Nachtgestalten

GeschichteRomanze / P12 Slash
22.07.2008
22.07.2008
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Titel: Nachtgestalten
Fandom: Nightrunners
Comment: Die zweite FF, die ich im Arttrade mit meiner lieben Grinsekatze schreibe – diesmal geht es so rum, dass sie die Zeichnung angefertigt hat, ich musste was dazu schreiben...
...
Sie ist irre, mir ein PORTRAIT zu geben! Aber ich habs doch noch lösen können...
Disclaimer: Ich habe nicht vor, mit Bantlam Books irgendwelchen Ärger zu bekommen – aber auch ohne dies weiß ich, dass Nightrunners mir nicht gehört, sondern Lynn Flewelling. Ich schreibe nur eine kleine, nette Szene dazu und das tu ich aus Spaß an der Freude und ohne kapitalorientierte Absichten.


Nachtgestalten

Watermead war wunderbar, wenn man eine Auszeit brauchte; er konnte sich keinen Ort auf der Welt vorstellen, wo er bessere Möglichkeiten hatte, mal alles sein zu lassen, wie es gerade war.
Radstraße hin, Lord Seregil her, Intrigen mussten ihn hier auch nicht interessieren und sein Leben war zur Abwechslung mal auch nicht in Gefahr... zumindest, solange Illia nicht auf die Idee kam, sich von ihm Huckepack nehmen zu lassen.
Doch... Watermead war der beste Ort der Welt, um mal alle Probleme von sich abzuschütteln.
„Seregil, gibst du mir mal bitte die Kartoffeln?“
Naja. Fast alle.
Er drehte sich zu Alec, um ihm die große Holzschale zu reichen. „Da.“
Ihre Finger streiften sich; kurz setzte Seregils Herzschlag aus, um dann – allerdings sehr beschleunigt – wieder einzusetzen.
„Danke... noch Fleisch?“
Er nickte. „Gerne... Kari, dein Bier ist verhext, es macht meinen Magen leer“, bemerkte er.
Die Hausherrin nahm zufrieden einen Schluck ihres eigenen, hervorragenden, in ihren Augen jedoch immer unzureichenden Gebräus. „Das hör ich doch gern.“
Das Abendessen war wie immer eine lärmende, laute, fröhliche Angelegenheit, genau die Art von Zusammenkunft, die Alec einem Bankett in der Radstraße jedes Mal vorziehen würde; er lachte, als Arna ihm erzählte, wie Beka als Kind mal in den Misthaufen gestolpert war(und war innerlich heilfroh, dass selbige nicht anwesend war), alberte mit Illia herum, erzählte von Elsbets Studium in der Tempelschule – nicht, dass die Dienstboten das nicht gestern schon gehört hätten, aber sie bekamen nie genug, wenn es um die beiden Mädchen ging, die jetzt den Haushalt verlassen hatten.
Arna machte eine Bemerkung über sie, bei der Alec es vorzog, auf seinen Teller zu schauen.
Kari bemerkte es und murmelte Micum zu: „Wenn Seregil sich auch nur minimale Chancen ausrechnet, sollte er sich beeilen, ehe Arna Alec verheiratet hat und es zu spät ist.“
Micum schielte sie von der Seite her an. „Wie bei mir, meinst du?“
Grinsen.
Seregil wandte sich zu ihnen um. „Kari, hast du noch etwas von diesem köstlichen Bier?“ Seiner Natur entsprechend ließ er nicht durchblicken, ob er die kurze Unterhaltung mitbekommen hatte – was natürlich der Fall war.
Kari stand auf und huschte, ihren anschwellenden Bauch vor sich herschiebend in die Küche, kehrte mit der Kanne zurück und schenkte ihm ein.
„Dank dir.“ Er trank einen Schluck. „Ah... hervorragend.“
Kari lachte schief. „Sagen wir, es ist trinkbar. Magst du auch noch etwas, Alec?“
Alec schüttelte lachend den Kopf. „Nein... zwei Krüge reichen mir... besser, ich betrink mich nicht.“
Seregil lachte. „Soll ich dich dran erinnern, wenn wir mal wieder ein paar Soldaten im Haus haben?“
„Naja...“, meinte Alec trocken. „Zu was anderem ist der Inhalt deines Weinkellers ja nicht geeignet.“
Kari lachte.
Micum lachte.
Der ganze Haushalt lachte.
Und Seregil warf gespielt verzweifelt die Hände in die Höhe. „Deine Geschmacksnerven sind einfach nichts Feines und Erlesenes  gewöhnt!“
Alec blinzelte milde zu ihm herüber. „Ach... ich bin mit meinem Geschmack eigentlich recht zufrieden.“
Kari wandte schnell das Gesicht ab und schenkte Ranil nach. Vielleicht, so hoffte sie zumindest, hatte Seregil ja doch bessere Chancen, als er selbst dachte.

