Tränen trübt meinen Blick, aber das ist mir egal. Jetzt ist alles egal. Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Niemals wieder werde ich Lex besuchen können, mit ihm reden, seine Nähe spüren und für ihn da sein. Nie wieder. Es ist alles vorbei. Vergangenheit. Unwiderruflich verloren. Für immer.

Ich bin im Wald angekommen, der Tag neigt sich dem Ende zu. Ich lehne mich gegen einen Baum, werde von Weinkrämpfen geschüttelt, die ich nicht stoppen kann. Blutrot geht die Sonne hinter den Wipfeln unter, verlässt mich, mich und meinem Schmerz. Schmerz, der tief aus meinem Innersten kommt und den ich niemals wieder vergessen kann. Tränen vermischen sich mit dem einsetzenden Regen, er wäscht sie fort, jedoch nicht meine Trauer. Ich bleibe allein zurück, allein, verlassen und einsam. Ein letzter Sonnenstrahl zieht durch den Schatten des Waldes, dann verschwindet auch er.
Und mit ihm meine Seele.


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Die Experten unter euch wissen sicher schon längst, in welcher Staffel und in der Nähe welcher Folge diese kleine Geschichte angesiedelt ist ;) Eine Fortsetzung war damals mal in Planung, allerdings habe ich sie leider nie fertig geschrieben und ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals dazu in der Lage bin sie zu schreiben. Es ist immer dasselbe mit solch genialen Einfällen: Wenn man sie nicht sofort in die Tat umsetzt, landen sie in einer Ecke, setzen Staub an und werden schließlich vergessen. Reviews sind natürlich trotzdem erwünscht ;)

Floeckchen
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