Das Abendessen endete bald danach, die Familie saß noch zusammen und ließ sich von Seregil und Alec noch ein wenig mit Musik unterhalten.
„Deine Stimme ist besser geworden, Alec“, meinte Kari, als er und Seregil ein Sauflied beendeten, das sie im Duett vorgetragen hatten.
„Hm... ja?“ Alec sah verlegen auf seine Hände. „Danke.“
„Ich trieze ihn ja auch ab und an mal damit“, grinste Seregil zufrieden. „Er wollte ja eine Bardenausblidung – jetzt hat er sie.“
„Reichlich spät, denkst du nicht?“, schoss Alec trocken zurück.  „Seit ich dich kenne, hast du mich zu allem Möglichen ausgebildet, nur den Barden hast du bis vor Kurzem gekonnt vernachlässigt.“
Von Seregil kam ein reumütiges Grinsen. „Aber besser spät als nie, was?“
Illia gähnte in diesem Moment leise und Micum stand auf, um seine Tochter – den leisen Protest ignorierend – ins Bett zu bringen.
Als er nach wieder nach unten kam, meinte er: „Ich denke, wir sollten auch langsam schlafen gehen...“ ein gähnendes Strecken, seine Knochen knackten, „Gute Nacht, ihr Beiden.“
Auch Seregil und Alec erhoben sich, Alec war Kari beim Aufstehen ein wenig behilflich, denn schon jetzt begann der Schwangerschaftsbauch, ihr Schwierigkeiten zu machen. Und dann zogen auch sie sich in das Gästeschlafzimmer zurück.
Seregil drehte sich – wie er sich immer wieder versicherte aus Respekt vor Alecs Schamhaftigkeit – um, als sie sich auszogen, dennoch konnte er sich nicht verkneifen, einen Blick über die Schulter zu werfen.
Er sah schnell wieder weg, ehe er noch irgendwelche offensichtlichen Reaktionen zeigte auf den Anblick, der sich ihm bot.
Das Bild ließ sich dennoch nicht verdrängen, Alecs schlanker, sehniger Rücken, die kräftigen Muskeln, die honigblonden Haare, es drängte sich wieder vor seine Augen.
Dazu die Vorstellung dieser kräftigen, geschickten, sanften Finger auf seiner Haut...
Schluss damit, schalt er sich selbst und legte sich hin. Die Matratze neben ihm senkte sich, als Alec sich ebenfalls hinlegte.
„Nacht...“
„Nacht... Bardenlehrling“, murmelte Seregil zurück.
Alec lachte leise.
„Sag nicht, du bist deswegen immer noch sauer auf mich.“
„Nicht sehr...“ Alecs Stimme wurde schläfrig. „Ich hab ja wirklich viel anderes gelernt... und...“
„Hm?“ Alecs Kopf rollte schlafschwer gegen seine Schulter.
Seregil seufzte leise und einen Moment lang wünschte er sich, genauso unschuldig daliegen zu können, ohne dieses Bedrüfnis, Alec nahe an sich heranzuziehen.
Oder...
Er schob die Überlegung in die hinterste Kammer seines Denkes, noch ehe er sie zum Ende geführt hatte.
Und irgendwann – endlich – kam der Schlaf dann auch zu ihm.

Er konnte nicht allzu lang geschlafen haben, ihm war, als hätte er eben erst die Augen geschlossen.
Außerdem war es draußen immer noch stockdunkel, so wie gerade eben, als er eingeschlafen war.
Der einzige Unterschied war, dass er allein im Bett lag.
Alec war nicht da.
„Alec...“
Wie erwartet erhielt er natürlich keine Antwort.
Aus irgendeinem Grund wusste er, dass Alec unten war, also stand er auf, zog sich – im Gedanken an die weiblichen Hausbewohner – die Hose an und ging nach unten.
Im matten Licht einer Kerze glommen Alecs Haare auf wie ein Heiligenschein auf den Bildern im Illiotempel von Rhimminee.
„He.“
Alec drehte sich um. „Oh. Hallo...“
„Kannst du nicht schlafen?“
„Du auch nicht, wie es scheint.“, meinte Alec und stand auf, trat vor ihn, genau wie Seregil trug er nur eine Hose, die locker zugebunden um seine Hüfte rutschte.
Seregil fühlte Alecs Körperwärme zu sich herüberstrahlen, seinen Geruch, und er hob eine Hand, um sie auf Alecs Arm zu legen.
Alec jedoch ging an ihm vorbei. „Wir sollten wieder hoch... es wird langsam kalt hier unten.“ Ein langer Blick zu Seregil zurück; er blies die Kerze aus, folgte Alec nach oben und einen Moment lang durchzuckte seinen Körper eine Mischung aus Hoffnung, Lust und Unsicherheit; was war mit einem Mal in Alec gefahren?
Es verging schnell.
Alec öffnete die Tür, sah wieder zu Seregil zurück, ein langer, intensiver Blick, den Seregil gar nicht von Alec kannte, der ihm, aber einen heißen Schauer durch den Körper jagte.
Ein Schritt, die Tür fiel nach einem Fußtritt von ihm zu, er legte die Arme um Alec, zog ihn an sich, ihre Lippe trafen sich. Der Körper in seinen Armen wurde nachgiebig, schmiegte sich enger an ihn, als sie den Kuss vertieften.
Seregil schob ihn Richtung Bett, sie fielen übereinander, Alecs Finger glitten über seine Seiten, zu seinem Hosenbund.
Er drehte sich, rollte von Alec hinunter, um besser an seine Hose heranzukommen...

Und fiel aus dem Bett, wach, noch halb im Traum gefangen, erregt – und mit absolut widerlichen Kopfschmerzen.
„Au...“
Er hörte die Matratze knarren.
„Seregil?“ Alecs Stimme hauchte leise durch das Dunkel.
„Schon gut...“, flüsterte er peinlich berührt zurück, „habe ich dich geweckt?“
„Nicht schlimm...“ Alec robbte zum Bettrand, sah zu ihm hinunter. „Bist du in Ordnung?“
„Ja...ich geh nur mal kurz runter.“ Er tastete nach seinem Hemd, das zum Glück alles verdeckte, was verdeckt gehörte.
„Hm...“
Seregil hörte ein Knarzen und er wusste, Alec war bereits wieder eingeschlafen.
Langsam, behutsam verließ er den Raum, ging nach unten vor das Haus und dort verschaffte er sich trotz der widerlichen Winterkälte erst einmal Erleichterung, das Bild von Alecs nacktem Körper vor Augen, sein Gesicht, die dunkelblauen Augen, die die feinen Züge beherrschten, die sinnlichen Lippen.
Das Lächeln aus seinem Traum...
Keuchend ließ er sich gegen die Hauswand sinken.
Dann, nach einer Weile wischte er sich die klebrige Hand im Schnee ab, ging zurück nach oben und legte sich wieder hin, peinlich darauf bedacht, Alec nicht zu nahe zu kommen, auch um ihn durch seinen kalten Körper nicht wieder zu wecken.
Dieser Traum war albern. Dumm und albern.
Alec würde ihn bei aller Zuneigung, die ja offensichtlich vorhanden war, niemals so nahe an sich heranlassen, geschweige denn, selbst auf ihn zu gehen.
Seregil seufzte leise, als nach einer Weile der blonde Kopf wieder an seine Schulter rollte; damit würde er sich wohl zufrieden geben müssen.
Immerhin, so dachte er matt, war es wahrscheinlicher, dass er und Alec in irgendeine abstruse alte Prophezeiung der Orëska verwickelt wurden und irgendwann in Plenimar landeten. Doch... das war um einiges wahrscheinlicher, als dass Alec seine Gefühle so erwiderte, wie Seregil es gebraucht hätte, um einmal nicht das Herz gebrochen zu bekommen.Er schloss die Augen, den weichen, einschmeichelnden Geruch in der Nase, der Alecs Haaren entrömte.
Aber wenigstens hielt sich sein Körper dieses Mal im Zaum.

Alec hatte sich in Seregils Abwesenheit wieder auf seine Seite gerollt; dabei hatte seine Nase Seregils Kopfkissen gestreift, einen Moment lang hatte er seinen Geruch sehr intensiv wahrgenommen.
Der Traum.
Er hatte seltsam geträumt, da war er sich sicher. Seregils Poltern hatte ihn aufgeweckt... aber er wusste nicht mehr, was er geträumt hatte, nur, dass es gut gewesen war...
Hm...
Seregils Geruch...
Er nahm noch eine Nase voll, schloss die Augen – und als Seregil zurück kam, war er schon wieder fast eingeschlafen.
Und selbst im Schlaf rutschte er wieder nahe an ihn heran.

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Seien wir dankbar, dass Seregil so schlecht kalkulieren kann... oder... auch nicht.
Ich weiß, dass das nicht mein bestes Werk ist, aber ich denke, das ist immer so, wenn ich in einem neuen Fandom anfange - ich brauch drei, vier Geschichten, um mein übliches Niveau zu halten. Unzufrieden bin ich damit trotzdem nicht, sie ist niedlich geworden - vielleicht überarbeite ich sie irgendwann noch mal.

BTW: Das war die Vorlage zu diesem Wahnsinn. http://cheezycat.deviantart.com/art/Nightrunner-Artrade-Alec-90855779
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